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Sonntag, 1. Mai 2022

Stirb langsam (Die Hard, 1988)

Stirb Langsam - der deutsche Titel ist mal wieder eine dumpfbackige Verballhornung des Originaltitels, welcher richtig übersetzt etwa "nicht totzukriegen" oder "nicht aufgeben" bedeutet. Stirb Langsam klingt eher nach einem Sado-Folter-Filmchen als nach dem Action-Kracher, der Die Hard in Wahrheit ist.

Nicht totzukriegen ist der hartgesottene New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis), der durch Zufall Zeuge eines grossangelegten Raubüberfalls in einem Hochhaus in LA wird. Eine bis an die Zähne bewaffnete und mit allerlei Explosiva hochgerüstete Bande deutscher Krimineller um Mastermind Hans Gruber (Alan Rickman in seiner legendären ersten Filmrolle) überfällt eine geschäftliche Weihnachtsfeier in der Mitte des noch halb im Bau befindlichen und sonst leerstehenden Nakatomi Plaza Tower und verlantg Zugang zu den reichhaltigen Tresorräumen des Chefs.

Von McClanes Anwesenheit wissen die bösen Deutschen zunächst nichts; dieser versucht den ganzen Film über, unter höchster Lebensgefahr und mit zunehmend schwereren Blessuren, die Bösewichte auszutricksen und auszuschalten. Die wilde Hatz tobt durch's halbe Hochhaus, durch schwindelerregende Liftschächte, Lüftungsrohre, auf dem Dach, an der Fassade und durch die im Bau befindlichen Stockwerken.

Das war die Kurzfassung (es ginge noch kürzer: "bumm, bumm, baller, schepper, krach").
Die Hard ist aber mehr als das: John McTiernans Werk ist einer jener seltenen Filme, die es schaffen, inmitten einer atemlos sich abspulenden Thriller-Handlung scharf gezeichnete Nebenfiguren zu integrieren und diese mit einer eigenen Geschichte auszustatten. Das geschieht zwar alles Skizzenhaft, aber diese Skizzen sind so präzise, so auf's Wesentliche eingedampft, dass sie lebendig wirken. Die Macher brauchen nur etwa drei Minuten, und schon kommt uns der Titelheld wie ein alter Bekannter vor. Alles dank kleiner Gesten, knapper Dialogzeilen und kleiner, beiläufig eingestreuter Beobachtungen.

Die Drehbuchautoren Jeb Stuart und Steven E. de Souza haben hier punkto Erzähl-Ökonomie und dramaturgischer Verknappung grandiose und vorbildhafte Arbeit geleistet. Jede Drehbuchklasse täte gut daran, diese Vorlage zu studieren und zu analysieren.
Die Inszenierung ist so gradlinig und dynamisch wie es das Drehbuch verlangt, filmhandwerklich ebenso vorbildlich und studierwürdig wie das Drehbuch. 

So ist Die Hard trotz einiger Abstriche ein perfekter Actionfilm, wie man ihn sich besser nicht vorstellen oder wünschen kann - auch die nötige Prise Humor fehlt nicht. (Die Abstriche wären: Gut-Böse-Schema ohne Zwischentöne; das Finale ist so richtig "over the top" und somit schon recht unglaubwürdig - aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau).
Schöngeister werden wegen fehlendem Feinsinn die Nase rümpfen - doch ich meine, von diesem Streifen könnten sich viele anämische europäische, Subventionen empfangende Filmemacher eine Scheibe abschneiden: So sieht gutes Erzählkino aus!

Der Film ist auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich. Zudem ist er bei vielen Streaming-Anbietern zu finden.

Ferner liefen
Unter diesem Titel werden jene drei anderen im Voraus zur Sichtung erkorenen Filme kurz angerissen, die gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. 

