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Mittwoch, 27. Juli 2022

Manhattan (1979)


Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen und Marshall Brickman
Mit Woody Allen, Diane Keaton, Michael Murphy, Mariel Hemingway, Meryl Streep u.a.

Verstehe einer Woody Allen! Nach der Sichtung der Rohfassung von Manhattan, seinem bis heute erfolgreichsten Film, den viele für seinen besten halten, bekniete Allen die Produzenten, den Streifen zu vernichten; er würde dafür kostenlos ein anderes Werk für sie herstellen. Glaubt man den Geschichten, ist es seiner Cutterin zu verdanken, dass Manhatten dann trotzdem in die Kinos kam. Sie soll den Film so umgeschnitten haben, dass auch Allen am Schluss damit zufrieden war.

Der Film dreht sich um den Fernsehshow-Autor Isaac (Woody Allen) wie die Erde um die Sonne. Isaac ist mit der 17-jährigen Studentin Tracy (Mariel Hemingway) liiert; sein bester Freund, der seit Jahren verheiratete Yale (Michael Murphy) beichtet ihm, dass er eine Affäre mit der Kunstkritikerin Mary (Diane Keaton) hat. Als Isaac diese Frau trifft, beginnen sich die Konstellationen zu verschieben; Mary möchte sich von dem verheitrateten Yale lösen, Isaac von der Studentin; beide schieben jeweils moralische Gründe vor, aber meinen sie das ernst? Wissen sie selbst, ob sie es ernst meinen?

Spätestens hier merkt man, dass Isaac, Mary und Yale zwar intellektuell sehr gehoben daherreden können, dass sie aber bezüglich ihrer Gefühle völlig verunsichert sind und komplett im Dunkeln tappen. Mit der Zeit schält Woody Allen auch den Grund dafür heraus, ohne ihn explizit anzusprechen: Angst. Allen drei fehlt das Vertrauen, nicht nur in die anderen, sondern auch in sich selbst.
Dies sprich ausgerechnet die blutjunge Tracy an, die als einzige Reife zeigt. Ihr letzter Satz - und gleichzeitig der letzte Satz des Films - ist eine Bitte und gleichzeitig ein Rat an Isaac: "Have a little faith in people!" ("Habe ein wenig Vertrauen in die Menschen!")

Die eingangs zitierte Episode um das Zurückziehen des Films zeigt, dass Woody Allen wohl zu jener Zeit genau so unsicher und ängstlich war wie der von ihm im Film portraitierte Isaac. Wie anders lässt sich sein Fehlurteil bezüglich des Films erklären, der ein Riesenerfolg bei Kritikern und Publikum wurde und neue Masstäbe im Film setzte? Es gibt in Manhattan weitere Hinweise, dass Allen sich hier wie in keinem anderen seiner Filme selbst portraitiert, dass sich in Manhattan Fiktion und Biografie auf unentwirrbare Weise verflechten.


Der Film ist auch, wie der Titel schon sagt, das Portrait des wohl berühmtesten Stadtbezirks von New York, Manhattan. Allerdings muss diese oft gemachte Aussage präzisiert werden: Woody Allen entwirft hier sein Wunsch-Manhattan, ein durch grandiose Schwarzweiss-Bilder (Kamera: Gordon Willis), Montage, Musikuntermalung und Dialoge evoziertes Intellektuellen-Refugium und als Stadtneurotiker-Auffangbecken, das sich seither als geläufige Vorstellung dieses Stadtteils in den Köpfen eingenistet hat. Manhattan kreiert eine Scheinwelt, die so gut ist, dass man sie gern für bare Münze nimmt, eine Welt, in der alle stets eine clevere Antwort parat haben und witzig-gelehrte Sprüche im Akkord 'raushauen können.

Eine kleine Episode möchte ich als Beleg für meine obige Behauptung anführen. Alle kennen das Poster zum Film (s.oben), es gehört zu den ikonischen Bildern der Filmgeschichte, und es ist auch im Film enthalten: Woody Allen und Diane Keaton sitzen im Morgengrauen auf einer Parkbank vor der Queensboro-Bridge - eine unsterbliche Bildkomposition, das unsere Vorstellung von New York geprägt hat, ein Bild, auf dem alles stimmt.
Nur die Bank nicht. Da gab es nämlich gar keine. Sie musste für die Szene extra angeschleppt werden. Ohne die Bank wäre das Stimmungsbild gewöhnlicher, jedenfalls weniger beeindruckend.

Manhattan ist zudem jener Film Woody Allens, in dem er sein fiktives Selbstportrait mit dem fiktiven Portrait "seiner" Stadt untrennbar verquickt und daraus ein Lebensgefühl destilliert, das auch vielen seiner späteren Werken anhaftet und sie einzigartig macht.
Und obwohl die Intelligenzija der Stadt, die da portraitiert wird, nur mit sich selbst beschäftigt ist, d.h. jeder einzelne ausschliesslich mit sich, macht der Film grosse Freude. Das liegt zum einen an den lebendig gezeichneten und nur leicht überspitzten Figuren und zum anderen am omnipräsenten Witz, der auch die besinnlichsten Passagen immer wieder konterkariert und ridikülisiert. Gleichzeitig ist Manhattan überschattet von sanfter Melancholie, evoziert von der Unmöglichkeit der Figuren, aus ihrer bindungscheuen Einsamkeit auszubrechen und eine tragfähige Bindung einzugehen. 

Wie in den meisten Woody-Allen- Filmen geht es in Manhattan um die Liebe zwischen Mann und Frau, respektive um deren Komplexität. Ganz anders als in den Hollywood-Filmen der goldenen Aera, die Allen so liebt, welche nach der einfachen Formel "Boy meets girl - and they lived happily ever after" gestrickt waren, ist die Liebe bei diesem Filmemacher immer mit Agonie, Irrungen, Täuschungen und Enttäuschungen und vor allem mit Zweifeln und Ängsten, kurz, mit Problemen verbunden. Die Unmöglichkeit, vorbehaltlos und in romantischer Eintracht zu lieben, evoziert eine Melancholie, oft auch eine Bitterkeit, der stets mit bisweilen absurdem Humor, mit Sarkasmen und unvergesslichen, bissigen "one-linern" begegnet wird. Das ergibt eine umwerfende, unwiderstehliche Wirkung!
Woody Allens beste Werke sind Problemfilme, in denen man sich königlich amüsiert - und Manhattan ist der Prototyp davon.

Manhattan ist im deutschsprachigen Raum auf Blu-ray und DVD erschienen; beide sind antiquarisch noch erhältlich. Im Stream ist er bei den hier aufgeführten Anbietern verfügbar.
Man kann ihn auch hier - in der englischsprachigen Originalfassung online ansehen - ohne Werbung und Gebühren.

