Donnerstag, 3. Juni 2021

Children of Divorce (1927)


Mit Clara Bow, Esther Ralston, Gary Cooper, Einar Hanson, Norman Trevor, Hedda Hopper, Edward Martindel u.a.
Drehbuch: Hope Loring und Louis D. Lighton
Regie: Frank Lloyd, Josef von Sternberg (uncredited)
Premiere im deutschsprachigen Raum: bislang keine


Paris war in den Zwanzigerjahren offenbar der Ort, wo reiche amerikanische Paare sich scheiden lassen konnten. Unser Film setzt jedenfalls in einem Heim für geschiedene Kinder in Paris ein, wo mit der kleinen Kitty Flanders gerade ein Neuankömmling eintrifft. Sie schliesst dicke Freundschaft mit der etwas älteren Jean Waddington, und eines Tages treffen die beiden auf Ted Larrabee, auch er ein Kind geschiedener Eltern. Ted und Jean schwören, sich später einmal zu heiraten.
Jahre später: Alle drei sind Teil der amerikanischen High Society. Jean (Esther Ralston) ist durch Erbschaft unermesslich reich geworden, Kitty (Clara Bow), für die das Leben eine einzige Party ist, hat dagegen kein Geld mehr. Jean und Ted möchten immer noch heiraten. Kitty willl den jungen Prinzen Ludovico ehelichen, der sie zwar abgöttisch liebt, selber aber auch kein Geld hat. Er soll sich zwecks Finanzaufbesserung auf Geheiss seiner Familie mit der reichen Jean liieren.
Den Scheidungskindern stellt sich nun die Frage: Machen wir es ebenso falsch wie unsere Eltern und heiraten des Geldes wegen - oder pfeiffen wird auf den schnöden Mammon und versuchen, mit dem richtigen Partner glücklich zu werden?


Der heute nur noch Filmenthusiasten bekannte Stummfilm Children of Divorce handelt seinen etwas theoretisch klingenden Themenkomplex dank lebendiger Figuren erstaunlich spannend und interessant ab. Ständig neue Wendungen im Liebesreigen halten das Publikum bei der Stange und das ganze ist ausgesprochen elegant, oft zwischen Drama und Komödie changierend, in Szene gesetzt. Kostüme und Kulissen sind eine Augenweide, die beiden Hauptdarstellerinnen überzeugen in ihrer Gegensätzlichkeit. Auch Gary Cooper spielt nicht schlecht, fällt aber in den Sequenzen, in welchen er den Verzweifelten mimen muss, deutlich ab.
Cooper war damals mit dem Star des Films, Clara Bow, liiert; die Rolle in diesem Film erhielt er auf ihr Geheiss. Pläne, ihn zwischenzeitlich zu feuern, konnte sie mit ihrem Einfluss vereiteln. Und so wurde Children of Divorce für Cooper zu einem wichtigen Moment auf seinem Weg nach ganz oben.

Leider fällt auch der letzte Akt dieses Films ab; was vorher so geschmackvoll umgesetzt wurde, gerät plötzlich zum Schmierentheater. Er wirkt so, als hätte punkto Drama zum Schluss noch so richtig auf die Tube und die Tränendrüse gedrückt werden müssen, damit das Publikum was kriegt für sein Geld. Offenbar geht dieser missglückte letzte Akt auf das Konto von Starregisseur Josef von Sternberg, der nach Beendigungen von Frank Lloyds Dreharbeiten vom Produzenten für "Nachbesserungen" einbestellt wurde. Diesbezügliche Information erscheinen mir plausibel, denn es ist überdeutlich, dass dieser Akt eine gänzlich andere inszenatorische Handschrift trägt als der Rest des Films.
Das ist schade, denn bis dorthin kann sich Children of Divorce wirklich sehen lassen. Der finale Abgang von Clara Bow ist grandios und bildsprachlich subtil inszeniert - dort hätte man den Schlusspunkt setzen müssen. So war es möglicherweise auch gedacht, denn alles was nachher kommt, wirkt aufgepfropft, stillos und überflüssig. 


Children of Divorce kann bei youtube angesehen werden - allerdings mit einer gewöhnungsbedürftigen Musikbegleitung...


 

 



 

Montag, 31. Mai 2021

Der Fremde / Die Spur des Fremden (USA 1946)


Originaltitel: The Stranger
Mit Orson Welles, Edward G. Robinson, Loretta Young, Philip Merivale, Konstantin Shayne, Richard Long u.a.
Drehbuch: Anthony Veiller
Regie: Orson Welles
Premiere im deutschsprachigen Raum: 1977


Handlung:
Der KZ-Mörder Franz Kindler (Orson Welles) ist nach dem Zusammenbruch Nazi-Deutschlands in einer US-Kleinstadt untergetaucht und hat dort die Identität des harmlosen Historikers Charles Rankin angenommen. Am Vorabend seiner Hochzeit mit Mary Longstreet (Loretta Young) kommen zwei Männer in die Stadt: Konrad Meinike, ein ehemaliger Kollege Kindlers und der Nazi-Jäger Wilson (Edward G. Robinson). Der ehemals inhaftierte Meinike wurde von Wilson freigelassen, damit er ihn zu Kindler führe. Doch Kindler/Rankin ist schlau genug, Wilsons Spiel zu durchschauen: Er ermordert und verscharrt seinen Ex-Kollegen in einem Wäldchen, bevor dieser den Nazi-Jäger auf seine Spur bringen kann. In dem idyllischen Kleinstädtchen beginnt ein tödliches Katz- und Mausspiel...


