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Samstag, 16. März 2024

Spielfilme auf Youtube: Strasse der Versuchung (1945)

Heute: Scarlet Street (dt. Strasse der Versuchung)
Zu sehen in voller Länge mit deutschen Untertiteln auf youtube (Link s. unten).

Mit Edward G. Robinson, Joan Bennett, Dan Dureya, Margaret Lindsay, Rosalind Ivan
Drehbuch: Dudley Nichols
Regie: Fritz Lang

Chris, Buchhalter mit Künstler-Ambitionen (Edward G. Robinson), rettet in einer Regennacht die hübsche Kitty (Joan Bennett) vor ihrem prügelnden Freund Johnny (Dan Dureya). Chris lässt sie glauben, er wäre ein wohlhabender Maler. Johnny überredet daraufhin Kitty, Chris um sein angebliches Vermögen zu bringen.
Der Film-noir-Klassiker von Fritz Lang ist ein düsteres Remake des Jean-Renoir-Films "Die Hündin" ("La Chienne", 1931) und gilt als einer der besten Filme von Fritz Lang, dessen Karriere mit Stummfilmen in Deutschland begann und sich in Frankreich und Hollywood erfolgreich fortsetzte.

Die zwölf Bilder, die John Decker für den Film gemalt hatte, wurden im März 1946 im Museum of Modern Art in New York City ausgestellt.

Die von Edward G. Robinsons gespielte Figur spricht liebevoll über Kunst und sagt, er wünschte, er hätte einen Cezanne. Im wirklichen Leben war Robinson ein großer Kunstsammler und galt als Experte.

Einer der Lieblingsfilme von Regisseur Fritz Lang.
Der Film hat eine 100% positive Bewertung auf der Grundlage von 17 Kritikerbewertungen auf Rotten Tomatoes.


Hier geht's zum Film (Bildqualität: HD)


Der Film läuft in der Englischen Originalversion mit deutschen Untertiteln (-> Einstellungen -> Untertitel -> Deutsch) Die Uebersetzung wurde offenbar mit einer Uebersetzungs-Software erstellt; sie ist verständlich, setzt aber etwas Toleranz voraus.



Donnerstag, 14. März 2024

Spielfilme auf Youtube: Weisser Tod in Alaska (1954)

Heute: Alaska Seas (dt.: Weisser Tod in Alaska)
Zu sehen in voller Länge auf youtube (Link s. unten).

Mit Robert Ryan, Brian Keith, Jan Sterling, Gene Barry, Richard Shannon, Ralph Dumke
Drehbuch: Barrett Willoughby, Walter Doniger & Daniel Mainwaring
Regie: Jerry Hopper



 
Die beiden Leinwandgrößen Robert Ryan und Brian Keith spielen die Hauptrollen in diesem spannenden Abenteuerfilm, der im eisigen Norden spielt. Matt Kelly (Ryan) wird von seinem alten Freund Jim Kimmerly (Keith) angeheuert, dem Chef der örtlichen Lachsfischer, die eine Konservengenossenschaft gegründet haben. Die Fischer kämpfen, um eine skrupellose Bande von Fischreusenräubern in Schach zu halten. Matt jedoch, dem es an Geld und Moral mangelt, will sich mit den Räubern zusammentun und zudem Jims Verlobte Nicki (Jan Sterling) stehlen.
Alaska Seas ist ein Remake des Films Spawn of the North von 1938 mit George Raft und Henry Fonda in den Hauptrollen und bietet Action, Abenteuer, Romantik - und Lawinen! 
 

 Hier geht's zum Film:

Der Film läuft in der Englischen Originalversion.

Donnerstag, 30. November 2023

Meister des Gelächters, Folge 1: Der Sträfling im Frack

 

 

Willkommen zur ersten Folge von "Meister des Glächters"!
Hier gibt es jeden Freitag einen oder mehrere Slapstick-Filme von Anno Dazumal zu sehen (Video siehe unten).

Inspiriert wurde ich zu dieser Serie durch eine Sendung, welche das ZDF in den Siebzigerjahren ausstrahlte. Sie hiess Väter der Klamotte und stellte wöchentlich einen Slapstick-Komödianten des Stummfilms ins Zentrum - neben bekannten Gesichtern wie Stan Laurel, Oliver Hardy, Buster Keaton oder Harold Lloyd kamen auch vergessene Komiker wie Charley Chase, Snub Pollard oder Al St.John zum Zug. Heute sind sie alle praktisch vergessen.

