Sonntag, 31. Dezember 2023

Meister des Gelächters, Folge 4: Loose Change (1928)

 

 

Jack Duffy in Loose Change (1928)

Jack Duffys Markenzeichen war der "zahnlose Opa mit dem Ziegenbärtchen". Obwohl er bei den Filmaufnahmen zu dieser Klamotte erst 46 war, sieht er dank Maske und Gummigesicht aus wie ein Achzigjähriger, was seine physische Komik erheblich erhöht.

Hier tritt er als der reicher (und natürlich geizige) Onkel aus Schottland auf, der seiner New Yorker Verwandtschaft einen Besuch abstattet. Die verheiratete Dame des Hauses versucht ihn zu bezirzen, da sie das grosse Geld wittert. Als deren Ehemann nach Hause kommt, entsteht eine turbulente Verfolgungsjagd durchs ganze Haus.

Es dauert etwas, bis die Chose in die Gänge kommt, es fehlt dem Film auch deutlich an der Ausgefeiltheit der grossen Stummfilmkomiker, aber Duffys Persönlichkeit trägt den Film.

Viel Spass beim Ansehen!



Samstag, 23. Dezember 2023

Wir sind keine Engel (We're no Angels, 1955)

 
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Ranald MacDougall

Mit Humphrey Bogart, Peter Ustinov, Aldo Ray, Leo G. Carroll, Basil Rathbone, Joan Bennett u.a.

Noch ein Weihnachtsfilm...

Wenn ein Theaterstück verfilmt wird, macht sich das für die Zuschauer meist folgendermassen bemerkbar: Die Handlungsschauplätze sind limitiert, grössere Zeitsprünge finden nicht statt und alles wirkt somit ein bisschen statisch.
Damit das im Film, der gemeinhin viel grössere dramaturgische Möglichkeiten und Freiheiten hat, nicht negativ ins Gewicht fällt, hängt das Gelingen einer Uebersetzung ins Kino an der Wahl der richtigen Schauspielerinnen und Schauspieler und an einem Regiekonzept, welches die Limitierung im Räumlichen vergessen machen kann.
Paradebeispiel für eine gelungene Theaterverfilmung ist Frank Capras Arsen und Spitzenhäubchen. Ohne diese Schauspielertruppe und ohne die fantasievolle Einbeziehung des Räumlichen wäre der Film wohl nur halb so gut.

Dasselbe lässt sich über Michael Curtiz' Weihnachtskomödie Wir sind keine Engel sagen. Die Theatervorlage ist grandios; sie stammt aus dem Jahr 1952 und aus der Feder des französischen Autors Albert Husson; das Stück wurde ein Jahr nach seinem Erscheinen von Samuel und Bella Spewack ins Englische übertragen und wurde in dieser Fassung zum Broadway-Hit. Es hat eine erstklassige Leinwandumsetzung verdient - und sie auch bekommen.

Obwohl die Handlung fast ausschliesslich auf eine Wohnung, das Domizil des Kolonialwarenverkäufers Felix Ducotel beschränkt ist, schaffen Curtiz und seine Crew daraus einen Vorteil, indem sie es räumlich grosszügig gestalten und mit zahlreichen kleineren und grösseren Handlungsschauplätzen versehen (der mit allerlei Besonderheiten ausgerüstete Laden, das zu reparierende Dach, die Buchhaltungs-Ecke, der Garten, die verschiedenen Zimmer), zwischen denen sich die Handlung hin und her bewegt.

Mittendrin: Humphrey Bogart, Peter Ustinov, Aldo Ray,  Leo G. Carroll, Basil Rathbone, Joan Bennett und andere, jeder und jede perfekt besetzt. Dazu kommt: Die Darsteller sind allesamt charismatische Persönlichkeiten und die Chemie unter ihnen stimmt; vor allem Bogart und Ustinov bilden ein ungleiches, aber umwerfendes Paar; ihre Kombination erscheint unmöglich, trotzdem harmonieren sie. Der heute völlig vergessene Aldo Ray fügt sich als dritter unauffällig aber perfekt in das Gaunertrio ein.