Orson Welles vierter langer Spielfilm ist zwar monströs und bisweilen lächerlich, trotzdem fasziniert The Stranger in mehrfacher Hinsicht.
Der Anfang, der die Hauptfiguren und ihre Motivationen etabliert und der zeigt, wie Detective Wilson den gefangenen Nazi-Kumpel Kindlers freilässt,  wurde vom Produzenten leider weggekürzt. Das Filmmaterial gilt als verloren. So wirkt der Filmbeginn wie ein leicht wirrer Torso, der bis heute nicht restauriert werden konnte.
Erst als die Filmhandlung in der Kleinstadt Norman ankommt, wird die Narration einigermassen schlüssig.


Interessant ist Welles Inszenierung des film-noir-ähnlichen Stoffes: Er verwendet die im Film-Noir damals gängige, an den Expressionalismus angelehnte Bildsprache und treibt diese in die Extreme, so dass The Stranger bisweilen wie eine Parodie auf dieses Genre wirkt. Die überzogene Inszenierung korreliert dergestalt mit der leicht überkandidelten und daher kaum glaubhaften Geschichte (Massenmörder tarnt sich in einer harmlosen US-Kleinstadt als braver Lehrer - und nicht mal seine Braut schöpft Verdacht), dass der Streifen bisweilen monströse, oder manische Züge aufweist.
Er schafft aber damit auch eine unwirkliche Stimmung, deren innerer Spannung man sich nur schwer entziehen kann.
Ein faszinierender, aus der Produktion des damaligen Hollywood herausragender Film, der den schwachen Plot Kraft seiner Inszenierung in etwas transzendiert, das sämtliche Genres und Konventionen sprengt. Ob das gut oder schlecht ist, möge jeder für sich entscheiden.

Der vollständige Film (oder das, was nach den Kürzungen durch das Studio noch davon übrig ist) kann in HD-Qualität bei youtube angeschaut werden (englischsprachige Originalversion):





Sonntag, 23. Mai 2021

Seh-Empfehlung 31: Osterspaziergang (1948)

Originaltitel: Easter Parade
Mit Fred Astaire, Judy Garland, Peter Lawford, Ann Miller, Clinton Sundberg, Jules Munshin u.a.
Drehbuch: Sidney Sheldon, Frances Goodrich und Albert Hackett
Regie: Charles Walters

 

Kommt die Besprechung eines Osterfilms jetzt nicht etwas spät...?
Doch, aber zum Glück ist Easter Parade gar kein echter Osterfilm! Die titelgebende, bis heute begangene alljährliche New Yorker Osterparade ist lediglich Anfangs- und Endpunkt einer musikalischen Liebesgeschichte, eines liebesgeschichtlichen Musicals - und sie fungiert als Aufhänger und Symbol für die glücklich endene Romanze zwischen dem Tänzer Don Hewes (Fred Astaire) und seiner Schülerin/Tanzpartnerin Hannah Brown (Judy Garland).

Und damit ist über die Handlung praktisch schon alles gesagt.
Easter Parade ist eines jener typischen Musicals aus dem Hause MGM (Metro-Goldwyn-Mayer), die das Minimum an Handlung mit maximalem Kostüm- und Kulissen-Prunk wettmachzumachen versucht, mit fantasievoll inszenierten Musik- und Tanznummern und mit zahlreichen Songs bekannter amerikanischer Liedermacher (hier: Irving Berlin). In den meisten Fällen scheiterte besagter Versuch und das das Zuschauerinteresse erlahmt nach etwa 40 Minuten. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, und Easter Parade ist eine davon.

Einer der Gründe hierfür liegt im Drehbuch und dessen lebendigen Dialogen - der spätere Spannungsautor Sidney Sheldon hatte seine Finger drin. Auch die elegante, harmonisch dahinfliessende Regieführung von Musical-Spezialist (damals noch - anfänger) Charles Walters trägt Wesentliches zum Gelingen des Unternehmens bei. Der Hauptgründe aber sind Fred Astaire und Judy Garland!

Auch wenn der Handlungsfluss wegen einer Musiknummer wieder mal stehenbleibt: Egal wobei, man sieht den beiden Musical-Stars einfach zu gerne zu. Mit ihrer lebendigen Präsenz, ihrem Engagement elektrisieren sie die Leinwand - sämtliche Nebendarsteller verblassen neben ihnen. Wenn Astaire und Garland im Bild sind, ist eine Energie spürbar, welche weckt, ansteckt und begeistert. Die Chemie zwischen den beiden Stars stimmt, man nimmt ihnen die gegenseitige Zuneigung ab. Ein Jammer, dass dieser Film ihre einzige Zusammenarbeit blieb! 


