Donnerstag, 30. Juni 2022

Steel Magnolias (Magnolien aus Stahl, 1989)


Regie: Herbert Ross
Drehbuch: Robert Harling
Mit
Sally Field, Julia Roberts, Daryl Hannah, Dolly Parton, Shirley MacLaine, Olympia Dukakis u.a.

Als der Film damals in unsere Kinos kam, wurde er von den Kritikern derart verrissen, dass ich keine Lust hatte, ihn mir anzusehen. Von "steifer Inszenierung" war da die Rede, "kitischigen Farben", "Unechten Gefühlen", mit anderen Worten: Man liess keine Gelegenheit aus, via diesem Film dem verhassten US-Kino stellvertretend ans Bein zu pinkeln.
Jetzt habe ich ihn endlich doch noch geschaut, in erster Linie wegen der fantastischen Besetzung.
Es hat sich gelohnt!

Die "kitschigen Farben" passen perfekt zu einigen der Hauptfiguren, vor allem zur Beauty-Salon-Besitzerin Truvy (Dolly Parton); "steif" ist überhaupt nichts an diesem Film, ausser der von Daryl Hannah verkörperten Figur, ständig ist alles in Bewegung, Menschen und Kameras. Und "unechte Gefühle"... im Ernst?! In einem Spielfilm ist ja nicht mal der Regen echt!
Es wurden somit völlig ungerechtfertigt Dinge bemängelt, die zum Konzept des Ganzen gehören. Was Teil des Konzepts ist, kann doch nicht negativ kritisiert werden - ausser das Konzept wäre komplette stumpfsinnig. Ist es in diesem Fall aber nicht.

Muss man zur Ehrenrettung von Steel Magnolias ausholen? Nein, das Publikum hat dies längst getan, indem es Herbert Ross' bittersüsses Portrait einer amerikanischen Kleinstadt ins Herz geschlossen hat.
Es basiert auf dem erfolgreichen gleichnamigen Theaterstück von Robert Harling, welches von ihm selbst für die Leinwand adaptiert wurde. Darin verarbeitete er den Tod seiner Schwester Susan. Das Drehbuch weist auf einen Autoren mit aussergewöhnlichem Talent hin!
Im Mittelpunkt des Geschehens stehen sechs Frauen, gespielt von Sally Field, Julia Roberts, Daryl Hannah, Dolly Parton, Shirley MacLaine und Olympia Dukakis. Die Vorlage wechselt glaubhaft vom Komödienton in die Tragödie und wieder zurück, mit der - zugegeben simplen - Botschaft: "That's Life!"

Die grosse Stärke von Regisseur Herbert Ross ist die Schauspielerführung! Was er aus dem Ensemble herausholt ist fantastisch: Sämtliche Aktricen vermögen ihre Charaktere so mit Leben zu füllen, dass sie einem noch lange nach Filmschluss nachgehen. Sally Fields hat eine zentrale Szene, die den Atem stocken lässt, mit der sie sich für mich schnurstracks in die Gilde der herausragendsten Darstellerinnen aller Zeiten katapultiert hat. Wieso bekam sie dafür einen Oscar?!
Auch Julia Roberts (noch sehr jung) hat einige Szenen, welche die US-Kritiker aufhorchen liessen.

Steel Magnolias ist kein Meisterwerk (muss jeder Film ein Meisterwerk sein?), es gibt einige irritierende Oberflächlichkeiten darin, aber es ist ein durchwegs interessanter, witziger, berührender und handwerklich herausragend gezimmerter Wohlfühl-Film - im besten Sinne. Und wem das nichts sagt, der sollte sich den Streifen wegen der schauspielerischen Leistungen anschauen. Da zeigt er wirklich Grösse!

Der Film ist als Magnolien aus Stahl auf Blu-ray und DVD erschienen; beide können nur noch antiquarisch bezogen werden. Im Stream ist er bei zahlreichen Anbietern online zu finden.

imdb-Wertung: 7,7 / 10
Meine Wertung: 8 / 10

Der Film kann hier in der englischsprachigen Originalfassung online angeschaut werden (ohne Werbung oder Gebühren). 

 

Wo weitergucken? Weitere empfehlenswerte Filme...

...von Regisseur Herbert Ross:
Play it Again, Sam (1972)
The Turning Point (1977)
The Goodbye Girl (1977)

...mit Sally Field:
The Cannonball Run (1973)
Norma Rae (1979)
Places in the Heart (1984)

...mit Julia Roberts:
Notting Hill (1999)
Ocean's Eleven (2001)
Closer (2004)


 

Dienstag, 28. Juni 2022

Scott of the Antarctic (Scotts letzte Fahrt, UK 1948)

Regie: Charles Friend
Drehbuch: Walter Meade & Ivor Montagu
Mit John Mills, Harold Warrender, Reginald Beckwith, James Robertson Justice, Kenneth More u.a.

Der Engländer Robert Falcon Scott (John Mills) will als erster den Südpol erreichen. Deshalb bricht er, nach einem ersten Misserfolg, im Jahre 1910 zu einer zweiten Expedition in die Antarktis auf. Zeitgleich macht sich der Norweger Amundsen auf den Weg mit demselben Ziel; so entbrennt ein inoffizielles Rennen um den Südpol.
Als Scotts Truppe den Südpol erreicht, flattert dort bereits die Norwegische Flagge. Auf dem Rückweg zum englischen Camp fällt die Temperatur dramatisch...

Der berühmte britische Film um Captain Scotts tragische zweite Expedition zum Südpol (1910 - 1913) entstand vor 74 Jahren. Punkto Realismus der Darstellung müssen bei der Betrachtung sicherlich Abstriche gemacht werden.
Doch ich war überrascht, wie packend der Film trotz veränderter Sehgewohnheiten noch immer ist - besonders in der zweiten Hälfte.

Die Crew um Regisseur Charles Friend (Barnacle Bill) ist sehr um historische Genauigkeit bemüht, es wurden Teile der Originalausrüstung von damals verwendet, aus Tagebucheinträgen zitiert, Fotos nachgestellt und die meisten Schauspieler wurden aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit den historischen Figuren ausgewählt.
Wie es so ist mit Spielfilmen, die sich einen dokumentarischen Anstrich geben, bleibt die Dramatik etwas auf der Strecke - das ist auch bei Scott of the Antarctic zunächst der Fall. 

In der ersten Hälfte bleibt alles ein bischen Steif. Doch dann, als die Expedition den geschützten Stützpunkt verlässt und loszieht in die ewige Leeere der Eiswüste, geben die Drehbuchautoren dem Bedürfnis der Zuschauer nach "Fleisch am Knochen" nach und entwickeln eine dramaturgisch geschickte und höchst spannende Erzählung der fatalen Ereignisse. Im Angesicht der Strapazen und drohenden Gefahren erwachen endlich auch die Figuren zum Leben.

