Mittwoch, 27. Januar 2021

Filmübersicht (14. Januar - 26. Januar)

Die letzten Tage liefen hier folgende Filme:

Aufstand in Sidi Hakim (Gunga Din, 1937)
Fences (2016)
Bettler des Lebens (Beggars of Life, 1928)
Das Erbe des Henkers (Moonrise, 1948)

Ein koloniales Abenteuer frei nach einem Gedicht von Rudyard Kipling bringt Aufstand in Sidi Hakim (Gunga Din) auf die Leinwand. Leider erschöpft sich der Streifen im Herumgealbere der drei Hauptcharaktere (gespielt von Cary Grant, Douglas Fairbanks, Jr und Victor McLaglen), die ausser Humor keine weiteren Charaktereigenschaften zu haben scheinen und deshalb bald einmal langweilen.
Fences ist das Regiedebut des Schauspielers Denzel Washington - welches gründlich missglückt ist! Washington steht permanent im Mittelpunkt - nicht nur des Geschehens, aber auch des Bildes. Dabei zieht er ein regelrechtes Schmierentheater ab. Fences ist eine Selbstinszenierung der eher peinlichen Art. Zudem ist das dem Film zugrunde liegende Stück über Gebühr geschwätzig.
Auch der Stummfilm Bettler des Lebens (Beggars of Life) leidet unter der Selbstinszenierung eines egomanischen Schauspielers. Hier ist es Wallace Beery, der aus seiner Nebenrolle die Hauptrolle zu machen versucht und so die Subtilität, die William A. Wellmans Film zunächst an den Tag legt, regelrecht plattwalzt. Natürlich musste sein Name auch auf den Plakaten zuoberst stehen. Louise Brooks und Richard Arlen liefern deutlich bessere schauspielerische Leistungen ab als er.
Das Erbe des Henkers
(Moonrise) ist ein höchst interessanter Film des heute leider vergessenen hoch begabten amerikanischen Regisseurs Frank Borzage. Er erzählt von Danny Hawkins (Dane Clark), dem Sohn eines in einer US-Kleinstadt als Möder gehenkten Mannes - Zeit seines Lebens wird Danny deswegen gehänselt, ausgestossen und verlacht. Als er einen seiner Peiniger im Streit - und in Notwehr - erschlägt,
versteckt er die Leiche und duckt sich. Die Liebe zur Dorflehrerin (Gail Russell) hält ihn über Wasser, doch es ist nur eine Frage der Zeit bis die Leiche entdeckt wird...
Moonrise ist unter anderem deshalb spannend, weil er sich keinem Genre zuordnen lässt und man deshalb nie weiss, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Er ist kein Film Noir, keine Romanze, kein Kleinstadtporträit - und doch steckt von all dem etwas drin. Borzage fesselt zudem mit exquisiter Bildgestaltung, Regie- und Kameraführung; und doch überzeugt Moonrise letztlich nicht ganz und es reicht nicht zur Seh-Empfehlung. Das hat einmal mehr mit der Figurenzeichnung zu tun, die sehr schwach ist. Der Hauptcharakter ist sehr inkonsistent gezeichnet, dadurch wirkt er unglaubwürdig, künstlich. Mal ist er ein Draufgänger, dann wieder depressiv. Auch die Nebenfiguren bleiben fragmentarisch und blass.
Schade! Immerhin: Moonrise ist mit einigem Abstand der beste Film, den ich diese Woche gesehen hatte.

Samstag, 16. Januar 2021

Filmübersicht (7. Januar - 13. Januar)

Diese Woche liefen hier folgende Filme:

Rivalen (Kings Go Forth, 1958)
Fellinis Schiff der Träume (E la nave va, 1983)
Das Leben des Emile Zola (The Life of Emile Zola, 1937)
Intrige (J'accuse, 2019)
Die Maus, die brüllte (The Mouse that Roared, 1959)

