Donnerstag, 30. November 2023

Meister des Gelächters, Folge 1: Der Sträfling im Frack

 

 

Willkommen zur ersten Folge von "Meister des Glächters"!
Hier gibt es jeden Freitag einen oder mehrere Slapstick-Filme von Anno Dazumal zu sehen (Video siehe unten).

Inspiriert wurde ich zu dieser Serie durch eine Sendung, welche das ZDF in den Siebzigerjahren ausstrahlte. Sie hiess Väter der Klamotte und stellte wöchentlich einen Slapstick-Komödianten des Stummfilms ins Zentrum - neben bekannten Gesichtern wie Stan Laurel, Oliver Hardy, Buster Keaton oder Harold Lloyd kamen auch vergessene Komiker wie Charley Chase, Snub Pollard oder Al St.John zum Zug. Heute sind sie alle praktisch vergessen.

Ich würde mich freuen, mit dieser Serie ein paar Leute für die vergessene Kunst des Slapstick gewinnen zu können.

Den Anfang macht der bekannteste von allen:
Charlie Chaplin
in The Adventurer (dt.: Der Abenteurer)
Der Film wurde vor 103 Jahren gedreht und ist heute noch so frisch ist wie im Jahr 1917, als er das Publikum begeisterte.
Der Film spricht für sich und kann auch ohne Englischkenntnisse genossen werden.

Also - lehnt Euch für 25 Minuten zurück und taucht ein in die wilde, rasante, unglaublich komische Welt des Slapstick!
Viel Spass!

Ach - und ich freue mich über Kommentare, Vorschläge oder Kritiken! Danke! 

 

Montag, 27. November 2023

Stimme am Telefon (The Slender Thread, 1965)


Regie: Sydney Pollack
Drehbuch: Stirling Silliphant und Shana Alexander
Mit
Sidney Poitier, Anne Bancroft, Telly Savalas, Steven Hill, Edward Asner u.a.

Der Freiwillige Alan (Sidney Poitier) arbeitet eines Abends allein in Dr. Coburns Krisenzentrum, als er einen Anruf einer offensichtlich selbstmordgefährdeten Frau (Anne Bancroft) erhält. Im Lauf des Gesprächs stellt sich heraus, dass sie bereits eine lebensgefährliche Dosis Barbiturate geschluckt hat und nun auf den Tod wartet. Bloss: wo?
Da sie ihren Aufenthaltsort nicht preisgibt, setzt Alan alles in Bewegung, sie zu finden: Die Telefongesellschaft, die Polizei, die Feuerwehr.
Ein Wettlauf mit dem Tod beginnt.

Es ist nichts Neues, was uns Regisseur Sydney Pollack (in seinem weitgehend vergessenen Erstlingsfilm) und Autor Stirling Silliphant hier kredenzen - spannend ist eine solche Geschichte aber immer wieder.
Allerdings verlangsamen die wiederholten und extensiven Rückblenden auf die letzten paar Tage der Selbstmordkandidatin immer wieder den Spannungsaufbau; zudem verhalten sich die Menschen, die in der Rückblende auftauchen, nicht immer glaubhaft.

Beides beraubt den Streifen seiner Intensität, die in der Haupthandlung durchaus präsent ist und dort auch immer wieder voll aufflammt: Zwei Menschen, ein Zimmer - das reicht aus, wenn die Schauspieler gut sind. Und das sind sie hier, keine Frage.

Dank Sidney Poitier und Anne Bancroft lohnt sich der Film! Das intensive Spiel der beiden nagelt einen am Bildschirm fest. Auch die wichtigen Nebendarsteller, Telly Savalas (in einer beinah stummen Rolle) und Steven Hill (als Ehemann der Selbstmordkandidatin) tragen Wesentliches zur Glaubwürdigkeit und zum Spannungsaufbau bei.

Wer hervorragende schauspielerische Leistungen mag, sollte sich "Stimme am Telefon", so der deutsche Titel, ansehen; auch wenn der Film an sich nicht ganz überzeugt.
Leider gibt es ihn hierzulande weder im Stream noch auf Blu-ray/DVD.
Hier eine Möglichkeit, ihn zu sehen - allerdings nur in der englischen Originalfassung, dafür ohne Gebühren und Werbung.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Freitag, 24. November 2023

Jede Menge Ärger (Big Trouble, 2002)


Regie: Barry Sonnenfeld
Drehbuch: Robert Ramsey und Matthew Stone
Mit Tim Allen,
Dennis Farina, Ben Foster, Janeane Garofalo, Rene Russo, Tom Sizemore, Stanley Tucci u.a.

Dieser Film wird m.E. völlig unterschätzt!
In vielen Reviews findet sich der Satz "Verglichen mit anderen Filmen von Barry Sonnenfeld..."
Da kann ich halt nicht mitreden; ich kenne nur die "Adams Family" aus dem 90er-Jahren, und der hat mir bedeutend weniger gut gefallen als "Big Trouble".

"Big Trouble" ist eine irre Gaunerkomödie die von ihrem Dead-Pan-Understatement lebt, die mit einer Traumbesetzung, zahllosen Sprüchen zum Auswendiglernen und einer überdurchschnittlich hohen Gagdichte aufwartet.
Der Inhalt lässt sich kaum wiedergeben, denn der Plot teilt sich auf etwa 14 Hauptcharaktere auf und verwickelt sich im Lauf der Handlung immer extensiver, bis zur Unentwirrbarkeit.
Es gibt keine Hauptfigur und folglich auch keinen Hauptdarsteller.

