Donnerstag, 16. November 2023

Mein Leben im Luxus (Easy Living, 1937)



Regie: Mitchell Leisen
Drehbuch: Preston Sturges
Mit Jean Arthur, Ray Milland, Edward Arnold, Mary Nash, Luis Alberni, Franklin Pangborn u.a.

Ein reiner Preston Sturges-Film - obwohl Sturges hier gar nicht selbst Regie führte (er schrieb "nur" das Drehbuch).
Aber hinter den Kulissen muss Sturges dem Regisseur Mitchell Leisen wohl doch ständig 'reingefunkt haben, denn was man zu sehen bekommt ist Sturges pur: Stakkato-Dialoge, irre Slapstick-Einlagen, viel Geschrei und eine mit zunehmender Filmdauer sich steigernde Hysterie.
(Für "Anfänger": Sturges drehte so irres Zeug wie Sullivan's Travels, Hail the Conquering Hero und Palm Beach Story - alles Komödien, die bis zum schieren Wahnsinn ausufern.)

Easy Living beginnt mit dem reichen Stahlmagnaten Mr. Ball (Edward Arnold), der im Streit den Pelzmantel seiner Frau vom Balkon seines Wolkenkratzers schmeisst, und damit die arme von der grossen Depression gebeutelte Journalistin Mary Smith (Jean Arthur) trifft.
Viel Klatsch und ein paar Missverständnisse sorgen dafür, dass Mrs. Smith plötzlich im Zentrum aller Aufmerksamkeit steht und ohne einen Finger zu rühren zu einem Leben in Luxus kommt. Ohne es zu wissen, wer er ist, verliebt sie sich in Mr. Ball jr. (Ray Milland), mit dessen Hilfe sie beinahe einen Börsencrash herbeiführt.

Sämtliche Akteure hinter der Kamer geben ihr bestes, inkl. Ray Milland als Millionärssohn und Luis Alberni als cholerischer Hotelmanager.
Regisseur Leisen garniert den Irrsin mit eleganter Garderobe und erlesener Art Deco-Ausstattung, so dass zum hohen Unterhaltungs- auch noch ein ebensolcher Schauwert hinzukommt.
Unglaublich, dass dieses filmische Knallbonbon heute praktisch unbekannt ist!

Im deutschsprachigen Raum kann er leider nicht gestreamt werden. Dafür ist er - für alle, die des Englischen mächtig sind - auf youtube in der Originalversion kostenlos und werbefrei abrufbar.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Des Königs Admiral (Captain Horatio Hornblower, 1951)
Der Autor der (noch heute) populären Seefahrt-Romane um Captain Hornblower, C.S. Forester höchstselbst, hatte die drei ersten Teile seiner Saga für diesen Film aufbereitet.
Das ist hervorragend gelungen, obwohl die Handlung dadurch etwas gestaucht daherkommt. Der Film geht in grossen Schritten von einem Höhepunkt zum nächsten, doch sorgfältige Figurenzeichnung, viel Humor und eine grandiose Inzenierung in berauschendem Technicolor ergeben ein wunderbares Seefahrt-Spektakel mit schier endlosem Schauwert.
Die Schauspieler-Crew ist perfekt gewählt und bringt die Leinwand zum knistern.
Einzig die letzten paar Minuten wirken in ihrer aufs Happy-End zielenden Gehetztheit lächerlich und setzen dem schönen Klassiker einen leichten Dämpfer auf.
Trotzdem: Ein Film, den man gesehen haben sollte!
Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Sonntag, 12. November 2023

Drei Amigos (Three Amigos, 1986)


Originaltitel: Three Amigos
Regie: John Landis
Drehbuch: Steve Martin, Lorne Michaels und Randy Newman
Mit Steve Martin, Chevy Chase, Martin Short, Alfonso Arau, Patrice Martinez u.a.

Amerika in den 20er-Jahren. "The Three Amigos" ist der Titel einer (fiktiven) Stummfilm-Serie um drei Helden, die in Südamerika gegen allerlei Unrecht kämpfen. Im wahren Leben sind Lucky Day, Dusty Bottoms und Ned Netherlander (Steve Martin, Chevy Chase und Martin Short) alles andere als Heldenhaft - sie verhalten sich eher wie drei verwöhnten Kinder.
Im real existierenden Südamerika sind zwei Einwohner eines von Banditen geknechteten Dorfes auf der Suche nach Hilfe. Als sie zufällig einen Three-Amigos-Film sehen, schicken sie den drei Helden einen Telegramm-Hilferuf. Dieser wird auf der anderen Seite allerdings als Show-Engagement missverstanden.

Die erste Hälfte dieses Hollywood-Klamauks, den John Landis ("Die Blues Brothers") inszeniert und an dessen Drehbuch Steve Martin mitgewerkelt hat, weist eklatante Parallelen zur heutigen Politik auf. Die drei Amigos gleichen in ihrem dummdreisten Gehabe eher verwöhnten Kindern als Helden (was bereits von ihrem lächerlichen Kleidungsstil gespiegelt wird): Sie sind restlos egozentrisch und leben in ihrer kindlichen Traum- oder Wunschwelt; die bittere Realität blenden sie einfach aus: Die Banditen und deren unterdrückerische Haltung nehmen sie als Filmkulisse wahr, und die anderen Menschen sind da, um sie zu bewundern.