Die Sage von Anatahan (Anatahan, 1953)
Ein lange verschollener Film: Josef von Sternbergs letztes, zur Gänze im Studio gedrehtes Werk, mit ihm als Autor, Regisseur, Kameramann und Erzähler in Personalunion. Und mit Japanischen Schauspielern.
Anatahan lässt mich relativ unbeeindruckt zurück. Von Sternberg mit seinen ewigen Femme Fatales... Ächz!
Er inszeniert eine Art "Prä-Herr-der-Fliegen" auf einer einsamen japanischen Insel (namens "Anatahan"), wo ein ganzer Trupp Männer strandet, auf der jedoch bereits eine (einzige) Frau lebt.
Klar, was da abgeht... Klar, dass sie ihre Position ausspielt... Klar, dass wir uns in einem von-Sternberg-Film befinden.
Wie gewohnt bei diesem Regisseur: Tolle Ausstattung, ein ganzer Dschungel im Studio nachgebaut, aber wie üblich misst von Sternberg dem Look mehr Gewicht bei als der Dramaturgie: Es schleppt.
Sternbergs Narration klingt gestelzt und geschraubt, genauso, wie man sich einen Regisseur in der Rolle eines Schauspielers vorstellt.
Trotz des vielen Zuspruchs, der diesem Film unter Filmspezialisten zuteil wird: Ich werd' nicht warm damit. Genauso wenig, wie ich mit vielen anderen Filmen dieses Regisseurs warm werde...

The Muppets Most Wanted (2014)
Als Jungendlicher verpasste ich keine Muppet Show im Fernsehen. Die 20-minütigen Folgen spielten alle in der abgezirkelten Puppen-Welt eines kleinen Theaters, in welche jeweils ein Gaststar aus Fleisch und Blut eingeladen wurde.
Die Filme - jedenfalls die beiden neusten und ich spreche nur von denen (die anderen kenne ich alle nicht) - also, die Filme drehen dieses Prinzip um und die Puppen kommen in die reale Welt. Und das funktioniert einfach nicht. Respektive, es funktioniert nur, wenn man die "reale Welt" grotesk überzeichnet und daraus einen Ort macht, an welchem das Auftauchen von Handpuppen auch nicht weiter auffällt.
Aber dann stellt sich die Frage: Wozu die Welt soweit verfremden, dass sie zu den Muppets passt? Eine Welt, in der auch die Menschen wie Muppets agieren? Antwort: Damit man die Muppet-Truppe auch im Kino ausschlachten kann.
Damit ist gesagt, dass das Kino-Konzept nicht wirklich
funktioniert; die Muppets gehören in "ihre" Welt, am besten ins 20-Minuten-TV-Format.
James Bobins Film ist zwar streckenweise ganz lustig, aber die Puppen entwickeln kein Eigenleben, das abendfüllend wäre. Die von echten Schauspielern verkörperten Figuren auch nicht. Somit läuft sich Muppets Most Wanted nach ca. 30 Minuten tot. Einige der schmissigeren Gesangsnummern wecken die Lebensgeister der Zuschauer zwar zwischenzeitlich, aber im Grunde vermag die behämmerte Geschichte um ein verbrecherisches Kermit-Double herzlich wenig Interesse zu wecken - jedenfalls nicht bei mir.
Einzig der singende Danny Trejo ist Gold wert - und der verbale Gag mit dem Muppet-Werbeplakat in Berlin ("Die Muppets"). Rowlf: "Die Muppets? Somebody really doesn't like us here!"

Den Sternen so nah (The Space Between Us, 2017)
Was passiert mit einem Menschen, der in einer Kolonie auf dem Mars aufgewachsen ist und zur Erde reist? Diese Frage steckt in der Synopsis von Peter Chelsoms The Space Between Us drin. Sie war der Grund, weshalb ich mir diesen Film angeschaut habe.
Der Streifen verschenkt sein Potential allerdings, und das ziemlich ausgiebig.
Zunächst spult er eine ellenlange Vorgeschichte ab und leitet her, wie es zur Geburt eines Jungen auf dem Mars kommt; sie ist derart unglaubwürdig, dass mich der Film bereits während der Exposition verloren hatte.
Was danach folgt, ist eine rührende Liebesgeschichte, bei der sich allerdings immer mehr die Erkenntnis in den Vordergrund drängt, dass der ganze Science-Fiction-Überbau ein ausufernd konstruierter, weit hergeholter Vorwand für eine tragische Teenie-Schnulze ist: Eine gute Prise von "ich fühl' mich hier wie ein Ausserirdischer" gehört schliesslich in jeden Teenie-Film.
Für Teenager ist er möglicherweise geeignet, alle anderen Altersgruppen können The Space Between Us getrost überspringen