Es gibt weitere bemerkenswerte Faktoren, die diesen alten Film zum Erlebnis machen: Die Bilder (und das meine ich durchaus im allgemeinen Sinn und nicht nur auf die spektakulären Antarktis-Aufnahmen gemünzt); sie sind in ihrer Farbenpracht und ihrer Komposition eindrücklich; und die Musik die von keinem Geringeren als von Ralph Vaughan-Williams stammt (er hat Teile seiner Filmmusik später zu einer Symphonie umgearbeitet). Sie verleiht den Bildern etwas eigentümlich Gespenstisches und verfolgt einen auch hinterher noch lange.

Es spricht für die Filmemacher, dass Scott nicht heroisiert wird; er wird allerdings auch nicht als der Depp hingestellt, den spätere Generationen aus ihm gemacht haben. Seine Fehlentscheidungen werden nicht verschwiegen und es wird deutlich, dass sie Schuld daran waren, dass Amundsens Team kurz vorher den Pol erreichte; doch den tragischen Tod von vier Teammitgliedern haben sie nicht verschuldet. Das war schlichtweg unfassbares Pech.

imdb-Wertung: 7 / 10
Meine Wertung: 8 / 10

Der Film kann hier in der englischsprachigen Originalfassung online angeschaut werden (ohne Werbung oder Gebühren).


 

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...von Regisseur Charles Friend:
The Magnet
(1950)

The Cruel Sea
(1953)
Barnacle Bill (1957)

...von Drehbuchautor Walter Meade:
Another Shore (1948)

...mit John Mills:
Great Expectations (1946)
Tunes of Glory (1960)
Ryan's Daughter (1970)

Sonntag, 26. Juni 2022

The Children's Hour (Infam, 1961)

Regie: William Wyler
Drehbuch: John Michael Hayes
Mit Audrey Hepburn, Shirley MacLaine, James Garner, Miriam Hopkins u.a.

Wenn, so wie hier, ein Stück oder Drehbuch der US-Autorin Lillian Hellman verfilmt wird, kann man darauf gehen, dass das Ergebnis so deprimierend wie nur möglich herauskommen wird. Das war schon bei The Little Foxes so, es ist bei The Children's Hour nicht anders; Hellman wählt an wichtigen Handlungspunkten immer die schlimmst mögliche Wendung. "Kompromisslos", sagen die einen, "katastrophengeil" die anderen.

The Children's Hour basiert auf einem skandalträchtigen Theaterstück der Hellman aus den Dreissigerjahren; es wurde bereits 1936 einmal verfilmt (ebenfalls von William Wyler), doch der Stoff musste fürs Kino entschärft werden. Erst im zweiten Anlauf, 1961, konnte die lesbische Liebe thematisiert werden.

Karen und Martha, zwei junge Lehrerinnen (Audrey Hepburn und Shirley MacLaine), die zusammen eine Privatschule für junge Mädchen leiten, werden von einer boshaften Schülerin bezichtigt, eine lesbische Beziehung zu pflegen. Das Gör tut dies aus Rache für eine Strafe, doch die Geschichte verselbständigt sich und vergiftet sämtliche Beziehungen der beiden Frauen, inklusive die gegenseitige.

Obwohl The Children's Hour "depressing as hell" ist, muss man dem Film Respekt zollen. Wylers Regiearbeit ist wie gewohnt exzellent, jede Einstellung ist genau durchdacht und fügt sich organisch in das beindruckende Ganze. Das Drehbuch weist einen sogartigen Aufbau auf und lässt die Theaterherkunft des Stoffs vergessen.
Ebenso beeindruckend sind die teils herzzerreissenden schauspielerischen Leistung aller Beteiligten. Shirley MacLaine ist hier in einer der besten Leistungen ihrer Karriere zu sehen.

Thematisch ist der Film heute natürlich überholt, doch er verdeutlicht eindrucksvoll und erhellend die Moral jener verklemmten Zeit und verdichtet sich zu einem scharf gezeichneten Sittenbild.  

imdb-Wertung: 7,8 / 10
Meine Wertung: 7 / 10

Der Film kann hier in der englischsprachigen Originalfassung online angeschaut werden (ohne Werbung oder Gebühren). 

 

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...von Regisseur William Wyler:
Wuthering Heights (1939)
The Best Years of Our Lives
(1946)
The Desperate Hours
(1955)

...von Drehbuchautor John Michael Hayes:
Rear Window (1954)
The Trouble With Harry
(ebenfalls mit Shirley MacLaine, 1955)
The Man Who Knew too Much
(1956)

...mit Audrey Hepburn:
Roman Holiday (Regie ebenfalls William Wyler, 1953) (1961)
Charade
(1963)
My Fair Lady
(1964)

...mit Shirley MacLaine:
Some Came Running (1958)
The Apartement (1960)
Steel Magnolias
(1989)

Freitag, 24. Juni 2022

Barnacle Bill (Kapitän Seekrank, UK 1957)

Komödie
Regie: Charles Friend
Drehbuch: T.E.B. Clarke
Mit Alec Guinness, Irene Browne, Percy Herbert, Maurice Denham et al.

Britischer Komödienklassiker, der auch nach fast 70 Jahren keinen Staub angesetzt hat.

Im Mittelpunkt steht Kapitän Ambrose (Alec Guinness), Nachfahre einer stolzen Seefahrerfamilie, den die Seekrankheit überkommt, sobald er an Bord eines Schiffes steht. Damit er nicht ganz ohne Kapitänswürde auskommen muss, kauft er ein Vergnügungspier am Strand des englischen Küstenstädtchens Sandcastle-upon-Sea, heuert eine Schiffsmannschaft an und richtet das Etablissement wieder her.
Den Stadtbehörden ist Ambroses Pier allerdings ein Dorn im Auge; der Bürgermeister will an dessen Stelle lieber eine Schnellstrasse errichten.
Nun folgt ein höchst vergnüglicher Hickhack, im Zuge dessen Ambrose dem Pier Schiffsstatus verleihen lässt, damit es dem See- und nicht mehr dem Landrecht untersteht. Um den Schein zu wahren, muss fortan für die Pierbesucher der Anschein erweckt werden, sie wären sie auf hoher See.