Woody Allen mit einer damals gerade aufstrebenden jungen Schauspielerin in Manhattan

 

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Eine Entdeckung: Spiel mit dem Tode (The Big Clock, 1948)
Als dem von seinem Vorgesetzten über Gebühr ausgebeuteten Investigativjournalisten George Stroud (Ray Milland) die Ehefrau dazulaufen droht, weil er nie Zeit für ihre seit Jahren anstehenden Flitterwochen hat, begibt dieser sich im Frust auf eine nächtliche Sauftour mit einer Kollegin - im Unkenntnis darüber, dass diese die Geliebte seines Chefs ist. Nachdem er sie heimgebracht hat und gerade geht, kreuzt sich Strouds Weg mit dem seines Chefs, dem ruchlosen Verleger Janoth (Charles Laughton), der gerade nach Hause kommt. Beide erkennen sich allerdings auf die zu grosse Distanz nicht. In dieser Nacht erschlägt Janoth seine Mätresse im Streit.
Sofort erinnert er sich an den Mann, den er das Apartement hat verlassen sehen und plant mit seinem Geschäftspartner Hagen (George Macready), dem Unbekannten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Da das Magazin, für welches Stroud schreibt, sich um ungelöste Morde dreht, betraut Janoth Stroud und dessen Stab mit der Aufgabe, die Identität dieses Mannes, des "unbekannten Mörders" aufzudecken.
Es dauert nicht lange, bis Stroud klar wird, dass die Tote seine Kollegin von letzter Nacht ist und dass er somit gegen sich selbst ermittelt. Da die Sauftour mehrere Stationen hatte, finden sich immer mehr Zeugen ein, welche die beiden vor dem Mord zusammen gesehen haben. Das Netz zieht sich immer enger um Stroud zusammen...
Die ausgeklügelte Story entstammt einem damals sehr populären Roman von Kenneth Fearing - sie ist so gut, dass sie sich praktisch von selbst verfilmt. In der Tat ist die konventionelle Regie (von Mia's Vater John Farrow) die schwächste Komponente in diesem Film. Das hervorragend aufgebaute, spannungsorientierte und streckenweise auch höchst witzige Drehbuch zusammen mit den beiden tollen Hauptdarstellern machen aus The Big Clock einen der erinnerungswürdigsten Krimis aus dem Hollywood der späten Vierzigerjahre.
Unnötig zu sagen, dass Charles Laughton, einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler, ein Fest aus seiner fiesen Hauptfigur macht; Earl Janoth gehört für mich zu seinen denkwürdigsten und prägnantesten Rollen.
Im deutschsprachigen Raum ist der Film als Spiel mit dem Tode auf DVD erschienen, die noch antiquarisch erhältlich ist.
Ansonsten kann man den Film hier in der englischsprachigen Originalfassung und in HD ansehen (ohne Werbeunterbrüche oder Gebühren).

Eine Überraschung: Jurassic Park III (2001)
Der dritte Teil der von Steven Spielberg begonnenen Jurassic Park-Trilogie ist bei weitem nicht so schlecht, wie die Fans behaupten. Spielberg hat die Regie hier an Joe Johnston abgegeben, und der liefert eine absolut solide Arbeit ab; nicht so raffiniert wie der Meister selbst in Teil 1, aber immerhin etwa auf demselben Level wie Spielbergs lustlose Inszenierung des zweiten Teils.
Plus Jurassic Park III liegt ein sehr gutes, teils wunderbar witziges Drehbuch zugrunde (an welchem Alexander Payne mitgewirkt hat!). So erscheint Jurassic Park III streckenweise wie eine Parodie des Originals, und das ist gut so, denn die Serie hatte sich schon im zweiten Teil totgelaufen.
Hier wird der gute alte Dr. Grant (Sam Neill) wieder rekrutiert; er soll mithelfen, einen auf der verbotenen Dinosaurier-Insel Sorna verschollenen Jungen zu suchen. Mit von der Partie: Eine kleine Söldner-Truppe, Dr. Grants Assistent Billy (Alessandro Nivola) und die geschiedenen, dschungel-unerprobten Mittelstands-Eltern des Jungen (Téa Leoni und William H. Macy). Und natürlich alle Riesenechsen der Insel plus ein Schwarm Archaeopteryxe. Eine fröhliche Jagerei und Cliffhangerei beginnt, die nie nachlässt und die mir fast soviel Spass gemacht hat wie der Originalfilm. Das hatte ich angesichts der vielen mauen Kritiken nicht erwartet - eine angenehme Überraschung!
Der Film kann bei zahlreichen Online-Diensten gestreamt werden - er ist auch auf Blu-ray und DVD erhältlich.

Ein "Stinker"
: Freundinnen (Beaches, 1988)

Und hier noch ein Reinfall!
Beaches erzählt von der langjährigen Freundschaft zweier Frauen (Bette Midler und Barbara Hershey), die eine aus armem Haus, die andere aus reichem, die eine kampfgewohnt, die andere verwöhnt.
Nur schon die Konstellation funktioniert nicht: Sie ist komplett unglaubwürdig, einerseits, weil wir nie sehen, wie sich diese Freundschaft entwickelt (der Film ist eine lange, episodenhafte Rückblende), und weil die beiden Hauptcharaktere papieren und alles andere als glaubhaft-lebendig gezeichnet sind. So bleibt die Freundschaft in diesem Film einfach eine Behauptung.
Kommt erschwerend dazu, dass sowohl Bette Midler als auch Barbara Hershey viel zu alt für ihre Rollen sind, vor allem, was die Anfangsjahre ihrer Freundschaft betrifft.
Und es kommt noch weiter erschwerend dazu, dass beide entsetzlich schlecht schauspielern. Bette Midler nervt mit ihrer zur Stereotype erstarrten Bette-Midler-Routine und Barbara Hershey - nun, sie ist einfach schlecht!
Am Schluss wird zusätzlich auf die Tränendrüse gedrückt ...
Ich fand den schon damals, bei seiner Kinopremiere nicht gut, jetzt, bei der zweiten Sichtung 34 Jahren später, fand ich ihn richtig grottig.
Wer ihn trotzdem anschauen will - hier der Link dazu (Werbe- und Gebührenfrei).

Dienstag, 5. Juli 2022

Le salaire de la peur (Lohn der Angst, Frankreich 1953)


Regie: Henri-Georges Clouzot
Drehbuch:
Henri-Georges Clouzot und Jérôme Géronimi
Mit Yves Montand, Charles Vanel, Folco Lulli, Peter van Eyck,

Es fällt auf, dass ich in diesem Blog wenig bekannte Filme bisweilen sehr lobe, während ich bei anerkannten Filmklassikern nicht selten die Nase rümpfe.
Das kommt daher, dass ich mir vorgenommen habe, ehrlich zu sein - und nicht vor einem "grossen Filmklassiker" in Ehrfurcht zu erstarren und Lobeshymen einfach nachzubeten, sondern genau und kritisch hinzuschauen. Wie ich dies übrigens bei jedem Film tue.
So versuche ich, "grosse" (oder "gross gemachte") Filme für mich erstmal auf Normalmass zu reduzieren; einige erweisen sich dabei tatsächlich als gross (z.Bsp: La grande illusion), andere verbleiben im Normalformat - Le salaire de la peur gehört zu letzteren.

Ich sehe, dass er sehr gut inszeniert ist. Die Inszenierung schielt zwar ständig auf die Kritiker, hat etwas selbstgefälliges, scheint ständig zu sagen: "Schaut, wie toll, diese Bildkomposition, dieser Schnitt, diese Kamerafahrt...!" Dazu etwas zeitgeistig-linker Antiamerikanismus und Antikapitalismus (man wusste ja, wo man punkten kann)... Mir ist klar, wie der Film zu seinem Ruf kam.
Doch die Regieführung ist tatsächlich das Beste daran. Von einer guten Inszenierung allein kann ich allerdings nicht leben. Und mehr ist da leider nicht.

Die schauspielerischen Leistungen jedenfalls genügen meinen Anforderungen nicht (grosse Ausnahme: Charles Vanel!). Die Story auch nicht (zwei Wagenladungen Nitroglyzerin müssen durch unwegsames Gebiet gefahren werden - ein Himmelfahrtskommando für vier Verzweifelte), auch wenn die Befürworter des Films so tun, als sei dies ein unheimlich origineller Einfall.
Auch das Drehbuch überzeugt mich nicht, es kommt in der ersten Hälfte (von zweieinhalb Stunden) einfach nicht in die Gänge und die fast durchs Band unsympathischen Figuren werden so flach gezeichnet, dass sie einen überhaupt nicht interessieren.

Und damit bin ich beim Hauptproblem des Films angekommen. Wie will ein Film Spannung wecken, wenn seine Hauptfiguren, um deren Leben man während des gefährlichen Transports bangen soll, allesamt selbstgefällige Macho-Typen sind, derart unympathisch gezeichnet, dass einem ihr Schicksal schlichtweg egal ist? So gesehen ist der Film eine Fehlkonstruktion von Anfang bis Ende. Er funktioniert einfach nicht. Spannung kam für mich nur sporadisch auf, wenn, dann wurde sie von der Art der Regieführung und vom Schnitt evoziert.

