Montag, 19. April 2021

Gold nach Singapore aka Abenteuer im gelben Meer (1935)

 

 
Originaltitel: China Seas
Mit Clark Gable, Jean Harlow, Wallace Beery, Rosalind Russell, Lewis Stone, C. Aubrey Smith, Robert Benchley, Dudley Digges, Akim Tamiroff u.a.
Drehbuch: Jules Furthman und James Kevin McGuinness nach dem Roman von Crosbie Garstin
Regie: Tay Garnett


Inhalt:
Captain Gaskell (Clark Gable) hat das Kommando über ein Schiff, das mit einer Ladung Gold und einer bunten Schar illustrer Gästen an Bord von Honkong nach Singapur unterwegs ist. Auch Gaskells alte Flamme Dolly (Jean Harlow) ist mit von der Partie, in der Hoffnung, an die alte Liebschaft anknüpfen zu können, doch der Käpten hat nur Augen für eine noble junge Engländerin (Rosalind Russell). Aus Enttäuschung darüber tut sich Dolly mit dem zwielichtigen Jamesy McArdle (Wallace Beery) zusammen, nicht ahnend, dass sie Gaskell und mit ihm die ganze Schiffsgemeinschaft damit in Lebensgefahr bringt...


Pressebild mit drei Stars: Beery, Harlow & Gable

Hintergrund:
Produzent Irving Thalberg konnte mit China Seas ein weiteres seiner seit Grand Hotel (1932) bekannten und beim Publikum beliebten All-Star-Vehikel in die Kinos bringen. Bis es soweit war, durchlief das Projekt allerdings schier endlose Stadien der Veränderung und Anpassung, mehrere Drehbuchautoren wurden drangesetzt, die Dialoge und die Handlung aufzupolieren. Herausgekommen ist ein Abenteuerfilm mit pointierten Dialogstrecken und glänzender Ensembleleistung. Er wurde ein grosser Publikumserfolg, der Clark Gables Starruhm ein gutes Stück weiter nach oben schnellen liess.
Heute ist China Seas nur noch hartgesottenen Fans des alten Hollywood bekannt.

Regisseur Tay Garnett (sitzend) mit Gable, Beery und dessen
Adoptivtochter Carol-Anne bei den Dreharbeiten zu "China Seas".
Carol Anne hatte eine ganz kleine Rolle im Film.

Clarke Gable und Jean Harlow funktionierten gut zusammen
und wurden damals gern als Leinwandpaar eingesetzt


Szenenbilder / Aushangfotos:

Kritik:
Obwohl er keinen Moment langweilt, vermag China Seas den Betrachter nicht gänzlich zu überzeugen. Das liegt in erster Linie daran, dass er sich nicht recht entscheiden kann, ob er Komödie, Gesellschaftsstück oder Abenteuerschnurre sein will.

Der Abenteuer- und Actionaspekt kommt erst im letzten Drittel so richtig zum Tragen und erweist sich inszenatorisch als schwächstes Glied des Films. Das kann zu einem grossen Teil den damals noch rudimentären technischen Möglichkeiten angelastet werden, welche manche Sequenzen - zumindest aus der zeitlichen Distanz betrachtet - etwas lächerlich aussehen lassen. Die unkontrollierte Raserei einer an Bord befindlichen Dampfwalze während des grossen Sturms etwa gehört dazu.

Das grosse Plus des Streifens sind aber die durchs Band hervorragenden Schauspieler und Schauspielerinnen und die sehr gut geschriebenen, farbigen Charaktere, die sie verkörpern. Sogar das Liebespaar hat Charakter und trumpft mit beträchtlichem Wortwitz und sichtlicher Spielfreude auf. Auch Wallace Beery, für den ich in meiner Besprechung des Films Beggars of Life kürzlich kein gutes Wort übrig hatte, überzeugt, weil er hier auf lauter gleichgesinnte "Rampensäue" trifft und nicht, wie dort, auf feinsinnige Charakterdarsteller.
Obwohl von Filmfans immer wieder die stimmige Chemie zwischen Clark Gable und Jean Harlow herausgestrichen wird, bin ich der Meinung, diese sei nicht der Rede wert angesichts der offensichtlichen Chemie zwischen Harlow und Beery! Die Szenen mit den beiden gehören zu den besten und unterhaltsamsten des Films, denn da scheinen sich zwei Vollblut-Komödianten gefunden zu haben.

Die Darstellung der Malayischen Piraten würde heute natürlich Anstoss zu Rassismus-Protesten geben; doch gehören diese einfach zum unverzichtbaren Inventar des exotischen Abenteuerfilms - oder gehörten bis vor kurzen noch dazu. Inzwischen werden uns solche Versatzstücke nachdrücklich und nachhaltig von linken Möchtegern-Saubermännern madig gemacht.
Die Piraten werden allerdings weder lächerlich dargestellt noch werden sie von weissen Komparsen verkörpert - zudem gibt es in diesem Film weisse Männer, die ungleich lächerlicher dargestellt werden - etwa der von Robert Benchley verkörperte dauerbesoffene Erfolgsautor.

China Seas ist im deutschsprachigen Raum weder auf Blu-ray, DVD oder online verfügbar. Er kann hier in mittelmässiger Bildqualität in der englischen Originalfassung angeschaut werden oder als DVD (RC0) der Warner Archive Collection bestellt werden.



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