So endet ihr Einsatz schliesslich im Fiasko für alle - ausser für die Bösewichte: Das Dorf wird dem Erdboden gleichgemacht, die Dorfschönheit entführt und die drei Helden werden von der Dorfbevölkerung schmählich zum Teufel gejagt.
Datiert man das Geschehen und das Personal dieses Streifens auf die heutige Zeit auf, bekommt man hier einen verblüffenden Einblick in die Geisteshaltung und -kapazität jener grünen und linken Politiker, die gerade Deutschland (oder u.a. auch die Schweiz) mit ihrer dummdreisten Realitätsverweigerung an die Wand fahren. Konkret: Die geistig-psychologische Determiniertheit von Egomanen wird hier schlüssig aufgezeigt.

Was in der aktuellen Politik leider nicht passiert, geschieht im Film: Nach der Katastrophe dämmert es den drei "Amigos", langsam erkennen sie die Realität und öffnen sich ihr, indem sie ihre Selbstverliebtheit überwinden.
Das ergibt zwar einen partiell witzigen, aber ungleich schwächeren zweiten Teil, der nur noch wie ein Apendix wirkt, ein Anhängsel, das der Standardlänge eines Kinofilms geschuldet ist.
Natürlich müssen die drei "Helden" nun traumfabrikgerecht über sich hinauswachsen und am Schluss der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen.
War der erste Teil der brutalen Realität verpflichtet, driftet er hier in die hollywood-übliche Traumwelt ab und mäandert mit leichter Schlagseite dem Happy-End zu.
Komödiantische Glanzstücke wie der singende Busch und der unsichtbare Schwertkämpfer lassen die Schwächen zumindest partiell vergessen.

Fazit: Die erste Hälfte von Landis' Film ist ein geistreiches und gut aufgebautes Spiel um Sein und Schein (die Dorfbewohner verwechseln das Treiben im Stummfilm mit der Realität, die drei Stummfilmdarsteller verwechseln die Realität mit einem Filmsets); nachdem der konsequenten Durchgeführung dieser Thematik wäre der Film nach 60 Minuten eigentlich zu Ende. Was drangehängt wurde, fällt deutlich hinter den ersten Teil zurück.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man auch sein lassen / schlecht

Dienstag, 16. Mai 2023

Harolds liebe Schwiegermama (Hot Water, 1924)


Originaltitel: Hot Water
Regie: Fred C. Newmeyer und Sam Taylor
Drehbuch: Sam Taylor, John Grey, Tim Whelan
und Thomas J. Gray
Mit Harold Lloyd, Jobyna Ralston, Josephine Crowell, Charles Stevenson, Mickey McBan, Edgar Dearing u.a.

In unzähligen Stummfilmen (und auch lange nach Beginn der Tonfilmzeit) drehte sich alles um die Liebe: Boy Meets Girl. So auch in den Komödien.
In Chaplins, Keatons, Lloyds und Langdons Werken war nie die Frage, ob der Held das Mädchen am Ende kriegt, dafür wurde das wie auf witzige Weise abgehandelt.
Irgendwann musste dieses Muster durchbrochen werden, und einer der ersten, die das "Leben nach dem Happy End" filmisch behandelten, war Charlie Chaplin mit den Kurzfilmen A Day's Pleasure (1919) und Pay Day (1921); letzterer ist eine deprimierende Studie häuslichen Horrors.


Im Jahre 1924 schlug auch Harold Lloyd diesen Pfad ein, mit seinem knapp einstündigen Langfilm Hot Water, der den Alltag nach dem Happy End als eine Abfolge heilloser Tiefschläge darstellt und dabei die Unbilden des ehelichen Alltags komödiantisch überhöht. Wie Chaplins Pay Day lebt Hot Water von einer Fülle origineller Einfälle; mehr noch als Chaplin versteht es Lloyd - der übrigens damals genauso erfolgreich und beliebt war wie dieser - die einzelnen Pointen elegant und mit zusätzlichem Witz vorzubereiten. 

Lloyds "Familienfilm" beginnt mit einer kurzen Boy Meets Girl-Einleitung samt bekannter Happy-End-Einstellung, um sich nach dem Ausblenden gleich dem Leben danach zu widmen. Der "Boy" ist jetzt der Hubby (Lloyd), das "Girl" das Wifey (Jobyna Ralston), er kauft ein, sie kocht, und inzwischen rückt ihre Mutter (Josephine Crowell) samt grossem und kleinem Bruder an und sorgt für Unheil.

Harolds Einkaufstour endet im Desaster

Was schief gehen kann, geht nun schief, das Einkaufen, das gemeinsame Essen, die Fahrt mit dem neuen Auto, und schliesslich führt Harolds Versuch, sich gegen die übergriffige Verwandtschaft durchzusetzen durch eine Verkettung haarsträubender Vor- und Zwischenfälle in den schieren Wahnsinn. 

In der Nacherzählung klänge das im Detail deprimierend, deshalb spare ich mir das; es würde ein falscher Eindruck entstehen. Lloyd schafft das Kunststück, die ganzen Katastrophen auf erheiternde und charmante Weise, mit überraschenden Wendungen und temporeichen Sequenzen ans Publikum zu bringen, und das abschliessende Happy End sorgt dafür, dass Hot Water heute nicht zu den Katastrophenfilmen zählt, sondern als einer der Höhepunkte der Stummfilmkomödie gefeiert wird.