Der Schluss ist zudem richtiggehend saublöd und macht das Wenige von gutem Eindruck kaputt. Ein Happy-End durfte wohl ums Verrecken nicht sein, deshalb lässt der Regisseur seine Hauptfigur zuletzt auf völlig bescheuerte Art sterben - dies, kurz nachdem sie endlich eine sympathische Regung gezeigt hat.

Nun, ich bin froh, dass ich Le salaire de la peur endlich auch gesehen habe und mitreden kann. Ein weiteres Mal werde ich mir diesen hochgejubelten Depro-Streifen aber bestimmt nicht ansehen.
Aber guckt ihn Euch an, macht Euch selbst ein Bild und eine Meinung, plappert vor allem nicht die Kritiker-Einheitsmeinung nach.
Als Lohn der Angst ist der Film im deutschsprachigen Raum heute noch auf DVD verfügbar. Online ist er bei zwei Anbietern verfügbar.

imdb-Wertung: 8,2 / 10
Meine Wertung: 4 / 10

Der Film kann hier in der Originalfassung mit englischen Untertiteln online angeschaut werden (ohne Werbung oder Gebühren). 

Sonntag, 5. Juni 2022

Das Leben des Brian (Life of Brian, UK 1979)


 

Regie: Terry Jones
Drehbuch:
Graham Chapman, Terry Jones, John Cleese, Eric Idle, Michael Palin, Terry GilliamMit Graham Chapman, Terry Jones, John Cleese, Eric Idle, Michael Palin, Terry Gilliam, Carol Cleveland u.a.

Life of Brian
ist eine schier endlose Prozession von meist gelungenen Gags, Absurditäten, Verballhornungen - mit der Erkenntnis, das Leben sei miserabel und absurd.
Gegen diese Erkenntnis setzt die englische Monty Python-Truppe bekanntlich das Lachen.
Deren zweiter richtiger abendfüllender Spielfilm setzt diese Philosophie konsequent und eindringlich um, verlässt dabei mit seinem stringenten, durchgängigen Konzept die Episodenhaftigkeit der TV-Serie und überflügelt diese noch. Man könnte Life of Brian als die Quintessenz der Pythonismus bezeichnen. Es ist der ernsthafte Versuch der legendären Truppe, das Leben als Witz darzustellen; es in all seiner Grösse und seiner Erbärmlichkeit zusammenzufassen - und vorzuführen, was man am besten tut, um nicht daran zu verzweifeln: Es einfach nicht ernst nehmen. Oder wie es im abschliessenden Song heisst:

Life's a piece of shit
When you look at it

Life's a laugh and death's a joke, it's true

You'll see it's all a show

Keep 'em laughin' as you go
!
Just remember that the last laugh is on you.

Der Film erzählt eine Geschichte aus Galiäa, von einem Mann, der zur Zeit Jesus von Nazareth gelebt hatte, genauer: die Lebens- und Leidensgeschichte des Brian - von Nazareth.
Der arglose Brian - der im Film den durchschnittlichen Everyman (von Nazareth) verkörpert - schliesst sich der "People's Front of Judäa" im Kampf gegen die unterdrückerischen Römer an, wird gefangen genommen, später dank einer Rede von einer fanatischen Meute von Anhängern als Erlöser verehrt und schliesslich zum Tod am Kreuz verurteilt. Und dort erklingt dann der oben zitierte, wohl ewig poluläre Song "Always Look on the Bright Side of Life", der den ganzen Irrsinn sehr schön zusammenfasst.
Brian ist die Identifikationsfigur für die Kinogänger; tatsächlich konnte ich mich in seinem Lebensgefühl wiederfinden, von lauter ideologie- und machtgesteuerten Dummköpfen umgeben zu sein.

Die vergangene Zeit klopfen die Pythons auf Analogien zum Heute ab - angesichts der Ereignisse der letzten Jahre ist der Film erstaunlich und erschreckend modern geblieben. Die Welt ist seit 1979 noch ein gutes Stück irrer geworden - wobei die grössten Veränderungen in diese Richtung in den beiden vergangenen Jahren passiert sind. Die Welt hat sich dem Film angepasst.
Es gibt im Film Unterdrücker, unsinnige Regulierungen, mehrere linksradikale Befreiungsfronten, eine in Einfalt dahindämmernde Bevölkerung, Gendersensibilitäten und den lächerlich vergeblichen Aufruf an die gesichtslosen Massen, sich nicht von aussen steuern zu lassen, weil doch jeder ein Individuum sei. ("I'm not!", ruft einer dazwischen.) Also all der Irrsinn, der das Menschsein in der Gesellschaft ausmacht - und man stellt fest: Er ist zeitlos.
Dieser Irrsinn wird von den Pythons ausgiebig und bis zur Kenntlichkeit übersteuert und durch die zeitliche Distanz als das entlarvt, was er ist.

"Ich glaubte, irgendein Handlanger der Natur hätte die Menschen gemacht und sie wären ihm nicht geraten", diesem Satz aus Hamlet würde die Python-Truppe wohl zustimmen.

Neben der Tatsache, dass Life of Brian den Unsinn des Lebens auf entwaffnende Weise blosslegt und aufzeigt, dass die Menschheit noch nie aus ihren Fehlern gelernt hat, besticht er durch einen entwaffnenden Witz, der nicht nur zeitlos ist, sonden oftmals genau den Kern der Sache trifft. Dass er dabei nie verletztend oder gar blasphemisch ist, macht ihn für für alle Schichten, Klassen, Gruppierungen, ja auch für niedere Sklaven geniessbar.

Je nachdem, wohin uns die derzeitige politische Situation und die dazugehörigen derangierten Politiker uns noch führen, wird der Film weiter an Brisanz gewinnen. Mir fällt kein anderes Kinowerk ein, von dem man dies sagen könnte...
Life of Brian ist, obwohl er filmhandwerklich eher zum Durchschnitt zählt, eine Sternstunde des Kinos und der Satire.

Das Leben des Brian ist sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD erhältlich und kann bei einigen Anbietern auch online geschaut werden. Hier eine Auflistung... (Mein Tipp für Sprachbegabte: Unbedingt in der englischen Originalfassung schauen!)

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten (in absteigender Reihenfolge):

Harold Lloyd, der Sportstudent (The Freshman, 1925)
Neben dem gloriosen Safety Last (1923) ist The Freshman wohl Harold Lloyds bekanntester und beliebtester langer Stummfilm. Grund genug, ihn mir nach Jahren wieder einmal anzusehen, diesmal ohne Fan-Brille. Und da konnte ich doch einige erhebliche Schwächen darin entdecken.
Zunächst einmal ist die Figur, die Lloyd hier spielt, zum Fremdschämen. Der junge Harold Lamb überschreitet mit seiner Schwärmerei für die College-Welt und seinem Bestreben, sich bei den Mitstudenten beliebt zu machen die Peinlichkeitsgrenze derart stark, dass man sich nicht darüber wundert, dass die Kommilitonen sich über ihn lustig machen. Seine Figur sollte Mitleid erregen, bewirkt beim Zuschauer aber eher das Gegenteil.
Dass sich der Film praktisch nur um Football dreht, wirkt für Nicht-Sportbegeisterte wie mich zudem eher ermüdend.
Dann gibt es zu viele Sequenzen, die über Gebühr in die Länge gezogen werden und einen Gag derart ausmelken, bis man ihn satt hat.
Es gibt allerdings auch zwei wirklich herausragende Sequenzen in dem Film, die das Anschauen dann doch lohnen: Die eine ist die Begegnung mit der zukünftigen Geliebten im Zug, wo Lloyds geniale Fähigkeit des verknappten Erzählens sehr schön beobachtet werden kann; die andere ist eine ausgefeilte Sequenz, in der Harold in einem schlecht genähten Anzug an einem Ball teilnimmt; dort nehmen die witzigen Einfälle und Variationen um geplatzte Nähte und abgetrennte Ärmel schier kein Ende mehr, und obwohl von vornherein klar ist, dass Harold am Schluss in der Unterwäsche dastehen wird - was schliesslich auch geschieht - ist der Weg dorthin mit so vielen schönen Gags gepflastert, dass man das unvermeidliche Ende zu akzeptieren bereit ist.
Wer den heute praktisch vergessenen Stummfilmkomiker Harold Lloyd, der damals mit Chaplin und Keaton in einem Atemzug genannt wurde, besser kennenlernen möchte, macht um diesen Film besser einen Bogen und beginnt erstmal mit Safety Last.
Ich staune über die grosse Popularität, welche The Freshman in Amerika geniesst - das gestrige Wiedersehen weckte eher den Verdacht, dass er der schwächste stumme Langfilm dieses grossen Komikers ist... Um dies zu verifizieren, müsste ich die anderen alle auch wiedermal gucken.
(Hmmm.... keine schlechte Idee!)