Im Zentrum steht... hmmm... ein mysteriöser Koffer? Ein Mordplan? Ein Looser, der die Aufmerksamkeit seines Sohnes sucht? Schwer zu sagen, aber eigentlich völlig unwichtig.
So chaotisch das Ganze wirkt, der Handlungsverlauf ist vom Drehbuch so gut geplant und von Regisseur so geschickt orchestriert, dass man den Überblick trotz aller immer wieder neu auftauchenden Figuren und Handlungselemente immer behält.

"Big Trouble" hat zumindest mir riesengrossen Spass gemacht. Ich mag Gaunerkomödien mit lauter unterbelichteten Gaunern, unterbelichteten Polizisten und unterbelichteten Opfern.
Ein Film, den ich bestimmt wieder anschauen werde - da steckt zu Vieles drin, was man beim ersten Mal nicht mitkriegt.

Big Trouble ist unter dem deutschen Titel "Jede Menge Ärger" bei verschiedenen Streaming-Diensten abrufbar.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Kill the Boss ( Horrible Bosses, 2011)
Eindimensional, vulgär, unglaubwürdig... Eigentlich dürfte diese Komödie nicht funktionieren.
Und doch tut sie's! Und das liegt an den zahlreichen glänzenden komödiantischen Einfällen, schrägen Situationen und dem wunderbar harmonierenden Komödianten-Trio Bateman, Sudeikis und Day.
Und dank filmhistorischen Anspielungen springen für Cinèasten zahlreiche Bonus-Lacher 'raus.
"Horrible Bosses" ist Hollywood-Meterware, unterhält aber doch ganz passabel.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Die Goonies (The Goonies, 1985)
In den Achtzigerjahren produzierte Steven Spielberg eine aufsehenerregende Reihe von aufeinanderfolgenden Fantasy-Knüllern (Poltergeist, E.T., Twilight Zone, Gremlins, Zurück in die Zukunft, Young Sherlock Holmes - und The Goonies).
Letzteren fand ich damals den Schwächsten von allen (knapp vor den Gremlins); fast vierzig Jahre nach der letzten Sichtung (im Kino) wollte ich die Goonies mal wieder sehen.
Mein Eindruck war überraschenderweise exakt derselbe: Eine krud zusammengeschusterte Abenteuergeschichte mit nervtötenden Kids, Figuren vom Reissbrett und null Charakterentwicklung.
Das Drehbuch ist holprig und die Regie wirkt überfordert (Richard Donner konnte wohl nicht so mit Kindern).
Einzig die Sets sind toll (und teuer), aber das reisst den Film für mich nicht 'raus.
Es passiert selten, dass ich nach sovielen Jahren einen Film gleich bewerte wie beim ersten Mal. Keine Ahnung, womit das zusammenhängt...
Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Donnerstag, 16. November 2023

Mein Leben im Luxus (Easy Living, 1937)



Regie: Mitchell Leisen
Drehbuch: Preston Sturges
Mit Jean Arthur, Ray Milland, Edward Arnold, Mary Nash, Luis Alberni, Franklin Pangborn u.a.

Ein reiner Preston Sturges-Film - obwohl Sturges hier gar nicht selbst Regie führte (er schrieb "nur" das Drehbuch).
Aber hinter den Kulissen muss Sturges dem Regisseur Mitchell Leisen wohl doch ständig 'reingefunkt haben, denn was man zu sehen bekommt ist Sturges pur: Stakkato-Dialoge, irre Slapstick-Einlagen, viel Geschrei und eine mit zunehmender Filmdauer sich steigernde Hysterie.
(Für "Anfänger": Sturges drehte so irres Zeug wie Sullivan's Travels, Hail the Conquering Hero und Palm Beach Story - alles Komödien, die bis zum schieren Wahnsinn ausufern.)

Easy Living beginnt mit dem reichen Stahlmagnaten Mr. Ball (Edward Arnold), der im Streit den Pelzmantel seiner Frau vom Balkon seines Wolkenkratzers schmeisst, und damit die arme von der grossen Depression gebeutelte Journalistin Mary Smith (Jean Arthur) trifft.
Viel Klatsch und ein paar Missverständnisse sorgen dafür, dass Mrs. Smith plötzlich im Zentrum aller Aufmerksamkeit steht und ohne einen Finger zu rühren zu einem Leben in Luxus kommt. Ohne es zu wissen, wer er ist, verliebt sie sich in Mr. Ball jr. (Ray Milland), mit dessen Hilfe sie beinahe einen Börsencrash herbeiführt.

Sämtliche Akteure hinter der Kamer geben ihr bestes, inkl. Ray Milland als Millionärssohn und Luis Alberni als cholerischer Hotelmanager.
Regisseur Leisen garniert den Irrsin mit eleganter Garderobe und erlesener Art Deco-Ausstattung, so dass zum hohen Unterhaltungs- auch noch ein ebensolcher Schauwert hinzukommt.
Unglaublich, dass dieses filmische Knallbonbon heute praktisch unbekannt ist!

