Samstag, 27. Februar 2021

Undercover Blues - Ein absolut cooles Trio (1993)


USA 1993
Originaltitel: Undercover Blues
Mit Dennis Quaid, Kathleen Turner, Fiona Shaw, Stanley Tucci, Larry Miller, Tom Arnold u.a.
Drehbuch: Ian Abrams
Regie: Herbert Ross

Inhalt:
Das Geheimagenten-Ehepaar Blue
(Kathleen Turner und Dennis Quaid) ist mit ihrem Baby in New Orleans im Urlaub. Seit das Kind da ist, haben die Blues ihren alten Job an den Nagel gehängt. Doch nun sollen sie reaktiviert werden. Die gemeingefährliche Terroristin Paulina Novacek (Fiona Shaw) ist im Besitz einer schrecklichen Geheimwaffe und muss unschädlich gemacht werden. Die Blues lassen sich überzeugen, ein letztes Mal ihrer gefährlichen Arbeit nachzugehen. Zwei Polizisten, die mit ihrer Überwachung betraut sind und ein ambitionierter Stassenräuber erschweren ihnen die mühsame Arbeit allerdings zusätzlich...
 

Vor der Sichtung:
Ich liebe gute Action-Komödien! Mit den "seriösen" Actionfilmen habe ich hingegen meine Schwierigkeiten; was da an Stunts und Action gezeigt wird ist oft auf unglaubwürdig absurde Weise übertrieben. Wenn sowas mit heiligem Ernst durchexerziert wird, finde ich's unerträglich. Wenn schon unglaubwürdig, dann bitte mit Humor. In den Action-Komödien werden die hanebüchenen Mechanismen und das standardisierte Personal der seriösen Vorbilder bis zur Parodie ad absurdum geführt. Deshalb klingt Undercover Blues von Regisseur Herbert Ross für mich verlockend; und da zwei Geheimagenten im Zentrum stehen, die gleichzeitig ein Ehepaar sind und Elternpflichten zu erfüllen haben, der Actionfilm somit auf den Boden familiärer Realität und in die Niederungen eines normalen Familienalltags geholt wird, verspreche ich mir von dem Streifen einiges an Reiz und Charme. Zudem hoffe ich auf gute, anspruchslose Unterhaltung. 

Nach der Sichtung:
Anspruchslose Unterhaltung habe ich mit Undercover Blues durchaus gekriegt - aber war sie auch gut?
Nun, der Film war unterhaltend. Dafür kam kaum Spannung auf: Um das Geheimagenten-Ehepaar Blue muss man nie Angst haben, von Beginn weg ist klar, dass die beiden stets die Oberhand behalten. Aber auch wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte man keinen Moment um die beiden gefürchtet:
Um eine Identifikation überhaupt aufkommen zu lassen, sind sie viel zu flach und eindimensional gezeichnet.
Aus der Geschichte hätten sich einige reizvolle Passagen im Kontrast zwischen der Gefährlichkeit des Geheimagentendaseins und dem Leben als Familie ergeben, doch dieser Aspekt wird leider vollkommen vernachlässigt. Das Baby hat keinerlei Funktion im Film - ausser zwischendurch mal niedlich zu grinsen.

Offenbar war dem Drehbuchautor bewusst, dass er mit den beiden Hauptfiguren das Publikum nicht bei der Stange halten kann; wohl deshalb sind alle anderen Figuren überzeichnete Knall-Chargen. Und genau damit rettet er den Film. Der aufgeblasene Strassenräuber "Muerte" (Stanley Tucci), das dödelige Polizistenduo (Larry Miller und Obba Babatundé) oder die irre polnische Gangsterbraut Paulina Novacek  stehlen den beiden Hauptfiguren (und deren Darstellern) mühelos die Show und es ist gut, dass sie in der gesamten Handlung durchgehend präsent sind. Sie machen deutlich, dass Undercover Blues weniger als Actionfilm-Parodie, dafür als gehobener Klamauk gedacht war. Und als solcher funktioniert er dann doch ganz ordentlich.
 

Fazit:
Undercover Blues ist eine recht unterhaltsame Komödie, die man aber nicht unbedingt gesehen haben muss.
Hierzulande ist er seit ein paar Monaten auf Blu-ray und DVD erhältlich.