Das lang ersehnte Wiedersehen mit Fellinis Schiff der Träume (E la nave va, 1983), der mir damals, bei seiner Kinopremiere, gut gefallen hatte, war leider eine grosse Enttäuschung. Teilweise konnte ich meine damalige Faszination nachvollziehen: Es gibt grandiose Momente in dem Film - doch leider ist er mehrgeitlich langfädig und richtungslos. Schöne Bilder, klar, aber Fellini stützt sich zu sehr auf sein bildnerisches Geschick - und auf die Wirkung von prägnanten Gesichtern. Das allein macht aber noch keinen Film aus. Ausser den Gesichtern haben die Figuren nichts zu bieten und die politische Botschaft des Ganzen wirkt zu naiv, zu plump und zu aufgeblasen.
Das Leben des Emile Zola
(The Life of Emile Zola), eine Hollywood-Produktion von 1937 aus dem Hause Warner, überzeugte im ersten Teil, der den Aufstieg des von Paul Muni verkörperten französischen Autors Emile Zola zeigt; in der zweiten Hälfte, der die Affäre Dreyfus behandelt, fällt er dann leider markant ab. Hier macht sich die damals übliche übersteigerte Melo-Dramaturgie negativ bemerkbar.
Intrige (J'accuse), Roman Polanskis Version derselben Affäre folgt der Romanvorlage von Richard Harris (der am Drehbuch mitgearbeitet hat), schafft es aber nicht, die im Roman vorhandene unterschwellige Spannung der komplexen Geschichte auf die Leinwand zu übertragen; dank schwacher Figurenzeichnung und dramaturgischer Schwächen dümpelt der Streifen relativ spannungslos dahin.
Enttäuschend fand ich auch Die Maus, die brüllte (The Mouse that Roared), obwohl sich die Komödie zunächst wie eine Monty-Python-Groteske anlässt (zehn Jahre vor Monty Python!). Ein winziger Stadtstaat erklärt Amerika den Krieg und sendet eine Truppe täppischer Bogenschützen über den grossen Teich. Leider flacht das Ganze - ebenfalls mangels griffiger Figurenzeichnung - und mangels zündender Ideen bald ab.
Somit bleibt als Seh-Empfehlung lediglich das heute vergessene Kriegs-Drama Rivalen (Kings Go Forth) von Delmer Daves, über das ich hier im Blog demnächst berichten werde.

Freitag, 15. Januar 2021

Seh-Empfehlung 19: Eine Braut für sieben Brüder (Seven Brides for Seven Brothers, 1954)


Originaltitel: Seven Brides for Seven Brothers
Deutscher Titel: Eine Braut für sieben Brüder
USA 1954
Mit Howard Keel, Jane Powell, Tommy Rall, Russ Tamblyn,
Jeff Richards, Julie Newmar u.a.
Drehbuch: Albert Hackett, Frances Goodrich und Dorothy Kingsley nach einer Geschichte von Stephen Vincent Benet

Regie: Stanley Donen

Über den deutschen Titel dieses US-Musicals kann man sich mal wieder nur wundern: Er macht aus sieben Bräuten (eine für jeden der sieben Brüder) eine einzige. Seven Brides for Seven Brothers ist somit kein Film über die Vielweiberei, sondern er dreht sich um eine Sippschaft von Hinterwäldlern, sieben alleinstehende Brüder, welche sich alle eine Frau wünschen - zum kochen, putzen, aufräumen. Feministinnen aufgepasst: Es ist alles ironisch gemeint (Ironie: Dabei behauptet der Sprecher etwas, das seiner wahren Einstellung oder Überzeugung nicht entspricht, diese jedoch für ein bestimmtes Publikum ganz oder teilweise durchscheinen lässt).

Zunächst konzentriert sich der Film auf den ältesten Bruder, Adam Pontipee (Howard Keel), der aus der gemeinsam mit den Brüdern bewohnten Wald-Hütte ins nächstgelegende Dorf herabsteigt, um einzukaufen. Nebst der üblichen Vorräte will er am liebsten auch gleich noch eine Frau mitnehmen, eben zum kochen und so weiter.
Mirakulöserweise findet er gleich eine,
Millie, eine junge Servierdame (Jane Powell); sie verliebt sich auf den ersten Blick in den stattlichen Adam, heiratet ihn und fährt mit ihm zur Hütte zurück. Dass da noch sechs weitere Pontipees wohnen, samt und sonders grässlich ungehobelte Burschen, davon weiss sie allerdings (noch) nichts.