Im deutschsprachigen Raum kann er leider nicht gestreamt werden. Dafür ist er - für alle, die des Englischen mächtig sind - auf youtube in der Originalversion kostenlos und werbefrei abrufbar.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Des Königs Admiral (Captain Horatio Hornblower, 1951)
Der Autor der (noch heute) populären Seefahrt-Romane um Captain Hornblower, C.S. Forester höchstselbst, hatte die drei ersten Teile seiner Saga für diesen Film aufbereitet.
Das ist hervorragend gelungen, obwohl die Handlung dadurch etwas gestaucht daherkommt. Der Film geht in grossen Schritten von einem Höhepunkt zum nächsten, doch sorgfältige Figurenzeichnung, viel Humor und eine grandiose Inzenierung in berauschendem Technicolor ergeben ein wunderbares Seefahrt-Spektakel mit schier endlosem Schauwert.
Die Schauspieler-Crew ist perfekt gewählt und bringt die Leinwand zum knistern.
Einzig die letzten paar Minuten wirken in ihrer aufs Happy-End zielenden Gehetztheit lächerlich und setzen dem schönen Klassiker einen leichten Dämpfer auf.
Trotzdem: Ein Film, den man gesehen haben sollte!
Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Sonntag, 12. November 2023

Drei Amigos (Three Amigos, 1986)


Originaltitel: Three Amigos
Regie: John Landis
Drehbuch: Steve Martin, Lorne Michaels und Randy Newman
Mit Steve Martin, Chevy Chase, Martin Short, Alfonso Arau, Patrice Martinez u.a.

Amerika in den 20er-Jahren. "The Three Amigos" ist der Titel einer (fiktiven) Stummfilm-Serie um drei Helden, die in Südamerika gegen allerlei Unrecht kämpfen. Im wahren Leben sind Lucky Day, Dusty Bottoms und Ned Netherlander (Steve Martin, Chevy Chase und Martin Short) alles andere als Heldenhaft - sie verhalten sich eher wie drei verwöhnten Kinder.
Im real existierenden Südamerika sind zwei Einwohner eines von Banditen geknechteten Dorfes auf der Suche nach Hilfe. Als sie zufällig einen Three-Amigos-Film sehen, schicken sie den drei Helden einen Telegramm-Hilferuf. Dieser wird auf der anderen Seite allerdings als Show-Engagement missverstanden.

Die erste Hälfte dieses Hollywood-Klamauks, den John Landis ("Die Blues Brothers") inszeniert und an dessen Drehbuch Steve Martin mitgewerkelt hat, weist eklatante Parallelen zur heutigen Politik auf. Die drei Amigos gleichen in ihrem dummdreisten Gehabe eher verwöhnten Kindern als Helden (was bereits von ihrem lächerlichen Kleidungsstil gespiegelt wird): Sie sind restlos egozentrisch und leben in ihrer kindlichen Traum- oder Wunschwelt; die bittere Realität blenden sie einfach aus: Die Banditen und deren unterdrückerische Haltung nehmen sie als Filmkulisse wahr, und die anderen Menschen sind da, um sie zu bewundern.

So endet ihr Einsatz schliesslich im Fiasko für alle - ausser für die Bösewichte: Das Dorf wird dem Erdboden gleichgemacht, die Dorfschönheit entführt und die drei Helden werden von der Dorfbevölkerung schmählich zum Teufel gejagt.
Datiert man das Geschehen und das Personal dieses Streifens auf die heutige Zeit auf, bekommt man hier einen verblüffenden Einblick in die Geisteshaltung und -kapazität jener grünen und linken Politiker, die gerade Deutschland (oder u.a. auch die Schweiz) mit ihrer dummdreisten Realitätsverweigerung an die Wand fahren. Konkret: Die geistig-psychologische Determiniertheit von Egomanen wird hier schlüssig aufgezeigt.

Was in der aktuellen Politik leider nicht passiert, geschieht im Film: Nach der Katastrophe dämmert es den drei "Amigos", langsam erkennen sie die Realität und öffnen sich ihr, indem sie ihre Selbstverliebtheit überwinden.
Das ergibt zwar einen partiell witzigen, aber ungleich schwächeren zweiten Teil, der nur noch wie ein Apendix wirkt, ein Anhängsel, das der Standardlänge eines Kinofilms geschuldet ist.
Natürlich müssen die drei "Helden" nun traumfabrikgerecht über sich hinauswachsen und am Schluss der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen.
War der erste Teil der brutalen Realität verpflichtet, driftet er hier in die hollywood-übliche Traumwelt ab und mäandert mit leichter Schlagseite dem Happy-End zu.
Komödiantische Glanzstücke wie der singende Busch und der unsichtbare Schwertkämpfer lassen die Schwächen zumindest partiell vergessen.