Donnerstag, 25. Februar 2021

Meine Film-Woche (18. bis 25. Februar)

Alle geschauten Filme der letzten Tage...
1. Der Galgenstrick (Goin' South, 1978)
2. That Good Night (2017)
3. Greedy (1994)
4. Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin (Ruby Sparks, 2012)
5. Mary und der Millionär (The Devil and Miss Jones, 1941)

...und deren kurze Besprechung:
Als Der Galgenstrick entstand, war Jack Nicholson bereits eine feste Grösse in Hollywood - die Grosserfolge Chinatown und Kuckucksnest hatte da bereits hinter sich. Im Galgenstrick inszenierte er sich als Regisseur gleich selbst. "Das hätte er besser bleiben lassen", war ich versucht, zu schreiben. Allerdings hätte wohl auch ein anderer Regisseur das schwache Drehbuch nicht oder nur geringfügig aufzuwerten vermocht. Die Geschichte um einen glücklosen Banditen, der von einer Frau vorm Galgen gerettet wird, weil sie ihn als Arbeitstier in ihrer Mine braucht, zieht sich endlos dahin; Nicholson versucht, sein fehlendes Gespür für Dramaturgie mit wildem Grimmasieren wett zu machen, was natürlich kein Ersatz ist.

Fast noch öder kommt das Drama That Good Night des Briten Eric Styles daher. John Hurt - in seinem vorletzten Film - spielt einen todkranken egozentrischen Schriftsteller, der sich mit seinem erwachsenen Sohn versöhnen möchte. Das haben wir schon unzählige Male besser gesehen. That Good Night ist eine zähe Mischung aus Soap Opera und Trivialroman; John Hurt brilliert schauspielerisch, der ganze Rest gelangt aber nie übers Mittelmass hinaus.

Greedy ist eine peinliche Klamotte um eine dysfunktionale Familie, die auf das Ableben des reichen Onkels Joe (Kirk Douglas) wartet. Als zu dessen Geburtstag der verschollen geglaubte Lieblingsneffe des Alten (Michael J. Fox) auftaucht, läuft der von Gier getriebene Irrsinn der anderen vollends aus dem Ruder. Plumper, aufdringlicher "Humor", der zudem ohne inszenatorisches Gespür durchgepeitscht wird.

Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin beginnt interessant, fällt aber nach ca. 20 Minuten ab, in ganz un-fabelhafte Gefilde. Die Geschichte ist alles andere als neu: Einem ideenlosen Jung-Autor erscheint eines Nachts ein Mädchen im Traum, das ihn zur Niederschift eines neuen Romans inspiriert. Als er über sie schreibt, erscheint sie plötzlich leibhaftig, als Teil seines Lebens.
Woody Allen (mit The Purple Rose of Cairo) und Marc Forster (mit Stranger Than Fiction) haben Ähnliches ungleich besser gemacht, Drehbuchautorin Zoe Kazan dagegen fällt nichts Neues oder Packendes zum selben Thema ein: Ruby Sparks fällt dank eindimensionaler Charaktere und mangelndem Witz flach.

Auch Mary und der Millionär erzählt eine Geschichte mittels Uralt-Mustern, die schon 1941 nicht mehr frisch waren: Ein reicher Geschäftsmann mischt sich in einem seiner Läden als Verkäufer getarnt unter das einfache Volk, mit dem Ziel, eine kommunistische Agitation gegen ihn aufzudecken. Natürlich wird er vom Charme der kleinen Leute bekehrt und auf den richtigen Weg gebracht. Flach, unglaubwürdig und vorhersehbar, zudem holprig inszeniert und mittelmässig gespielt - Frank Capra hat sowas um Klassen besser gemacht!

Fazit: Diesmal war kein Film dabei, den ich als Seh-Empfehlung bezeichnen möchte.