Nach diesem kurzen Versuch kehre ich wieder zurück zu meiner ursprünglichen Veröffentlichungspolitik: Es erscheint erst wieder ein Blogartikel, wenn ich einen wirklich guten Film zu sehen bekommen habe; die weniger guten werden unter "ferner liefen" nach dem Hauptartikel kurz abgehandelt.


Sonntag, 3. April 2022

Jurassic Park (1993)


In Bezug auf Haltbarkeit gibt es drei Arten von Filmen: Solche, die schlecht altern (die Mehrzahl), jene, die trotz ihre Alters frisch und knackig bleiben und solche, deren Zeit erst später kommt (einige ganz wenige).
Steven Spielbergs Jurassic Park kann zu den letzten beiden Gattung gezählt werden. Er erzählt von den Gefahren biologischer Forschung und deren Ergebnissen. 

Im geheimen Biolabor des reichen Briten John Hammond (Richard Attenborough) ist es Forschern gelungen, eine ausgestorbene Lebensform durch klonen wieder zum Leben zu erwecken. Doch das ist Hammond nicht genug. Er will die Errungenschaft seiner Wissenschaftler in einem "Amusement Park" zugänglich machen. Dieser heisst "Jurassic Park" und will wiedererweckte Dinosaurier gegen Eintrittsgeld zur Schau stellen. 

Damit nahm sich der Film (und vor ihm Michael Crichtons Buchvorlage) warnend zwei bereits 1993 vorhandene problematische gesellschaftliche und wissenschaftlichen Tendenzen vor: Verantwortungsloses Herumbasteln an den Grundbausteinen der Schöpfung und blinde Vergnügungssucht. Beide haben sich inzwischen, mit Ausbruch des künstlich gezüchteten Covid-Virus, als fatal erwiesen.
Dass Covid in einem biologischen Forschungslabor in Wuhan "designt" wurde, steht heute zwar zu 99% fest, doch eine mit Brot und Spielen blöd und willfährig gehaltene Mehrheit lässt sich von Anthony Fauci
und Christian Drosten im Verbund mit den staatlich finanzierten und gesteuerten Medien noch immer den Bären mit den Fledermäusen aufbinden und erzählen, Wuhan sei eine "Verschwörungstheorie".

In Spielbergs Film (Drehbuch von Michael Crichton selbst, ergänzt von David Koepp) sind die gezüchteten Viecher zwar ungleich grösser als die heutige Menschheitsbedrohung aus dem Biolabor, doch die Gefahr bleibt dieselbe. Wie Dr. Malcolm (Jeff Goldblum) an einer Stelle im Film zu bedenken gibt: Es war von der Schöpfung nicht gedacht, dass Menschen und Dinosaurier zusammen existieren - und das hatte gute Gründe.

Jurassic Park führt denn auch anschaulich vor Augen, weshalb: Für die paar Besucher, denen Hammond seinen Park vor der Eröffnung vorführen möchte, wird der Aufenthalt wegen eines Stromausfalls zum Alptraum. Die plötzlich frei gekommenen Biester stellen punkto Fressgier, List und Masse alles in den Schatten, was der Mensch zu bewältigen im Stande ist. Mit anderen Worten: Er hat keine Chance.
Den Hauptpersonen (zwei Paläontologen, ein Chaostheoretiker und zwei Kinder) geschieht zwar dank eines mit vielen gütigen Vorsehungen gespickten Drehbuchs nichts, doch das anschliessende Happy End täuscht: Auf der Insel laufen noch immer raubgierige Raptoren frei herum - und dann sind da noch die Saurier-Embryonen, welche ein geldgieriger Mitarbeiter nach draussen schmuggeln und für teures Geld verhökern wollte. Auf der Flucht fiel ihm der Behälter mit den eisgekühlten Embryonen irgendwo auf der Insel in den Schlamm, wo sie sich in der Folge unentdeckt und in aller Ruhe zu wüsten Überraschungen für die Menschheit entwickeln und vermehren können...