Fazit: Die erste Hälfte von Landis' Film ist ein geistreiches und gut aufgebautes Spiel um Sein und Schein (die Dorfbewohner verwechseln das Treiben im Stummfilm mit der Realität, die drei Stummfilmdarsteller verwechseln die Realität mit einem Filmsets); nachdem der konsequenten Durchgeführung dieser Thematik wäre der Film nach 60 Minuten eigentlich zu Ende. Was drangehängt wurde, fällt deutlich hinter den ersten Teil zurück.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man auch sein lassen / schlecht

Dienstag, 16. Mai 2023

Harolds liebe Schwiegermama (Hot Water, 1924)


Originaltitel: Hot Water
Regie: Fred C. Newmeyer und Sam Taylor
Drehbuch: Sam Taylor, John Grey, Tim Whelan
und Thomas J. Gray
Mit Harold Lloyd, Jobyna Ralston, Josephine Crowell, Charles Stevenson, Mickey McBan, Edgar Dearing u.a.

In unzähligen Stummfilmen (und auch lange nach Beginn der Tonfilmzeit) drehte sich alles um die Liebe: Boy Meets Girl. So auch in den Komödien.
In Chaplins, Keatons, Lloyds und Langdons Werken war nie die Frage, ob der Held das Mädchen am Ende kriegt, dafür wurde das wie auf witzige Weise abgehandelt.
Irgendwann musste dieses Muster durchbrochen werden, und einer der ersten, die das "Leben nach dem Happy End" filmisch behandelten, war Charlie Chaplin mit den Kurzfilmen A Day's Pleasure (1919) und Pay Day (1921); letzterer ist eine deprimierende Studie häuslichen Horrors.


Im Jahre 1924 schlug auch Harold Lloyd diesen Pfad ein, mit seinem knapp einstündigen Langfilm Hot Water, der den Alltag nach dem Happy End als eine Abfolge heilloser Tiefschläge darstellt und dabei die Unbilden des ehelichen Alltags komödiantisch überhöht. Wie Chaplins Pay Day lebt Hot Water von einer Fülle origineller Einfälle; mehr noch als Chaplin versteht es Lloyd - der übrigens damals genauso erfolgreich und beliebt war wie dieser - die einzelnen Pointen elegant und mit zusätzlichem Witz vorzubereiten. 

Lloyds "Familienfilm" beginnt mit einer kurzen Boy Meets Girl-Einleitung samt bekannter Happy-End-Einstellung, um sich nach dem Ausblenden gleich dem Leben danach zu widmen. Der "Boy" ist jetzt der Hubby (Lloyd), das "Girl" das Wifey (Jobyna Ralston), er kauft ein, sie kocht, und inzwischen rückt ihre Mutter (Josephine Crowell) samt grossem und kleinem Bruder an und sorgt für Unheil.

Harolds Einkaufstour endet im Desaster

Was schief gehen kann, geht nun schief, das Einkaufen, das gemeinsame Essen, die Fahrt mit dem neuen Auto, und schliesslich führt Harolds Versuch, sich gegen die übergriffige Verwandtschaft durchzusetzen durch eine Verkettung haarsträubender Vor- und Zwischenfälle in den schieren Wahnsinn. 

In der Nacherzählung klänge das im Detail deprimierend, deshalb spare ich mir das; es würde ein falscher Eindruck entstehen. Lloyd schafft das Kunststück, die ganzen Katastrophen auf erheiternde und charmante Weise, mit überraschenden Wendungen und temporeichen Sequenzen ans Publikum zu bringen, und das abschliessende Happy End sorgt dafür, dass Hot Water heute nicht zu den Katastrophenfilmen zählt, sondern als einer der Höhepunkte der Stummfilmkomödie gefeiert wird.

Harolds Spritztour endet ebenfalls im Desaster

Wenn man nur einen einzigen Film mit einer nervigen Schwiegermutter im Zentrum anschauen möchte, sollte man diesen wählen. Er behandelt das abgestandene Sujet und die damit verbundenen Gemeinplätze auf erfrischend lustige Weise.

Zeitungsannonce von 1924

Da der Film im deutschsprachigen Raum online nirgends verfügbar ist, hier der Link auf den Streifen mit Zwischentiteln in der englischen Originalversion.

Dienstag, 9. Mai 2023

Flucht oder Sieg (Victory, 1981)



Regie: John Huston

Drehbuch: Evan Jones und Yabo Yablonsky
Mit Sylvester Stallone, Michael Caine, Max von Sydow, Pelé, Daniel Massey, Carole Laure u.a.



V.l.n.r.: Regisseur Huston, Sylvester Stallone, Michael Caine

Ein Film der in prominenten Rollen mit Sylvester Stallone, Michael Caine und Star-Fussballer Pelé besetzt ist, der sich um Nazi-Fussball dreht und in dem Altmeister John Huston (Asphalt-Dschungel) Regie führt... Was soll man bloss davon halten?

Als Victory anfangs der Achtzigerjahre in die Kinos kam, wurde er von den Kritikern mit Häme und Spott übergossen und fast einhellig verrissen.
Grund genug, sich den Streifen nach 42 Jahren nochmals vorzunehmen.

Victory beginnt in einem Kriegsgefangenenlager der Nazis. Michael Caine spielt John Colby, einen ehemaligen englischen Fussballer, der im Camp zum Zeitvertrieb Spiele organisiert. Stallone tritt als Gefangener Hatch auf, ein Amerikaner, der sich im Camp auf gut geplante Ausbrüche verlegt hat.
Pelé ist auch irgendwie dabei. Er ist dafür verantwortlich, dass die Fussballfans ins Kino gehen.