Donnerstag, 18. Februar 2021

Seh-Empfehlung 23: Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen (1956)

Frankreich 1956
Deutscher Titel: Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen
Originaltitel: Un condamné à mort s'est échappé ou Le vent souffle où il veut
Mit: François Leterrier, Charles La Clainche, Maurice Beerblock, Roland Monod, u.a.
Regie und Drehbuch: Robert Bresson

Mit der aktuellen Seh-Empfehlung widerspreche ich erstmals meinem Blogtitel Filmklassiker aus Hollywood - denn der Film stammt aus Frankreich.
Egal. Wir wollen hier nicht dogmatisch sein; was für gut befunden wurde, darf nicht untern Teppich gewischt werden - zudem tut eine Öffnung immer gut, sonst gerät man plötzlich in die Gefilde der Ideologie. Diese lautete bislang: Englischsprachige Filme pflegen gekonnt das filmische Erzählen, europäische Filme sträuben sich dagegen; sie verbreiten lieber Ideen, Philosophien, Weltbilder und stellen damit ihre Macher ins Zentrum.

Nun, ein guter Teil tut natürlich genau das, und das interessiert mich nicht. Doch es gibt auch viele Ausnahmen. Robert Bressons meisterhafter Un condamné à mort s'est échappé ist eine davon.
Er erzählt von Lieutenant Fontaine (François Leterrier), der von den Nazis inhaftiert und später zum Tod verurteilt wird. Das Gefängnis, in welches er mit mehreren weiteren Männern gesperrt wurde, wird nicht sonderlich streng überwacht, und so heckt Fontaine in der Enge seiner Zelle einen Fluchtplan aus, den er mittels winziger, langsamer Schritte in Tat umsetzt. Damit verhilft er seinem Geist zu reger Tätigkeit, was ihn trotz der Enge und Einsamkeit
bei geistiger Gesundheit erhält und beflügelt - am Ende wird er sein Gefängnis damit hinter sich lassen.

Bressons Film ist gänzlich unprätentiös, nüchtern und in der Verwendung der Mittel geradezu minimalistisch. Es werden keinerlei Gräuel gezeigt, das ist gar nicht nötig. Bresson reicht es, die Enge zu inszenieren und ihr die Weite des menschlichen Geistes gegenüberzustellen. Dazu erklingen an passenden Stelle Auschnitte des "Kyrie" aus Mozarts Requiem - "Herr, erbarme Dich" - und zwar immer dann, wenn die Mitgefangenen ins Bild kommen. Erbarme Dich ihrer, scheint der Film zu sagen, die nicht die Kraft und Grösse besitzen, sich im Geiste gegen die Unterdrückung zu wehren. Und damit hat der Film infinite Gültigkeit.
Am Ende ist Fontaine frei - und wieder erklingt das "Kyrie". Erbarme Dich den Zurückbleibenden (denn sobald der Ausbruch entdeckt wird, werden im Gefängnis garantiert andere Saiten aufgezogen). 

Un condamné à mort s'est échappé erzählt in knappen, kurzen Sequenzen, die mittels Aus- und Einblenden voneinander getrennt werden. Er erzählt, spannend, Anteil erweckend und auf zutiefst menschliche Art und Weise. Ein Film, der ganz einfach und fast sachlich an die menschliche Kraft zum Widerstand appeliert - und gerade durch seine Sachlichkeit und Bescheidenheit tief beeindruckt.

Bedauerlicherweise ist dieses stille Meisterwerk hierzuland weder auf Blu-ray noch auf DVD erschienen, und auch online ist er nirgends auszumachen - ein peinlicher Missstand, den es schleunigst nachzuholen gälte!
Es gibt eine Blu-ray und eine DVD von Artificial Eye aus England, die den wortkargen Film mit englischer Untertitelung anbieten. Wer englisch kann, sollte hier zugreifen (RC2). Auch eine
französische Blu-ray und eine DVD (von Gaumont) sind erhätlich, für Leute, die des Französischen nicht mächtig sind, ebenfalls mit englischen Untertiteln. Alle Versionen sind über amazon bestellbar.


Alle geschauten Filme der letzten Tage...