Logan Lucky (2017)
Die hinterwäldlerischen Gebrüder Logan (Channing Tatum und Adam Driver) planen einen ganz grosse Raubüberfall; dafür müssen sie aber erst einen gestandenen Bankräuber (Daniel Craig) aus dem Gefängnis befreien. Ein bischen viel für zwei unerfahrene Hobby-Gangster...
Steven Soderberghs Komödie pendelt zwischen (mehrheitlich) staubtrockenem Lakonismus und (wenig) Slapstick. Leider fand ich keinerlei Zugang zu den diffus und klischeehaft
gezeichneten Hauptprotagonisten, die mir bald mal den Buckel 'runterrutschen konnten. Logan Lucky hat mich deshalb nicht wirklich packen können. Gute Regieführung, immerhin.

Donnerstag, 2. Juni 2022

Die grosse Illusion (La grande illusion, Frankreich 1937)


Regie: Jean Renoir
Drehbuch, Charles Spaak, Jean Renoir
Mit Jean Gabin, Pierre Fresnay, Erich von Stroheim, Macel Dalio, Dita Parlo u.a.

Erneut habe ich mich - nach Casablanca - an einen der "grössten Filme aller Zeiten" herangewagt. Es ist wieder ein Kriegsfilm, allerdings ist der Krieg darin nie zu sehen, er ist aber im Kontext stets präsent.
Jean Renoirs gefeierter Film La grande illusion handelt von einer Gruppe französischer Kriegsgefangener im ersten Weltkrieg, die immer wieder versuchen, aus den deutschen Lagern auszubrechen, in die sie im Lauf des Films verbracht werden. In diesen Lagern herrscht ein freundschaftlicher Umgang vor, harsch und laut werden die Bewacher nur, wenn ihre Reglemente ins Spiel kommen und dies verlangen. Ausserhalb davon schiebt man sich auch mal ein paar Zigaretten 'rüber, klopft einander auf die Schulter oder lädt sich gegenseitig zum bunten Abend ein.
Renoirs Botschaft wird rasch deutlich: "Der Feind" ist ein Phantom, ein bürokratisches Konstrukt, entstanden und am Leben erhalten durch Grenzen und Nationalismus. Ausserhalb der Bürozeiten und der Kampfzonen behandelt man sich gegenseitig lieber mit Respekt und Achtung, als egalitäre, gleichwertige Menschen. Im Gefängnis sind alle gleich: Nationalität, Rang, gesellschaftlicher Stand und sogar Geschlecht - alles löst sich auf und dahinter erscheint der Mensch als solcher.

Mit dieser seiner Moral rennt der Film heute, im Zeitalter der schrankenlosen Beliebigkeit, offene Türen ein - damals war das eine Sensation und wurde gefeiert.

La grande illusion wirkt noch heute auf den Betrachter - zunächst staunt man über den komödiantischen Ton, der fast das ganze Werk durchzieht. Dann ist man fasziniert von der wohltuenden Mitmenschlichkeit, dem humanistischen Geist, den der Film atmet, berührt auch von der Wärme und der Melancholie in der zweiten Hälfte. Es wird klar: La grande illusion ist kein realistisches Abbild einer Gesellschaft im Krieg, es handelt sich vielmehr um eine hoffnungsvolle positive Utopie aus welcher der Glaube an das Gute und Verbindende im Menschen spricht. Und als solche besitzt Renoirs Film noch immer grosse Faszinationskraft. Auch wenn man heute desillusionierter ist als damals, kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges und somit umso besser weiss, dass Renoir ein realitätsferner Träumer  war und sein Film ein Luftschloss.

Und doch: Zu gern man möchte glauben, was man da sieht; vielleicht besitzt der Film und seine unwiderstehliche Utopie ja die Kraft, in vereinzelten Kinogängern etwas zu bewirken, zu verändern.

Renoir verankert seine traumhaft anmutende Geschichte schlau in der Realität, die er schnörkellos in Szene setzt. So verleitet er uns zum Glauben an die schönen Gedanken die er uns dazu auftischt. Wäre es nicht schön, es wäre wahr? Das ist die Faszination dieses Films: Er präsentiert die Utopie "alle Menschen werden Brüder" dergestalt, dass man bereit ist, sich der Idee hinzugeben und - wenigstens für die kurze Filmdauer - sich die wohltuende Vorstellung anzueignen.

Aber La grande illusion besitzt auch starke handwerkliche Vorzüge: Von der Kameraarbeit übers Drehbuch bis zur Montage sind alle Aspekte des Filmemachens erstklassig. Renoir appelliert mit seiner sprunghaften Erzählweise immer wieder an die Intelligenz der Zuschauer und erzählt ohne langatmige Erklärungen abzugeben in Bildfolgen, welche die nötigen Informationen beinhalten. Das war damals zumindest ungewöhnlich.
Dann die Schauspieler: Ausnahmslos alle erbringen Bestleistungen, die noch lange im Gedächtnis haften bleiben.
Den Figuren, die sie spielen, verleihen einige von ihnen - Jean Gabin, Marcel Dalio, Erich von Stroheim, Pierre Fresnay, Julien Carette und ganz stark Dita Parlo - Kraft ihrer Persönlichkeit Tiefe, die in der Drehbuchvorlage gar nicht besonders ausgeprägt vorhanden ist. Sie tragen den Film und machen ihn - zusammen mit dem überraschenden Humor und der positiven Grundstimmung - zu einem spannenden und anregenden Werk, dessen zentrales Thema - Grenzen und deren Überwindung - in verschiedenen Facetten durch den ganzen Film mäandert und ihn durchdringt.

La grande illusion ist einer jener Filme, die auf auf vielen Bestenlisten vertreten sind - im Gegensatz zu Casablanca steht er dort m.E. zu Recht.
Er ist im deutschsprachigen Raum auf Blu-ray erschienen und kann zudem online bei verschiedenen Anbietern geschaut werden.
Alternativ kann man ihn hier online in voller Länge, in der originalen Sprachfassung mit englischen Untertiteln ansehen.