Barnacle Bill ist ein Glückfall; der wunderbar spielerische Einfallsreichtum des Drehbuchs wurde auf allen Ebenen des Filmemachens weitergetragen, bis in die Kulissen und die Filmmusik. So wirkt der Film wie aus einem Guss.
Ein herrlicher Spass, der nicht zuletzt dank der grandiosen Besetzung bis in die Nebenrollen
hervorragend unterhält (ein noch junger und damals kaum bekannter Donald Pleasance etwa ist kurz als konsternierter Bankangestellter zu sehen).

imdb-Wertung:  6,7
Meine Wertung: 9

Der Film kann hier in der englischsprachigen Originalfassung online angeschaut werden (ohne Werbung oder Gebühren). 

 
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...von Regisseur Charles Friend:
Scott of the Antarctic (1948)
The Magnet
(Drehbuch ebenfalls von T.E.B. Clarke, 1950)

The Cruel Sea
(1953)

...von Drehbuchautor T.E.B. Clarke:
The Lavender Hill Mob (ebenfalls mit Alec Guinness, 1951)
Passport to Pimlico
(1949)

The Titfield Thunderbolt
(1953)

... mit Alec Guinness:
The Bridge on the River Kwai (1957)

The Ladykillers
(1955)
Star Wars (1977)

 

 


Samstag, 18. Juni 2022

Miracle - Das Wunder von Lake Placid (Miracle, 2004)


Regie: Gavin O'Connor
Drehbuch: Eric Guggenheim
Mit Kurt Russell, Patricia Clarkson, Noah Emmerich, Nathan West, Eddie Cahill u.a.

Ein gelungener Sportfilm - thematisch ist Miracle sehr nahe am weiter unten besprochenen Baseball-Film Moneyball (2011) dran: Ein US-Trainer und ehemaliger Eishockeyspieler stellt 1979 eine Mannschaft zusammen, mit der die USA bei den olympischen Winterspielen in Lake Placid gegen die übermächtigen Russen antreten soll.

Im Vergleich zu Moneyball schafft es Miracle scheinbar mühelos, die Zuschauer voll und ganz zu involvieren. Die Charaktere sind dank schön herausgearbeiteter Details lebendig gezeichnet, sie bekommen einen Hintergrund und somit eine Tiefe, die man in Moneyball vergeblich sucht.

Dafür fehlen dort die patriotischen Untertöne, was so manchen deutschsprachigen Kommentator dazu gebracht haben dürfte, jenen Film positiv zu bewerten. Als wäre Patriotismus ein Beurteilungskriterium und dessen Abwesenheit ein Gütezeichen. Doch dazu weiter unten.

Miracle erzählt seine "Phönix-aus-der-Asche"-Story geschickt und spannend; man sieht das Spieler-Auswahlverfahren, die extrem harten Trainings, erlebt mit, wie die Mannschaft langsam zu Familie zusammenwächst und bekommt schliesslich einige Hockeyspiele mit, bevor es dann ins halbstündige Finale gegen die beste Hockeymanschaft der Welt, die bösen Russen, geht. Die Hockyspiele sind unglaublich dynamisch und mitreissend inszeniert.

Daneben nimmt sich der Film immer wieder viel Zeit für seine Figuren, allen voran den von Kurt Russell hervorragend ambivalent gespielten besessenen Trainer Herb Brooks. Er fährt einen harten Kurs, treibt die Jungs an ihre Grenzen, verlangt ihnen alles ab - nicht nur für den Sieg; man spürt, dass ihm das Wohl und die Zukunft jeden Einzelnen von ihnen am Herz liegt.

Regisseur und Drehbuchautor gelingt es zudem, die Geschichte in einen zeitgeschichtlichen Hintergrund einzubetten, der via Nachrichten im Hintergrund immer wieder aufblitzt. Miracle, so wird deutlich, spielt zu einer Zeit, da Amerika im Niedergang war, Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst machte sich breit. So gesehen, ist der Film heute wieder brandaktuell.
Letztlich war dies das Ziel von trainer Herb Brooks' Bemühungen: Dem ganzen Land ein Erfolgerlebnis zu bescheren, ein Auftrieb zu geben, einen Ansporn zu schaffen.
Und da sind wir nun beim Patriotismus.

Patriotismus, das wird uns im deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten eingebläut, ist pfui. "Heimat" wird in jüngster Zeit gar als Nazibegriff gebrandmarkt, auf jeden Fall "etwas für Zurückgebliebene", das V-Wort sagt man schon gar nicht, stolz sein auf ihr Land dürfen weder Deutsche noch Schweizer, lieber macht man es lächerlich. Die Schmähungen reichen von "Deutschland, du Stück Scheisse" bis "La Suisse n'éxiste pas".
Als Jugendliche wurde uns das von links-bewegter Seite richtiggehend eingeimpft, heute sehe ich, wie krank und schädigend diese Haltung ist.

Nun mag man zum Patriotismus stehen, wie man will, als Qualitätskriterium für einen Film taugt es nicht. Es ist eine Haltung, kein handwerkliches Kriterium. Man mag es nachvollziehen oder nicht; mir ist Patriotismus inzwischen näher als der ganze aufoktroyierte nihilistische Selbsthass unserer Breitengrade.

Bleibt zu sagen, dass der Patriotismus hier derart hervorragend in den geschichtlichen Kontext eingebunden ist, dass er als reine Überlebensstrategie erscheint. Diese Erkenntnis steckt im Film drin: Ein Volk (ups, jetzt hab' ich das böse Wort doch geschrieben!), ein Volk ist ohne Liebe zu seinem Land zum Untergang - oder zumindest zu einem langen Siechtum - verdammt.

Fazit: Ein hervorragender, kaum bekannter Sportfilm, der für mich das wenig geliebte Genre "Sportfilm" deutlich aufgewertet hat! Heisse Empfehlung!

Wo schauen: DVD und Blu-ray sind nur noch antiquarisch erhältlich; dafür ist der Film im Stream unter dem deutschen Titel Miracle - Das Wunder von Lake Placid bei verschiedenen Anbietern online anschaubar.