1. Cassandra Crossing / Treffpunkt Todesbrücke (The Cassandra Crossing, 1976)
2. Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen (Un condamné à mort s'est échappé ou Le vent souffle où il veut, 1956)
3. Hatari! (1962)
4. Holiday (1930)

...und deren kurze Besprechung:
Cassandra Crossing
entstand während des grossen Katastrophenfilm-Hypes der Siebzigerjahre. Umständlich wird von zwei Terroristen erzählt, die in Genf während einer Verfolgungsjagd in ein Biolabor der Amerikaner geraten und sich dort mit einem tödlichen Virus infiszieren. Einer der beiden entkommt und rettet sich in einen Zug mit Destination Stockholm - ohne zu wissen, dass er Träger einer tödlichen, hoch ansteckenden Krankheit ist. Bis die Behörden ihn lokalisiert haben, ist es zu spät: Der Zug rast unaufhaltsam in Richtung Schweden und gleicht mehr und mehr einem Siechenhaus. Um ihn in ein ehemaliges verlassenes Konzentrationslager umzuleiten, muss er eine als unsicher geltende, baufällige, stillgelegt Brücke überqueren...
Was für ein unglaublicher Blödsinn. Als Schweizer hat man wohl besondere Mühe mit der Visionierung, denn ein guter Teil des Machwerks spielt in der Schweiz. Das beginnt damit, dass die Sequenzen, die im Bahnhof Genf spielen, sichtlich im unverwechselbaren Basler Bahnhof gedreht wurden. Als dann der Zug Genf verlässt, ist in einer Durchsage zu hören, der nächste Halt sei Basel! Und dann: Der bekannte US-Schauspieler Lionel Stander in der Uniform eines Schweizer "Konduktörs" - das geht gar nicht! Zumal er breitestes Amerikanisch quatscht. Auf Authentizität wurde damals weniger geachtet, und das bekommt dem kruden, holzschnittartigen Starvehikel schlecht. Er wirkt arg gestrig...

Robert Bressons Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen wurde oben als Seh-Empfehlung bereits näher beschrieben.

Howard Hawks' Afrika-Abenteuer Hatari! zeigt einen sichtlich gealterten, aber gut gelaunten John Wayne in der Rolle eines Tierfängers - an der Seite von Elsa Matinelli, Hardy Krüger und Red Buttons. Ein im Grunde völlig belangloser Film, der trotz Überlänge gut unterhält und der gerade durch seine scheinbare Absichtslosigkeit, gepaart mit einer offenbar glänzend gelaunten Crew, einen unwiderstehlichen Charm entwickelt. Die in freier Wildbahn ohne Stunt-Doubles gedrehten Tierfang-Sequenzen sind aus heutiger Sicht - angesichts schwindender Wildbestände - allerdings schwer verdaulich.

George Cukors Komödienklassiker Holiday (1938) mit Cary Grant und Katharine Hepburn war ein Remake - eines gleichnamigen Films von 1930. Holiday des heute vergessenen Regisseurs Edward H. Griffith ist ein typischer Vertreter jener damals modischen Tonfilme, in denen, weil's so neu war, nur geredet wird. Komatös langweilig, weil sich die Handlungstänge im Schneckentempo, die Charaktere dagegen gar nicht
entwickeln, dies zugunsten witzig gemeinter Dialoge, die aber dank blasser Schauspieler nicht zünden.

Michael Scheck

Freitag, 12. Februar 2021

Seh-Empfehlung 22: Zwei ritten nach Texas (Way Out West, 1937)

 
Regie: James W. Horne
Drehbuch: Charles Rogers, Felix Adler und James Parrott
Mit Stan Laurel, Oliver Hardy, Sharon Lynn, James Finlayson, Rosina Lawrence, Stanley Field, The Avalon Boys, u.a.

Stan und Ollie sind im wilden Westen unterwegs nach Brushwood Gulch, um einer gewissen Mary Roberts eine wrtvolle Urkunde zu überreichen. Marys verstorbener Vater hat ihr nämlich eine reiche Goldmine hinterlassen. Als der zwieliechtige Saloonbesitzer Finn (James Finlayson) davon erfährt, bittet er seine Mätresse Lola Marcel (Sharon Lynn), sich als Mary Roberts auszugeben, ein Trick, der nur funktioniert, weil Stan und Ollie die echte Empfängerin nicht kennen. Nach der Übergabe bemerken die zwei Freunde den Betrug und versuchen, die Urkunde in einer haarsträubenden Aktion zurückzustehlen...