Die Konstellation funktioniert nicht besonders gut. Stallone und Caine kommen aus zwei völlig unterschiedlichen schauspielerischen Schulen, Pelé kommt aus gar keiner. Gut, letzterer bekommt nicht soviel Leinwandzeit wie die anderen beiden, doch das Grundproblem tritt hier bereits zutage: Es kommt vieles nicht zusammen in diesem Film.


Es gibt weitere Fussballstars ohne schauspielerische Erfahrung, die in Nebenrollen auftreten: Bobby Moore, Osvaldo Ardiles, Mike Summerbee, Co Prins,
Kazimierz Deyna, Hallvar Thoresen und andere.
Die Strategie hinter dieser Besetzung ist klar: Man wollte auch die Fussballfans anlocken. Unter diesen ist der Film übrigens nach wie vor sehr beliebt.

Die Fussballspiele der Gefangenen werden von Major Karl von Steiner (Max von Sydow) beobachtet, der früher selbst Fussballer war. Schliesslich tritt er mit einer Idee an Colby heran: Wie wäre es, wenn dieser aus sämtlichen in deutschen Lagern inhaftierten Profifussballern eine "Alliierten-Mannschaft" zusammenstellte und diese dann gegen eine deutsche Mannschaft antreten würde? 


Colby willigt ein; doch leider finden auch von Steiners Nazi-Vorgesetzte den Plan gut und wollen ihn für Propagandazwecke missbrauchen: Das Spiel soll an die grösstmögliche Glocke gehängt werden, um der Welt die Überlegenheit der Deutschen zu demonstrieren. Paris wird als Austragungsort festgelegt.

Das britische Kommando im Camp hat ebenfalls seine Pläne: Das Spiel soll dazu benutzt werden, die Nazis vor aller Welt blosszustellen; zu diesem Zweck soll Hatch einen Plan ausarbeiten, der die Flucht der alliierten Mannschaft während der Spielpause vorsieht - vor der Nase der Deutschen sozusagen.

Parallel zum Fussballtrainig im Camp werden Hatchs Flucht-Vorbereitungen geschnitten, für die er aus dem Camp ausbrechen und nach Paris reisen muss, wo er mit örtlichen Résistance-Mitgliedern zusammentrifft. 

Ab hier gerät Victory aus dem Tritt, weil er sich nicht entscheiden kann, wo der Fokus liegen soll - bei der Flucht oder beim Fussball. Bis zum Spiel in Paris - und auch während diesem - werden die aufwändigen Flucht-Vorbereitungen immer wieder parallel geschnitten und bekommen so grosses Gewicht.



Und da macht der Film dann einen m.E. entscheidenden Fehler. (Achtung, jetzt kommt ein  Spoiler!) Als Colby die Mannschaft in der Halbzeit in den Fluchttunnel unter dem Stadion führt, überreden ihn seine Mannen, das Spiel zu Ende zu führen.
Wozu, so fragte ich mich, wurde derart viel Filmmaterial und Dramturgie auf die Flucht verwendet, wenn sie am Schluss doch nicht stattfindet? Ich kam mir getäuscht vor, das war ein Plot-Twist der negativen Art, denn man erwartet eine spannende Ausbruchssequenz und kriegt statt dessen ein vorhersehbares Ende - den bereits im (grauslichen) US-Filmposter vorweggenommenen Fussball-Sieg der Alliierten

(Spoiler Ende).

Max von Sydow und Arthur Brauss spielen Nazis
 
Das Drehbuch, so muss man feststellen, ist nicht besonders ausgefeilt. Trotzdem ist die Handlung so konzipiert, dass Victory von Anfang bis Ende spannend und interessant bleibt. John Hustons Regie ist solide, und die Beratung der beteiligten Fussballprofis sorgt dafür, dass die Fussballsequenzen zum Ereignis werden. Pelé war für die Choreografie des abschliessenden grossen Matchs verantwortlich und man merkt fast nicht, wie schwierig es ist, ein Fussballspiel überzeugend auf die Leinwand zu bringen.
So ist Victory ein Film geworden, der zwar viele Schwächen aufweist, der aber trotzdem gut unterhält - auch Nicht-Fussballfans.

 
Man kann den Film online ansehen - hier eine List der Anbieter.

 

Samstag, 6. Mai 2023

Something in the Wind (1947)


Regie: Irvin Pichel
Drehbuch: Harry Kurnitz und William Bowers
Mit Deanna Durbin, John Dall, Donald O'Connor, Margaret Wycherly, Jean Adair, Charles Winninger, Helena Carter, Jan Peerce u.a.


Heute kommt hier ein weiterer Film ohne deutschen Verleihtitel zur Sprache - Something in the Wind kam nie in die deutschen Kinos und offenbar lief er auch nie im Fernsehen. Dessen Star, die singende Schauspielerin Deanna Durbin, hatte im deutschsprachigen Raum nie den Stellenwert, den sie im Rest der Welt genoss, wo sie jedes Kind kannte. Winston Churchill war ein bekennder Fan, ebenso Anne Frank und - der russische Cellist Mstislav Rostropowitsch.