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten (in absteigender Reihenfolge):

Hundstage (Dog Day Afternoon, 1975)
Sidney Lumets Dog Day Afternoon gehört zu den gefeierten Filmklassikern Hollywoods - er ist ein "must" für jeden Filmliebhaber.
Der Film spielt an einem heissen Augustnachmittag, dem "Hundstag" im deutschen Verleihtitel, irgendwo in Brooklyn. Zwei Bankräuber, Sonny und Sal (Al Pacino und John Cazale) überfallen eine kleine Bank, das ganze sollte nur 10 Minuten dauern. Doch weil Sonny kurz vor ihrem Abzug ein Dokument verbrennt, steht wegen der Rauchentwicklung plötzlich die Polizei vor der Tür. Schon bald wird aus der Polizeikontrolle eine Belagerung und aus dem Raub eine Geiselnahme.
Die beiden Amateur-Bankräuber sind damit völlig überfordert. Eigentlich wollte Sonny, ein überkandidelter Looser mit grossem Herz, mit dem geklauten Geld Gutes tun. Die Polizeichef (Charles Durning) scheint ehrlich bemüht, die Sache glimpflich ablaufen zu lassen, er zeigt sogar ein gewisses Verständnis für die Räuber - doch dann tritt das FBI auf den Plan.
Dog Day Afternoon
basiert auf einer wahren Geschichte und Sidney Lumet tat alles Menschenmögliche, um dem Film einen authentischen Anstrich zu geben.
Der fast dokumentarische Ansatz wirkt noch heute frisch und unverbraucht - damals war das in diesem Ausmass noch relativ neu. Das macht den Film frisch und spannend.
Ich war allerdings nicht so begeistert, wie ich es erwartet hatte. Dies, weil doch ein paar deutliche Schwachstellen auszumachen sind:
- Das Improvisieren der Dialoge macht sich ab und zu negativ bemerkbar, indem diese Szenen manchmal in ineffektive Geschwätzigkeit ausarten und den Film über Gebühr verlängern. Der Fokus droht dadurch immer mal wieder, in Schieflage zu geraten.
- Sämtliche Charaktere bleiben vage, bis auf den von Pacino verkörperten Sonny. Er ist ganz klar das Zentrum des Films, Pacino ist sich dessen bewusst und er nutzt dies zu seinen (Karriere-)Gunsten aus. Man kann mit Fug und Recht behaupten, Dog Day Afternoon sei eine Pacino-Show. Damit unterläuft er m.E. das Konzept des dokumentarischen Ansatzes.
Keine Frage, seine Leistung ist grandios, doch sie hat den Anstrich von Egomanie, er lässt kaum jemandem Platz neben sich, und das hat mir nicht gefallen.

Die Kunst zu gewinnen - Moneyball (Moneyball, 2011)
Ein Film über Baseball - interssanterweise bewerten amerikanische Zuschauer den Film höher als Europäische. Liegt das daran, dass uns das Spiel eher fremd und schwer verständlich erscheint? Oder liegt es umgekehrt daran, dass ein solcher Film für ein US-Publikum einem patriotischer Akt gleichkommt?
Wer weiss...?
Ich war jedenfalls angesichts der hohen Wertung enttäuscht darüber - und erstaunt, doch einige gewichtige Schwachpunkte in dem vielgepriesenen Werk zu entdecken.
- Der erste und augefälligste: Brad Pitt! Kein besonders guter Schauspieler. Jedenfalls kriegt er es nicht fertig, die innere Zerrissenheit seiner Figur hinter seinem Sonnyboy-Grinsen sichtbar zu machen. Man stellt keine Verbindung her zu dem Kerl, der eigentlich das Herzstück des Film wäre. Und damit hatte er mich schon früh verloren.
- Was für mich nicht glaubhaft vermittelt wird, ist die Methode, via Computer eine Top-Mannschaft zusammenzustellen - ein zentrales Motiv des Films!
Die Regie ist sehr gut, die Nebendarsteller ebenso - und trotzdem zündet Moneyball für mich nicht.
"How can you not be romantic about baseball?", fragt Brad Pitt am Ende des Films.
Ehrlich gesagt: Ich habe auch nach diesem Film nicht die geringste Ahnung!

Downton Abbey II: Eine neue Aera (Downton Abbey: A New Era, UK 2022)
Im zweiten Downton-Kinofilm gibt es einige Anzeichen, dass dies der letzte Beitrag zu der Serie gewesen sein könnte. Und man ist nach Visionierung des Films versucht, zu sagen: Es wäre jetzt wirklich Zeit, aufzuhören.
Downton Abbey II wirkt uneinheitlich, lustlos, zusammengestoppelt, an manchen Stellen gar wie schlecht improvisiert. Der Tod von Violet Grantham (Maggie Smith) am Filmende etwa kommt so abrupt und wirkt derart aufgesetzt, dass man das Gefühl kriegt, er sei ursprünglich gar nicht geplant gewesen. Wollte Maggie Smith aus der Serie aussteigen?
Es gibt Handlungsfäden, die im Nichts verlaufen, die Krankheit von Cora Grantham (Elizabeth McGovern) etwa oder das Theater um die Herkunft von Lord Grantham (Hugh Bonneville).
Der Übergang vom Stumm- zum Tonfilm, der anhand einer in Downton einfallenden Filmcrew thematisiert wird, bringt auch nichts, was man nicht in anderen Filmen nicht schon besser gesehen hätte (u.a. im Musical Singin' in the Rain, von dem hier schamlos abgekupfert wird).
Auch die Schauspieltruppe wirkt uneinheitlicher denn je; neben grossartigen Mimen wie Maggie Smith und Robert James-Collier fallen u.a. Elizabeth McGovern, Jim Carter und Kevin Doyle diesmal noch deutlicher ab als in der TV-Serie.
Was mich bei der Stange hielt, war das Wiedersehen mit den altbekannten und liebgewonnenen Figuren und ein paar schöne Landschaften.
Drehbuchautor Julian Fellowes scheint inzwischen nur noch halbherzig bei der Sache zu sein, seine Vorlage ist, was die Engländer liebevoll "a bloody mess" nennen würden. Entweder man ersetzt ihn, oder man macht jetzt einen Schlusspunkt.
Ohne Maggie Smith ist Downton Abbey sowieso nicht mehr dasselbe.

Make My Heart Fly - Verliebt in Edinburgh (Sunshine on Leith, UK 2013)
Diesen Film hatte ich in der Hoffnung geschaut, einen vergessenen Vorgänger des erfolgreichen Neo-Musicals La La Land (2016) entdecken zu können.
Dem war leider nicht so.
Der von Dexter Fletcher (Eddie the Eagle) inszenierte Film besticht weder durch seine Musik, seine Inszenierung noch durch seine Handlung.
Es ist vielmehr so, dass notdürftig drei Liebesgeschichten um einige Musiknummern herum drapiert wurden; mit notdürftig meine ich: Schmalzig, vorhersehbar - ja, sogar peinlich.
Die Figuren kommen nie zum Leben, sie bleiben papieren, eindimensional, langweilig.
Der Film sieht trotz Hochglanzoptik billig aus, die Choreografien scheinen einer Bühnenproduktion zu entstammen und die Musik... nichts, was man nicht nach einer halben Minute schon wieder vergessen hätte.
Ein schauderhafter Schmarren.