Die grösste Stärke dieser Westernkomödie liegt in der Figurenzeichnung: Stan und Ollie gehören zu den prägnantesten Figuren der Filmgeschichte - wenn sie im Zentrum der Handlung stehen, tragen sie mühelos einen ganzen Film. Da spielt es dann auch keine Rolle, wenn - wie hier - die Nebencharaktere eher schwach ausfallen. Laurel & Hardy schmeissen den Laden dank ihren Persönlichkeiten und dank Stan Laurels Fähigkeit, improvisierenderweise aus Nebensächlichkeiten ausgedehnte zwerchfellerschütternde Sequenzen zu kreieren. Jede Situation wird meisterhaft auf ihren komödiantischen Gehalt hin gemolken.
Zudem findet sich
in diesem Stan & Ollie-Film wohl die grösste Häufung origineller Einfälle ihrer gesamten Filmografie; fast hat man den Eindruck, die beiden hätten für Way Out West all ihre komödiantischen Spezialitäten zusammengenommen und für diesen - einen ihrer letzten Filme für Hal Roach - resümiert, was Laurel & Hardy ausmacht. Eine wunderbare Tanzeinlage und ein ebenso wunderbares Gesangsduett runden das Ganze ab und machen Way Out West zu dem Laurel & Hardy-Film schlechthin.

Vom cinèastischen Standpunkt aus betrachtet ist der Streifen nicht wirklich gut. Allzu lieblos werden die Szenen aneinandergestoppelt, es gibt zahllose Nachlässigkeiten wie Anschlussfehler und schlechte Schnitte; die Dialoge sind ausgesprochen schwach, ebenso die meisten Nebendarstellerinnen und -darsteller; und die Dialog-Gags zünden in den seltensten Fällen.
Doch die schiere Präsenz von Stan Laurel und Oliver Hardy, ihr Zusammenspiel, ihre präzise Schauspielkunst und ihr sicheres komödiantisches Timing reichen, um den Film zu etwas ganz Besonderem zu machen und ihn in die Sphären der unsterblichen Komödienklassiker zu erheben - zusammen mit e
inigen wirklich herzwärmende Sequenzen, aus welchen die tiefe Freundschaft und Vertrautheit spricht, die zwischen den beiden Hauptdarstellern herrschte.

Der Film ist hierzulande auf DVD erhältlich.


Mittwoch, 10. Februar 2021

Seh-Empfehlung 21: Reise aus der Vergangenheit (Now, Voyager, 1942)

Originaltitel: Now, Voyager
Deutscher Titel: Reise aus der Vergangenheit (TV-Premiere Juni 1978)
Mit Bette Davis, Paul Henreid, Gladys Cooper, Claude Rains, Ilka Chase, John Loder u.a.
Regie: Irving Rapper
Drehbuch: Casey Robinson nach dem Roman von Olive Higgins Prouty
Studio: Warner Bros
Dauer: 117 min

Mit gemischten Gefühlen legte ich diesen Film ein: Eine Liebesschnulze aus den Vierzigerjahren?
Begeistert schaltete ich am Ende den Beamer aus.

Gleich zu Beginn werden wir Zeugen eines Psychodramas, das sich in einer einflussreichen, alteingesessenen Bostoner Familie abspielt. Lisa Vale (Ilka Chase), älteste Tochter des Vale-Clans, besucht die verwitwete und verbitterte Mutter (Gladys Cooper) in ihrer grossherrschaftlichen Villa - mit einem Psychiater im Schlepptau und einem Hintergedanken. Sie will ihrer neurotischen Schwester Charlotte (Bette Davis) helfen, die seit ihrer Kindheit unter der lieblosen und herabwürdigende Behandlung der Mutter litt und darob zur linkischen Jungfer geworden ist. Dr. Jaquith (Claude Rains) soll Charlotte helfen, vom eisernen Regime der Frau Mama loszukommen und eine selbständige Persönlichkeit entwickeln.

Das klingt schon zu Beginn nicht nach Liebesschnulze...! Aber Geduld - es kommt schon noch soweit. 