Ich würde mich freuen, mit dieser Serie ein paar Leute für die vergessene Kunst des Slapstick gewinnen zu können.

Den Anfang macht der bekannteste von allen:
Charlie Chaplin
in The Adventurer (dt.: Der Abenteurer)
Der Film wurde vor 103 Jahren gedreht und ist heute noch so frisch ist wie im Jahr 1917, als er das Publikum begeisterte.
Der Film spricht für sich und kann auch ohne Englischkenntnisse genossen werden.

Also - lehnt Euch für 25 Minuten zurück und taucht ein in die wilde, rasante, unglaublich komische Welt des Slapstick!
Viel Spass!

Ach - und ich freue mich über Kommentare, Vorschläge oder Kritiken! Danke! 

 

Donnerstag, 16. November 2023

Mein Leben im Luxus (Easy Living, 1937)



Regie: Mitchell Leisen
Drehbuch: Preston Sturges
Mit Jean Arthur, Ray Milland, Edward Arnold, Mary Nash, Luis Alberni, Franklin Pangborn u.a.

Ein reiner Preston Sturges-Film - obwohl Sturges hier gar nicht selbst Regie führte (er schrieb "nur" das Drehbuch).
Aber hinter den Kulissen muss Sturges dem Regisseur Mitchell Leisen wohl doch ständig 'reingefunkt haben, denn was man zu sehen bekommt ist Sturges pur: Stakkato-Dialoge, irre Slapstick-Einlagen, viel Geschrei und eine mit zunehmender Filmdauer sich steigernde Hysterie.
(Für "Anfänger": Sturges drehte so irres Zeug wie Sullivan's Travels, Hail the Conquering Hero und Palm Beach Story - alles Komödien, die bis zum schieren Wahnsinn ausufern.)

Easy Living beginnt mit dem reichen Stahlmagnaten Mr. Ball (Edward Arnold), der im Streit den Pelzmantel seiner Frau vom Balkon seines Wolkenkratzers schmeisst, und damit die arme von der grossen Depression gebeutelte Journalistin Mary Smith (Jean Arthur) trifft.
Viel Klatsch und ein paar Missverständnisse sorgen dafür, dass Mrs. Smith plötzlich im Zentrum aller Aufmerksamkeit steht und ohne einen Finger zu rühren zu einem Leben in Luxus kommt. Ohne es zu wissen, wer er ist, verliebt sie sich in Mr. Ball jr. (Ray Milland), mit dessen Hilfe sie beinahe einen Börsencrash herbeiführt.

Sämtliche Akteure hinter der Kamer geben ihr bestes, inkl. Ray Milland als Millionärssohn und Luis Alberni als cholerischer Hotelmanager.
Regisseur Leisen garniert den Irrsin mit eleganter Garderobe und erlesener Art Deco-Ausstattung, so dass zum hohen Unterhaltungs- auch noch ein ebensolcher Schauwert hinzukommt.
Unglaublich, dass dieses filmische Knallbonbon heute praktisch unbekannt ist!

Im deutschsprachigen Raum kann er leider nicht gestreamt werden. Dafür ist er - für alle, die des Englischen mächtig sind - auf youtube in der Originalversion kostenlos und werbefrei abrufbar.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Des Königs Admiral (Captain Horatio Hornblower, 1951)
Der Autor der (noch heute) populären Seefahrt-Romane um Captain Hornblower, C.S. Forester höchstselbst, hatte die drei ersten Teile seiner Saga für diesen Film aufbereitet.
Das ist hervorragend gelungen, obwohl die Handlung dadurch etwas gestaucht daherkommt. Der Film geht in grossen Schritten von einem Höhepunkt zum nächsten, doch sorgfältige Figurenzeichnung, viel Humor und eine grandiose Inzenierung in berauschendem Technicolor ergeben ein wunderbares Seefahrt-Spektakel mit schier endlosem Schauwert.
Die Schauspieler-Crew ist perfekt gewählt und bringt die Leinwand zum knistern.
Einzig die letzten paar Minuten wirken in ihrer aufs Happy-End zielenden Gehetztheit lächerlich und setzen dem schönen Klassiker einen leichten Dämpfer auf.
Trotzdem: Ein Film, den man gesehen haben sollte!
Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Mittwoch, 20. April 2022

Dancing With Crime (UK, 1947)

 