Mittwoch, 8. Juni 2022

Paddington (UK, 2014)

 

Regie: Paul King
Drehbuch: Paul King &
Hamish McColl
Mit
Ben Whishaw (Stimme), Hugh Bonneville, Sally Hawkins,
Julie Walters, Peter Capaldi, Nicole Kidman, Jim Broadbent u.a.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Michael Bonds unsterblicher Kinderbuchheld, der Bär Paddington, zu Kino- und CGI-Ehren kommen würde. 2014 war es soweit, unter der Regie von Paul King entstand Paddington, ein Familienfilm, der so erfolgreich war, dass drei Jahre später eine Fortsetzung folgte.
In den Hauptrollen tummeln sich zahlreiche Stars wie Hugh Bonneville, Julie Walters, Sally Hawkins, Peter Capaldi und Nicole Kidman. Sogar Autor Michael Bond hat einen winzigen Gastauftritt.
Fans fürchteten vor der Premiere das Schlimmste, doch Paul King und seine Crew vermochten auch sie mit dem Endprodukt zu begeistern. Michael Bonds Tochter sagte, sie sei von der Verfilmung zu Tränen gerührt gewesen.

Als Nicht-Kenner des Originals kann ich die Güte der Adaption nicht beurteilen, nur den Film als eigenständiges Werk. Als Familienfilm, verglichen mit anderen Familienfilmen, schneidet er überdurchschnittlich gut ab.
Die Regie ist fantasievoll und lässt in der kindlichen Verspieltheit der Inszenierung eine eigenständige Handschrift erkennen. Ein bezaubernder Einfall folgt auf den nächsten, ob Paddington nun in einen laufenden Film eintaucht, eine Tapete sich passend zur Stimmung der Hausbewohner verändert oder ob eine archaische Orangenmarmelademaschine visualisiert wird, die Freude ob solch liebevoll ausgedachter Details nimmt kein Ende. Den Namen des Regisseurs haben sich viele Cineasten gemerkt.

Doch - wie immer - man hüte sich vor zu grossen Erwartungen: King hat fünf Jahre an dem Projekt gearbeitet (er schrieb auch das Drehbuch, zusammen mit Hamish McColl). Nach einem sorgfältig ausgebrüteten Erstling haben erfolgreiche Regisseur in der Regel nicht mehr so viel Zeit für ein Projekt, denn dann heisst es "liefern"! In den Folgeprojekten erst zeigt sich, wer wirklich etwas auf der Platte hat.
Nach Paddington kam von King drei Jahre später Paddinton 2 in die Kinos; erst für 2023 steht sein nächster Film an. Der Mann lässt langsam angehen, und das ist bestimmt gut so.

Zum Inhalt: Aus dem tiefen Urwald Perus kommt ein kleiner Bär nach London. Dank eines britischen Forschers, der ihn, seine Tante und seinen Onkel einst entdeckt hatte, wissen die Bären von der Existenz der Stadt; und als der Onkel stirbt und die Tante ins "peruanische Heim für pensionierte Bären" kommt, reist der kleine Bär, der später Paddington genannt werden wird, als blinder Passagier nach London - um den Hals das Schild mit der berühmten Aufschrift: 'Please look after this bear. Thank you.'
So gelangt er ins Heim der Familie Brown, in welche er nach vielen Un- und Zwischenfällen als Mitglied aufgenommen wird. Doch zwischendurch droht Gefahr in Form einer irren Taxidermistin, die schon lange darauf wartet, eines Exemplars seiner Spezies habhaft zu werden - um es ausgestopft ins National History Museum zu stellen. Sie setzt alles dran, Paddington in die Klauen zu kriegen.

Es ist diese ausgedehnte Episode, die als störender Misston die Freude an Paddington leider etwas trübt. Musste da unbedingt noch ein Bösewicht 'reingedrückt werden, ergänzt mit Action, Suspense und Horror? Ich schätzte die bedauerliche Konzession ans Massenpublikum auch bei der zweiten Sichtung nicht. Die Krawall- und Cliffhangerdramaturgie übertüncht die zarteren Töne dieses bezaubernden Streifens (bezeichnender- und ärgerlicherweise blieb mir von der ersten Sichtung ausgerechnet diese Sequenz am besten in Erinnerung). Zudem: Die eindimensional böse Millicent (eindimensinal verkörpert von Nicole Kidman) gab es in Michael Bonds feinsinnigen Paddington-Universum gar nicht.

Aber seien wir Grossherzig (denn das will uns der Film ja vermitteln), blicken wir über diese Schwäche hinweg und freuen uns am gelungenen grossen Rest von Paddington - und hoffen, dass dieser Regisseur noch viele weitere schöne Filme drehen wird.

Paddington gibt's als Blu-ray und DVD im Handel zu kaufen. 
Diese Liste zeigt an, bei welchen Anbietern er online geschaut werden kann. Viel Spass!
Hier kann der Film online angeschaut werden - in der Originalsprache, Kostenfrei und ohne Werbeunterbrechung.

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten (in absteigender Reihenfolge):

Rebecca (1940)
Hitchcocks erster amerikanischer Film - von vielen als sein Bester bezeichnet - profitiert von der luxuriösen Ausstattung, für die Produzent David O. Selznick bekannt war. Die Innenausstattung von Gut Manderley ist eine konstante Augenweide.
Die Geschichte um die neue Mrs. De Winter (Joan Fontaine), die auf Manderley unter der drückenden Präsenz der verstorbenen ersten Ehefrau leidet - der titelgebenden Rebecca - kommt zunächst nicht recht vom Fleck; zuviel Zeit wird für ein Exposé verwendet, von dem man nicht weiss, wohin es führen wird. Es dauert geschlagene 90 Minuten, um genau zu sein.
Mir verleidete die endlose Unklarheit über die Motive der Hauptfigur Maxim De Winter (Laurence Olivier) den Film beinahe.
Erst in den letzten 40 Minuten wendet sich das Blatt und die eigentliche Geschichte kommt in Gang. Da wird Rebecca wirklich packend und im wahrsten Sinn höllisch spannend.
90 zu 40 - das ergibt eine etwas schiefe Balance. Trotz der grandiosen Inszenierung liess mich der Exposé-Teil kalt - was dazu führt, dass ich Rebecca als sehr guten, aber sicher nicht als Hitchcocks besten Film betrachte!