Harolds Spritztour endet ebenfalls im Desaster

Wenn man nur einen einzigen Film mit einer nervigen Schwiegermutter im Zentrum anschauen möchte, sollte man diesen wählen. Er behandelt das abgestandene Sujet und die damit verbundenen Gemeinplätze auf erfrischend lustige Weise.

Zeitungsannonce von 1924

Da der Film im deutschsprachigen Raum online nirgends verfügbar ist, hier der Link auf den Streifen mit Zwischentiteln in der englischen Originalversion.

Dienstag, 9. Mai 2023

Flucht oder Sieg (Victory, 1981)



Regie: John Huston

Drehbuch: Evan Jones und Yabo Yablonsky
Mit Sylvester Stallone, Michael Caine, Max von Sydow, Pelé, Daniel Massey, Carole Laure u.a.



V.l.n.r.: Regisseur Huston, Sylvester Stallone, Michael Caine

Ein Film der in prominenten Rollen mit Sylvester Stallone, Michael Caine und Star-Fussballer Pelé besetzt ist, der sich um Nazi-Fussball dreht und in dem Altmeister John Huston (Asphalt-Dschungel) Regie führt... Was soll man bloss davon halten?

Als Victory anfangs der Achtzigerjahre in die Kinos kam, wurde er von den Kritikern mit Häme und Spott übergossen und fast einhellig verrissen.
Grund genug, sich den Streifen nach 42 Jahren nochmals vorzunehmen.

Victory beginnt in einem Kriegsgefangenenlager der Nazis. Michael Caine spielt John Colby, einen ehemaligen englischen Fussballer, der im Camp zum Zeitvertrieb Spiele organisiert. Stallone tritt als Gefangener Hatch auf, ein Amerikaner, der sich im Camp auf gut geplante Ausbrüche verlegt hat.
Pelé ist auch irgendwie dabei. Er ist dafür verantwortlich, dass die Fussballfans ins Kino gehen.

Die Konstellation funktioniert nicht besonders gut. Stallone und Caine kommen aus zwei völlig unterschiedlichen schauspielerischen Schulen, Pelé kommt aus gar keiner. Gut, letzterer bekommt nicht soviel Leinwandzeit wie die anderen beiden, doch das Grundproblem tritt hier bereits zutage: Es kommt vieles nicht zusammen in diesem Film.


Es gibt weitere Fussballstars ohne schauspielerische Erfahrung, die in Nebenrollen auftreten: Bobby Moore, Osvaldo Ardiles, Mike Summerbee, Co Prins,
Kazimierz Deyna, Hallvar Thoresen und andere.
Die Strategie hinter dieser Besetzung ist klar: Man wollte auch die Fussballfans anlocken. Unter diesen ist der Film übrigens nach wie vor sehr beliebt.

Die Fussballspiele der Gefangenen werden von Major Karl von Steiner (Max von Sydow) beobachtet, der früher selbst Fussballer war. Schliesslich tritt er mit einer Idee an Colby heran: Wie wäre es, wenn dieser aus sämtlichen in deutschen Lagern inhaftierten Profifussballern eine "Alliierten-Mannschaft" zusammenstellte und diese dann gegen eine deutsche Mannschaft antreten würde? 


Colby willigt ein; doch leider finden auch von Steiners Nazi-Vorgesetzte den Plan gut und wollen ihn für Propagandazwecke missbrauchen: Das Spiel soll an die grösstmögliche Glocke gehängt werden, um der Welt die Überlegenheit der Deutschen zu demonstrieren. Paris wird als Austragungsort festgelegt.

Das britische Kommando im Camp hat ebenfalls seine Pläne: Das Spiel soll dazu benutzt werden, die Nazis vor aller Welt blosszustellen; zu diesem Zweck soll Hatch einen Plan ausarbeiten, der die Flucht der alliierten Mannschaft während der Spielpause vorsieht - vor der Nase der Deutschen sozusagen.

Parallel zum Fussballtrainig im Camp werden Hatchs Flucht-Vorbereitungen geschnitten, für die er aus dem Camp ausbrechen und nach Paris reisen muss, wo er mit örtlichen Résistance-Mitgliedern zusammentrifft. 

Ab hier gerät Victory aus dem Tritt, weil er sich nicht entscheiden kann, wo der Fokus liegen soll - bei der Flucht oder beim Fussball. Bis zum Spiel in Paris - und auch während diesem - werden die aufwändigen Flucht-Vorbereitungen immer wieder parallel geschnitten und bekommen so grosses Gewicht.



Und da macht der Film dann einen m.E. entscheidenden Fehler. (Achtung, jetzt kommt ein  Spoiler!) Als Colby die Mannschaft in der Halbzeit in den Fluchttunnel unter dem Stadion führt, überreden ihn seine Mannen, das Spiel zu Ende zu führen.
Wozu, so fragte ich mich, wurde derart viel Filmmaterial und Dramturgie auf die Flucht verwendet, wenn sie am Schluss doch nicht stattfindet? Ich kam mir getäuscht vor, das war ein Plot-Twist der negativen Art, denn man erwartet eine spannende Ausbruchssequenz und kriegt statt dessen ein vorhersehbares Ende - den bereits im (grauslichen) US-Filmposter vorweggenommenen Fussball-Sieg der Alliierten

(Spoiler Ende).