Vieles vom Drehbuch ist sehr schön konzipiert, so etwa die menschliche Entsprechung der fressgierigen Carnivoren im geldgierigen Mitarbeiter. Der Umstand, dass der wissenschaftliche Machbarkeitswahn nicht bösen Gedanken sondern der Naivität und der Showbusiness-Mentalität des kindlichen Parkbesitzers entspringt, ermöglicht zudem eine ironische Note, mit der sich der Film und seine Macher selbst aufs Korn nehmen.

Doch leider ist das Drehbuch - oder zumindest Teile davon - auch der Schwachpunkt dieses brilliant inszenierten Films. Die Figuren sind flach und eindimensional, einige thematische Aspekte wirken unausgereift und die Erzählung holpert an einigen Stellen.
Angesichts der hervorragenden Spannungsdramaturgie, der brillianten Regieeinfälle und der Aktualität, die Jurassic Park in zunehmendem Masse hat, sind das aber eher vernachlässigbare Aspekte.

Der Film ist auf DVD und Blu-ray erhältlich, zudem haben ihn zahlreiche Online-Anbieter im Sortiment.

For the record:
Bevor ich auf der Suche nach einem rezensionswürdigen Film bei Jurassic Park hängen geblieben bin, habe ich es mit folgenden Filmen erfolglos versucht:  

Kirschblüten - Hanami (Deutschland, 2008)
Doris Dörries Film über ein altes Ehepaar (Elmar Wepper und Hannelore Elsner) kracht nach einer annehmbaren ersten Hälfte komplett in sich zusammen. Die erste Hälfte imitiert Jim Jarmush, der zweite Teil (der in Japan spielt) ist peinlich bis über die Schmerzgrenze. Die Japan-Reise, die Rudi seiner Frau jahrzehntelang versagt hat, unternimmt er nach deren Tod alleine - eine Ungeheuerlichkeit. Und dabei versucht der Film auch noch, auf die Tränendrüse zu drücken. Zum davonlaufen!

Ernst sein ist alles (The Importance of Being Earnest, 2002)
Bla bla bla... Kinoadaptionen von Theaterstücken sind oft allzu geschwätzig. Grosse Theaterstücke lassen sich zudem nur selten erfolgreich auf Kinoformat zusammenstutzen - vor allem dann nicht, wenn man sich ihnen mit übertriebenem Respekt nähert.
Diese Umsetzung von Oliver Parker ist nett, aber trotz guter Schauspielerinnen und Schauspieler nichtssagend.

Quigley, der Australier (Quigley Down Under, 1990)
Wie originell (gähn): Altbekannte Western-Versatzstücke werden in diesem Film nach Australien verschoben, die ausgebeuteten Indianer mit ausgebeuteten Aborigines ersetzt und fertig ist ein Western, der ausser der australischen Landschaft nichts Neues bringt. Der Fokus auf unterdrückte Ureinwohner ist zwar lobenswert, aber die richtige Haltung allein hat noch nie einen guten Film gemacht...

Mission (The Mission, 1986)
Das Wiedersehen mit diesem gefeierten und hoch dekorierten Film, 36 Jahre nachdem ich ihn das erste Mal gesehen hatte, hinterliess genau denselben Eindruck wie damals: Ein visuell eindrucksvolles, vordergründiges, artifiziell aufgeblasenes Geschichtsepos, das trotz wahrem Hintergrund in dieser Form unglaubwürdig wirkt und mit viel Schwulst gewaltig nervt. Gute Schauspieler, mittelmässige Regie, schlechtes Drehbuch.