Easter Parade
spielt in den Zehnerjahren des letzten Jahrhunderts, im Milieu reicher weisser Leute und wäre somit im heutigen Hollywood ein Unding, denn diese Leute waren ja gemäss gerade gängiger Ideologie schon damals irgendwie durch und durch rassistisch - weil sie eben weiss waren. Und es tauchen auch noch schwarze Bedienstete auf - natürlich wieder nur in winzigen Nebenrollen! Das muss man den woken Ton-Angebern als Journalist doch nachplappern, dass sowas verboten gehört! Auch wenn man weder genau weiss noch begründen kann, weshalb; denn die grossen Vorplapperer liefern keine Begründungen, sie erteilen sttdessen Befehle. 



Aber zurück zum Film. Easter Parade ist Sorg- und Arglos, keine Bösewichte stören das ausstattungsbesoffene Glück - auch das ist im heutigen Kino kaum mehr möglich, dafür haben linke Moralapostel von den Achtundsechzigern an aufwärts
auch in Hollywood gesorgt. Natürlich war die Welt auch zur Entstehungszeit dieses Films nicht in Ordnung, doch damals hatte der Eskapismus, dieser auf keiner Realität basierende positive Gegenentwurf zur Wirklichkeit, noch seinen Platz und seine Berechtigung im Kino. Und er entfaltet auch heute, 63 Jahre später, noch seine volle Wirkung. Fred Astaire und Judy Garland erwachen auf der Leinwand zu neuem Leben und nehmen uns an der Hand in eine Welt, wo man mitten auf der Strasse in ein Lied ausbricht - begleitet von einem vollbesetzen Orchester - und wo einem fremde Passanten auf der Strasse ungeniert den Refrain zurufen, in reinstem Ton und in harmonischem Gleichklang. Das war auch ein Statement, eine gesungene und getanzte Utopie des harmonischen menschlichen Zusammenlebens. Es entlarvt die miesepetrige Hetze um rassistische Untertöne bis zur Lächerlichkeit.

 
Fazit: Easter Parade ist ein ansteckend lebensfrohes Gegengift zum Elend heutiger politischer Verwirrtheit. Es bietet Erholung und hilft, dem Verzagen zu trotzen.

Zu sehen ist er hierzulande online bei mehreren Streaming-Anbietern - siehe hier. (davon empfehle ich GooglePlay, denn dieser Dienst hat den Film als einziger in der untertitelten englischen Originalafassung).
Aktuell ist er auch auf Blu-ray erhältlich - in der deutschen und englischen Fassung mit zuschaltbaren Untertiteln in mehreren Sprachen (auch Deutsch).




Sonntag, 16. Mai 2021

Seh-Empfehlung 30: Der Seewolf (1941)


Originaltitel: The Sea Wolf
Mit Edward G. Robinson, Ida Lupino, John Garfield, Alexander Knox, Barry Fitzgerald, Gene Lockhart, u.a.
Drehbuch: Robert Rossen nach dem Roman von Jack London
Regie: Michael Curtiz
Dauer: 100 min

Inhalt:
The Sea Wolf
ist eine Hollywood-Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jack London.
Er erzählt die Geschichte des Schriftstellers Humphrey van Weyden (Alexander Knox), der nach einem Fährschiffunglück an Bord des Handelsschiffs "Ghost" gelangt, dessen hartherziger Kapitän Wolf Larsen (Edward G. Robinson) mit eiserner Hand als Alleinherrscher über eine Mannschaft grobschlächtiger Seemänner regiert und mit seiner brutalen Art und Angst und Schrecken verbreitet. So entsteht im Verlauf der Handlung ein spannender Diskurs über Herrschertum und dessen Grenzen, der ganz im Geist der damaligen Epoche steht und sich zudem als zeitlos erweist.


Hintergrund:
Der Film wurde von A bis Z im Studio gedreht; trotzdem ist er atmosphärisch derart dicht, dass man das Meerwasser auf der Zunge zu schmecken glaubt.

Der Film kam 1947 - zusammen mit dem Errol Flynn-Vehikel The Sea Hawk von 1940 - nochmals in die Kinos. Auf Geheiss von Studioboss Jack Warner wurde er um 15 Minuten gekürzt. Seit dieser Verstümmelung galt die ursprüngliche Version im originalen Kinoformat (35mm) als verloren. Vor drei Jahren tauchte die komplette 35mm-Version dann überraschend im Archiv des Museum of Modern Art in New York wieder auf.

Bei uns kam der Film erst nach dem Krieg, im Jahr 1949 und unter dem Titel Der Seewolf, in die Kinos.


Deshalb lohnt sich das Ansehen:
Dem Film gelingen gleich drei Kunststücke:
Die Vorlage ohne Substanzverlust auf das vereinfachende Kinoformat herunterzubrechen, den Inhalt zu straffen und das Problem des Einheits-Schauplatzes (der ganze Film spielt praktisch ausschliesslich an Bord von Larsens Schiff) zu einem Vorteil umzumünzen. So ist The Sea Wolf zum intim-klaustrophobischen Kammerspiel geworden, und wie bei jedem Kammerspiel steht und fällt der Film mit der Wahl der Schauspieler - und der Schauspielerin.
Und auch da bleibt die Begeisterung erhalten. Niemand anders als Ida Lupino (sie ist heute noch bekannt als eine der wenigen Filmregisseurinnen des klassischen Hollywood) konnte eine geflohene Strafgefangene noch unter glamouröser Schminke, mit noch im Sturm gestylter Frisur und in schöner Kleidung derart glaubwürdig abgehärmt und desillusioniert verkörpern. Alexander Knox und John Garfield glänzen ebenso, sie scheinen mit ihren Rollen aufgewachsen zu sein. Und auch Nebendarsteller wie Barry Fitzgerald als frettchenhafter Schiffskoch und Gene Lockhart als versoffener Bordarzt haben unvergessliche Momente.