Max von Sydow und Arthur Brauss spielen Nazis
 
Das Drehbuch, so muss man feststellen, ist nicht besonders ausgefeilt. Trotzdem ist die Handlung so konzipiert, dass Victory von Anfang bis Ende spannend und interessant bleibt. John Hustons Regie ist solide, und die Beratung der beteiligten Fussballprofis sorgt dafür, dass die Fussballsequenzen zum Ereignis werden. Pelé war für die Choreografie des abschliessenden grossen Matchs verantwortlich und man merkt fast nicht, wie schwierig es ist, ein Fussballspiel überzeugend auf die Leinwand zu bringen.
So ist Victory ein Film geworden, der zwar viele Schwächen aufweist, der aber trotzdem gut unterhält - auch Nicht-Fussballfans.

 
Man kann den Film online ansehen - hier eine List der Anbieter.

 

Samstag, 6. Mai 2023

Something in the Wind (1947)


Regie: Irvin Pichel
Drehbuch: Harry Kurnitz und William Bowers
Mit Deanna Durbin, John Dall, Donald O'Connor, Margaret Wycherly, Jean Adair, Charles Winninger, Helena Carter, Jan Peerce u.a.


Heute kommt hier ein weiterer Film ohne deutschen Verleihtitel zur Sprache - Something in the Wind kam nie in die deutschen Kinos und offenbar lief er auch nie im Fernsehen. Dessen Star, die singende Schauspielerin Deanna Durbin, hatte im deutschsprachigen Raum nie den Stellenwert, den sie im Rest der Welt genoss, wo sie jedes Kind kannte. Winston Churchill war ein bekennder Fan, ebenso Anne Frank und - der russische Cellist Mstislav Rostropowitsch.

Deanna Durbin in "Something in the Wind"

Durbin drehte zwischen 1936 und 1948 rund 20 muntere Musicalfilme, danach zog sie sich überraschend und vollständig aus dem Showbusiness zurück (was damals gar nicht so ungewöhnlich war). Der Zeitpunkt ihres Rückzuges erklärt vielleicht den blinden Durbin-Fleck Deutschlands: Kurz nachdem Hollywood dort wieder Fuss zu fassen begann, war sie von der Bildfläche verschwunden.

Schaut man sich Something in the Wind - ihren drittletzten Film - heute an, sieht man eine charismatische, talentierte junge Schauspielerin/Komödiantin/Sängerin (sie war damals 26 Jahre alt), welche einen Film mühelos trägt. Durbin überzeugt mit einer bodenständig-ironischen Art, welche ihr Sweetheart-Image auf überraschende Weise konterkariert; überraschend jedenfalls für mich, war dies doch meine erste Begegnung mit dem damaligen Star.

Donald O'Connor, Deanna Durbin & John Dall

Offenbar habe ich für den Erstkontakt eines ihrer schwächeren Werke erwischt, wie ich im Nachhinein einigen Kritiker- und Fan-Aussagen entnehmen konnte.
Something in the Wind glänzt nicht mit Originalität, die Geschichte entwickelt sich etwas umständlich und die Funktion und Besetzung einiger Nebenfiguren erschliesst sich dem Zuschauer nicht immer auf befriedigende Weise.

Doch zuerst zur Handlung: Der weibliche Disc-Jockey Mary Collins (Durbin) erhält eines Tages überraschenden Besuch des snobistischen Upper-Class-Grünschnabels Donald Read (John Dall). Dieser unterstellt ihr, eine Affäre mit seinem Grossvater gehabt zu haben, welcher ihr regelmässig Geldbeträge überwiesen haben soll. Nach dem Tod des Patriarchen sollen diese Zahlungen weitergeführt werden, was die Hinterbliebenen um jeden Preis verhindern möchten.
Mary, die keine Ahnung hat, wovon die Rede ist, stellt den jungen Snob in den Senkel und rauscht heim zu ihrer Tante, die übrigens auch Mary heisst...

Donalds jüngerer Cousin Charles (Donald O'Connor), der in Donalds Verlobte Clarissa (Helena Carter) verliebt ist, plant einen Plot, ihm diese mit Hilfe Marys auszuspannen. Dazu müsste Donald sich in Mary verlieben, was zu deren Entführung und weiteren Komplikationen führt.

John Dall wird in die (Liebes-)Zange genommen...
 
Was dabei schliesslich herauskommt, ist ziemlich schräg: Sweetheart Deanna Durbin verschmachtet in den Armen des späteren Hitchcock-Mörders John Dall (einer der Studenten aus Rope). Dall war bei Hitchcock perfekt besetzt, hier passt er mit seiner steifen, leicht säuerlichen Art zunächst gut, wenn er den reichen Geck gibt; doch als sein Charakter vom komischen Schnösel zum schmachtenden Lover mutiert, wird der Film unglaubwürdig und Dall fällt aus der Rolle. Durbin und Dall sind wahrschenlich das unpassendste Leinwandpaar aus dem alten Hollywood, das ich je gesehen habe.

Der vielgerühmte Tänzer/Komödiant Donald O'Connor (Singin' in the Rain, 1952) fällt mir einmal mehr mit seinen Routinegrimassen und -verrenkungen auf die Nerven, hinter denen der Mensch nicht sichtbar wird und dessen "Spässe" die Handlung nur aufhalten. Dasselbe gilt übrigens für sämtliche Gesangs- und Tanzeinlagen, die glücklicherweise meist recht kurz gehalten sind.

