Sonntag, 10. April 2022

Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse (The Amazing Dr. Clitterhouse, 1938)

Ein renommierter Arzt der feinen Gesellschaft (Edward G. Robinson) arbeitet an einem Buch, das einem Standardwerk für Kriminologen werden soll und das sich mit den Persönlichkeitsveränderungen befasst, welche das Ausüben von Verbrechen auf den Menschen zur Folge hat. Zu Forschungszwecken beginnt dieser Arzt als Selbstversuch, Verbrechen zu begehen. Wie das Leben so spielt, gerät er an eine Verbrecherbande, als deren Kopf er bald fungiert - sehr zum Unmut von deren Möchtegern-Anführer "Rocks" (Humphrey Bogart)...

Imdb.com listet den Film auf seiner Seite unter "Crime" und "Drama". Es gibt aber so deutliche komödiantische Elemente, dass man Dr. Clitterhouse durchaus auch als Komödie bezeichnen könnte - so besteht etwa die von Doktor Clitterhouse angeleitete Gaunerbande aus lauter treuherzigen Doofköppen, ähnlich der Gangster in Frank Capras Die unteren Zehntausend. Der gebildet daherredende Doktor inmitten der im Gossen-Slang daherredenden Gorillas ergibt einen zusätzlichen, unglaublich witzigen Kontrast.
Und die abschliessende Gerichtsverhandlung hat auch heute noch als sarkastischer Kommentar auf die Praktiken einer parteiischen Gerichtsbarkeit Bestand.

Bei diesem von Anatole Litvak inszenierten Film stimmt von der Regie übers Drehbuch (John Wexley und John Huston) bis zu den schauspielerischen Leistungen alles: Edward G. Robinson überzeugt auf ganzer Länge als feinsinniger Upper-Class-Arzt mit leicht irrem Einschlag (eine fürs damalige Publikum überraschende Rolle, die seinem etablierten Gangster-Image diametral entgegenlief). Claire Trevor als Gangsterbraut und Anführerin der Bande überzeugt mit ihrem Standard-Repertoire genauso wie Humphrey Bogart als Robinsons gefährlicher, lauernder Gegenspieler.

The Amazing Doktor Clitterhouse macht dank immer neuer Wendungen und einer aussergewöhlichen Ausgangslage richtig Spass.
Er kann bei Amazon prime video und AppleTV als Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse online geschaut werden. Die deutsche DVD ist vergriffen.

For the record:
Bevor ich auf der Suche nach einem rezensionswürdigen Film bei Dr. Clitterhouse hängen geblieben bin, habe ich folgende Filme ausprobiert: 

Verflucht, verdammt und Halleluja (E poi lo chiamarono il magnifico, Italien 1972)
Was für ein poetischer Deutscher Titel...!
Etwa ähnlich grobschlächtig ist die Regie dieses komödiantischen Terence Hill-Western, ebenso die englische Nachsynchronisation. Zum grössten Teil von schlechten Schauspielern ausgeführte zähflüssige Klamotte mit ein paar durchaus witzigen Sequenzen. Verstaubt - nur für Fans der "Spaghetti-Western" zu empfehlen... 

Das Dschungelbuch (The Jungle Book, 1967)
Der letzte abendfüllende Zeichentrickfilm, den Walt Disney noch selbst überwacht hatte (die Premiere erlebte er allerdings schon nicht mehr) gilt vielen als sein bester. Mir nicht.
Bezüglich der Qualität der Animation kann man durchaus von höchster Meisterschaft sprechen: Es ist schier unglaublich, wie flüssig und überzeugend sich die gezeichneten Figuren bewegen. Auch die Hintergründe sind herrlich anzuschauen.
Der zeichnerischen Meisterschaft steht leider eine enttäuschende, träge und holprige Dramaturgie entgegen, welche keinen Spannungsbogen richtig auszuführen vermag und die Erzählung immer wieder mit unnötigem, mehr oder minder komischen Episoden und Songs unterbricht und verlangsamt, und dadurch das Interesse an den Charakteren einschlafen lässt.

Königliche Hochzeit (Royal Wedding, 1951)
Fred Astaire und Jane Powell als tanzendes Geschwisterpaar in einem beschwingten MGM-Musical von Stanley Donen.
Da die Handlung aus gleich zwei Reissbrett-Liebesgeschichten besteht, wird sie schnell öd und langweilig. In diesem Fall bringen die ständigen Unterbrechungen durch
Tanznummern die Rettung, denn diese sind grösstenteils hoch originell, einfallsreich und witzig - wie etwa Astaires berühmter Tanz an den Wänden und der Decke eines Hotelzimmers oder die gestörte Tanzroutine an Bord eines schaukelnden Schiffs in stürmischer See.
Der gelungene, innovative Musicalteil lässt die Handlungdramaturgie allerdings nur noch älter aussehen, als sie es tatächlich ist.

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Frühstück bei Tiffany (1961)

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