Bis hierhin ist der Streifen mühsam. Die beiden Hauptdarsteller verkörpern eindimensionale Figuren, singen einige laue Songs und bewegen sich durch eine lächerliche Studiolandschaft mit im Hintergrund aufgemalten Kulissen - Seven Brides sieht zunächst nach typischer MGM-Musical-Dutzendware aus.
Als dann aber Adams Brüder auftauchen, wendet sich das Blatt, nun kommt Komödie ins Spiel. Die sechs sind strohdumm, aber treuherzig und wie eine Bande übermütiger Kinder haben sie nichts als Flausen im Kopf.

Millie verschafft sich nach einem gehörigen Schrecken Respekt und bringt der Saubande Manieren bei; dabei wirkt sie wie eine Kindergärtnerin, die ihren ihr treu ergebenen Schützlingen das richtige Leben erklärt. Nach einem Fadeout sind die Brüder soweit präsentabel, um auf Brautschau gehen können.

Mit der Einführung der Brüder in die Handlung lässt der Film plötzlich eine unbändige Spielfreude erkennen, die mitreissender wird, je länger er dauert. Es folgen Tanzsequenzen, die derart lebendig und virtuos in Szene gesetzt sind, dass man die anfäglichen Vorbehalte vergisst. Ab jetzt legt Regisseur Stanley Donen (Singin' in the Rain) so richtig los, zeigt was er kann und zieht choreografisch alle verfügbaren Register. Und deren sind viele: Man merkt deutlich, dass Donen gelernter Choreograf war. Die ausgedehnte Sequenz um das Aufrichtefest bei einem Nachbarn sprüht vor Freude, Ideen, Witz und Farben. Ihr liegt eine der kompliziertesten und artistischsten Choreografien in der Geschichte der MGM-Musicals zugrunde, man kommt aus dem Staunen und Lachen kaum mehr heraus.

Es geschieht selten, dass einzig die Inszenierung die Schwächen des Drehbuchs wettmacht, doch hier ist es der Fall. Und nicht nur das: Auch die schwache Musik fällt kaum mehr ins Gewicht.

Die sechs Brüder sind zudem herrlich anarchisch gezeichnet, dank ihrer Verrücktheit kommt Seven Brides for Seven Brothers immer wieder vom vorgezeichneten Weg der MGM-Betulichkeit ab. 

Auch wenn die Hauptcharaktere flach bleiben, Howard Keel und Jane Powell schauspielerisch gegenüber den anderen abfallen und viele Wendungen völlig unglaubwürdig bleiben, Seven Brides for Seven Brothers macht dank der Spielfreude der sechs Brüder-Darsteller, der schwungvollen Inszenierung und seinen Ausbrüchen in die Anarchie nach einigen Anfangsschwierigkeiten grossen Spass! Kein weltbewegender Film, aber gut für die Laune!

Eine Braut für sieben Brüder ist bei uns auf DVD erschienen, sie ist allerdings nur noch antiquarisch greifbar. Dafür gibt's ihn aktuell online zu sehen; mehrere Streaming-Dienste führen ihn in ihrem Programm (amazon, iTunes, Microsoft).

 

Samstag, 9. Januar 2021

Meine Film-Woche (30. Dezember 2020 - 6. Januar 2021)

In der vergangenen Woche liefen hier folgende Filme: 

Zwei ritten nach Texas (Way Out West, 1937)
Schachmatt
(Pushover, 1954)
Oliver! (1968)
Inferno und Ekstase
(The Agony and the Ecstasy, 1965)
The Illusionist - Nichts ist wie es scheint (The Illusionist, 2006)

Einzig die Laurel & Hardy-Westernkomödie Zwei ritten nach Texas (Way Out West) wird demnächst hier näher vorgestellt; alle anderen Streifen sind bei mir durchgefallen - unter anderem zwei Grossproduktionen des britischen Regisseurs Carol Reed (Der dritte Mann): Zuerst das 1968 gedrehte Musical Oliver! (nach Dickens' Roman Oliver Twist), das seine Vorlage mit quietschbunten und -fröhlichen Musicalnummern so komplett verfehlt und verrät, dass es weh tut, und danach die Michelangelo-Biografie Inferno und Ekstase (The Agony and the Ecstasy), das nach einer hervorragenden rund 20-minütigen Einführung in das Werk des genialen Bildhauers zu einer Spielhandlung wechselt, die mit ihrer platten und langfädigen Dramaturgie nach der sensiblen Einleitung richtiggehend lächerlich wirkt. 
Auch Schachmatt (Pushover) von Richard Quine vermochte einer kritischen Betrachtung nicht stand zu halten; der deutlich an Billy Wilders Meisterwerk Frau ohne Gewissen angelehnte Film Noir fällt dank unterirdischer Dialoge und schwacher Dramaturgie neben dem Vorbild deutlich ab.
Und auch mit Neil Burgers
The Illusionist - Nichts ist wie es scheint (The Illusionist) hatte ich meine Schwierigkeiten, was vor allem mit dem schablonenhaften Figurenarsenal und den doch recht plumpen Täuschungsmanövern der Drehbuchvorlage zu tun hatte.