Der amerikanische Freund (Deutschland, 1977)
Wim Wenders verfilmt Patricia Highsmith...
Als der Kunsthehler Tom Ripley (Dennis Hopper) einen Mordauftrag bekommt, schlägt er vor, als Mörder einen harmlosen Hamburger Bildermacher (Bruno Ganz) zu rekrutieren, der wegen einer seltenen Blutkrankheit nicht mehr lange zu leben hat. Im Zuge dieses Auftrags bildet sich zwischen den beiden unterschiedlichen Männern eine Art Freundschaft.
Die erste Hälfte des Films dient dem Aufbau der Handlung und der Etablierung der Charaktere, was recht spannend herauskommt. Doch nach der Halbzeit zerbröselt der schöne Aufbau und die Geschichte ergibt immer weniger Sinn, Der amerikanische Freund wird je länger je unbefriedigender: Der Handlungsverlauf wird wirr und die Charakterentwicklung bleibt auf halber Strecke stehen, der Schluss kommt willkürlich und unmotiviert daher. Es ist, als hätten die Filmemacher nach der ersten Hälfte ohne Drehbuch weitergearbeitet und verschiedene Leute hätten dreingeredet. Tatsächlich wurde das Skript während des Drehs immer wieder umgeschrieben und Dennis Hopper improvisierte Teile seines Textes.
Kameramann Robby Müller gelingen einige tolle Bilder, doch am besten gefällt mir wie schön der Film die Atmosphäre der Siebzigerjahre einfängt. Das ist das Faszinierendste an diesem Streifen, den Rest kann man eigentlich getrost vergessen...

Sonntag, 5. Juni 2022

Das Leben des Brian (Life of Brian, UK 1979)


 

Regie: Terry Jones
Drehbuch:
Graham Chapman, Terry Jones, John Cleese, Eric Idle, Michael Palin, Terry GilliamMit Graham Chapman, Terry Jones, John Cleese, Eric Idle, Michael Palin, Terry Gilliam, Carol Cleveland u.a.

Life of Brian
ist eine schier endlose Prozession von meist gelungenen Gags, Absurditäten, Verballhornungen - mit der Erkenntnis, das Leben sei miserabel und absurd.
Gegen diese Erkenntnis setzt die englische Monty Python-Truppe bekanntlich das Lachen.
Deren zweiter richtiger abendfüllender Spielfilm setzt diese Philosophie konsequent und eindringlich um, verlässt dabei mit seinem stringenten, durchgängigen Konzept die Episodenhaftigkeit der TV-Serie und überflügelt diese noch. Man könnte Life of Brian als die Quintessenz der Pythonismus bezeichnen. Es ist der ernsthafte Versuch der legendären Truppe, das Leben als Witz darzustellen; es in all seiner Grösse und seiner Erbärmlichkeit zusammenzufassen - und vorzuführen, was man am besten tut, um nicht daran zu verzweifeln: Es einfach nicht ernst nehmen. Oder wie es im abschliessenden Song heisst:

Life's a piece of shit
When you look at it

Life's a laugh and death's a joke, it's true

You'll see it's all a show

Keep 'em laughin' as you go
!
Just remember that the last laugh is on you.

Der Film erzählt eine Geschichte aus Galiäa, von einem Mann, der zur Zeit Jesus von Nazareth gelebt hatte, genauer: die Lebens- und Leidensgeschichte des Brian - von Nazareth.
Der arglose Brian - der im Film den durchschnittlichen Everyman (von Nazareth) verkörpert - schliesst sich der "People's Front of Judäa" im Kampf gegen die unterdrückerischen Römer an, wird gefangen genommen, später dank einer Rede von einer fanatischen Meute von Anhängern als Erlöser verehrt und schliesslich zum Tod am Kreuz verurteilt. Und dort erklingt dann der oben zitierte, wohl ewig poluläre Song "Always Look on the Bright Side of Life", der den ganzen Irrsinn sehr schön zusammenfasst.
Brian ist die Identifikationsfigur für die Kinogänger; tatsächlich konnte ich mich in seinem Lebensgefühl wiederfinden, von lauter ideologie- und machtgesteuerten Dummköpfen umgeben zu sein.

Die vergangene Zeit klopfen die Pythons auf Analogien zum Heute ab - angesichts der Ereignisse der letzten Jahre ist der Film erstaunlich und erschreckend modern geblieben. Die Welt ist seit 1979 noch ein gutes Stück irrer geworden - wobei die grössten Veränderungen in diese Richtung in den beiden vergangenen Jahren passiert sind. Die Welt hat sich dem Film angepasst.
Es gibt im Film Unterdrücker, unsinnige Regulierungen, mehrere linksradikale Befreiungsfronten, eine in Einfalt dahindämmernde Bevölkerung, Gendersensibilitäten und den lächerlich vergeblichen Aufruf an die gesichtslosen Massen, sich nicht von aussen steuern zu lassen, weil doch jeder ein Individuum sei. ("I'm not!", ruft einer dazwischen.) Also all der Irrsinn, der das Menschsein in der Gesellschaft ausmacht - und man stellt fest: Er ist zeitlos.
Dieser Irrsinn wird von den Pythons ausgiebig und bis zur Kenntlichkeit übersteuert und durch die zeitliche Distanz als das entlarvt, was er ist.

"Ich glaubte, irgendein Handlanger der Natur hätte die Menschen gemacht und sie wären ihm nicht geraten", diesem Satz aus Hamlet würde die Python-Truppe wohl zustimmen.

Neben der Tatsache, dass Life of Brian den Unsinn des Lebens auf entwaffnende Weise blosslegt und aufzeigt, dass die Menschheit noch nie aus ihren Fehlern gelernt hat, besticht er durch einen entwaffnenden Witz, der nicht nur zeitlos ist, sonden oftmals genau den Kern der Sache trifft. Dass er dabei nie verletztend oder gar blasphemisch ist, macht ihn für für alle Schichten, Klassen, Gruppierungen, ja auch für niedere Sklaven geniessbar.

Je nachdem, wohin uns die derzeitige politische Situation und die dazugehörigen derangierten Politiker uns noch führen, wird der Film weiter an Brisanz gewinnen. Mir fällt kein anderes Kinowerk ein, von dem man dies sagen könnte...
Life of Brian ist, obwohl er filmhandwerklich eher zum Durchschnitt zählt, eine Sternstunde des Kinos und der Satire.

Das Leben des Brian ist sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD erhältlich und kann bei einigen Anbietern auch online geschaut werden. Hier eine Auflistung... (Mein Tipp für Sprachbegabte: Unbedingt in der englischen Originalfassung schauen!)