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten (in absteigender Reihenfolge):

Die scharlachrote Blume (The Scarlet Pimpernel, UK 1934)
Britischer Historienfilm aus dem Hause Korda.
Ein mysteriöser Engländer rettet in Paris Adelige vor dem Wüten der Französischen Revolution - namentlich vor der Guillotine - und bringt sie nach England in Sicherheit. Er firmiert unter dem Pseudonym "Scarlet Pimpernel" und hat einen ganzen Trupp Gehilfen und Spione, die für ihn arbeiten. Dass er sich hinter der Fassade des tüdeligen Aristokraten Sir Percy Blakeney verbirgt (Leslie Howard), ahnt niemand, nicht mal seine Gattin (Merle Oberon); diese wird vom französischen Botschafter (Raymond Massey) erpresst, sie soll die wahre Identität des mysteriösen Rächers herausfinden.
Der Film beginnt äusserst stimmungsvoll und spannend - die legendären Studiobauten von Vincent Korda zaubern ein prachtvoll pittoreskes Paris auf die Leinwand. Die Französische Revolution dient den Machern nur als Vorwand für die Erzählung und wird nicht genauer beleuchtet. Die Gut-Böse-Verteilung ist allerdings klar definiert: Englische Aristokraten gut, Französische Revolutionäre böse.
Bis zur Hälfte ist der Film interessant, eine Augenweide und vor allem sehr witzig. Doch dann beginnt die Dramaturgie plötzlich zu harzen und zu holpern; unwichtige Sequenzen werden über Gebühr in die Länge gezogen, das Ganze wird immer dialoglastiger und die Schauplätze sehen immer ärmlicher aus. Der Showdown schliesslich wirkt billig und überhastet.
Am Ende hat der Film den guten Eindruck, den er zu Beginn machte, zur Hälfte verspielt.

Topper geht auf Reisen (Topper Takes A Trip, 1938) 
Der zweite Topper-Film, diesmal ohne Cary Grant (der nicht mehr mitmachen wollte); Constance Bennett ist wieder mit dabei, als Geist, der eine gute Tat vollbringen will, um in den Himmel zu kommen. Erneut sucht sie sich den Bankier Cosmo Topper (Roland Young) dafür aus, dessen gefährdete Ehe sie retten möchte.
Nicht mehr so bodenlos albern wie der erste Teil, aber leider krankt der von Hal Roach produzierte Film daran, dass Roland Young das komödiantische Format abgeht, das der absurde Plot verlangt. Der heute vergessene Komödiant und langjährige Roach-Protégé Charley Chase wäre genau der richtige für die Rolle gewesen, doch der wurde von Roach zwei Jahre zuvor leichtfertigerweise gefeuert.
So ermüdet Topper Takes A Trip bereits nach zwanzig Minuten.

Everything Everywhere All At Once (2022)
Es tut mir leid, den Hype um diesen abstrusen Film mag ich nicht teilen. Damit ging es mir ähnlich wie mit den ganzen Marvel-Verfilmungen, mit denen ich auch absolut überhaupt gar nichts anfangen kann, weil sie mir zu kindisch sind und weil sie diese Kindischheit meist mit heiligem Ernst zelebrieren.
Ähnlich verfährt dieser Streifen, den ich nach gut der Hälfte der Laufzeit genervt verlassen habe. Der ganze abstruse Multiversen-Stuss war mir genauso zuwider wie der Matrix-Film, für den ich ebenfalls nichts übrig habe.
Dann noch lieber Star Trek, da wird einem der Science-Fiction-Blödsinn wenigstens mit Humor kredenzt. Letzteren konnte ich in Everything.... nirgends ausmachen. Dabei hätte er geholfen.

Insider (The Insider, 1999)
Immer wieder hat das US-Kino die Presse als unabhängige Instanz und einzelne Investigativ-Journalisten als heroisch abgefeiert. So auch in diesem Film, in dem ein hartnäckiger Reporter (Al Pacino) mit Hilfe eines Insiders (Russell Crowe) einen Skandal der naturgemäss bösen Tabakindustrie aufdeckt.
Dieses romatisierend-beschönigende Bild Hollywoods von der Presse fand ich schon immer daneben - man zeigt uns, wie es sein sollte (wogegen ich gar nichts einzuwenden habe), tut aber so, als wäre dies längst Realität. Im Zuge der Entwicklung der Medien in den letzten paar Jahren finde ich das inzwischen gar Übelkeit erregend. Michael Manns Film reiht sich ins linkspopulistische Muster der Presse-Glorifizierung ein und führt mittels des üblichen Gut-Böse-Rasters vor, wie zwei Einzelkämpfer es den bösen Multis zeigen.

Sonntag, 1. Mai 2022

Stirb langsam (Die Hard, 1988)

Stirb Langsam - der deutsche Titel ist mal wieder eine dumpfbackige Verballhornung des Originaltitels, welcher richtig übersetzt etwa "nicht totzukriegen" oder "nicht aufgeben" bedeutet. Stirb Langsam klingt eher nach einem Sado-Folter-Filmchen als nach dem Action-Kracher, der Die Hard in Wahrheit ist.

Nicht totzukriegen ist der hartgesottene New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis), der durch Zufall Zeuge eines grossangelegten Raubüberfalls in einem Hochhaus in LA wird. Eine bis an die Zähne bewaffnete und mit allerlei Explosiva hochgerüstete Bande deutscher Krimineller um Mastermind Hans Gruber (Alan Rickman in seiner legendären ersten Filmrolle) überfällt eine geschäftliche Weihnachtsfeier in der Mitte des noch halb im Bau befindlichen und sonst leerstehenden Nakatomi Plaza Tower und verlantg Zugang zu den reichhaltigen Tresorräumen des Chefs.

Von McClanes Anwesenheit wissen die bösen Deutschen zunächst nichts; dieser versucht den ganzen Film über, unter höchster Lebensgefahr und mit zunehmend schwereren Blessuren, die Bösewichte auszutricksen und auszuschalten. Die wilde Hatz tobt durch's halbe Hochhaus, durch schwindelerregende Liftschächte, Lüftungsrohre, auf dem Dach, an der Fassade und durch die im Bau befindlichen Stockwerken.

Das war die Kurzfassung (es ginge noch kürzer: "bumm, bumm, baller, schepper, krach").
Die Hard ist aber mehr als das: John McTiernans Werk ist einer jener seltenen Filme, die es schaffen, inmitten einer atemlos sich abspulenden Thriller-Handlung scharf gezeichnete Nebenfiguren zu integrieren und diese mit einer eigenen Geschichte auszustatten. Das geschieht zwar alles Skizzenhaft, aber diese Skizzen sind so präzise, so auf's Wesentliche eingedampft, dass sie lebendig wirken. Die Macher brauchen nur etwa drei Minuten, und schon kommt uns der Titelheld wie ein alter Bekannter vor. Alles dank kleiner Gesten, knapper Dialogzeilen und kleiner, beiläufig eingestreuter Beobachtungen.

Die Drehbuchautoren Jeb Stuart und Steven E. de Souza haben hier punkto Erzähl-Ökonomie und dramaturgischer Verknappung grandiose und vorbildhafte Arbeit geleistet. Jede Drehbuchklasse täte gut daran, diese Vorlage zu studieren und zu analysieren.
Die Inszenierung ist so gradlinig und dynamisch wie es das Drehbuch verlangt, filmhandwerklich ebenso vorbildlich und studierwürdig wie das Drehbuch. 

So ist Die Hard trotz einiger Abstriche ein perfekter Actionfilm, wie man ihn sich besser nicht vorstellen oder wünschen kann - auch die nötige Prise Humor fehlt nicht. (Die Abstriche wären: Gut-Böse-Schema ohne Zwischentöne; das Finale ist so richtig "over the top" und somit schon recht unglaubwürdig - aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau).
Schöngeister werden wegen fehlendem Feinsinn die Nase rümpfen - doch ich meine, von diesem Streifen könnten sich viele anämische europäische, Subventionen empfangende Filmemacher eine Scheibe abschneiden: So sieht gutes Erzählkino aus!

Der Film ist auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich. Zudem ist er bei vielen Streaming-Anbietern zu finden.

Ferner liefen
Unter diesem Titel werden jene drei anderen im Voraus zur Sichtung erkorenen Filme kurz angerissen, die gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. 