Deanna Durbin in "Something in the Wind"

Durbin drehte zwischen 1936 und 1948 rund 20 muntere Musicalfilme, danach zog sie sich überraschend und vollständig aus dem Showbusiness zurück (was damals gar nicht so ungewöhnlich war). Der Zeitpunkt ihres Rückzuges erklärt vielleicht den blinden Durbin-Fleck Deutschlands: Kurz nachdem Hollywood dort wieder Fuss zu fassen begann, war sie von der Bildfläche verschwunden.

Schaut man sich Something in the Wind - ihren drittletzten Film - heute an, sieht man eine charismatische, talentierte junge Schauspielerin/Komödiantin/Sängerin (sie war damals 26 Jahre alt), welche einen Film mühelos trägt. Durbin überzeugt mit einer bodenständig-ironischen Art, welche ihr Sweetheart-Image auf überraschende Weise konterkariert; überraschend jedenfalls für mich, war dies doch meine erste Begegnung mit dem damaligen Star.

Donald O'Connor, Deanna Durbin & John Dall

Offenbar habe ich für den Erstkontakt eines ihrer schwächeren Werke erwischt, wie ich im Nachhinein einigen Kritiker- und Fan-Aussagen entnehmen konnte.
Something in the Wind glänzt nicht mit Originalität, die Geschichte entwickelt sich etwas umständlich und die Funktion und Besetzung einiger Nebenfiguren erschliesst sich dem Zuschauer nicht immer auf befriedigende Weise.

Doch zuerst zur Handlung: Der weibliche Disc-Jockey Mary Collins (Durbin) erhält eines Tages überraschenden Besuch des snobistischen Upper-Class-Grünschnabels Donald Read (John Dall). Dieser unterstellt ihr, eine Affäre mit seinem Grossvater gehabt zu haben, welcher ihr regelmässig Geldbeträge überwiesen haben soll. Nach dem Tod des Patriarchen sollen diese Zahlungen weitergeführt werden, was die Hinterbliebenen um jeden Preis verhindern möchten.
Mary, die keine Ahnung hat, wovon die Rede ist, stellt den jungen Snob in den Senkel und rauscht heim zu ihrer Tante, die übrigens auch Mary heisst...

Donalds jüngerer Cousin Charles (Donald O'Connor), der in Donalds Verlobte Clarissa (Helena Carter) verliebt ist, plant einen Plot, ihm diese mit Hilfe Marys auszuspannen. Dazu müsste Donald sich in Mary verlieben, was zu deren Entführung und weiteren Komplikationen führt.

John Dall wird in die (Liebes-)Zange genommen...
 
Was dabei schliesslich herauskommt, ist ziemlich schräg: Sweetheart Deanna Durbin verschmachtet in den Armen des späteren Hitchcock-Mörders John Dall (einer der Studenten aus Rope). Dall war bei Hitchcock perfekt besetzt, hier passt er mit seiner steifen, leicht säuerlichen Art zunächst gut, wenn er den reichen Geck gibt; doch als sein Charakter vom komischen Schnösel zum schmachtenden Lover mutiert, wird der Film unglaubwürdig und Dall fällt aus der Rolle. Durbin und Dall sind wahrschenlich das unpassendste Leinwandpaar aus dem alten Hollywood, das ich je gesehen habe.

Der vielgerühmte Tänzer/Komödiant Donald O'Connor (Singin' in the Rain, 1952) fällt mir einmal mehr mit seinen Routinegrimassen und -verrenkungen auf die Nerven, hinter denen der Mensch nicht sichtbar wird und dessen "Spässe" die Handlung nur aufhalten. Dasselbe gilt übrigens für sämtliche Gesangs- und Tanzeinlagen, die glücklicherweise meist recht kurz gehalten sind.

Donald O'Connor treibt "Spässe"
 
Es gibt in dem Film zwei herausragende Sequenzen. Die erste kommt kurz nach Filmbeginn, wenn Mary ihrer Tante erzählt, dass einer des Read-Clans ihr ein Affäre mit dem Familienpatriarchen vorgeworfen habe. Die Reaktion von Tante Mary (Jean Adair) ist in ihrem Understatement unbezahlbar; köstlich, wie da die wahre Geschichte
ohne Worte ans Licht kommt.

Die zweite grandiose Passage ist eine Gesangsnummer. Mary sitzt dank eines Winkelzuges des intriganten Onkels Chester Read (Charles Winninger) im Knast. Sie versucht, den Gefängniswärter so abzulenken, dass sie ihm die Zellenschlüssel vom Hosenbund klauen kann. Weil dieser sich
auf einen Gesangsauftritt beim abendlichen Polizeiball vorbereiten will, verwickelt sie ihn in ein Duett (das "Miserere" aus Verdis Oper Il trovatore). Völlig überraschend stellt der Polizist die Sängerin mit seiner Stimme weit in den Schatten - es handelt sich um den Opernsänger Jan Peerce in einem Cameoauftritt. Und auch hier ist es wieder das komische Understatement, das die Sequenz zum Leuchten bringt.
Daneben wirkt Donald O'Connors exaltiertes Gehampel völlig unpassend und wird leicht unangenehm als das erkennbar, was es ist: Als Konzession an den Massengeschmack.