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten (in absteigender Reihenfolge):

Harold Lloyd, der Sportstudent (The Freshman, 1925)
Neben dem gloriosen Safety Last (1923) ist The Freshman wohl Harold Lloyds bekanntester und beliebtester langer Stummfilm. Grund genug, ihn mir nach Jahren wieder einmal anzusehen, diesmal ohne Fan-Brille. Und da konnte ich doch einige erhebliche Schwächen darin entdecken.
Zunächst einmal ist die Figur, die Lloyd hier spielt, zum Fremdschämen. Der junge Harold Lamb überschreitet mit seiner Schwärmerei für die College-Welt und seinem Bestreben, sich bei den Mitstudenten beliebt zu machen die Peinlichkeitsgrenze derart stark, dass man sich nicht darüber wundert, dass die Kommilitonen sich über ihn lustig machen. Seine Figur sollte Mitleid erregen, bewirkt beim Zuschauer aber eher das Gegenteil.
Dass sich der Film praktisch nur um Football dreht, wirkt für Nicht-Sportbegeisterte wie mich zudem eher ermüdend.
Dann gibt es zu viele Sequenzen, die über Gebühr in die Länge gezogen werden und einen Gag derart ausmelken, bis man ihn satt hat.
Es gibt allerdings auch zwei wirklich herausragende Sequenzen in dem Film, die das Anschauen dann doch lohnen: Die eine ist die Begegnung mit der zukünftigen Geliebten im Zug, wo Lloyds geniale Fähigkeit des verknappten Erzählens sehr schön beobachtet werden kann; die andere ist eine ausgefeilte Sequenz, in der Harold in einem schlecht genähten Anzug an einem Ball teilnimmt; dort nehmen die witzigen Einfälle und Variationen um geplatzte Nähte und abgetrennte Ärmel schier kein Ende mehr, und obwohl von vornherein klar ist, dass Harold am Schluss in der Unterwäsche dastehen wird - was schliesslich auch geschieht - ist der Weg dorthin mit so vielen schönen Gags gepflastert, dass man das unvermeidliche Ende zu akzeptieren bereit ist.
Wer den heute praktisch vergessenen Stummfilmkomiker Harold Lloyd, der damals mit Chaplin und Keaton in einem Atemzug genannt wurde, besser kennenlernen möchte, macht um diesen Film besser einen Bogen und beginnt erstmal mit Safety Last.
Ich staune über die grosse Popularität, welche The Freshman in Amerika geniesst - das gestrige Wiedersehen weckte eher den Verdacht, dass er der schwächste stumme Langfilm dieses grossen Komikers ist... Um dies zu verifizieren, müsste ich die anderen alle auch wiedermal gucken.
(Hmmm.... keine schlechte Idee!)

Logan Lucky (2017)
Die hinterwäldlerischen Gebrüder Logan (Channing Tatum und Adam Driver) planen einen ganz grosse Raubüberfall; dafür müssen sie aber erst einen gestandenen Bankräuber (Daniel Craig) aus dem Gefängnis befreien. Ein bischen viel für zwei unerfahrene Hobby-Gangster...
Steven Soderberghs Komödie pendelt zwischen (mehrheitlich) staubtrockenem Lakonismus und (wenig) Slapstick. Leider fand ich keinerlei Zugang zu den diffus und klischeehaft
gezeichneten Hauptprotagonisten, die mir bald mal den Buckel 'runterrutschen konnten. Logan Lucky hat mich deshalb nicht wirklich packen können. Gute Regieführung, immerhin.

Donnerstag, 2. Juni 2022

Die grosse Illusion (La grande illusion, Frankreich 1937)


Regie: Jean Renoir
Drehbuch, Charles Spaak, Jean Renoir
Mit Jean Gabin, Pierre Fresnay, Erich von Stroheim, Macel Dalio, Dita Parlo u.a.

Erneut habe ich mich - nach Casablanca - an einen der "grössten Filme aller Zeiten" herangewagt. Es ist wieder ein Kriegsfilm, allerdings ist der Krieg darin nie zu sehen, er ist aber im Kontext stets präsent.
Jean Renoirs gefeierter Film La grande illusion handelt von einer Gruppe französischer Kriegsgefangener im ersten Weltkrieg, die immer wieder versuchen, aus den deutschen Lagern auszubrechen, in die sie im Lauf des Films verbracht werden. In diesen Lagern herrscht ein freundschaftlicher Umgang vor, harsch und laut werden die Bewacher nur, wenn ihre Reglemente ins Spiel kommen und dies verlangen. Ausserhalb davon schiebt man sich auch mal ein paar Zigaretten 'rüber, klopft einander auf die Schulter oder lädt sich gegenseitig zum bunten Abend ein.
Renoirs Botschaft wird rasch deutlich: "Der Feind" ist ein Phantom, ein bürokratisches Konstrukt, entstanden und am Leben erhalten durch Grenzen und Nationalismus. Ausserhalb der Bürozeiten und der Kampfzonen behandelt man sich gegenseitig lieber mit Respekt und Achtung, als egalitäre, gleichwertige Menschen. Im Gefängnis sind alle gleich: Nationalität, Rang, gesellschaftlicher Stand und sogar Geschlecht - alles löst sich auf und dahinter erscheint der Mensch als solcher.

Mit dieser seiner Moral rennt der Film heute, im Zeitalter der schrankenlosen Beliebigkeit, offene Türen ein - damals war das eine Sensation und wurde gefeiert.

La grande illusion wirkt noch heute auf den Betrachter - zunächst staunt man über den komödiantischen Ton, der fast das ganze Werk durchzieht. Dann ist man fasziniert von der wohltuenden Mitmenschlichkeit, dem humanistischen Geist, den der Film atmet, berührt auch von der Wärme und der Melancholie in der zweiten Hälfte. Es wird klar: La grande illusion ist kein realistisches Abbild einer Gesellschaft im Krieg, es handelt sich vielmehr um eine hoffnungsvolle positive Utopie aus welcher der Glaube an das Gute und Verbindende im Menschen spricht. Und als solche besitzt Renoirs Film noch immer grosse Faszinationskraft. Auch wenn man heute desillusionierter ist als damals, kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges und somit umso besser weiss, dass Renoir ein realitätsferner Träumer  war und sein Film ein Luftschloss.

Und doch: Zu gern man möchte glauben, was man da sieht; vielleicht besitzt der Film und seine unwiderstehliche Utopie ja die Kraft, in vereinzelten Kinogängern etwas zu bewirken, zu verändern.

Renoir verankert seine traumhaft anmutende Geschichte schlau in der Realität, die er schnörkellos in Szene setzt. So verleitet er uns zum Glauben an die schönen Gedanken die er uns dazu auftischt. Wäre es nicht schön, es wäre wahr? Das ist die Faszination dieses Films: Er präsentiert die Utopie "alle Menschen werden Brüder" dergestalt, dass man bereit ist, sich der Idee hinzugeben und - wenigstens für die kurze Filmdauer - sich die wohltuende Vorstellung anzueignen.