Die Sage von Anatahan (Anatahan, 1953)
Ein lange verschollener Film: Josef von Sternbergs letztes, zur Gänze im Studio gedrehtes Werk, mit ihm als Autor, Regisseur, Kameramann und Erzähler in Personalunion. Und mit Japanischen Schauspielern.
Anatahan lässt mich relativ unbeeindruckt zurück. Von Sternberg mit seinen ewigen Femme Fatales... Ächz!
Er inszeniert eine Art "Prä-Herr-der-Fliegen" auf einer einsamen japanischen Insel (namens "Anatahan"), wo ein ganzer Trupp Männer strandet, auf der jedoch bereits eine (einzige) Frau lebt.
Klar, was da abgeht... Klar, dass sie ihre Position ausspielt... Klar, dass wir uns in einem von-Sternberg-Film befinden.
Wie gewohnt bei diesem Regisseur: Tolle Ausstattung, ein ganzer Dschungel im Studio nachgebaut, aber wie üblich misst von Sternberg dem Look mehr Gewicht bei als der Dramaturgie: Es schleppt.
Sternbergs Narration klingt gestelzt und geschraubt, genauso, wie man sich einen Regisseur in der Rolle eines Schauspielers vorstellt.
Trotz des vielen Zuspruchs, der diesem Film unter Filmspezialisten zuteil wird: Ich werd' nicht warm damit. Genauso wenig, wie ich mit vielen anderen Filmen dieses Regisseurs warm werde...

The Muppets Most Wanted (2014)
Als Jungendlicher verpasste ich keine Muppet Show im Fernsehen. Die 20-minütigen Folgen spielten alle in der abgezirkelten Puppen-Welt eines kleinen Theaters, in welche jeweils ein Gaststar aus Fleisch und Blut eingeladen wurde.
Die Filme - jedenfalls die beiden neusten und ich spreche nur von denen (die anderen kenne ich alle nicht) - also, die Filme drehen dieses Prinzip um und die Puppen kommen in die reale Welt. Und das funktioniert einfach nicht. Respektive, es funktioniert nur, wenn man die "reale Welt" grotesk überzeichnet und daraus einen Ort macht, an welchem das Auftauchen von Handpuppen auch nicht weiter auffällt.
Aber dann stellt sich die Frage: Wozu die Welt soweit verfremden, dass sie zu den Muppets passt? Eine Welt, in der auch die Menschen wie Muppets agieren? Antwort: Damit man die Muppet-Truppe auch im Kino ausschlachten kann.
Damit ist gesagt, dass das Kino-Konzept nicht wirklich
funktioniert; die Muppets gehören in "ihre" Welt, am besten ins 20-Minuten-TV-Format.
James Bobins Film ist zwar streckenweise ganz lustig, aber die Puppen entwickeln kein Eigenleben, das abendfüllend wäre. Die von echten Schauspielern verkörperten Figuren auch nicht. Somit läuft sich Muppets Most Wanted nach ca. 30 Minuten tot. Einige der schmissigeren Gesangsnummern wecken die Lebensgeister der Zuschauer zwar zwischenzeitlich, aber im Grunde vermag die behämmerte Geschichte um ein verbrecherisches Kermit-Double herzlich wenig Interesse zu wecken - jedenfalls nicht bei mir.
Einzig der singende Danny Trejo ist Gold wert - und der verbale Gag mit dem Muppet-Werbeplakat in Berlin ("Die Muppets"). Rowlf: "Die Muppets? Somebody really doesn't like us here!"

Den Sternen so nah (The Space Between Us, 2017)
Was passiert mit einem Menschen, der in einer Kolonie auf dem Mars aufgewachsen ist und zur Erde reist? Diese Frage steckt in der Synopsis von Peter Chelsoms The Space Between Us drin. Sie war der Grund, weshalb ich mir diesen Film angeschaut habe.
Der Streifen verschenkt sein Potential allerdings, und das ziemlich ausgiebig.
Zunächst spult er eine ellenlange Vorgeschichte ab und leitet her, wie es zur Geburt eines Jungen auf dem Mars kommt; sie ist derart unglaubwürdig, dass mich der Film bereits während der Exposition verloren hatte.
Was danach folgt, ist eine rührende Liebesgeschichte, bei der sich allerdings immer mehr die Erkenntnis in den Vordergrund drängt, dass der ganze Science-Fiction-Überbau ein ausufernd konstruierter, weit hergeholter Vorwand für eine tragische Teenie-Schnulze ist: Eine gute Prise von "ich fühl' mich hier wie ein Ausserirdischer" gehört schliesslich in jeden Teenie-Film.
Für Teenager ist er möglicherweise geeignet, alle anderen Altersgruppen können The Space Between Us getrost überspringen

Nach diesem kurzen Versuch kehre ich wieder zurück zu meiner ursprünglichen Veröffentlichungspolitik: Es erscheint erst wieder ein Blogartikel, wenn ich einen wirklich guten Film zu sehen bekommen habe; die weniger guten werden unter "ferner liefen" nach dem Hauptartikel kurz abgehandelt.


Montag, 25. April 2022

Casablanca (1942)

Keine Überraschung: Wie vermutet kommt von den vier im Voraus zur Sichtung auserkorenen Filmen Casablanca die Ehre zu, als bester Film hier an prominenter Stelle vorgestellt zu werden.
Aber...
Es ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel, wie er zu seinem Status ("einer des besten Filme aller Zeiten") kommt!

Doch zuerst zum Inhalt: Casablanca, ein Fleck neutralen Frankreichs mitten in Marokko, wird zur Zeit des "Dritten Reichs" Sammelbecken für Flüchtlinge vor Hitlers Terror. Speziell "Rick's Café" ist zum Umschlagplatz für Schlepper und Flüchtende geworden. Der zwielichtige Amerikaner Rick, Besitzer des Lokals (Humphrey Bogart) kommt unverhofft in den Besitz zweier von General DeGaulle persönlich unterzeichneten Visas, um die in der Folge - mit dem Besuch eines hohen Nazis (Conrad Veidt) ein Streit entbrennt.
Als der teschechische Widerstandskämpfer Victor Laszlo (Paul Henreid) in Begleitung seiner Gattin Ilsa (Ingrid Bergman) bei "Rick's" eintrifft, reissen Ricks alte Wunden wieder auf: Er war in Paris mit Ilsa liiert, sie hatte ihn auf der Flucht vor den Deutschen aber sitzen lassen.

Casablanca
ist einer der gefeiertsten Filme überhaupt; deshalb schauen wir genau hin:
Casablanca
ist ein überdurchschnittlicher Hollywood-Film, der sein Hauptthema, wie damals üblich, an eine sülzige Liebesgeschichte zu verschenken droht. Zum Glück rettet ihn das hervorragende Drehbuch (von Julius J. und Philip G. Epstein und Howard Koch, nach einem Theaterstück von Murray Burnett und Joan Alison) immer wieder vor dem Absturz.

Jedoch: Die Liebesgeschichte, so gut sie ins Ganze eingebettet ist, funktioniert nicht - und das ist die eigentliche Crux des Films. Humphrey Bogart und Ingrid Bergman sind die beiden schwächsten Schauspieler der gesamten Truppe. Zwischen den beiden funkt nichts. Bogart erstarrt im Understatement seiner üblichen Rolle, die Bergman versucht zwar, Emotionen zu mimen, aber die Mühe, die sie dabei hat, ist deutlich sichtbar.
Man sieht zwei Ikonen des Kinos interagieren und denkt: "Wie toll, zwei Ikonen in einem ikonischen Film". Wer aber seine Ikonengläubigkeit zügelt und kritisch hinguckt, bemerkt, dass die Liebe zwischen den beiden reine Behauptung bleibt, und diese Unglaubwürdigkeit droht den ganzen Film zu kontaminieren. Ich musste mich bemühen, die durchaus vorhandenen Pluspunkte des Films trotzdem zu sehen.