Joseph, Julius und Albert (Bogart, Ustinov und Ray) sind drei ausgebrochene Sträflinge, die am Weihnachtsabend auf eine Gelegenheit lauern, sich per Schiff von dannen zu machen und ein neues Leben anzufangen. Zu diesem Zweck brauchen sie Geld, das sie in der Hafenstadt zu klauen gedenken.
So gelangen sie in das Haus des
unglückseligen Kolonialwarenhändlers Felix Ducotel (Leo G. Carroll), der als Raub- und Mordopfer immer weniger in Frage kommt, je länger die drei Flüchtlinge bei ihm weilen und die sich anbahnenden Dramen in seinem Haus beobachten: Der Besuch des despotischen Cousins André (Ratbone) steht ins Haus, der Ducotels Tochter einer Geldheirat opfern und den gutherzigen Felix aus dem Geschäft schmeissen will.
Das immer weichherziger werdende Trio beschliesst, einzugreifen - und am Ende des Films ist nicht nur das Dach wiederhergestellt.

Die wundersame Menschwerdung der Bösewichte wird von den drei Hauptdarstellern mit einer umwerfenden Mischung aus augenzwinkernden Kaltschnäuzigkeit und diebischer Freude verblüffend glaubwürdig gemacht. Mit weniger gut gewählten Hauptdarstellern wäre der Film an dieser Hürde gescheitert. Bogart, Ustinov und Ray machen ein Fest daraus; Ustinov chargiert lustvoll und Bogart nutzt sein Böser-Bube-Image, indem er seine Figur darauf abstützt und es gleichzeitig augenzwinkernd unterläuft.

We're no Angels ist ein Fest von Anfang bis Ende, nicht zuletzt auch dank der köstlichen Dialoge der Bühnenvorlage. Alles fügt sich harmonisch zusammen zu einer perfekten Hollywood-Komödie.
Sie reicht zwar nicht an Frank Capras It's a Wonderful Life heran - das schafft eh' kein anderer Weihnachtsfilm - doch Curtiz Werk kommt ihm doch recht nahe.
Für mich ist We're no Angels eine hervorragende Alternative, wenn ich vom Capra-Klassiker mal eine Pause brauche.

Fazit: Spielt als Weihnachtsklassiker in einer ähnlichen Kategorie wie Ist das Leben nicht schön? und Das Wunder der 34.Strasse.
- Regie: Hervorragend subtil
- Schauspiel: Eine absolut sehenswerte schauspielerische Ensembleleistung 
- Plot: Weihnachtlich-unglaubwürdig, aber herrlich witzig und unterhaltsam

- Unterhaltungswert: Hoch

- Wiederschau-Wahrscheinlichkeit: Sehr hoch

Der Film ist im Streaming-Angebot verschiedener Dienste - Details siehe hier.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Dienstag, 19. Dezember 2023

Santa & Co - Wer rettet Weihnachten (Santa & Cie, 2017)


Regie & Drehbuch: Alain Chabat
Mit Alain Chabat,
Pio Marmaï, Golshifteh Farahani, Audrey Tautou u.a.

Nun habe ich doch noch einen Weihnachtsfilm angeschaut, diesmal eine französische Produktion; diese baut auf der US-Santa-Tradition auf, die sich offenbar inzwischen überall als die Allgemeingültige durchgesetzt hat - der ab 1968 inflationär gebrauchte Ausdruck "Kulturimperialismus" passt tatsächlich auf das, was da passiert ist.

Alain Chabat heisst der Kopf hinter dieser halbwegs geglückten Sache - er spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern schrieb auch das Drehbuch und führte Regie.
Das kommt mir ein wenig so vor wie die Restaurants, deren Speisekarte zu viele verschiedene Gerichte führen - das Essen dort ist ok, aber nie wirklich gut. Über Santa & Cie (dt.: Santa & Co - Wer rettet Weihnachten) lässt sich Ähnliches sagen: Der Film ist ok.

Es gibt viele gute Ansätze, einige wunderbare und sehr schön umgesetzte Einfälle, doch insgesamt hat dieser Weihnachtsfilm zu vieles auf der Speisekarte, es passt nicht alles unter einen Hut. So fand ich die wiederholten Zugeständnisse an den Zeitgeist, an den vermeintlichen Publikumsgeschmack und den permanenten Genremix als störend und bisweilen regelrecht ärgerlich, weil damit der zugrundeliegende subtil-ironische Unterton des Films streckenweise und regelmässig mit gröberem Geschütz unterlaufen oder zugedröhnt wird.
Ironischen Spitzen gegen den modernen Lifestyle, die Kindererziehung und die gesellschaftliche Gleichgültigkeit sind vorhanden, aber nur so, dass sie niemandem wirklich weh tun.