Manchmal macht es Spass, einen völlig unbekannten oder vergessenen Film zu entdecken. Dieser hier, ein britischer Nachkriegs-Krimi, war im deutschsprachigen Raum nie zu sehen. Es ist kein Film, den ich empfehlen würde, aber er ist kurzweilig genug für einen unterhaltsamen Filmabend - und der beste Film, den ich in den letzten Tagen und Wochen zu sehen bekam.
Richard Attenborough spielt einen jungen Taxifahrer, der die Leiche seines zwielichtigen Army-Kumpels findet und der darauf zusammen mit seiner Freundin (Sheila Sim, Attenboroughs Ehefrau) den Mord aufklärt.
Gut gespielt, atmosphärisch dicht und mit einigen schlauen Wendungen, vermag der von John Paddy Carstairs inszenierte und von Brock Williams geschriebene Streifen auch heute noch gut zu unterhalten.
Dancing With Crime ist ein respektabler Streifen, insgesamt allerdings etwas gar harmlos und zum Schluss leider etwas simpel in der Auflösung.
Von diesem Film existiert eine sehr gute englische DVD-Edition von Simply Media.
Man kann ihn - in der Originalversion - aber auch (in hervorragender Bildqualität)  bei youtube anschauen.
 

Ab dem nächsten Post geht es hier wie folgt weiter:
Ich wähle vier Filme, die ich mir ansehe - und der beste der vier bekommt eine ausführliche Rezension.
Folgene Filme stehen auf meiner Liste:
Mary Stevens M.D. (1932)
Casablanca (1941)

Schrei der Grossstadt (Cry of the City, 1948)
Rush Hour (1998)
Ihr meint, der Fall sei klar? Wir werden sehen - ich habe in dieser Hinsicht schon viele Überraschungen erlebt...
Und notfalls kriegt mehr als einer eine ausführliche Rezension.

For the record:
Bevor ich auf der Suche nach einem rezensionswürdigen Film bei Dancing With Crime hängen geblieben bin, habe ich folgende Filme ausprobiert:  

The Adam Project (2022)
Auf der Suche nach seiner mutmasslich verstorbenen Freundin landet ein Pilot aus der Zukunft (Ryan Reynolds) im Jahre 2022, wo er sich selbst begegnet und mit Hilfe seines Kinder-Selbst einige Zeit-Weichen anders zu stellen versucht.
Klingt interessant, doch Shawn Lewis Film ist leider ziemlich missraten. Er wirkt, als hätte jeder der vier beteiligten Drehbuchautoren - alle unterschiedlich talentiert - an je einem Teilstück gearbeitet und diese seien danach in Eile zusammengebebbt worden. 
Da gibt es dümmliche Crash-Sequenzen neben sehr berührenden Momenten. Die Inkohärenz des Handlungsverlaufs nervt und die pausenlose Zitiererei anderer Science-Fiction-Filme ebenso. Die Witze zünden in den seltensten Fällen.
Lieb- und sinnloser Science-Fiction-Abklatsch, der wohl nur den schnellen Reibach im Blick hatte...

Die Gangster-Gang (The Bad Guys, 2022)
Der neuste (Computer-)Animationsfilm von Dreamworks ist eine durchwachsene Sache: Laut, hektisch, mit wenig Zwischentönen, die im Action-Getöse und der permanenten, hyperaktiv-nervigen Grimassiererei der animierten Viecher praktisch untergehen.
Es geht um eine Bande böser Buben (pardon: Tiere), die zum Schein gut werden wollen und zu diesem Zweck vom Obergutmensch (pardon: -tier) Professor Marmelade umerzogen werden sollen. The Bad Guys laviert zwischen den Polen "gut" und "böse", betrachtet sie von allen Seiten, ohne jedoch zu einem vernünftigen Schluss zu kommen. Im Gegenteil: In der finalen halben Stunde geht alles mit ziemlich behämmerten Wendungen den Bach 'runter.
Ein Film für die Kids, die nicht nach Hintergrund, Sinn, Zweck und dramturgischen Kniffen fragen, sondern sich einfach anderthalb Stunden zudröhnen lassen wollen.