Donald O'Connor treibt "Spässe"
 
Es gibt in dem Film zwei herausragende Sequenzen. Die erste kommt kurz nach Filmbeginn, wenn Mary ihrer Tante erzählt, dass einer des Read-Clans ihr ein Affäre mit dem Familienpatriarchen vorgeworfen habe. Die Reaktion von Tante Mary (Jean Adair) ist in ihrem Understatement unbezahlbar; köstlich, wie da die wahre Geschichte
ohne Worte ans Licht kommt.

Die zweite grandiose Passage ist eine Gesangsnummer. Mary sitzt dank eines Winkelzuges des intriganten Onkels Chester Read (Charles Winninger) im Knast. Sie versucht, den Gefängniswärter so abzulenken, dass sie ihm die Zellenschlüssel vom Hosenbund klauen kann. Weil dieser sich
auf einen Gesangsauftritt beim abendlichen Polizeiball vorbereiten will, verwickelt sie ihn in ein Duett (das "Miserere" aus Verdis Oper Il trovatore). Völlig überraschend stellt der Polizist die Sängerin mit seiner Stimme weit in den Schatten - es handelt sich um den Opernsänger Jan Peerce in einem Cameoauftritt. Und auch hier ist es wieder das komische Understatement, das die Sequenz zum Leuchten bringt.
Daneben wirkt Donald O'Connors exaltiertes Gehampel völlig unpassend und wird leicht unangenehm als das erkennbar, was es ist: Als Konzession an den Massengeschmack.

Fazit: Something in the Wind ist wohl tatsächlich nicht Deanna Durbins bester Film. Doch ihre charismatische Ausstrahlung trägt ihn über seine zahlreichen Schwachstellen hinweg - ein Grund, mir weitere Durbin-Streifen vorzunehmen. Zwei wirklich gelungene Sequenzen und einige Nebendarstellerinnen und -Darsteller (Jean Adair, Margaret Wycherly und  Charles Winninger) machen den Film trotz seiner Schwächen zu einem ganz unterhaltsamen und streckenweise amüsanten Erlebnis.



Im deutschsprachigen Raum war Something in the Wind leider nie zu sehen. Deshalb hier der Link (englische Originalversion).


Donnerstag, 20. April 2023

A Family Affair (1937)


Originaltitel: A Family Affair
Regie: George B. Seitz
Drehbuch: Kay Van Riper nach einem Theaterstück von Aurania Rouverol
Mit Lionel Barrymore, Cecilia Parker, Eric Linden, Mickey Rooney, Spring Byington, Charley Grapewin u.a.

Dieses sympathische Kleinstadtdrama um einen Richter und seine Familie bildete den Auftakt der in den USA bekannten und beliebten Andy-Hardy-Serie – obwohl eine Serie zunächst gar nicht beabsichtigt war. Doch der Film von George B. Seitz erwies sich als ein solcher Erfolg, dass MGM im selben Jahr schnell ein ebenso erfolgreiches Follow-up herstellte - was bis in die 1950er-Jahre zu 14 weiteren Andy Hardy-Fortsetzungen führte.
Im Mittelpunkt von „A Family Affair“ steht noch nicht Mickey Rooney in seiner Paraderolle als Teenager Andy Hardy, sondern Lionel Barrymore als dessen Vater - eine Rolle, die schon beim nächsten Film Lewis Stone übernahm, da Barrymore krankheitsbedingt ausfiel (ab 1938 konnte er kaum mehr gehen und war fortan nur noch in Rollstuhl-Rollen zu sehen).
Es ist immer eine Freude, einem der Barrymores bei der Arbeit zuzusehen, aber Seitz' Film ist aus mehreren weiteren Gründen ein Leckerbissen - einer davon ist Auriana Rouverols Stück, das den Film inspirierte, ein anderer die Nebendarsteller (einschließlich Arthur Housman als Säufer) und der capra-artige Touch.
Nett!

Im Deutschsprachigen Raum war A Family Affair leider nie zu sehen. Deshalb hier der Link (englische Originalversion).

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Durchwachsen I: Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte (The Adventures of Ichabod and Mr. Toad, 1949)
Der letzte von Disneys Kompilationsfilmen (die sich aus zwei oder mehr Segmenten zusammensetzen und mit denen sich sein Studion in den Kriegsjahren über Wasser halten konnte). Der Film präsentiert zwei Geschichten, die absolut gar nicht zusammenpassen und der deshalb gemischte Gefühle hinterlässt. Das an Kenneth Grahams Kinderbuch angelehnte erste Segment um den unvernünftigen Thaddeus Kröte ist schlichtweg brilliant und in sich stimmig, während das zweite um den Dorflehrer Ichabod Crane (nach Washington Irwing) als uneinheitlicher, leicht verstörender Mix aus Farce und Horrorgeschichte daherkommt; mit seinen durchs Band unsympathischen Hauptfiguren lässt einen dieser Teil weitgehend kalt.
Tricktechnisch ist das Ganze auf höchstem Niveau, und wer das zu schätzen weiss, wird durchaus seine Freude an dem Streifen haben.