Donnerstag, 7. Januar 2021

Seh-Empfehlung 18: Ein Meer der Gefühle (Passion Fish, 1992)


Originaltitel: Passion Fish
Deutscher Titel: Ein Meer der Gefühle
Mit Mary McDonnell, Alfre Woodard, David Strathairn, Angela Bassett, Vondie Curtis-Hall, Leo Burmester, u.a.
Drehbuch und Regie: John Sayles
USA 1992
Dauer: 135 min

May-Alice Culhane (Mary McDonnell), Star einer berühmten Soap-Opera, wird nach einem Autounfall zur Paraplegikerin. Die pflegebedürftige Schauspielerin kehrt in ihr Elternhaus in Louisiana zurück, das sie seit ihrer Jugendzeit nicht mehr besucht hat. Sie zieht sich zurück, beginnt zu trinken und verbringt ganze Nachmittage vor dem Fernseher. Eines Tages taucht die verschlossene junge afroamerikanische Pflegerin Chantelle (Alfre Woddard) bei ihr auf. Je mehr Zeit die beiden Frauen miteinander in dem einsamen Haus verbringen, desto näher kommen sie sich. Dabei wird deutlich, dass auch Chantelle ein schweres Schicksal mit sich herumschleppt. Langsam, Schrittchen für Schrittchen, öffnen die beiden Frauen sich und ihre kleine, abgezirkelte Welt der Aussenwelt. So wachsen und gesunden sie am Kontakt miteinander und an den Reibungen mit den Schatten- und Sonnenseiten des Lebens.

In Berichten zu diesem Film wird immer wieder der soziale Unterschied der beiden Protagonistinnen herausgestrichen, und in erstaunlicher Einmündigkeit wird betont, dieser sei das zentrale Thema von Passion Fish. Natürlich steht der privilegierte Status des Unfallopfers thematisch ab und zu im Raum, doch daraus eine Absicht auf Sozialkritik abzuleiten, scheint mir schon etwas gewagt und eher dem Wunschdenken klassenbewusster linker Feuilletonisten zu entspringen. 
So wohlfeil lässt sich John Sayles Film freilich nicht oder nur von simplen Gemütern 
auf eine griffige Ideologie reduzieren und man tut dem grandiosen Film damit Unrecht - es steckt weit mehr drin. Er zeigt nicht weniger als das Leben mit all seinen Mühen und Lasten, mit seinen flüchtigen Momenten der Freude und des Staunens, die es festzuhalten gilt. Und er zeigt den menschlichen Geist, der die Kraft besitzt, dem körperlichen Leiden etwas entgegenzusetzen - wenn der Wille da ist. Der erträgt und dadurch im Leid Neues entdeckt - und den Menschen so auf neue Wege führt. Der im Gegenüber Antworten findet und Freude und Trost. 
John Sayles' Kunst ist es, dies alles anzusprechen, in aller Schlichtheit vorzuführen - und dabei nicht wie ein Prediger zu klingen!

Passion Fish ist ein Film, der praktisch in jeder Nacherzählung wie eine Soap Opera klingt. Doch in John Sayles fähigen Händen wird das genaue Gegenteil daraus - ein wohltuend unsentimentaler Film. John Sayles, der inszenierte und das Drehbuch verfasste, scheint ein natürliches Flair für gebrochene Menschen zu haben: Nie kommt das Gefühl auf, er versuche die Gefühligkeit künstlich niedrig zu halten, alles an seinem Film scheint natürlich und vor allem persönlich. So erklärt sich das scheinbare Paradox, dass er sowohl unsentimental und streckenweise gar komödiantisch vorgeht und trotzdem sehr berührend ist, stellenweise gar zu Tränen zu rühren vermag.