Dazu zähle nicht einmal die vielzitierten "one-liner", die mache für "denkwürdig" halten; ich meine in erster Linie den herausragenden Rest der Besetzung (obwohl Paul Henreid hier unter seinem Wert verkauft wird) das grandiose Drehbuch und die ebenso grandiose Regieführung. Es ist meisterhaft, wie prägnant manche Figuren eingeführt werden, und vor allem ist es für jene Zeit erstaunlich, wie scheinbar mühelos mehrere Handlungen parallel geführt werden. Das war im Mainstream-Kino revolutionär.
Es gibt auch ein paar Holprigkeiten und Logiklöcher, und die Bühnenherkunft des Stoffes tritt bisweilen deutlich zu Tage (es wird sehr viel geredet), aber das erscheint mir als eher nebensächlich.

Zur Wirkung des Films bleibt abschliessend zu bemerken, dass er heute vor allem als Fenster in eine andere Zeit funktioniert. Zu sagen hat er uns Heutigen eigentlich nicht viel. Casablanca ist ein Abenteuer- und Liebesfilm, der seinen Grundstoff aus den Ereignissen der damaligen Zeit schöpfte und so zu einer Art Manifest des Widerstandes gegen Nazideutschland wurde.
Zu sagen, dass im Hollywood jener Zeit keine besseren Filme gedreht wurden als Casablanca ist allerdings ungerecht und schlichtweg falsch.

Ferner liefen
Unter diesem Titel werden jene drei anderen im Voraus zur Sichtung erkorenen Filme kurz angerissen, die gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. 

Rush Hour (1998)
Weil das FBI verhindern möchte, dass ihm in einem Entführungsfall ein Ermittler aus Hong Kong in die Quere kommt (Jackie Chan), heuert es den grössten Deppen des LAPD (Chris Tucker) an, der den fremden Ermittler ablenken und mit Lappalien beschäftigen soll. Doch der Depp vom LAPD  hat grosse Ambitionen und vermasselt natürlich zunächst alles...
Eine typische Culture-Clash-Actionkomödie aus der Feder des bewährten Jim Kouf (Stakeout - Die Nacht hat tausend Augen), die geschickt Action mit Slapstick mixt und von der Chemie der beiden gut aufgelegen Hauptdarsteller lebt.
Sehr unterhaltsam, solide inszeniert - aber nichts, was haften bleibt.

Schrei der Grosstadt (Cry of the City, 1948)
Zwei Italoamerikaner, die zusammen aufgewachsen sind (Victor Mature und Richard Conte), einer wurde zum Polizisten (Mature), der andere zum Verbrecher (Conte). Beide treffen im Zusammenhang mit einem Polizistenmord wieder aufeinander.
Die Figurenkonstellation dieses von Robert Siodmak gedrehten Film-Noir weckt hohe Erwartungen - die leider nicht erfüllt werden. Schuld trägt das Drehbuch (Richard Murphy), welches sämtliche Charaktere nur oberflächlich zeichnet und es nicht schafft, ihnen Leben einzuhauchen. Obwohl die gesamte Schauspieler-Truppe ihr Bestes gibt, die Tatsache, dass zu wenig Fleisch am Knochen ist, können sie nicht übertünchen. Einzige Ausnahme: Die wunderbare Hope Emerson als monströse Gangsterbraut; leider ist ihr memorabler Auftritt nur von kurzer Dauer.
Cry of the City erzählt eine spannende Geschichte und glänzt durch hervorragende Regieführung, ist aber weit davon entfernt, der interessanten Prämisse (zwei Freunde auf verschiedenen Seiten des Gesetzes) gerecht zu werden. Das haben spätere Filme auf eindringlichere Art nachgeholt...

Mary Stevens M.D. (1933)
Weshalb habe ich diesen Film ausgewählt? Im Grunde ahnte ich, worauf er hinausläuft. Aber man gibt die Hoffnung ja nie auf...
Die Hoffnung: Der Film bringe ein ernstzunehmendes Drama zur Thematik "Frauen in Männerberufen" auf die Leinwand.
Im Mittelpunkt steht Mary Stevens (der damalige weibliche Superstar Kay Francis), eine Ärztin mit eigener Praxis, welche die Vorurteile der damaligen Zeit zu spüren bekommt. Das Thema wird in der hervorragend inszenierten Anfangssequenz etabliert, in der Dr.Stevens zu einer dramatisch verlaufenden Hausgeburt ins Arme-Leute-Viertel gerufen wird, wo ein fuchsteufelswilder Ehemann sie wieder wegzuschicken droht, weil sie kein Mann ist.
Im Verlauf der Handlung gerät zudem ihr ehemaliger Komilitone, Dr. Andrews (Lyle Talbot) auf die schiefe Bahn und droht seine Karriere zu ruinieren.
Das klingt eigentlich alles ganz gut, und weil ich gespannt war, wie diese Themen vor rund 90 Jahren angegangen wurden, gab ich dem Film eine Chance.
Doch nach 30 ganz interessanten Minuten geschah, was in diesen frühen Tonfilmen fast immer geschieht und was ich von Beginn weg geahnt oder gefürchtet hatte: Eine sülzige Liebesgeschichte drängt sich ins Zentrum und legt alle anderen Themen lahm. Und ruiniert den ganzen Rest des Films.
Ich weiss nicht, was die Leute damals mit Liebesgeschichten hatten - mich interessieren die einfach nicht. In den frühen Jahren des Film gehörten die im US-Kino aber einfach dazu.
Mary Stevens M.D. beruht auf einem schwachen Drehbuch (Rian James & Robert Lord) und ist - mit Ausnahme der hervorragenden Anfangssequenz - steif inszeniert (von Lloyd Bacon) und mittelmässig gespielt.

Coming Attractions:
Für den nächsten Blog-Artikel habe ich wieder vier Filme gewählt, die ich mir ansehe - der beste der vier bekommt eine ausführliche Rezension.
Die vier Filme heissen:
Die Sage von Anatahan (Anatahan, 1953)
Stirb Langsam (Die Hard, 1988)

Die Muppets 2: Muppets Most Wanted (Muppets Most Wanted, 2014)
Den Sternen so nah (The Space Between Us, 2017)
Ihr meint, der Fall sei klar? Wir werden sehen - ich habe in dieser Hinsicht schon viele Überraschungen erlebt...
Und notfalls kriegt mehr als einer eine ausführliche Rezension.

 

Sonntag, 3. April 2022

Jurassic Park (1993)


In Bezug auf Haltbarkeit gibt es drei Arten von Filmen: Solche, die schlecht altern (die Mehrzahl), jene, die trotz ihre Alters frisch und knackig bleiben und solche, deren Zeit erst später kommt (einige ganz wenige).
Steven Spielbergs Jurassic Park kann zu den letzten beiden Gattung gezählt werden. Er erzählt von den Gefahren biologischer Forschung und deren Ergebnissen. 

Im geheimen Biolabor des reichen Briten John Hammond (Richard Attenborough) ist es Forschern gelungen, eine ausgestorbene Lebensform durch klonen wieder zum Leben zu erwecken. Doch das ist Hammond nicht genug. Er will die Errungenschaft seiner Wissenschaftler in einem "Amusement Park" zugänglich machen. Dieser heisst "Jurassic Park" und will wiedererweckte Dinosaurier gegen Eintrittsgeld zur Schau stellen. 

Damit nahm sich der Film (und vor ihm Michael Crichtons Buchvorlage) warnend zwei bereits 1993 vorhandene problematische gesellschaftliche und wissenschaftlichen Tendenzen vor: Verantwortungsloses Herumbasteln an den Grundbausteinen der Schöpfung und blinde Vergnügungssucht. Beide haben sich inzwischen, mit Ausbruch des künstlich gezüchteten Covid-Virus, als fatal erwiesen.
Dass Covid in einem biologischen Forschungslabor in Wuhan "designt" wurde, steht heute zwar zu 99% fest, doch eine mit Brot und Spielen blöd und willfährig gehaltene Mehrheit lässt sich von Anthony Fauci
und Christian Drosten im Verbund mit den staatlich finanzierten und gesteuerten Medien noch immer den Bären mit den Fledermäusen aufbinden und erzählen, Wuhan sei eine "Verschwörungstheorie".