Durchwachsen II: Man nennt mich Hondo (Hondo, 1953)
John Wayne als Halbblut Hondo Lane, Meldereiter der Armee, beschützt eine Witwe (Geraldine Page) und deren Söhnchen, die mitten im Gebiet kriegerisch gesinnter Apachen leben.
Hondo gilt als einer der besten Rollen des "Duke", doch der Film krankt an seiner auf 3D ausgerichteten Dramaturgie, welche die Effekte in den Vordergrund stellt und die Figuren daneben eher stiefmütterlich behandelt.

Samstag, 25. März 2023

Dornröschen (Sleeping Beauty, 1959)


Walt Disney Produktion
Supervising Director: Clyde Geronimi
Mit den Stimmen von Mary Costa, Bill Shirley, Eleanor Audley, Verna Felton, Barbara Luddy, Barbara Jo Allen u.a.

Sleeping Beauty war der letzte Märchenfilm unter Walt Disneys Aegide. Das Studio arbeitete acht Jahre daran. Der frühere Trickzeichner Clyde Geromini, der schon seit den frühen 50er-Jahren für Disneys Langfilme Regie führte (Cinderella, Peter Pan, Alice in Wonderland), koordinierte die verschiedenen am Film beteiligten Abteilungen. Doch wie immer hielt Meister Disney selbst im Hintergrund die Fäden in der Hand und achtete penibel darauf, dass der Film nach seinen Vorstellungen gefertigt wurde. Disneys Perfektionismus führte dazu, dass die Sequenz, in welcher Prinzessin Aurora den Prinzen zum ersten Mal trifft, vier Mal von Grund auf neu begonnen werden musste, was das Studio gemäss Berichten beinahe in den Ruin trieb.

Disneys Hartnäckigkeit hatte sich - wie immer - gelohnt: Sleeping Beauty ist auf allen Ebenen von einer Schönheit und Perfektion, wie man sie im heutigen Animationsfilm kaum mehr findet. Für das künstlerische Design engagierte Disney den Künstler Eyvind Earle, der Sleeping Beauty einen Look verpasste, wie man ihn bislang in keinem Disneyfilm gesehen hatte.
Alles passt perfekt zusammen, das Art Design, die Musik (nach Tschaikowsky), die herausragende Animation, die einfallsreich gezeichneten Figuren. Obwohl Sleeping Beauty immer als zweitrangiges Disney-Werk angesehen wurde, war ich von dessen effektiver Qualität positiv überrascht. Es gibt keine tote Minute darin, sogar die beiden Liebenden wirken lebendig und sympathisch - und die oben erwähnte schwierige Sequenz, in der die Prinzessin ihrem Prinzen zum ersten Mal begegnet, ist ein Lehrstück an filmischer Erzählkunst. Sie ist so bezaubernd und erfrischend, dass man sie getrost als beste Szene des ganzen Films und als einen Highlight in Disneys Werk bezeichnen kann.

Dornröschen lässt sich im deutschsprachigen Raum problemlos im Stream oder auf Blu-ray/DVD finden.

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Leider flach: Last Vegas (2013)
Morgan Freeman, Michael Douglas, Robert DeNiro, Kevin Kline und Mary Steenburgen: Ein hochkarätiges Quintett - in einem mittelmässigen Film.
Vier Jugendfreunde kommen nach Jahren wieder zusammen, um eine Jungesellenparty zu feiern. Billy (Michael Douglas), der erfolgreichste des Quartetts, heiratet in Las Vegas seine viel jüngere Freundin. Alte Querelen flackern wieder auf, das Altwerden wird thematisiert und eine bejahrte Clubsängerin (Mary Steenburgen) verdreht zweien von ihnen den Kopf.
Man schaut dank der tollen Schauspieler gerne zu, doch eigentlich ist die Besetzung Perlen vor die Säue geworfen, denn Dan Fogelmans Drehbuch kommt nach einem gelungenen Start einfach nicht in die Gänge und mäandert von einer Platitüde zur nächsten.

Schön, aber..
. Ein liebenswerter Schatten (Follow Me! 1972)
Regie: Carol Reed, Drehbuch: Peter Shaffer - was kann da schiefgehen? Tja, leider... Hier gilt das umgekehrte wie oben: Tolles Drehbuch, solide Regie, aber ein schlechter Hauptdarsteller, der derart stört, dass man den Film nicht so richtig geniessen kann.
Der damals unbegreiflicherweise gefeierte israelische Schauspieler Chaim Topol tritt hier als einen Privatdetektiv auf, der die Gattin (Mia Farrow) eines eifersüchtigen Anwaltes (Michael Jayston) beschatten muss und sich auf Distanz in sie verliebt. Sein Schauspiel ist einfach nur schlecht und weil er im Zentrum steht, ruiniert er einen Film, der das Zeug zum Klassiker gehabt hätte. Farrow und Jayston geben ihr Bestes, doch leider hilft das auch nichts mehr.
Ich hatte mich schon über Topols Ruhm gewundert, als ich mir das gefeierte Musical Anatevka mit ihm angeschaut hatte...


Donnerstag, 2. Februar 2023

Frühstück bei Tiffany (1961)

 
Originaltitel: Breakfast at Tiffany's
Regie: Blake Edwards
Drehbuch: George Axelrod
Mit Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal, Buddy Ebsen, Mickey Rooney, Martin Balsam u.a.

