Samstag, 10. Oktober 2020

Seh-Empfehlung 9: Frau ohne Gewissen (Double Indemnity, 1944)

 


Originaltitel: Double Indemnity
Mit Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson, Tom Powers, Jean Heather, Porter Hall u.a.
Drehbuch: Billy Wilder und Raymond Chandler nach einem Roman von James M. Cain
Regie: Billy Wilder
Kamera:John F. Seitz
Musik: Mikóls Rózsa
Kino/DVD-Auswertung im deutschsprachigen Raum: Juni 1950
Dauer: 104 min
Farbe: schwarzweiss

Bewertungen: 
imdb.com: 8,3 / 10 (140'621 Stimmen)

Letterboxd.com: 4,2 / 5 (44'784 Stimmen)
Meine Wertung:
Meisterwerk

Als der von seinem Job gelangweilte Versicherungsvertreter Walter Neff (Fred MacMurray) vor dem Haus des Ehepaars Dietrichson (Barbara Stanwyck und Tom Powers) anhält, um eine abgelaufene Autoversicherung zu erneuern, ahnt er nicht, dass diese Handlung der Anfang zu einer üblen Mordgeschichte ist, in die er sich rettungslos verstricken wird.
Wie im sieben Jahre später entstandenen Sunset Blvd. beginnt Billy Wilder auch hier mit dem hinteren Ende der Geschichte; der Protagonist, der uns über die Geschehnisse aufklärt, ist da zwar noch nicht tot, wie im sieben Jahre später entstandenen Film, aber nicht mehr weit davon entfernt. So weiss man von Beginn weg, als Neff bei den Dietrichsons vorfährt, dass alles Böse enden wird - was auch immer da kommen mag.


Wilder war ein Meister des Geschichtenerzählens. Double Indemnity ist von der ersten Minute an spannend, noch bevor überhaupt etwas geschieht.
Da der Herr des Hauses abwesend ist, sitzt Neff dessen faszinierende Gattin (Barbara Stanwyck) gegenüber. Sie fragt ihn über Lebensversicherungen aus, und ob sie eine solche auch ohne dessen Wissen für ihren Mann abschliessen könne.
Neff riecht den Braten und zieht angewidert davon. Dummerweise hat er sich in Phyllis Dietrichson verliebt. Er kommt nicht mehr von ihr los, und als sie sich das nächste Mal treffen - wieder in Abwesenheit des Gatten - überzeugt sie ihn von ihrem Plan, dem ungeliebten Herr des Hauses etwas zustossen zu lassen und sich zusammen mit der dicken Versicherungssumme aus dem Staub zu machen. Die Versicherung sieht die Auszahlung der doppelten Versicherungssumme vor (auf englisch "Double Indemnity"), sollte sich der tödliche Unfall sich in einem Zug ereignen. Neff klügelt einen wasserdichten Mordplan aus, in welchem ein Zug vorkommt. Dazu eignet er sich die Denkweise eines Kollegen, des findigen Versicherungsprüfers Keyes (Edward G. Robinson) an, um sicherzustellen, dass dieser keinen Verdacht schöpft, wenn der Fall später auf seinem Tisch landet.
Und so führen Walter und Phyllis den wohl perfektesten Mord der Filmgeschichte aus - und doch riecht der pingeleige Keyes den Braten, als er sich routinemässig mit dem Fall befasst...


Wilder war ein begnadeter Drehbuchautor, das zeigt sich auch in diesem Film wieder in aller Klarheit. Er brauchte ein paar knappe Sätze, wo andere mit langatmigen Erklärungen hantierten, um die Handlung ein Stück weiterzubringen. In Double Indemnity fällt kein Satz zuviel, was gesagt wird ist prägnant und sehr oft auch von einem Witz, der an Trockenheit kaum mehr zu überbieten ist. An anderen Stellen werden nicht einmal mehr Worte gebraucht, da etwa, wo die Beziehung zwischen Neff und Keyes mit dem Anzünden eines Zündholzes umrissen wird. Das ist Filmkunst auf höchstem Niveau!
Und was die Spannung betrifft: Wilder schafft das Kunststück, dass man mit fortschreitender Filmdauer um das Leben eines Mannes bangt, der einen ruchlosen Mord begangen hat. 

Kein geringerer als der grosse Krimiautor Raymond Chandler war Wilders Co-Autor bei diesem Film - die Zusammenarbeit war allerdings alles andere als glücklich. Ob der bis dahin Drehbuch-unerfahrene Chandler viel zum künstlerischen Erfolg des Films beigetragen hat und wieviel davon auf Wilders Konto geht, ist schwierig zu eruieren. Tatsache ist, dass Billy Wilder auch mit anderen, weniger prominenten Co-Autoren Meisterwerke geschaffen hat.
Und ein Meisterwerk ist Double Indemnity - diesen Ruf kann ich bestätigen. Ein Film über die Kraft der Liebe - deren Zerstörungskraft!
Der Film zählt zu den Prototypen und Mitbegründern des amerikanischen Film Noir und hat einen festen Platz im Kanon der grossen Filmklassiker.

Wo schauen? Es gab hierzulande eine DVD, die noch antiquarisch bezogen werden kann; die Blu-ray dagegen ist noch immer im Handel.
Bei Amazon und RakutenTV kann der Film in Deutschland und Österreich auch gestreamt werden, in der Schweiz bei iTunes und RakutenTV (hier nur Kauf möglich).


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Children of Divorce (1927)

Mit Clara Bow, Esther Ralston, Gary Cooper , Einar Hanson, Norman Trevor, Hedda Hopper, Edward Martindel u.a. Drehbuch: Hope Loring und Lou...