Nach einem längeren Aufenthalt in Dr. Jaquiths Sanatorium ist Charlotte soweit, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie unternimmt eine Kreuzfahrt... und lernt dort den überaus sympathischen Jeremiah Durrance (Paul Henreid) kennen. Dieser ist allerdings verheiratet und hat zwei Töchter. Ein Ausflug, der unvermutet zum Abenteuer wird, bringt die zwei einander näher. Obwohl aus der anfänglichen Zuneigung etwas Tieferes geworden ist, beschliesst man, seiner Wege zu gehen.

Aha! Also doch eine Liebesschnulze! Die beiden trennen sich und es wird tragisch...

Wieder falsch!
Charlotte ist durch den inspirierenden Kontakt mit Jeremiah vollends gesund geworden. Sie fühlt sich kräftig genug, um zur Mutter zurückzukehren. Und nun nimmt das Psychodrama seinen Lauf, oder besser: Es wird zum Psychokrieg, denn Charlotte lässt sich nicht mehr alles gefallen...

Doch da ist der Film noch nicht fertig, und natürlich tritt Jeremiah erneut in Charlottes Leben, doch Now, Voyager hält noch einige weitere Überraschungen bereit...! 

Der von Irving Rapper gedrehte Film ist untypisch für eine grosse Hollywood-Studioproduktion der Vierzigerjahre. Doch Warner Bros. waren dafür bekannt, alles ein wenig anders zu machen als die anderen Studios. Wenn das auf harte realistische Storys spezialisierte Produktionsfirma ein Liebesdrama ankündigte, war meist mehr dahinter. Hier wächst es sich zur Reise in die Selbstbestimmung einer Frau aus, die am Schluss so weit erstarkt, dass sie sich nicht, wie zahllose Frauenfiguren jener Zeit, als Anhängsel des angeschmachteten Mannes definiert. Sie entscheidet sich für die Liebe, aber anders, als man damals dachte. Und auch heute noch verblüfft und rührt der unkonventionelle Schluss.

Bis es soweit kommt, erlebt der Zuschauer einen hervorragend gemachten Film. Drehbuch und Regie sind glänzend, aber auch die zugrundeliegende Geschichte der Romanvorlage ist stark. Die Figuren überzeugen, sie sind lebendig gezeichnet und tragen die Geschichte, sie bleibt dadurch immer spannend.

Bei uns gab's den Film sogar mal auf DVD - diese ist inzwischen nur noch antiquarisch erwerbbar.

Montag, 8. Februar 2021

Seh-Empfehlung 20: Terminator (The Terminator, 1984)


Originaltitel: The Terminator
Deutscher Titel: Terminator
USA 1984
Mit Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Michael Biehn, Lance Henriksen, Bill Paxton, Paul Winfield
u.a.
Drehbuch: James Cameron und Gale Ann Hurd

Regie: James Cameron

Aus einer düsteren Zukunft, in welcher Maschinen die Herrschaft übernommen haben und die Menschheit auszulöschen drohen, reisen zwei Gestalten durch die Zeit zurück ins Los Angeles des Jahres 1984 - die eine gut, die andere böse.
Die Böse ist ein Roboter in Menschengestalt, Terminator genannt (Arnold Schwarzenegger) - er hat es auf eine gewisse Sarah Connor (Linda Hamilton) abgesehen mit dem Auftrag, sie zu töten. Der Gute heisst Kyle Reese (Michael Biehn), ein Söldner und Wiederstandskämpfer - er hat den Auftrag, Sarah Connor vor dem Terminator zu beschützen.
Nun ist Sarah Connor nichts weiter als eine ganz gewöhnliche junge Frau - was um alles in der Welt wollen die beiden Irren aus der Zukunft bloss von ihr?