Aber über allen thront Edward G. Robinson; Wolf Larsen ist möglicherweise die grösste schauspielerische Leistung seiner Hollywoodkarriere. Der kleine, untersetzte Mann füllt die Rolle des im Buch als blonder, muskulöser Hüne beschriebenen Kapitäns derart überlebensgross aus, dass sich Kenner des Romans in keinem Augenblick an dessen Erscheinung stören. Sobald Robinson die Szenerie betritt, gibt es keinen Zweifel mehr: Er ist Wolf Larsen, der gefürchtetste Kapitän seiner Zeit. Sieht man sich diesen Film an, kann man kaum glauben, was für ein liebenswürdiger, humorvoller Mensch Robinson privat war.





Samstag, 8. Mai 2021

Morgen ist die Ewigkeit (1946)


Originaltitel: Tomorrow is Forever
Mit: Claudette Colbert, Orson Welles, George Brent, Lucile Watson, Natalie Wood, Richard Long, John Wengraf u.a.
Drehbuch: Lenore Coffee nach einem Roman von Gwen Bristow
Regie: Irving Pichel



Inhalt:
Jahre nachdem der Ehemann von Elisabeth Hamilon (Claudette Colbert) im ersten Weltkrieg gefallen war, gibt sie dem Werben ihres Chefs (George Brent) nach und heiratet ihn.
In Wahrheit hat Gatte John (Orson Welles) allerdings überlebt. Doch weil eine Verwundung ihn zum Krüppel gemacht hat, belässt er Elisabeth in ihrem Glauben an sein Ableben und nimmt in Wien eine neue Identität an. Als Erik Kessler reist mit der kleinen Margaret Ludwig (Natalie Wood), die ihre Eltern im Krieg verloren hat, zurück in die USA. Dort findet er eine Anstellung als Chemiker - ausgerechnet in der Firma von Elisabeths neuem Ehemann...


Hintergrund:
Dies ist der erste Film, in welchem die damals achtjährige Natalie Wood eine grössere Rolle spielte und dafür auch in den Credits erwähnt wurde.

Orson Welles und die kleine Natalie Wood in einer Drehpause


Deshalb lohnt sich das Ansehen:
Ein ungewöhnlicher Film, der nicht so richtig in die Melodrama-Schublade passen will, in den man ihn aufgrund des Handlungsverlaufs gern steckt. In Grunde ist Tomorrow is Forever ein Antikriegsfilm, der seine starke Botschaft - ganz ohne Kriegsbilder - über eine Beziehungsgeschichte vermittelt.
Das Werk hat einige Schwächen, die sich aber auf mirakulöse Weise aufheben. So drückt Orson Welles, der den verlorenen Ehemann spielt, als einziger ziemlich auf die Melodrama-Tube. Zudem wirkt seine dick aufgetragene Maske heute befemdend. Welles spielt seine tragische Rolle aber mit soviel schauspielerischer Kraft, dass sämtliche anderen Akteure (ausser Natalie Wood) neben ihm verblassen. Er schafft es, die menschliche Grösse seiner Figur glaubhaft zu vermitteln, er ist das Herzstück des Films, und man merkt, dass er sich dessen voll und ganz bewusst war.
Es gibt eine Szene, in der auch Claudette Colbert leuchtet - möglicherweise die beste ihrer Karriere: Als sie Kessler zu erkennen gibt, dass sie ihn als ihren totgeglaubten Ehemann identifiziert hat. Sie spielt diese zentrale Szene ohne jeden Anflug von Sentimentalität und verhindert damit, dass sie zum Rührstück gerät.
Der ganze Film bezieht seine Wirkung aus einer ähnlichen emotionalen Zurückhaltung. Nur der Schluss ist leider zu dick aufgetragen.




 



Dienstag, 4. Mai 2021

Seh-Empfehlung 29: Ehemänner und Ehefrauen (1992)


Originaltitel: Husbands and Wives
Mit Woody Allen, Mia Farrow, Judy Davis, Sydney Pollack, Liam Neeson, Juliette Lewis, Lysette Anthony u.a.
Drehbuch und Regie: Woody Allen


Inhalt:
Jack und Sally (Sydney Pollack und Judy Davis), ein verheiratetes Paar in mittleren Jahren, kündigen ihre Trennung an - was Gabe und Judy, ein ebenfalls verheiratetes Paar in mittleren Jahren, in eine Krise stürzt. Sie sehen die ganze Selbstverständlichkeit, mit der sie bisher zusammen -, respektive aneinander vorbeigelebt haben, plötzlich in Frage gestellt. Was folgt, ist ein tragikomischer Beziehungsreigen, der die Instabilität, Unsicherheit und mangelnde Selbstbewusstheit der vier New Yorker Intellektuellen auf komische und dramatische Weise blosslegt.  