Fazit: Something in the Wind ist wohl tatsächlich nicht Deanna Durbins bester Film. Doch ihre charismatische Ausstrahlung trägt ihn über seine zahlreichen Schwachstellen hinweg - ein Grund, mir weitere Durbin-Streifen vorzunehmen. Zwei wirklich gelungene Sequenzen und einige Nebendarstellerinnen und -Darsteller (Jean Adair, Margaret Wycherly und  Charles Winninger) machen den Film trotz seiner Schwächen zu einem ganz unterhaltsamen und streckenweise amüsanten Erlebnis.



Im deutschsprachigen Raum war Something in the Wind leider nie zu sehen. Deshalb hier der Link (englische Originalversion).


Donnerstag, 20. April 2023

A Family Affair (1937)


Originaltitel: A Family Affair
Regie: George B. Seitz
Drehbuch: Kay Van Riper nach einem Theaterstück von Aurania Rouverol
Mit Lionel Barrymore, Cecilia Parker, Eric Linden, Mickey Rooney, Spring Byington, Charley Grapewin u.a.

Dieses sympathische Kleinstadtdrama um einen Richter und seine Familie bildete den Auftakt der in den USA bekannten und beliebten Andy-Hardy-Serie – obwohl eine Serie zunächst gar nicht beabsichtigt war. Doch der Film von George B. Seitz erwies sich als ein solcher Erfolg, dass MGM im selben Jahr schnell ein ebenso erfolgreiches Follow-up herstellte - was bis in die 1950er-Jahre zu 14 weiteren Andy Hardy-Fortsetzungen führte.
Im Mittelpunkt von „A Family Affair“ steht noch nicht Mickey Rooney in seiner Paraderolle als Teenager Andy Hardy, sondern Lionel Barrymore als dessen Vater - eine Rolle, die schon beim nächsten Film Lewis Stone übernahm, da Barrymore krankheitsbedingt ausfiel (ab 1938 konnte er kaum mehr gehen und war fortan nur noch in Rollstuhl-Rollen zu sehen).
Es ist immer eine Freude, einem der Barrymores bei der Arbeit zuzusehen, aber Seitz' Film ist aus mehreren weiteren Gründen ein Leckerbissen - einer davon ist Auriana Rouverols Stück, das den Film inspirierte, ein anderer die Nebendarsteller (einschließlich Arthur Housman als Säufer) und der capra-artige Touch.
Nett!

Im Deutschsprachigen Raum war A Family Affair leider nie zu sehen. Deshalb hier der Link (englische Originalversion).

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Durchwachsen I: Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte (The Adventures of Ichabod and Mr. Toad, 1949)
Der letzte von Disneys Kompilationsfilmen (die sich aus zwei oder mehr Segmenten zusammensetzen und mit denen sich sein Studion in den Kriegsjahren über Wasser halten konnte). Der Film präsentiert zwei Geschichten, die absolut gar nicht zusammenpassen und der deshalb gemischte Gefühle hinterlässt. Das an Kenneth Grahams Kinderbuch angelehnte erste Segment um den unvernünftigen Thaddeus Kröte ist schlichtweg brilliant und in sich stimmig, während das zweite um den Dorflehrer Ichabod Crane (nach Washington Irwing) als uneinheitlicher, leicht verstörender Mix aus Farce und Horrorgeschichte daherkommt; mit seinen durchs Band unsympathischen Hauptfiguren lässt einen dieser Teil weitgehend kalt.
Tricktechnisch ist das Ganze auf höchstem Niveau, und wer das zu schätzen weiss, wird durchaus seine Freude an dem Streifen haben.

Durchwachsen II: Man nennt mich Hondo (Hondo, 1953)
John Wayne als Halbblut Hondo Lane, Meldereiter der Armee, beschützt eine Witwe (Geraldine Page) und deren Söhnchen, die mitten im Gebiet kriegerisch gesinnter Apachen leben.
Hondo gilt als einer der besten Rollen des "Duke", doch der Film krankt an seiner auf 3D ausgerichteten Dramaturgie, welche die Effekte in den Vordergrund stellt und die Figuren daneben eher stiefmütterlich behandelt.

Samstag, 25. März 2023

Dornröschen (Sleeping Beauty, 1959)


Walt Disney Produktion
Supervising Director: Clyde Geronimi
Mit den Stimmen von Mary Costa, Bill Shirley, Eleanor Audley, Verna Felton, Barbara Luddy, Barbara Jo Allen u.a.

Sleeping Beauty war der letzte Märchenfilm unter Walt Disneys Aegide. Das Studio arbeitete acht Jahre daran. Der frühere Trickzeichner Clyde Geromini, der schon seit den frühen 50er-Jahren für Disneys Langfilme Regie führte (Cinderella, Peter Pan, Alice in Wonderland), koordinierte die verschiedenen am Film beteiligten Abteilungen. Doch wie immer hielt Meister Disney selbst im Hintergrund die Fäden in der Hand und achtete penibel darauf, dass der Film nach seinen Vorstellungen gefertigt wurde. Disneys Perfektionismus führte dazu, dass die Sequenz, in welcher Prinzessin Aurora den Prinzen zum ersten Mal trifft, vier Mal von Grund auf neu begonnen werden musste, was das Studio gemäss Berichten beinahe in den Ruin trieb.