Sayles' erzählt ohne viele Worte; Blicke, Gesten, Situationen sprechen Bände; seine Dialoge sind meisterhaft - jede seiner Figuren, auch wenn sie nur eine kleine Rolle spielt, hat ihre eigene Art, sich auszudrücken. Sayles gelingt das Kunststück, seinen Charakteren mit wenig Mitteln Leben einzuhauchen und sie mit wenigen Mitteln zu glaubwürdigen Persönlichkeiten auszumodelllieren. Ein hervorragendes Ensemble unterstützt ihn dabei - besonders die beiden Hauptdarstellerinnen glänzen mit ihren intensiven Darstellungen der beiden sperrigen Hauptfiguren.
Das einzige Minus, das ich bei diesem wunderbaren Film finden kann, ist der deutsche Titel! Ein Meer der Gefühle weckt genau die falschen Assoziationen, an etwas, was der Film nicht ist und nicht sein will. 

Passion Fish ist bei uns auf DVD erhältlich und kann bei amazon.de auch online geschaut werden.

Montag, 4. Januar 2021

Toy Story 4: Alles hört auf mein Kommando (Toy Story 4, 2019)

Regie: Josh Cooley
Drehbuch: Andrew Stanton und Stephany Folsom
Mit den Originalstimmen von Tom Hanks, Tim Allen, Annie Potts, Tony Hale u.a.

Inhalt: Im nunmehr vierten Teil der bekannten Pixar-Serie leben unsere Spielzeugfiguren im Heim der kleinen Bonnie, welche ihrem Kindergarten-Schnuppertag mit Panik entgegensieht. Als es soweit ist, bastelt sie sich dort aus Wegwerfmaterial eine Figur zusammen, die sie "Forky" nennt und zu ihrem Lieblingsspielzeug erklärt. Cowboy Woody und seine Mit-Spielzeuge führen Forky sorgsam in ihre Welt ein. Auf einer Campingfahrt kommt Forky allerdings abhanden, was für Bonnie einer Katastrophe gleichkommt. Woody schickt sich an, den verlorenen Kameraden heim zu holen, geht dabei fast verloren und gerät in seltsame Verwicklungen.

Figurenzeichnung: Woody und seine Spielzeugfreunde bleiben auch im vierten Teil eher formelhaft - allerdings wird dieser Mangel auf anderen Ebenen wettgemacht. 

Gehalt: Mit Toy Story 4 kommt ein weiterer Pixar-Film, der sich mit der Kindheit und der Psychologie der Kleinen befasst. Diesmal wird die Wichtigkeit von Spielsachen für deren Menschwerdung und die psychische Gesundheit auf anrührende Weise thematisiert. Der Film regt in dieser Hinsicht zu vertiefteren Gedanken und Einsichten an. Witzigerweise ist sich Woody dieser Wichtigkeit und der immensen Verantwortung, die er trägt, bewusst und er handelt dementsprechend verantwortsvoll und selbstlos. Dadurch erhält er Vorbildcharakter, ein Vorzug des Films, der nicht genug gewürdigt werden kann.

Detailreichtum: Man merkt auch diesem Pixar-Film die Liebe und Freude der Macher für ihr Projekt an. Es gibt zahlreiche erzählerische Vignetten und liebevoll platzierte Nebensächlichkeiten, welche überraschen, die Erzählung beleben und die Freude bereiten.

Originalität: Toy Story 4 kommt - im Vergleich zu anderen Pixar-Werken - inhaltlich und erzählerisch eher konventionell daher.

Unterhaltungswert: Dank gut aufgebautem Spannungsbogen, Detailfreude und erzählerischem Geschick wird Toy Stroy 4 keinen Moment langweilig.

Abschliessend möchte ich bemerken, dass hier - anders als in vorausgehenden Pixar-Werken - nicht wilde, cliffhanger-befrachtete Action überhand nimmt; die Erzählung bleibt in relativ ruhigen Bahnen und konzentriert sich auf ihre Kernaussage.

Toy Story 4 ist hierzulande auf DVD, Blu-ray und im Stream einfach zugänglich.

Seh-Empfehlung 29: Ehemänner und Ehefrauen (1992)

Originaltitel: Husbands and Wives Mit Woody Allen, Mia Farrow, Judy Davis, Sydney Pollack , Liam Neeson, Juliette Lewis, Lysette Anthony u.a...