Hintergrund:
Husbands and Wives war jener Film, der bei seiner Premiere vollkommen überschattet wurde von der Trennung und der von den Medien sensationsgeil aufbereiteten Schlammschlacht zwischen Mia Farrow und Woody Allen; diese war von der Affäre Allens mit Mia Farrows Adoptivtocher Soon-Yi ausgelöst worden. Pikanterweise hat der von Allen gespielte Literaturprofessor eine Affäre mit einer seiner viel jüngeren Studentinnen (Juliette Lewis), was viele als Indiz für den autobiographischen Charakter des Films sahen (den Allen aber bestreitet). Die letzten Drehtage waren bereits von dem besagten Streit überschattet. Husbands and Wives war die letzte Zusammenarbeit zwischen Farrow und Allen, und die Schlammschlacht nahm später noch üblere Dimensionen an. Die Presse schlug sich auf Farrows Seite und sorgte mit verleumderischen Berichten dafür, dass Woody Allen bei vielen seiner Fans in Misskredit geriet. Tatsächlich war meine Rezeption bei der Premiere von Enntäuschung getrübt und ich konnte den Film nicht als den Wurf schätzen, der er tatsächlich ist.

Kritik:
Eigentlich ist der Film eine schonungslose Betrachtung des Älterwerdens. Zwei Paare finden sich unversehens in einem Lebensabschnitt wieder, der Neudeutsch als "midlife crisis" bezeichnet wird. Sie verlieren den gegenseitigen Halt, geraten dank gesellschaftlichem Druck zur Überzeugung, ihr Leben müsse doch mehr sein als die ereignislose "traute Zweisamkeit" und der ewig gleiche gemeinsame Freundeskreis. Und so werden wir Zeuge von brachialen und zaghaften Ausbruchsversuchen, von kleinen und grossen Erschütterungen, von Zusammenbrüchen und passiver Aggression.
Einmal mehr destilliert Woody Allen aus der Nabelschau menschliche Wahrheiten über den Lauf der Welt und das Strampeln der Menschen darin. Scheinbar nebenbei schafft er faszinierende, glaubhafte Charaktere, denen er mit viel psychologischem Gespür und Empathie Leben einhaucht.
Husbands and Wives lebt ganz stark von Allens brillianten Dialogen, die ständig zwischen schneidend und witzig changieren.
Das mit unruhiger Handkamera gefilme Werk macht die Visionierung nicht einfach, spiegelt aber den unsicheren Zustand der vier Hauptfiguren perfekt.

Wo ansehen:
Husbands and Wives findet man hierzulande online bei verschiedenen Stream-Anbietern - siehe hier.



Samstag, 1. Mai 2021

Seh-Empfehlung 28: Topaze (1933)

Originaltitel: Topaze
Mit John Barrymore, Reginald Mason, Myrna Loy, Jobyna Howland, Jackie Searl, Albert Conti, Louis Alberni u.a.
Drehbuch: Ben Hecht nach einem Theaterstück von Marcel Pagnol
Regie: Harry d'Abbadie d'Arrast

 


Inhalt:
Der sozialistisch-idealistische Grundschullehrer Auguste Topaze (John Barrymore) wird wegen seiner "marxistischen" Einstellung vom Dienst suspendiert und kommt darauf bei einem betrügerischen Grossindustriellen (Reginald Mason)
als Chefchemiker zu Ruhm und Ehre. In seiner idealistischen Begeisterung sieht er zunächst nicht, dass er vom seinem kapitalistischen Arbeitgeber missbraucht wird, und als es ihm bewusst wird, zeigt sich, dass er das System zu seinem Vorteil auszunützen gelernt hat.
Intelligentt und mit sarkastischem Witz servierte Gesellschaftssatire um Idealismus und dessen Zusammenprall mit der Realität.


Hintergrund:
Marcel Pagnols gleichnamiges Theaterstück wurde 1928 uraufgeführt und bereits 1933 wurde es verfilmt - und zwar gleich zwei Mal: Einmal in Frankreich, mit Louis Jouvet in der Hauptrolle, und einmal in Hollywood. Weil das Stück in Frankreich ein grosser Erfolg war, fand es seinen Weg auch in die USA - und der Schritt von dort auf die Leinwand war so gut wie sicher. Dass beide Filmversionen fast gleichzeitig erschienen, war Zufall.
Marcel Pagnol inszenierte drei Jahre später eine eigene Filmversion seines Stoffes, dem zahlreiche weitere folgten (.u, a. mit Fernandel oder Peter Sellers in den Rollen des Topaze).

Deshalb lohnt sich das Ansehen:
Die amerikanische Filmversion gehört voll und ganz John Barrymore. Und er macht das Beste daraus. Regelmässige Leser meines Blog wissen vielleicht, dass Barrymore zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern gehört.
Sein komödiantisch-verspieltes Portrait des weltfremden Schulmeisters, der zu Ruhm und Geld kommt, ist ein einziges Vergnügen. Sein Spiel ist zwar übertrieben, doch Barrymore macht das derart gekonnt und präzise, dass es eine Freude ist. Dass er seinen Mitschauspielern auch ihren Platz lässt, ist umso sympathischer, als sich der Film ausschliesslich um seine Figur dreht. Barrymore war einer der grössten seines Fachs, und das kommt in diesem zu Unrecht vergessenen Film deutlich zum Ausdruck.
Aber auch das Drehbuch und die Regie sind erstklassig, da sie sich ganz in den Dienst der vorzüglichen, mehrschichtigen Vorlage stellenEin wunderbares Filmvergnügen!