Wieder so ein berühmter Film, der bei mir nicht ankommt wie erwartet. Obwohl er von Regisseur Blake Edwards stammt und dieser in der Regel meinen hohen Ansprüchen genügt. Die Krux bei der Sache liegt im Drehbuch - oder müsste man sagen: beim  Drehbuchautor? George Axelrod ist mir schon öfter als uninspiriert-richtungsloser Filmautor aufgefallen.

Entsprechend fallen Charaktere und Handlung auch hier flach, wo doch zu deren Verständnis Vertiefung angesagt wäre. Die Motive und Handlungsweisen der Hauptfigur, des Escortgirls Holly Golightly (Hepburn), sind nie ganz klar, ebensowenig wie ihr Hintergrund. Der neue Mieter, der sich mit ihr anfreundet, Schriftsteller Paul Varjak (Peppard) ist farblos. Dessen Freundin ebenso, und der japanische Nachbar (Mickey Rooney), ist nur komödiantische Dekoration. Nichts führt irgendwohin. 

Wettgemacht wird die Leere mit Augenfutter: Exquisite Kostüme, eine herrliche Farbdramaturgie und einige komödiantisch gelungene Strecken (Regisseur Edwards Stärke).
So wird Breakfast at Tiffany's nie wirklich langweilig, aber er gibt auch nicht viel her.
Auch hier stellt sich mir wieder einmal die Frage: Weshalb wird dieser Film derart abgefeiert?


Freitag, 27. Januar 2023

Der rosarote Panther (1963)



Originaltitel: The Pink Panther
Regie: Blake Edwards
Drehbuch: Maurice Richlin & Blake Edwards
Mit David Niven, Peter Sellers, Claudia Cardinale, Robert Wagner, Capucine, Brenda da Banzie u.a.

Blake Edwards ist ein in meinen Augen völlig unterschätzter Regisseur. Mit der Komödie The Pink Panther schrieb er Kinogeschichte, nicht zuletzt, weil er damit gleich zwei grandiose cinèastische Steine ins Rollen brachte - einerseits die Cartoonserie um den rosaroten Panther (ältere Semester erinnern sich: "Wer hat an der Uhr gedreht...") und die kultige Spielfilm-Serie um den trotteligen, von Peter Sellers gespielten Inspector Clouseau. 

The Pink Panther gilt als erster dieser Serie, doch man merkt ihm an, dass er als singuläres Filmwerk gedacht war. Clouseau spielt hier nur die zweite Geige, der Film dreht sich um den Gentleman-Gauner Sir Charles Litton (David Niven) und den geplanten Raub eines "Pink Panther" genannten Rubins. Das Ereignis des Streifens ist allerdings Clouseau, er stellt mit seiner Dusseligkeit alle anderen Figuren in den Schatten.

Clouseau ist hinter dem "Phantom" her, einem mysteriösen Juwelendieb, der in ganz Europa sein Unwesen treibt. In einem Hotel in den italienischen Alpen glaubt er ihn dingfest machen zu können. Allerdings merkt der Inspektor nicht einmal, dass ihm seine Gattin (Capucine) die ganze Zeit ein Theater vorspielt: Sie ist in Wahrheit eine Meisterdiebin und spannt mit dem "Phantom" zusammen.
Und dann ist da noch Sir Littons diebischer Neffe (Robert Wagner), der es ebenfalls auf den Rubin abgesehen hat.

In einer wunderschönen Eingangssequenz werden die drei Diebe eingeführt - jeder in einer anderen Stadt - danach werden die Fäden in den Alpen zusammengeführt, wo alle drei und die indische Besitzerin des begehrten Klunkers (Claudia Cardinale) zusammentreffen. Und mittendrin: Clouseau, der sich auf all das einsetzende Gemauschel einen Reim zu machen sucht - aber natürlich den falschen.

Das eigentlich geniale an diesem Film ist die bewusst aufgebaute Diskrepanz zwischen der leichtfüssig und höchst elegant inszenierten und konzipierten Handlung und dem Inspektor, der darin herumtrampelt wie der Elefant im Porzellanladen. Daraus ergibt sich fast wie von selbst eine unnachahmliche Komik. Im Vergleich zu den folgenden, ungleich klamaukigeren und lauteren Pink Panther-Streifen steht hier ein Humor im Zentrum, der unbeabsichtigt erscheint und der gerade deshalb unglaublich wirkungsvoll ist.

Blake Edwards war von Peter Sellers komödiantischem Talent so begeistert, dass er fortan für mehrere weitere fruchtbare Projekte mit ihm zusammenspannte.

Montag, 23. Januar 2023

Charlie staubt Millionen ab (1969)


Originaltitel: The Italian Job
Regie: Peter Collinson
Drehbuch: Troy Kennedy-Martin
Mit Michael Caine, Noel Coward, Raf Vallone, Benny Hill, Margaret Blye u.a.

The Italian Job ist ein von Fans gefeierter "Heist Movie". Darin wird der Raub einiger Tonnen chinesischer Goldbarren von einer britischen Gang minuziös geplant und dann auf unkonventionelle Weise durchgeführt - mittels eines künstlich erzeugten Staus in der Innenstadt von Turin.
Ich mag solche Filme, vor allem, wenn sie die Thematik, wie hier, auf humoristische Art angehen.
Von diesem Klassiker wurde ich allerdings enttäuscht. Sein Problem ist nicht die Regie, auch liegt es nicht bei der Schauspielertruppe; diese beiden Komponenten überzeugen. Das Problem liegt beim Drehbuch. Es ist leider schlecht.