Gosford Park (2001)
Dieser Film von Robert Altman ist der Vorläufer und die Inspiration der Serie Downton Abbey. Drehbuchautor Julian Fellowes wirkte bei beiden mit, die Idee und die Struktur stammen aber von Altman und dem Schauspieler Bob Balaban.
Obwohl Gosford Park fast zweieinhalb Stunden dauert, wird deutlich, dass der Stoff in der Serie besser untergebracht ist: Der Film wirkt gehetzt, der Inhalt verknappt bis an die Grenze der Auffassungsgabe, bisweilen laufen zwei Handlungen gleichzeitig im Bild ab, mit sich überlappenden Dialogen. Das ist zwar Altmans Markenzeichen, in anderen Werken funktioniert das durchaus, aber hier verliert man vor lauter Namen, Titeln und Gesichtern den Überblick.
Die Charaktere scheinen die Macher nicht zu interessieren - der Grund liegt wohl in erster Linie darin, dass für eine Vertiefung aufgrund der schieren Übervölkerung mit wichtigen Personen schlicht keine Zeit war; dabei lastet auf den Charakteren das ganze Gewicht dieses praktisch handlunglosen Films.
Die von Anfang an intendierte Gesellschaftskritik wirkt bemüht und herbeikonstruiert, auch sie bleibt an der Oberfläche, was sie umso ärgerlicher macht.
Gosford Park ist aus den genannten Gründen eines der schwächsten Werke, das ich vom von mir sonst sehr geschätzten Robert Altman kenne.

Das Böse kommt auf leisen Sohlen (Something Wicked this Way Comes, 1983)
Von Ray Bradburys gleichnamigem Roman war ich als Jugendlicher total begeistert, und als ich Anfangs der Achzigerjahre hörte, dass er verfilmt wird - nach einem von Bradbury selbst verfassten Drehbuch - beschloss ich: Den Film muss ich sehen!
Dazu kam es allerdings erst jetzt, denn Jack Claytons Verfilmung lief nie in den deutschsprachigen Kinos.
Um es kurz zu machen: Ich bin von dem Film bitter enttäuscht! Natürlich ist es schwierig, Bradburys zwischen Poesie und Horror angesiedelte Stimmung aufs bewegte Bild zu übertragen. Aber hier wurde dabei derart gestümpert und mit darart vielen Fehlbesetzungen gearbeitet, dass ich mich über die vielen guten Bewertungen bei imdb nur wundern kann.
Bradbury in Ehren, aber Drehbücher waren wohl nicht sein Ding. Oder aber die zahlreichen Änderungen, die das Disney-Studio am Film vornahm, sind schuld an der eiernden Dramaturgie. Weder Clayton noch Bradbury sollen zuletzt mit dem Resultat zufrieden gewesen sein.

Die Bären sind los (The Bad News Bears, 1976)
Walter Matthau als mieser Coach einer miesen Knaben-Baseball-Mannschaft... Den Reiz dieses Films schnalle ich leider nicht. Wer will denn 100 Minuten lang naseweis nölenden Kindern zuschauen, die ihren abgewrackten Trainer (und die Zuschauer) nerven?
Zudem habe ich das Spiel Baseball noch nie verstanden (nicht, dass es mich die Bohne interessieren würde!) und somit bekam ich auch einen Grossteil der Anspielungen und Witze in diesem vielgelobten Streifen nicht mit. Ich fand ihn nur lang, langatmig und belanglos...

König der Könige (King of Kings, 1961)
Der Jesus-Film, den ich schon lange mal sehen wollte. Doch oh weh! Was für ein pompöser Schinken! Grässlich!
Zu seiner Zeit dank seiner politischen Optik bestimmt was ganz Neues auf dem Sektor Bibelfilm... Aber heute? Judäa made in Hollywood - das ist heute kaum mehr auszuhalten.
Tolle Bilder, das gestehe ich zu, aber viiiiel zu lang!

Das Messer im Wasser (Nóz w wodzie, 1961)
"Erzähl' mir eine gute Geschichte - und fessle mich damit!" - Das ist mein Anspruch an jeden Film.
Kunsthandwerk, Originalität, Regieführung, Schauspiel... das ist mir alles zweitrangig.
Roman Polanskis erster, in Polen entstandener abendfüllender Spielfilm erfüllt meine zentrale Anforderung nicht.
Ich muss Das Messer im Wasser nicht gut finden, weil er wichtig und bedeutsam ist; ich bin weder Filmhistoriker noch Filmwissenschaftler - ich schaue Filme zu meinem Vergnügen.
Dieser hat mir kein Vergnügen bereitet. Er ist strunzlangweilig. Wenn wenigstens die Figuren plastisch und fassbar gezeichnet wären, aber es ist alles absichtlich nebulös gehalten.
Ok, nennt mich einen Banausen - es ist mir völlig egal!