In Spielbergs Film (Drehbuch von Michael Crichton selbst, ergänzt von David Koepp) sind die gezüchteten Viecher zwar ungleich grösser als die heutige Menschheitsbedrohung aus dem Biolabor, doch die Gefahr bleibt dieselbe. Wie Dr. Malcolm (Jeff Goldblum) an einer Stelle im Film zu bedenken gibt: Es war von der Schöpfung nicht gedacht, dass Menschen und Dinosaurier zusammen existieren - und das hatte gute Gründe.

Jurassic Park führt denn auch anschaulich vor Augen, weshalb: Für die paar Besucher, denen Hammond seinen Park vor der Eröffnung vorführen möchte, wird der Aufenthalt wegen eines Stromausfalls zum Alptraum. Die plötzlich frei gekommenen Biester stellen punkto Fressgier, List und Masse alles in den Schatten, was der Mensch zu bewältigen im Stande ist. Mit anderen Worten: Er hat keine Chance.
Den Hauptpersonen (zwei Paläontologen, ein Chaostheoretiker und zwei Kinder) geschieht zwar dank eines mit vielen gütigen Vorsehungen gespickten Drehbuchs nichts, doch das anschliessende Happy End täuscht: Auf der Insel laufen noch immer raubgierige Raptoren frei herum - und dann sind da noch die Saurier-Embryonen, welche ein geldgieriger Mitarbeiter nach draussen schmuggeln und für teures Geld verhökern wollte. Auf der Flucht fiel ihm der Behälter mit den eisgekühlten Embryonen irgendwo auf der Insel in den Schlamm, wo sie sich in der Folge unentdeckt und in aller Ruhe zu wüsten Überraschungen für die Menschheit entwickeln und vermehren können...

Vieles vom Drehbuch ist sehr schön konzipiert, so etwa die menschliche Entsprechung der fressgierigen Carnivoren im geldgierigen Mitarbeiter. Der Umstand, dass der wissenschaftliche Machbarkeitswahn nicht bösen Gedanken sondern der Naivität und der Showbusiness-Mentalität des kindlichen Parkbesitzers entspringt, ermöglicht zudem eine ironische Note, mit der sich der Film und seine Macher selbst aufs Korn nehmen.

Doch leider ist das Drehbuch - oder zumindest Teile davon - auch der Schwachpunkt dieses brilliant inszenierten Films. Die Figuren sind flach und eindimensional, einige thematische Aspekte wirken unausgereift und die Erzählung holpert an einigen Stellen.
Angesichts der hervorragenden Spannungsdramaturgie, der brillianten Regieeinfälle und der Aktualität, die Jurassic Park in zunehmendem Masse hat, sind das aber eher vernachlässigbare Aspekte.

Der Film ist auf DVD und Blu-ray erhältlich, zudem haben ihn zahlreiche Online-Anbieter im Sortiment.

For the record:
Bevor ich auf der Suche nach einem rezensionswürdigen Film bei Jurassic Park hängen geblieben bin, habe ich es mit folgenden Filmen erfolglos versucht:  

Kirschblüten - Hanami (Deutschland, 2008)
Doris Dörries Film über ein altes Ehepaar (Elmar Wepper und Hannelore Elsner) kracht nach einer annehmbaren ersten Hälfte komplett in sich zusammen. Die erste Hälfte imitiert Jim Jarmush, der zweite Teil (der in Japan spielt) ist peinlich bis über die Schmerzgrenze. Die Japan-Reise, die Rudi seiner Frau jahrzehntelang versagt hat, unternimmt er nach deren Tod alleine - eine Ungeheuerlichkeit. Und dabei versucht der Film auch noch, auf die Tränendrüse zu drücken. Zum davonlaufen!

Ernst sein ist alles (The Importance of Being Earnest, 2002)
Bla bla bla... Kinoadaptionen von Theaterstücken sind oft allzu geschwätzig. Grosse Theaterstücke lassen sich zudem nur selten erfolgreich auf Kinoformat zusammenstutzen - vor allem dann nicht, wenn man sich ihnen mit übertriebenem Respekt nähert.
Diese Umsetzung von Oliver Parker ist nett, aber trotz guter Schauspielerinnen und Schauspieler nichtssagend.

Quigley, der Australier (Quigley Down Under, 1990)
Wie originell (gähn): Altbekannte Western-Versatzstücke werden in diesem Film nach Australien verschoben, die ausgebeuteten Indianer mit ausgebeuteten Aborigines ersetzt und fertig ist ein Western, der ausser der australischen Landschaft nichts Neues bringt. Der Fokus auf unterdrückte Ureinwohner ist zwar lobenswert, aber die richtige Haltung allein hat noch nie einen guten Film gemacht...

Mission (The Mission, 1986)
Das Wiedersehen mit diesem gefeierten und hoch dekorierten Film, 36 Jahre nachdem ich ihn das erste Mal gesehen hatte, hinterliess genau denselben Eindruck wie damals: Ein visuell eindrucksvolles, vordergründiges, artifiziell aufgeblasenes Geschichtsepos, das trotz wahrem Hintergrund in dieser Form unglaubwürdig wirkt und mit viel Schwulst gewaltig nervt. Gute Schauspieler, mittelmässige Regie, schlechtes Drehbuch.

Die Müssiggänger (I Vitelloni, Italien 1953)
Ein Zeitbild aus dem Italien der 50er-Jähre um eine Gruppe Männer, die dem Müssiggang frönen. Federico Fellinis erste Filmregie.
Sehr gut inszeniert, aber: So what?! Was hat uns der Film heute zu sagen? Hmm...
Wer unbedingt will, soll sich ruhig mit dem Problem "junge verantwortungsscheue Männer im Italien der Nachkriegszeit" befassen. Mich kümmern heutige Dinge stärker: Krieg, Covid, staatlich verursachter Energiemangel, gesellschaftliche Spaltung, das Verschwinden der Demokratie in europäischen Staaten, Klimawandel...
Muss ich noch mehr sagen?

Der schwarze Spiegel (The Dark Mirror, 1946)
Olivia De Havilland in einer Doppelrolle als Zwillingsschwestern - dafür wurde sie gefeiert. Der Film enttäuscht allerdings: Nach einem interessanten Start ergeht er sich in ernst gemeintem laienpsychologischem Quark, der damals möglicherweise solide wirkte, heutigen Erkenntnissen aber nicht stand hält.
Schauspielerisch eindrucksvoll, aber effekthascherisch. Je länger der Film dauert, desto unglaubhafter wird er.

Die Frau mit der Narbe / Erpressung (A Woman's Face, 1941)
Joan Crawford mit von schlecht drapiertem Make-Up verunstaltetem Gesicht t
ritt hier als Erpresserin auf, die geläutert wird. Der von George Cukor bildnerisch toll gestaltete Film verschenkt sein Potential an eine umständliche und ermüdende, in Rückblenden und mit permanent wechselnder Szenerie operierende Erzählstruktur. Nach 20 Filmminuten tappt man über die Handlung noch immer im Dunkeln. Die mit grösstmöglicher emotionaler Distanz gezeichneten Charaktere erstickten mein permanent absterbendes Interesse vollends.

Show Boat (1936)
Die erste Filmversion des berühmten Musicals stammt von... James Whale (Frankenstein, The Old Dark House)!
Hervorragend inszeniert, doch der Film funktioniert hetue kaum mehr, er ist komplett veraltet,
obwohl er damals mit den in eine Handlung integrierten Songs Neuland betrat. Die singenden Schauspieler wirken aus heutiger Sicht steif und deplatziert.

Bernhard und Bianca - Die Mäusepolizei (The Rescuers, 1977)

Regie: Art Stevens, John Lounsbery, Wolfgang Reitherman Drehbuch: Ken Anderson, Larry Clemmens, frank Thomas u.a. Stimmen von Eva Gabor, Bo...