Regisseur James Cameron gehört heute zu den grössten seines Fachs, er drehte einen Blockbuster nach dem anderen: Aliens, Titanic, Avatar - die einflussreichsten Filme der letzten zwanzig Jahre stammen alle aus seiner Filmwerkstatt. Am Anfang seines Ruhms stand The Terminator. Inspiriert von einem eigenen Gemälde (ein Roboter entsteigt einem Flammenmeer) schrieb er mit seiner Studienkollegin Gale Ann Hurd eine Science-Fiction-Schnurre über einen Krieg in der Zukunft und zwei Zeitreisende, welche den Konflikt in unsere Gegenwart hineintragen. Arnold Schwarzenegger, dessen Filmkarriere zu jener Zeit schwächelte, war ursprünglich für die Rolle des Guten vorgesehen und der magere Lance Henriksen (der im fertigen Film in einer Nebenrolle als Polizist zu sehen ist) hätte den Terminator geben sollen.
Alles kam anders. Plötzlich stand die Erkenntnis im Raum, Schwarzenegger wäre der wirkungsvollere Bösewicht. Nach kurzen Image-Bedenken willigte dieser ein - und so wurde aus Arnold Schwarzenegger ein Markenzeichen: Mit schwarzer Sonnenbrille, Lederjacke und Knarre hat er einen Platz unter den Unsterblichen des Films gefunden. In dieser Aufmachung steht er heute neben Charlie Chaplin, Marilyn Monroe und James Dean - als Ikone des Kinos.

Der Film schlug damals ein wie eine Bombe, zur grössten Überraschung der Studioverantwortlichen, die glaubten, lediglich einen weiteren schnellen und billigen Action-Kracher produziert zu haben. Billig war er, aber so schnell wie sie dachten, verschwand er nicht wieder aus den Kinos. The Terminator katapultierte Arnold Schwarzenegger und Regisseur James Cameron zu Starruhm. Millionen wollten das Spektakel sehen, in welchem zwei berserkerhafte Typen aus der Zukunft durch die Grossstadt-Strassen toben und halb Los Angeles in Schutt und Asche legen. 

Der Film ist hervorragend gemacht, man sieht ihm sein kleines Budget selten an. Die Action reisst kaum ab und man kommt fast nicht zum Atem holen, geschweige denn, zur Erkenntnis, dass die Charaktere sehr flach und eindimensional gezeichnet sind. Aber es ist gerade das Holzschnittartige, welches einen Teil des Reizes von Camerons Erstling ausmacht: Hier Gut, da Böse und dazwischen das nette Mädchen von nebenan, das nicht weiss, wie ihm geschieht. Damit bestreiten Cameron und seine Mit-Autorin Gale Ann Hurd einen ganzen Filmabend.

The Terminator ist eine Art Blaupause eines guten Action-Films: Er ist einerseits spannend, laut und aggressiv - wobei sich die gezeigte Brutalität in engen Grenzen hält; andererseits liegt ihm ein handwerklich hervorragendes, erzählerisch geschickt gearbeitetes Drehbuch zugrunde. Die nötigen Hintergrundinformationen zur Handlung erhält man bröckchenweise, teils sogar während den Verfolgungsjagden, nebenbei geliefert, durch hoch konzentrierte Dialoge, die sich auf das Nötigste beschränken. Damit und mit seinem atemlosen Tempo setzte The Terminator neue Masstäbe im Actiongenre.
So primitiv, wie er bei seiner Erstaufführung hingestellt wurde, ist er nicht. Arnie ballert zwar pausenlos in der Gegend 'rum und nietet mit verwerflicher Gleichgültigkeit alle um, die sich ihm in den Weg stellen, doch ist er ja ein seelenloser Roboter und somit ein Geschöpf der blinden Technologie- und Computergläubigkeit, vor der die Autoren ausdrücklich warnen. Bei allem Raudi- und Gauditum, dem die Macher frönen, verlieren sie ihre Botschaft in keinem Moment aus den Augen.

Dass der Witz nicht zu kurz kommt, ist ein weiteres Plus: The Terminator nimmt sich nie wirklich ernst und tischt den Zeitreise-Schmarrn mit launigen Sprüchen und grotesken Einfällen auf.
Man kann sich dem kruden Charme dieses futuristischen Blödsinns einfach nicht entziehen...

The Terminator ist auf DVD und Blu-ray erhältlich; er kann bei verschiedenen Anbietern auch gestreamt werden.

 

Seh-Empfehlung 29: Ehemänner und Ehefrauen (1992)

Originaltitel: Husbands and Wives Mit Woody Allen, Mia Farrow, Judy Davis, Sydney Pollack , Liam Neeson, Juliette Lewis, Lysette Anthony u.a...