Das Dschungelbuch (The Jungle Book, 1942)
Die berühmte Live-Action-Verfilmung Zoltan Kordas von Kiplings gefeiertem Roman vermochte dem Lauf der Zeit leider nicht Stand zu halten. Er wirkt trotz seiner bisweilen grandiosen Bilder und dem fantastischen Production Design verstaubt. Das hat vor allem mit der Erzählweise zu tun (durch schlechten Schnitt vorgegaukelte Tier- und Menscheninteraktion, behäbige Voice-Over-Narration); die braun angemalten, "ausländisch" radebrechenden weissen Schauspieler, die hier als Inder durchgehen sollen, wirken zudem störend und lächerlich.
Damals mag der Film gefeiert worden sein, heute ist  er kaum mehr geniessbar.

Donnerstag, 3. Juni 2021

Children of Divorce (1927)


Mit Clara Bow, Esther Ralston, Gary Cooper, Einar Hanson, Norman Trevor, Hedda Hopper, Edward Martindel u.a.
Drehbuch: Hope Loring und Louis D. Lighton
Regie: Frank Lloyd, Josef von Sternberg (uncredited)
Premiere im deutschsprachigen Raum: bislang keine


Paris war in den Zwanzigerjahren offenbar der Ort, wo reiche amerikanische Paare sich scheiden lassen konnten. Unser Film setzt jedenfalls in einem Heim für geschiedene Kinder in Paris ein, wo mit der kleinen Kitty Flanders gerade ein Neuankömmling eintrifft. Sie schliesst dicke Freundschaft mit der etwas älteren Jean Waddington, und eines Tages treffen die beiden auf Ted Larrabee, auch er ein Kind geschiedener Eltern. Ted und Jean schwören, sich später einmal zu heiraten.
Jahre später: Alle drei sind Teil der amerikanischen High Society. Jean (Esther Ralston) ist durch Erbschaft unermesslich reich geworden, Kitty (Clara Bow), für die das Leben eine einzige Party ist, hat dagegen kein Geld mehr. Jean und Ted möchten immer noch heiraten. Kitty willl den jungen Prinzen Ludovico ehelichen, der sie zwar abgöttisch liebt, selber aber auch kein Geld hat. Er soll sich zwecks Finanzaufbesserung auf Geheiss seiner Familie mit der reichen Jean liieren.
Den Scheidungskindern stellt sich nun die Frage: Machen wir es ebenso falsch wie unsere Eltern und heiraten des Geldes wegen - oder pfeiffen wird auf den schnöden Mammon und versuchen, mit dem richtigen Partner glücklich zu werden?


Der heute nur noch Filmenthusiasten bekannte Stummfilm Children of Divorce handelt seinen etwas theoretisch klingenden Themenkomplex dank lebendiger Figuren erstaunlich spannend und interessant ab. Ständig neue Wendungen im Liebesreigen halten das Publikum bei der Stange und das ganze ist ausgesprochen elegant, oft zwischen Drama und Komödie changierend, in Szene gesetzt. Kostüme und Kulissen sind eine Augenweide, die beiden Hauptdarstellerinnen überzeugen in ihrer Gegensätzlichkeit. Auch Gary Cooper spielt nicht schlecht, fällt aber in den Sequenzen, in welchen er den Verzweifelten mimen muss, deutlich ab.
Cooper war damals mit dem Star des Films, Clara Bow, liiert; die Rolle in diesem Film erhielt er auf ihr Geheiss. Pläne, ihn zwischenzeitlich zu feuern, konnte sie mit ihrem Einfluss vereiteln. Und so wurde Children of Divorce für Cooper zu einem wichtigen Moment auf seinem Weg nach ganz oben.