 

 

Mittwoch, 28. April 2021

Galopp ins Glück (1940)


Originaltitel: Down Argentine Way
Mit Betty Grable, Don Ameche, Carmen Miranda, Charlotte Greenwood, Leonid Kinskey, Henry Stephenson, J. Carrol Naish, The Nicholas Brothers u.a.
Drehbuch: Darrell Ware und Karl Tunberg
Regie: Irving Cummings
Deutsche Erstaufführung (Kino): Juli 1950, unter dem Titel Galopp ins Glück



Inhalt:
Die reiche Pferdenärrin Glenda Crawfod (Betty Grable) verliebt sich in New York in den argentinischen Pferdebesitzer Ricardo Quintana (Don Ameche) und reist mit ihrer Tante (Charlotte Greenwood) nach Argentinien, wo sie für einiges Durcheinander sorgen.

Hintergrund:
Down Argentine Way war der erste Film einer ganzen Reihe mit südamerikanischen Themen - zu denen übrigens auch der kürzlich hier besprochene Disney-Film The Three Caballeros gehörte. Die Projekte begleiteten Präsident Roosevelt's
"Good Neighbor Policy", mit der eine Annähreung an den Nachbarkontinent versucht werden sollte. Hollywood erhoffte sich davon nicht zuletzt einen Ersatz für den wegen des Krieges weggebrochenen europäischen Absatzmarkt.
Obwohl Down Argentine Way in den USA grossen Erfolg hatte, wollten ihn die Argentinier verbieten - wegen seines grobschlächtigen Umgangs mit ihrer Kultur. Carmen Miranda etwa, die im Film drei Lieder trällert, war Brasilianerin und singt die Stücke auch in brasilianischem Portugiesisch. Zahllose grobe Fehler und Ungenauigkeiten wurden moniert und man beanstandete, dass
die vier argentinischen Hauptcharaktere alle von Ausländern verkörpert wurden, und zwar von einem Amerikaner (Ameche), von einem Russen (Leonid Kinskey), von einem Iren (J. Carrol Naish) und von einem Briten (Henry Stephenson)!
Für Betty Grable wurde der Film ein Riesenerfolg, sie avancierte dadurch praktisch über Nacht von der kleinen Nebendarstellerin zum Superstar.

 
Deshalb lohnt sich das Ansehen:
Viel Inhalt ist nicht in Down Argentine Way. Es ist einer jener Filme, in denen der Hauptcharakter am Klavier in ein Lied einstimmt, das zu einer Tanzsequenz führt und in einem Chorfinale mit Riesenorchester endet. Der Film wirkt, als wäre er ohne viel Sinn und Verstand zusammengestoppelt worden, und er ist weit weg von einem grossen Werk, doch es gibt genügend Highlights, die einen bei der Stange halten und das Ansehen vergnüglich machen, u.a. die herrlich aufspielenden Hauptdarsteller (allen voran Don Ameche, der sich hier völlig überraschend als erstaunlich guter Sänger entpuppt).

Hier kann der Film in hervorragender Bildqualität und in der englischen Originalversion angeschaut werden.




 





Dienstag, 27. April 2021

Rendes-vous im Jenseits (1991)

Originaltitel: Defending your Life
Mit Albert Brooks, Rip Torn, Meryl Streep, Lee Grant, Buck Henry,
Drehbuch und Regie: Albert Brooks

Inhalt:
Der Marketingspezialist Daniel Miller (Albert Brooks) landet nach einer Kollision mit einem Bus in einer Art Zwischenwelt, genauer: in der Stadt Judgement City. Dort bekommt er einen Verteidiger zugeteilt und erfährt, dass er nun vor Gericht sein Erdenleben verteidigen müsse. Falls er und sein Verteidiger glaubhaft machen können, dass Daniel seine Ängste überwunden hat, kommt er weiter, andernfalls wird er zur Erde zurückgeschickt und muss aufs Neue versuchen, gegen die Ängste anzukommen. Denn Angst verhindert Intelligenz, und diese ist der eigentliche und einzige Grund, dass man nach dem Tod eine Stufe weiter darf.
Als Daniel die bezaubernde Julia (Meryl Streep kennenlernt, entspinnt sich zwischen den beiden eine Romanze...