Aber La grande illusion besitzt auch starke handwerkliche Vorzüge: Von der Kameraarbeit übers Drehbuch bis zur Montage sind alle Aspekte des Filmemachens erstklassig. Renoir appelliert mit seiner sprunghaften Erzählweise immer wieder an die Intelligenz der Zuschauer und erzählt ohne langatmige Erklärungen abzugeben in Bildfolgen, welche die nötigen Informationen beinhalten. Das war damals zumindest ungewöhnlich.
Dann die Schauspieler: Ausnahmslos alle erbringen Bestleistungen, die noch lange im Gedächtnis haften bleiben.
Den Figuren, die sie spielen, verleihen einige von ihnen - Jean Gabin, Marcel Dalio, Erich von Stroheim, Pierre Fresnay, Julien Carette und ganz stark Dita Parlo - Kraft ihrer Persönlichkeit Tiefe, die in der Drehbuchvorlage gar nicht besonders ausgeprägt vorhanden ist. Sie tragen den Film und machen ihn - zusammen mit dem überraschenden Humor und der positiven Grundstimmung - zu einem spannenden und anregenden Werk, dessen zentrales Thema - Grenzen und deren Überwindung - in verschiedenen Facetten durch den ganzen Film mäandert und ihn durchdringt.

La grande illusion ist einer jener Filme, die auf auf vielen Bestenlisten vertreten sind - im Gegensatz zu Casablanca steht er dort m.E. zu Recht.
Er ist im deutschsprachigen Raum auf Blu-ray erschienen und kann zudem online bei verschiedenen Anbietern geschaut werden.
Alternativ kann man ihn hier online in voller Länge, in der originalen Sprachfassung mit englischen Untertiteln ansehen.

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten (in absteigender Reihenfolge):

Die scharlachrote Blume (The Scarlet Pimpernel, UK 1934)
Britischer Historienfilm aus dem Hause Korda.
Ein mysteriöser Engländer rettet in Paris Adelige vor dem Wüten der Französischen Revolution - namentlich vor der Guillotine - und bringt sie nach England in Sicherheit. Er firmiert unter dem Pseudonym "Scarlet Pimpernel" und hat einen ganzen Trupp Gehilfen und Spione, die für ihn arbeiten. Dass er sich hinter der Fassade des tüdeligen Aristokraten Sir Percy Blakeney verbirgt (Leslie Howard), ahnt niemand, nicht mal seine Gattin (Merle Oberon); diese wird vom französischen Botschafter (Raymond Massey) erpresst, sie soll die wahre Identität des mysteriösen Rächers herausfinden.
Der Film beginnt äusserst stimmungsvoll und spannend - die legendären Studiobauten von Vincent Korda zaubern ein prachtvoll pittoreskes Paris auf die Leinwand. Die Französische Revolution dient den Machern nur als Vorwand für die Erzählung und wird nicht genauer beleuchtet. Die Gut-Böse-Verteilung ist allerdings klar definiert: Englische Aristokraten gut, Französische Revolutionäre böse.
Bis zur Hälfte ist der Film interessant, eine Augenweide und vor allem sehr witzig. Doch dann beginnt die Dramaturgie plötzlich zu harzen und zu holpern; unwichtige Sequenzen werden über Gebühr in die Länge gezogen, das Ganze wird immer dialoglastiger und die Schauplätze sehen immer ärmlicher aus. Der Showdown schliesslich wirkt billig und überhastet.
Am Ende hat der Film den guten Eindruck, den er zu Beginn machte, zur Hälfte verspielt.

Topper geht auf Reisen (Topper Takes A Trip, 1938) 
Der zweite Topper-Film, diesmal ohne Cary Grant (der nicht mehr mitmachen wollte); Constance Bennett ist wieder mit dabei, als Geist, der eine gute Tat vollbringen will, um in den Himmel zu kommen. Erneut sucht sie sich den Bankier Cosmo Topper (Roland Young) dafür aus, dessen gefährdete Ehe sie retten möchte.
Nicht mehr so bodenlos albern wie der erste Teil, aber leider krankt der von Hal Roach produzierte Film daran, dass Roland Young das komödiantische Format abgeht, das der absurde Plot verlangt. Der heute vergessene Komödiant und langjährige Roach-Protégé Charley Chase wäre genau der richtige für die Rolle gewesen, doch der wurde von Roach zwei Jahre zuvor leichtfertigerweise gefeuert.
So ermüdet Topper Takes A Trip bereits nach zwanzig Minuten.

Everything Everywhere All At Once (2022)
Es tut mir leid, den Hype um diesen abstrusen Film mag ich nicht teilen. Damit ging es mir ähnlich wie mit den ganzen Marvel-Verfilmungen, mit denen ich auch absolut überhaupt gar nichts anfangen kann, weil sie mir zu kindisch sind und weil sie diese Kindischheit meist mit heiligem Ernst zelebrieren.
Ähnlich verfährt dieser Streifen, den ich nach gut der Hälfte der Laufzeit genervt verlassen habe. Der ganze abstruse Multiversen-Stuss war mir genauso zuwider wie der Matrix-Film, für den ich ebenfalls nichts übrig habe.
Dann noch lieber Star Trek, da wird einem der Science-Fiction-Blödsinn wenigstens mit Humor kredenzt. Letzteren konnte ich in Everything.... nirgends ausmachen. Dabei hätte er geholfen.

Insider (The Insider, 1999)
Immer wieder hat das US-Kino die Presse als unabhängige Instanz und einzelne Investigativ-Journalisten als heroisch abgefeiert. So auch in diesem Film, in dem ein hartnäckiger Reporter (Al Pacino) mit Hilfe eines Insiders (Russell Crowe) einen Skandal der naturgemäss bösen Tabakindustrie aufdeckt.
Dieses romatisierend-beschönigende Bild Hollywoods von der Presse fand ich schon immer daneben - man zeigt uns, wie es sein sollte (wogegen ich gar nichts einzuwenden habe), tut aber so, als wäre dies längst Realität. Im Zuge der Entwicklung der Medien in den letzten paar Jahren finde ich das inzwischen gar Übelkeit erregend. Michael Manns Film reiht sich ins linkspopulistische Muster der Presse-Glorifizierung ein und führt mittels des üblichen Gut-Böse-Rasters vor, wie zwei Einzelkämpfer es den bösen Multis zeigen.

Frühstück bei Tiffany (1961)

  Originaltitel: Breakfast at Tiffany's Regie: Blake Edwards Drehbuch: George Axelrod Mit Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal,...