Leider fällt auch der letzte Akt dieses Films ab; was vorher so geschmackvoll umgesetzt wurde, gerät plötzlich zum Schmierentheater. Er wirkt so, als hätte punkto Drama zum Schluss noch so richtig auf die Tube und die Tränendrüse gedrückt werden müssen, damit das Publikum was kriegt für sein Geld. Offenbar geht dieser missglückte letzte Akt auf das Konto von Starregisseur Josef von Sternberg, der nach Beendigungen von Frank Lloyds Dreharbeiten vom Produzenten für "Nachbesserungen" einbestellt wurde. Diesbezügliche Information erscheinen mir plausibel, denn es ist überdeutlich, dass dieser Akt eine gänzlich andere inszenatorische Handschrift trägt als der Rest des Films.
Das ist schade, denn bis dorthin kann sich Children of Divorce wirklich sehen lassen. Der finale Abgang von Clara Bow ist grandios und bildsprachlich subtil inszeniert - dort hätte man den Schlusspunkt setzen müssen. So war es möglicherweise auch gedacht, denn alles was nachher kommt, wirkt aufgepfropft, stillos und überflüssig. 


Children of Divorce kann bei youtube angesehen werden - allerdings mit einer gewöhnungsbedürftigen Musikbegleitung...


 

 



 

Montag, 31. Mai 2021

Der Fremde / Die Spur des Fremden (USA 1946)


Originaltitel: The Stranger
Mit Orson Welles, Edward G. Robinson, Loretta Young, Philip Merivale, Konstantin Shayne, Richard Long u.a.
Drehbuch: Anthony Veiller
Regie: Orson Welles
Premiere im deutschsprachigen Raum: 1977


Handlung:
Der KZ-Mörder Franz Kindler (Orson Welles) ist nach dem Zusammenbruch Nazi-Deutschlands in einer US-Kleinstadt untergetaucht und hat dort die Identität des harmlosen Historikers Charles Rankin angenommen. Am Vorabend seiner Hochzeit mit Mary Longstreet (Loretta Young) kommen zwei Männer in die Stadt: Konrad Meinike, ein ehemaliger Kollege Kindlers und der Nazi-Jäger Wilson (Edward G. Robinson). Der ehemals inhaftierte Meinike wurde von Wilson freigelassen, damit er ihn zu Kindler führe. Doch Kindler/Rankin ist schlau genug, Wilsons Spiel zu durchschauen: Er ermordert und verscharrt seinen Ex-Kollegen in einem Wäldchen, bevor dieser den Nazi-Jäger auf seine Spur bringen kann. In dem idyllischen Kleinstädtchen beginnt ein tödliches Katz- und Mausspiel...


Orson Welles vierter langer Spielfilm ist zwar monströs und bisweilen lächerlich, trotzdem fasziniert The Stranger in mehrfacher Hinsicht.
Der Anfang, der die Hauptfiguren und ihre Motivationen etabliert und der zeigt, wie Detective Wilson den gefangenen Nazi-Kumpel Kindlers freilässt,  wurde vom Produzenten leider weggekürzt. Das Filmmaterial gilt als verloren. So wirkt der Filmbeginn wie ein leicht wirrer Torso, der bis heute nicht restauriert werden konnte.
Erst als die Filmhandlung in der Kleinstadt Norman ankommt, wird die Narration einigermassen schlüssig.


Interessant ist Welles Inszenierung des film-noir-ähnlichen Stoffes: Er verwendet die im Film-Noir damals gängige, an den Expressionalismus angelehnte Bildsprache und treibt diese in die Extreme, so dass The Stranger bisweilen wie eine Parodie auf dieses Genre wirkt. Die überzogene Inszenierung korreliert dergestalt mit der leicht überkandidelten und daher kaum glaubhaften Geschichte (Massenmörder tarnt sich in einer harmlosen US-Kleinstadt als braver Lehrer - und nicht mal seine Braut schöpft Verdacht), dass der Streifen bisweilen monströse, oder manische Züge aufweist.
Er schafft aber damit auch eine unwirkliche Stimmung, deren innerer Spannung man sich nur schwer entziehen kann.
Ein faszinierender, aus der Produktion des damaligen Hollywood herausragender Film, der den schwachen Plot Kraft seiner Inszenierung in etwas transzendiert, das sämtliche Genres und Konventionen sprengt. Ob das gut oder schlecht ist, möge jeder für sich entscheiden.

Der vollständige Film (oder das, was nach den Kürzungen durch das Studio noch davon übrig ist) kann in HD-Qualität bei youtube angeschaut werden (englischsprachige Originalversion mit deutschen Untertiteln):







Bernhard und Bianca - Die Mäusepolizei (The Rescuers, 1977)

Regie: Art Stevens, John Lounsbery, Wolfgang Reitherman Drehbuch: Ken Anderson, Larry Clemmens, frank Thomas u.a. Stimmen von Eva Gabor, Bo...