Disneys Hartnäckigkeit hatte sich - wie immer - gelohnt: Sleeping Beauty ist auf allen Ebenen von einer Schönheit und Perfektion, wie man sie im heutigen Animationsfilm kaum mehr findet. Für das künstlerische Design engagierte Disney den Künstler Eyvind Earle, der Sleeping Beauty einen Look verpasste, wie man ihn bislang in keinem Disneyfilm gesehen hatte.
Alles passt perfekt zusammen, das Art Design, die Musik (nach Tschaikowsky), die herausragende Animation, die einfallsreich gezeichneten Figuren. Obwohl Sleeping Beauty immer als zweitrangiges Disney-Werk angesehen wurde, war ich von dessen effektiver Qualität positiv überrascht. Es gibt keine tote Minute darin, sogar die beiden Liebenden wirken lebendig und sympathisch - und die oben erwähnte schwierige Sequenz, in der die Prinzessin ihrem Prinzen zum ersten Mal begegnet, ist ein Lehrstück an filmischer Erzählkunst. Sie ist so bezaubernd und erfrischend, dass man sie getrost als beste Szene des ganzen Films und als einen Highlight in Disneys Werk bezeichnen kann.

Dornröschen lässt sich im deutschsprachigen Raum problemlos im Stream oder auf Blu-ray/DVD finden.

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Leider flach: Last Vegas (2013)
Morgan Freeman, Michael Douglas, Robert DeNiro, Kevin Kline und Mary Steenburgen: Ein hochkarätiges Quintett - in einem mittelmässigen Film.
Vier Jugendfreunde kommen nach Jahren wieder zusammen, um eine Jungesellenparty zu feiern. Billy (Michael Douglas), der erfolgreichste des Quartetts, heiratet in Las Vegas seine viel jüngere Freundin. Alte Querelen flackern wieder auf, das Altwerden wird thematisiert und eine bejahrte Clubsängerin (Mary Steenburgen) verdreht zweien von ihnen den Kopf.
Man schaut dank der tollen Schauspieler gerne zu, doch eigentlich ist die Besetzung Perlen vor die Säue geworfen, denn Dan Fogelmans Drehbuch kommt nach einem gelungenen Start einfach nicht in die Gänge und mäandert von einer Platitüde zur nächsten.

Schön, aber..
. Ein liebenswerter Schatten (Follow Me! 1972)
Regie: Carol Reed, Drehbuch: Peter Shaffer - was kann da schiefgehen? Tja, leider... Hier gilt das umgekehrte wie oben: Tolles Drehbuch, solide Regie, aber ein schlechter Hauptdarsteller, der derart stört, dass man den Film nicht so richtig geniessen kann.
Der damals unbegreiflicherweise gefeierte israelische Schauspieler Chaim Topol tritt hier als einen Privatdetektiv auf, der die Gattin (Mia Farrow) eines eifersüchtigen Anwaltes (Michael Jayston) beschatten muss und sich auf Distanz in sie verliebt. Sein Schauspiel ist einfach nur schlecht und weil er im Zentrum steht, ruiniert er einen Film, der das Zeug zum Klassiker gehabt hätte. Farrow und Jayston geben ihr Bestes, doch leider hilft das auch nichts mehr.
Ich hatte mich schon über Topols Ruhm gewundert, als ich mir das gefeierte Musical Anatevka mit ihm angeschaut hatte...


Donnerstag, 2. Februar 2023

Frühstück bei Tiffany (1961)

 
Originaltitel: Breakfast at Tiffany's
Regie: Blake Edwards
Drehbuch: George Axelrod
Mit Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal, Buddy Ebsen, Mickey Rooney, Martin Balsam u.a.

Wieder so ein berühmter Film, der bei mir nicht ankommt wie erwartet. Obwohl er von Regisseur Blake Edwards stammt und dieser in der Regel meinen hohen Ansprüchen genügt. Die Krux bei der Sache liegt im Drehbuch - oder müsste man sagen: beim  Drehbuchautor? George Axelrod ist mir schon öfter als uninspiriert-richtungsloser Filmautor aufgefallen.

Entsprechend fallen Charaktere und Handlung auch hier flach, wo doch zu deren Verständnis Vertiefung angesagt wäre. Die Motive und Handlungsweisen der Hauptfigur, des Escortgirls Holly Golightly (Hepburn), sind nie ganz klar, ebensowenig wie ihr Hintergrund. Der neue Mieter, der sich mit ihr anfreundet, Schriftsteller Paul Varjak (Peppard) ist farblos. Dessen Freundin ebenso, und der japanische Nachbar (Mickey Rooney), ist nur komödiantische Dekoration. Nichts führt irgendwohin. 

Wettgemacht wird die Leere mit Augenfutter: Exquisite Kostüme, eine herrliche Farbdramaturgie und einige komödiantisch gelungene Strecken (Regisseur Edwards Stärke).
So wird Breakfast at Tiffany's nie wirklich langweilig, aber er gibt auch nicht viel her.
Auch hier stellt sich mir wieder einmal die Frage: Weshalb wird dieser Film derart abgefeiert?


Bernhard und Bianca - Die Mäusepolizei (The Rescuers, 1977)

Regie: Art Stevens, John Lounsbery, Wolfgang Reitherman Drehbuch: Ken Anderson, Larry Clemmens, frank Thomas u.a. Stimmen von Eva Gabor, Bo...