Die Müssiggänger (I Vitelloni, Italien 1953)
Ein Zeitbild aus dem Italien der 50er-Jähre um eine Gruppe Männer, die dem Müssiggang frönen. Federico Fellinis erste Filmregie.
Sehr gut inszeniert, aber: So what?! Was hat uns der Film heute zu sagen? Hmm...
Wer unbedingt will, soll sich ruhig mit dem Problem "junge verantwortungsscheue Männer im Italien der Nachkriegszeit" befassen. Mich kümmern heutige Dinge stärker: Krieg, Covid, staatlich verursachter Energiemangel, gesellschaftliche Spaltung, das Verschwinden der Demokratie in europäischen Staaten, Klimawandel...
Muss ich noch mehr sagen?

Der schwarze Spiegel (The Dark Mirror, 1946)
Olivia De Havilland in einer Doppelrolle als Zwillingsschwestern - dafür wurde sie gefeiert. Der Film enttäuscht allerdings: Nach einem interessanten Start ergeht er sich in ernst gemeintem laienpsychologischem Quark, der damals möglicherweise solide wirkte, heutigen Erkenntnissen aber nicht stand hält.
Schauspielerisch eindrucksvoll, aber effekthascherisch. Je länger der Film dauert, desto unglaubhafter wird er.

Die Frau mit der Narbe / Erpressung (A Woman's Face, 1941)
Joan Crawford mit von schlecht drapiertem Make-Up verunstaltetem Gesicht t
ritt hier als Erpresserin auf, die geläutert wird. Der von George Cukor bildnerisch toll gestaltete Film verschenkt sein Potential an eine umständliche und ermüdende, in Rückblenden und mit permanent wechselnder Szenerie operierende Erzählstruktur. Nach 20 Filmminuten tappt man über die Handlung noch immer im Dunkeln. Die mit grösstmöglicher emotionaler Distanz gezeichneten Charaktere erstickten mein permanent absterbendes Interesse vollends.

Show Boat (1936)
Die erste Filmversion des berühmten Musicals stammt von... James Whale (Frankenstein, The Old Dark House)!
Hervorragend inszeniert, doch der Film funktioniert hetue kaum mehr, er ist komplett veraltet,
obwohl er damals mit den in eine Handlung integrierten Songs Neuland betrat. Die singenden Schauspieler wirken aus heutiger Sicht steif und deplatziert.

Donnerstag, 18. Juni 2020

Der jüngste Tag (When Worlds Collide, 1951)




When Worlds Collide (dt.: Der jüngste Tag, 1951)
Mit Richard Derr, Barbara Rush, Peter Hansen, Larry Keating, John Hoyt, Hayden Rorke, Stephen Chase, u.a.
Drehbuch: Sydney Boehm nach einem Roman von Edwin Balmer und Philip Wylie
Regie: Rudolph Maté
Musik: Leith Smith
Kamera: W. Howard Greene und John F. Seitz
Genre: Science-Fiction, Action

Studio: Paramount
Kino/TV-Auswertung im deutschsprachigen Raum: Kino-Premiere im Mai 1952
Dauer: 88 min
Farbe: color


Als ein Wissenschaftler eines Observatoriums in Südafrika verlauten lässt, dass nach seinen Berechnungen ein Planet namens Bellus und dessen Trabant Zyra auf die Erde zurasen und eine Kollision unausweichlich sei, wird er von der Fachwelt zunächst ausgelacht. Als man seine Prognose bestätigt, wird mit der finanziellen Hilfe einiger Millionäre eine riesige Rakete gebaut, welche 40 Menschen und eine Vielzahl von Tieren nach Zyra bringen soll, denn auf dem Trabanten sollen erdähnliche Bedingungen herrschen. Fieberhaft wird gebaut, während der Countdown läuft und das Ende der Welt unaufhaltsam näher rückt...