Deshalb lohnt sich das Ansehen:
Albert Brooks fügt mit Defending your Life den zahlreichen Jenseits-Fantasien des Hollywoodkinos eine eigene, höchst originelle Variante hinzu. Mit viel Witz und gänzlich unsentimantaler Grundhaltung verarbeitet er seine Idee zu einer charmanten Fantasy-Version vom Leben nach dem Tod. Die Stärken des Film sind sein Drehbuch, dort vor allem die witzig-scharfzüngigen Dialoge, und die schauspielerischen Leistungen der Nebendarsteller; allen voran Rip Torn, der sich als Idealbesetzung des pompösen, aber sympathischen Anwalts erweist - obwohl er hier gegen seine üblichen Bösewichtrollen besetzt wurde.
Brooks Regieführung hingegen lässt punkto Originalität etwas zu wünschen übrig, zudem sieht man dem Film sein schmales Budget hin und wieder an.
Auch die Liebesgeschichte überzeugt nicht wirklich - zum einen entsteht zwischen Brooks und Streep keinerlei Chemie, zum anderen fungiert diese Nebenhandlung am Schluss als doch etwas billiger Ausweg zum Happy End.
Diese paar Minuspunkte trüben den guten Eindruck, den Defending your Life insgesamt macht, glücklicherweise nur leicht.


Wo ansehen:
Defending your Life ist auf Blu-ray und DVD bei uns erhältlich. Auch im Stream kann er bei mehreren Anbieter online angeschaut werden.
Hier (youtube) habe ich ein Interwiev mit Filmemacher und Hauptdarsteller Albert Brooks zu Defending your Life gefunden (ab 7:28 wird das Interwiev wiederholt - gefilmt aus einem anderen Kamerawinkel.
An Evening with Albert Brooks (youtube) ist ein 60 minütiges Gespräch zwischen dem Filmemacher und
Scott Foundas (Programmdirektor des Lincoln Center).

Weitere Filme des Regisseurs Albert Brooks:
Kopfüber in Amerika (Lost in America, 1985), Die Muse (The Muse, 1999), Looking for Comedy in the Muslim World (2005)




 

Freitag, 23. April 2021

Seh-Empfehlung 27: Das Geheimnis der drei Schwestern (1941)


Originaltitel: Ladies in Retirement
Mit Ida Lupino, Louis Hayward, Elsa Lanchester, Edith Barrett, Evelyn Keyes, Isobel Elsom, Clyde Cook u.a.
Drehbuch: Garrett Fort und Reginald Demham nach dem Stück von Reginald Denham und Edward Percy
Regie: Charles Vidor


Inhalt:
Ellen Creed (Ida Lupino) arbeitet als Haushälterin der reichen Mrs Fiske (Isobel Elsom), die in einem alten Haus weit draussen im Moor lebt. Als Ellens zwei verrückten Schwestern in London die Einweisung in eine Irrenanstalt droht, lässt sie die beiden - mit dem widerwilligen Einverständnis ihrer Arbeitgeberin - ins Mrs Fiskes Haus holen. Dieses verwandelt sich darauf in ein Tollhaus, und Mrs. Fiske schmeisst die beiden trotz Ellens Flehen wieder hinaus und droht, sie ihrem Schicksal zu überlassen. In ihrer Verzweiflung bingt Ellen ihre Arbeitgeberin um. Die Lüge, Mrs. Fiske sei auf Reisen, lässt sich allerdings nicht lange aufrecht erhalten - erst recht nicht, als ein zwielichtiger Verwandter (Louis Hayward) Ellens auftaucht und im ganzen Haus herumzuschnüffeln beginnt...

Deshalb lohnt sich das Ansehen:
Ladies in Retirement ist ein atmospährisch dichter, sehr gut aufgebauter viktorianischer Crime-Thriller, der die Theatervorlage in ein gut geschriebenes Drehbuch umgiesst und diese dabei nicht verleugnet. Dank herausragender Darstellerinnen und Darsteller packt er von Beginn weg und macht dadurch richtig Spass.
Louis Hayward, Ida Lupino und Elsa Lanchester liefern hier wahre Glanzleistungen ab.
Besonders beachtenswert ist das heute fast vergessene Multitalent Ida Lupino; sie war nicht nur eine hervorragende Schauspielerin, sondern führte als eine der ganz wenigen Frauen im damaligen Hollywood-System auch Regie und schrieb Drehbücher.


Wo ansehen:
Ladies in Retirement
ist bei uns leider weder auf Blu-ray, auf DVD noch im Stream erhältlich.
Hier
(youtube) kann er aber in voller Länge und guter Bildqualität in der englischen Originalversion angschaut werden.
H
ier (youtube) zudem ein kurzes Film-Portrait der Schauspielerin Ida Lupino, produziert vom US-Sender TCM (in englischer Sprache).
Und hier (ebenfalls youtube) eine Episode der Burns & Allen-TV-Show (George Burns & Gracie Allen), in welcher der Regisseur von Ladies in Retirement, Charles Vidor, einen prominenten Gastauftritt hat (ebenfalls englisch gesprochen).