Die letzte Halbe Stunde, welche der Durchführung des Raubs gewidmet ist, reisst den Film 'raus, aber bis es endlich soweit ist, vergeht eine halbe Ewigkeit, die mit schlechten Dialogen, nutzlosen Nebenhandlungen, überflüssigen Figuren und einem Plot gefüllt wird, der Löcher in Form des Gotthardtunnels aufweist.
Was soll zum Beispiel die Figur des von Noel Coward mit pompöser Grandezza gespielten Edelgefangenen Broker? Sie ist zu Beginn von Belang, danach aber nicht mehr - trotzdem wird sie immer und immer wieder prominent in Szene gesetzt.
Die ganze Mafia-Nebenhandlung ist komplette überflüssig und verläuft denn auch irgendwann einfach im Sand. Ebenso wird die Freundin des von Michael Caine verkörperten Gauners irgendwann über Bord geworfen - nachdem sie im Film überhaupt keine Funktion hatte.
Und Benny Hills Talent wird in einer winzigen Rolle verschwendet.

Die ganzen Vorbereitungsarbeiten sind erzähltechnisch derart schlecht und fadenscheinig gestrickt, dass man sich wundert, wie der Raub danach derart glatt über die Bühne gehen kann.
Das Einzige, was ich als gelungen gelten lasse, ist die Flucht mit den drei kleinen Fiats. Da haben sich die Macher etwas einfallen lassen, das sich sehen lassen kann.
Trotz dieses schönen Finales und des fiesen Schlussgags bleibt es für mich schwer verständlich, wie ein so schlechter Film
einen derartigen Kultstatus erreichen kann. Offenbar reicht eine gelungen inszenierte Autoverfolgungsjagd dafür aus.


Montag, 5. Dezember 2022

Der Mann, der Liberty Valance erschoss (1962)


Originaltitel:The Man who Shot Liberty Valance
Mit John Wayne, James Stewart, Vera Miles, Lee Marvin, Andy Devine u.a.
Drehbuch:
Willis Goldbeck und James Warner Bellah
Regie: John Ford

Als einen der grossen amerikanischen Filmklassiker bezeichnen viele Kritiker John Fords Der Mann der Liberty Valance erschoss. Einige halten ihn für den grössten Western aller Zeiten, zumindest aber für das beste Spätwerk des grossen John Ford (Früchte des Zorns, Der schwarze Falke). Zeit für eine kritische Würdigung.

Der junge Anwalt Ransom Stoddard (James Stewart) lässt sich im abgelegenen Kaff Shinbone nieder (zu Deutsch „Schienbein“). Die Bewohner des Ortes zittern vor Liberty Valance (Lee Marvin), einem üblen Ganoven, der mit seiner Bande die Leute terrorisiert. Einzig der Farmer Tom Doniphon (John Wayne), ein Haudegen von altem Schrot und Korn, hat keine Angst vor Valance; er rät dem Pazifisten Stoddard immer wieder, das Gesetzbuch gegen eine Pistole auszutauschen, was dieser entrüstet ablehnt. Bis sich der Konflikt zuspitzt und Stoddard keine andere Wahl mehr bleibt…

Der Film ist wohl tatsächlich Fords bestes Spätwerk – als „besten Western“ würde ich ihn allerdings nicht bezeichnen. Man schaut ihn mit Gewinn, wenn man sich auf die Beziehung der beiden gegensätzlichen Hauptprotagonisten konzentriert. Zwischen John Wayne und James Stewart, die hier erstmals gemeinsam vor der Kamera standen, entsteht eine Chemie, welche den Charakteren Tiefe verleiht und die ohne Worte verdeutlicht, dass sich die beiden im Grunde trotz ihrer zunehmenden Feindschaft respektieren und schätzen. Die beiden alten Film-Hasen tragen den Film und sind dessen Hauptattraktion – ungeachtet des Umstandes, dass beide für ihre Rollen sichtlich zu alt sind. Der zweite Vorzug liegt im sorgfältigen und zunehmend spannenden Aufbau der Erzählung, ein Verdienst, der zu grossen Teilen den Drehbuchautoren zukommt.

Thematisch ist der Film für das europäische Durchschnittspublikum von heute allerdings von eher geringem Interesse, da er die amerikanische Politik rund um die Entstehung des modernen Amerika aufarbeitet und die Mythen aufzeigt, auf denen die „neue Welt“ gründet. Liberty Valance ist ein Film, der einiges an Grundkenntnis der Geschichte Amerikas und /oder Interesse daran voraussetzt, um in seiner Grösse verstanden zu werden.

Wermutstropfen bilden der Hang einiger Nebendarsteller zum Schmierentheater, der mit zunehmender Filmdauer immer schwerer ins Gewicht fällt, und John Fords Regieführung, die - typisch für seine späten Filme - zwischen hervorragend und nachlässig schwankt.





 

Bernhard und Bianca - Die Mäusepolizei (The Rescuers, 1977)

Regie: Art Stevens, John Lounsbery, Wolfgang Reitherman Drehbuch: Ken Anderson, Larry Clemmens, frank Thomas u.a. Stimmen von Eva Gabor, Bo...