Von schlecht gealterten Filmen heisst es oft, zur Zeit ihrer Entstehung hätten sie eine ganz andere Wirkung gehabt. Was uns Heutigen an alten Science-Fiction-Filmen altbacken und handgestrickt vorkomme, hätte damals den aufregenden Geruch des Neuen gehabt.
Nachdem ich When Worlds Collide gesehen habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Film nicht bereits 1951 keinen guten Eindruck machte. Die Tricktechnik ist ja nur eine Komponente. Das Drehbuch ist eine andere - und hervorragende Drehbücher gab es damals schon. Ein schlechtes fiel gewiss auch 1951 als solches auf. 

Kritiker Bosley Crowther von der New York Times berichtete von der Filmpremiere: "[...] the drowsy audience at The Globe, where the film opened yesterday, showed slight interest. It appeared sceptical and even bored." Das Premierenpublikum wirkte skepisch und gelangweilt.

Drehbuchautor Sydney Boehm war offensichtlich mit der Aufgabe überfordert, die zahlreichen kühnen Gedanken und spannungsreichen Elemente der Vorlage unter einen
Hut zu bringen. Es waren zuviele für einen Film.
Allein die Reaktionen von Gesellschaft und Politik auf die herannahende Gefahr wäre bereits abendfüllend; das moralische Dilemma der Selektion (wer darf mit in die Rakete?) ebenfalls; die psychischen Auswirkungen des Wissens um das nahe Ende der Erde hätte einen weiteren Film ergeben. Dann sind da ja noch die Verheerungen, welche das Vorbeiziehen des Mondes auf der Erde verursacht und die Reaktionen darauf; der Wettlauf der Raketenbauer gegen die Zeit, der Aufstand der Zurückgelassenen; schliesslich das Zurechtfinden in der neuen Welt.
All diese Themen tippt Boehms Drehbuch an, zum Vertiefen bleibt aber keine Zeit. So entfaltet sich weder richtige Spannung noch kann das Gefühl echter Bedrohung aufkeimen.


Der Film konzentriert sich ab der zweiten Hälfte auf die äusserlichen, Spannung versprechenden Elemente - und wirft dabei den menschlich-gesellschaftlichen Faktor, der untrennbar mit der Thematik verbunden ist, über Bord; dies führt dazu, dass man jegliches Interesse an den Schablonen-Figuren auf der Leinwand verliert. Eine mehr als oberflächliche Charakterzeichnung der Hauptprotagonisten gibt es nicht.
Beinahe atemlos hetzt der Streifen von einem Thema zum nächsten hakt hier was ab und dort etwas. Irritierenderweise und scheinbar widersinnig werden dagegen zwei über Gebühr in die Länge gezogene Sequenzen eingeschoben, die sich im Nachhinein auch noch als überflüssig erweisen - die Rettung eines kleinen Jungen und der lange Disput der Wissenschaftler um die Zuverlässigkeit der eingangs erwähnten Katastrophen-Prognose.

Falls je ein Remake des Streifens in Erwägung gezogen wird, man müsste es als Mini-Serie konzipieren; in dieser Form könnte die Vorlage, ein Roman aus den Dreissigerjahren, das darin vorhandene Potential besser entfalten.
Allerdings müsste vorher einiger Blödsinn ausgeräumt werden, der in der Verfilmung von 1951 - im Unterschied zum Buch - vorhanden ist; etwa den Umstand, dass sich bei den den Auserwählten zwar verschiedene Tierrassen finden, bei den Menschen aber nur eine Nation und einer Rasse berücksichtigt wurde (wie lange dauert es wohl, bis sich die antirassistische Gesinnungs-Polizei auf den Film einschiesst?). Oder die Tatsache, dass keiner von den Auserwählten den auf der Erde Zurückbleibenden, dem Tode Geweihten auch nur einen Gedanken widmet, geschweige denn eine Träne nachweint. Oder dass die Erdbevölkerung richtiggehend besonnen auf ihr Ende zudämmert.
Auch die weihevolle, zaunpfahlartige Bibel-Analogie, welche die ersten Filmminuten ziert und daran erinnert, dass ursprüglich Cecil B.DeMille den Film machen wollte - sie darf auch ausgelassen werden; so begriffstutzig sind die Zuschauer auch wieder nicht, als dass sie aus der Handlung heraus nicht selbst darauf kommen würden. 