Weitere Filme des Regisseurs Charles Vidor:
Gilda (1946), Tyrannische Liebe (Love me or Leave Me, 1955), Der Schwan (The Swan, 1956)
Weitere Filme mit Ida Lupino:
Sie fuhren bei Nacht (They Drive by Night, 1940), Entscheidung in der Sierra (High Sierra, 1941), Der Seewolf (The Sea Wolf, 1941), Die Bestie (While the City Sleeps, 1956), Junoir Bonner (1972)



 

 


Montag, 19. April 2021

Gold nach Singapore aka Abenteuer im gelben Meer (1935)

 

 
Originaltitel: China Seas
Mit Clark Gable, Jean Harlow, Wallace Beery, Rosalind Russell, Lewis Stone, C. Aubrey Smith, Robert Benchley, Dudley Digges, Akim Tamiroff u.a.
Drehbuch: Jules Furthman und James Kevin McGuinness nach dem Roman von Crosbie Garstin
Regie: Tay Garnett


Inhalt:
Captain Gaskell (Clark Gable) hat das Kommando über ein Schiff, das mit einer Ladung Gold und einer bunten Schar illustrer Gästen an Bord von Honkong nach Singapur unterwegs ist. Auch Gaskells alte Flamme Dolly (Jean Harlow) ist mit von der Partie, in der Hoffnung, an die alte Liebschaft anknüpfen zu können, doch der Käpten hat nur Augen für eine noble junge Engländerin (Rosalind Russell). Aus Enttäuschung darüber tut sich Dolly mit dem zwielichtigen Jamesy McArdle (Wallace Beery) zusammen, nicht ahnend, dass sie Gaskell und mit ihm die ganze Schiffsgemeinschaft damit in Lebensgefahr bringt...


Pressebild mit drei Stars: Beery, Harlow & Gable

Hintergrund:
Produzent Irving Thalberg konnte mit China Seas ein weiteres seiner seit Grand Hotel (1932) bekannten und beim Publikum beliebten All-Star-Vehikel in die Kinos bringen. Bis es soweit war, durchlief das Projekt allerdings schier endlose Stadien der Veränderung und Anpassung, mehrere Drehbuchautoren wurden drangesetzt, die Dialoge und die Handlung aufzupolieren. Herausgekommen ist ein Abenteuerfilm mit pointierten Dialogstrecken und glänzender Ensembleleistung. Er wurde ein grosser Publikumserfolg, der Clark Gables Starruhm ein gutes Stück weiter nach oben schnellen liess.
Heute ist China Seas nur noch hartgesottenen Fans des alten Hollywood bekannt.

Regisseur Tay Garnett (sitzend) mit Gable, Beery und dessen
Adoptivtochter Carol-Anne bei den Dreharbeiten zu "China Seas".
Carol Anne hatte eine ganz kleine Rolle im Film.

Clarke Gable und Jean Harlow funktionierten gut zusammen
und wurden damals gern als Leinwandpaar eingesetzt


Szenenbilder / Aushangfotos:

Kritik:
Obwohl er keinen Moment langweilt, vermag China Seas den Betrachter nicht gänzlich zu überzeugen. Das liegt in erster Linie daran, dass er sich nicht recht entscheiden kann, ob er Komödie, Gesellschaftsstück oder Abenteuerschnurre sein will.

Der Abenteuer- und Actionaspekt kommt erst im letzten Drittel so richtig zum Tragen und erweist sich inszenatorisch als schwächstes Glied des Films. Das kann zu einem grossen Teil den damals noch rudimentären technischen Möglichkeiten angelastet werden, welche manche Sequenzen - zumindest aus der zeitlichen Distanz betrachtet - etwas lächerlich aussehen lassen. Die unkontrollierte Raserei einer an Bord befindlichen Dampfwalze während des grossen Sturms etwa gehört dazu.

Das grosse Plus des Streifens sind aber die durchs Band hervorragenden Schauspieler und Schauspielerinnen und die sehr gut geschriebenen, farbigen Charaktere, die sie verkörpern. Sogar das Liebespaar hat Charakter und trumpft mit beträchtlichem Wortwitz und sichtlicher Spielfreude auf. Auch Wallace Beery, für den ich in meiner Besprechung des Films Beggars of Life kürzlich kein gutes Wort übrig hatte, überzeugt, weil er hier auf lauter gleichgesinnte "Rampensäue" trifft und nicht, wie dort, auf feinsinnige Charakterdarsteller.
Obwohl von Filmfans immer wieder die stimmige Chemie zwischen Clark Gable und Jean Harlow herausgestrichen wird, bin ich der Meinung, diese sei nicht der Rede wert angesichts der offensichtlichen Chemie zwischen Harlow und Beery! Die Szenen mit den beiden gehören zu den besten und unterhaltsamsten des Films, denn da scheinen sich zwei Vollblut-Komödianten gefunden zu haben.

Die Darstellung der Malayischen Piraten würde heute natürlich Anstoss zu Rassismus-Protesten geben; doch gehören diese einfach zum unverzichtbaren Inventar des exotischen Abenteuerfilms - oder gehörten bis vor kurzen noch dazu. Inzwischen werden uns solche Versatzstücke nachdrücklich und nachhaltig von linken Möchtegern-Saubermännern madig gemacht.
Die Piraten werden allerdings weder lächerlich dargestellt noch werden sie von weissen Komparsen verkörpert - zudem gibt es in diesem Film weisse Männer, die ungleich lächerlicher dargestellt werden - etwa der von Robert Benchley verkörperte dauerbesoffene Erfolgsautor.

China Seas ist im deutschsprachigen Raum weder auf Blu-ray, DVD oder online verfügbar. Er kann als DVD (RC0) der Warner Archive Collection bestellt werden.



Children of Divorce (1927)

Mit Clara Bow, Esther Ralston, Gary Cooper , Einar Hanson, Norman Trevor, Hedda Hopper, Edward Martindel u.a. Drehbuch: Hope Loring und Lou...