Die unbefriedigen erzähltechnischen Umsetzung ist das Eine; auf der visuellen Ebene hat When Worlds Collide mehr zu bieten. Die Bildgestaltung ist faszinierend und die satten, charakteristischen Technicolor-Farben werten diese noch auf - der Film ist eine Augenweide. 
Tricktechnisch ist er auf der Höhe der Zeit, man merkt, dass Stop-Motion-Spezialist George Pal (Kampf der Welten, Die Zeitmaschine) auf dem Produzentenstuhl sass. In diesem Bereich hat der Film denn auch einige durchaus starke Momente; die Raketenabschussrampe und der Blick auf die geflutete Stadt New York sind tricktechnisch auch aus heutiger Sich verblüffend gut gelungen.
Vor diesem Hintergrund erstaunt dann aber wieder das amateurhate Schlussbild, das Panorama, das sich den Flüchtlingen von ihrer neuen Heimat präsentiert. Es ist deutlich als simple Zeichnung zu erkennen. 


Pal musste hier einen Kompromiss eingehen: Weil das Studio Druck aufsetzte, fehlte den Machern die Zeit, den von Chesley Bonestell angefertigten Sketch in eine Miniaturlandschaft zu überführen. Das Studio wolle vom Oscar-Gewinn profitieren, der Pals Vorgängerfilm just gegen Ende des Drehs von When Wolds Collide zuteil wurde und änderte den Permierentermin des neuen Films.


Manche heben gerne hervor, When Worlds Collide sei ein Vorläufer der Katastrophen-Filme, die in den 70er-Jahren im US-Kino so populär waren. Hier wie dort stand jeweils eine Gruppe Menschen und deren Reaktionen auf eine Gefahr im Zentrum oder deren Zusammenwachsen im Angesicht der Katastrophe.
Die Katastrophenfilme der Siebzigerjahre waren gleichzeitig  ein Revival des All-Star-Films der Dreissigerjahre (wie etwa Menschen im Hotel). In When Worlds Collide fehlen die Stars gänzlich - es handelt sich gar um einen veritablen "Null-Star-Film". Die Namen der beiden Hauptdarsteller waren schon damals kaum bekannt und sind heute völlig vergessen. Unnötig, zu sagen, dass der Film schauspielerisch nicht viel zu bieten hat.

Produzent George Pal und Regisseur Rudolf Maté besassen im Unterschied zu den Darstellern durchaus einen gewissen Bekanntheitsgrad. Maté hatte als geschätzter

Kameramann einigen bekannten Filmen (von Dreyers Vampyr über Lubitschs To Be or Not To Be bis zu Orson Welles Lady from Shanghai) zu ihrem guten Aussehen verholfen, bevor er 1947 ins Regiefach wechselte.
George Pal dagegen, wie Maté Ungar, war berühmt für seine Stop-Motion-Kurzfilmserie Puppetoons, die ebenfalls bis 1947 lief, worauf Pal sich - zunächst als Produzent, später auch als Regisseur dem Langfilm zuwandte; Anfangs der 50er-Jahre produzierte er hintereinander die Science-Fiction-Streifen Destination Moon (dt.: Endstation Mond / Rakete zum Mond, 1950), When Worlds Collide und The War of the Worlds (dt.: Kampf der Welten, 1953), was von einigen als Trilogie gedeutet wird.


Der jüngste Tag erschien 2009 im deutschsprachigen Raum auf DVD - inzwischen ist die Scheibe vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich.
Der Film kann aber bei verschiedenen Anbietern im Stream angeschaut werden - hier die Liste.



Michael Scheck

Bernhard und Bianca - Die Mäusepolizei (The Rescuers, 1977)

Regie: Art Stevens, John Lounsbery, Wolfgang Reitherman Drehbuch: Ken Anderson, Larry Clemmens, frank Thomas u.a. Stimmen von Eva Gabor, Bo...