Das ist wohl ein Folge der gegenwärtigen Kino-Misere: Damit ein Film überhaupt produziert wird, muss er möglichst viele Geschmäcker treffen. Diesen Mechanismus gab es zwar immer schon, aber in den vergangenen 50 Jahren war dies nie so stark zu spüren wie heute.

Es gibt über Santa & Cie aber auch Gutes zu berichten: Die Ausgangslage ist originell: Santa's Ober-Elf wird krank, und weil sämtliche anderen 92'000 Elfe Klone von ihm sind, kippen sie zu Zehntausenden gleichzeitig aus den Latschen und fallen reihenweise um wie Dominosteine. Wanda, Santas Lebensgefährtin (Audrey Tautou), findet heraus, dass Vitamin C das einzige Gegenmittel ist. Da es dies nur in der Menschenwelt gibt, muss Santa drei Tage vor Weihnachten dorthin und 92'000 Dosen des Medikaments auftreiben.
Er reist mit seinem Rentierschlitten nach Paris um Weihnachten zu retten - und kommt dort buchstäblich "auf die Welt"...

Es gibt immer wieder sehr originelle und witzige Wendungen - nicht selten kommen diese, kurz nachdem der Film anfängt durchzuhängen und tragen Santa & Cie bis zum nächsten Hänger; so wird das Ganze nie wirklich langweilig - aber eben auch nie wirklich toll.

Fazit:
- Regie: Solide, durchschnittlich
- Schauspiel: Alain Chabat ist wunderbar als Weihnachtsmann, der Rest der Crew spielt gut, bleibt aber nicht haften
- Plot: Streckenweise originell, streckenweise öde
- Unterhaltungswert: Durchaus vorhanden
- Wiederschau-Wahrscheinlichkeit: Nicht sehr gross

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Den Film gibt's bei mehreren Anbietern im Stream - siehe hier.

Samstag, 16. Dezember 2023

Meister des Gelächters, Folge 3: Golfspieler im Morast


Heute:
Stan Laurel & Oliver Hardy
in Should Married Men go Home? (dt.: Golfspieler im Morast, 1928).

Ein Film aus der Stummfilmzeit von Stan & Ollie; er gehört zu ihren weniger bekannten Werken - dies, obwohl ihre Charaktere zu dieser Zeit bereits voll ausgebildet waren und schon alle Ingredienzien ihrer Komik vorhanden sind. Einzig ihre typischen Kostüme fehlen - vielleicht ist das der Grund.
Einige Sequenzen, die späteren Filmen wiederverwendet wurden, erscheinen hier zum ersten Mal. Und Edgar Kennedy (siehe letzte Ausgabe von MDG) ist auch mit dabei.
Der Film wurde damals als Episode von Väter der Klamotte vom ZDF unter dem Titel "Golfspieler im Morast" ausgestrahlt

Viel Spass!

 




Dienstag, 12. Dezember 2023

Wonka (2023)



Regie: Paul King
Drehbuch: Paul King und Simon Farnaby
Mit Timothée Chalamet, Calah Lane, Olivia Colman, Hugh Grant, Tom Davis, Keegan-Michael Key u.a.

Nach den beiden Paddington-Filmen hatte ich mir fest vorgenommen, das weitere Schaffen des Regisseurs Paul King zu verfolgen.
Nach Wonka tendiere ich dazu, den Vorsatz aufzugeben.

Hier zeigt sich nun, dass ein guter Teil des Charmes von Paddington 1 & 2 von Michael Bonds charmanter Vorlage her rührte. Wonka hingegen besitzt keinerlei Charme, obwohl dieselben Drehbuchautoren am Werk waren.
Wonka klotzt; mit CGI-Effekten und einem Zuviel an vermeintlich publikumswirksamen Ingredienzien wie Diversity, Musicalnummern, Retrolook, Action, Schnulz-Elementen, Starpower und "Humor".
Zu einem runden Ganzen kommt das nicht zusammen. Im Gegenteil!

Es gibt einige tolle Einfälle, die Kings Talent durchscheinen lassen. Doch der Grossteil des Films wirkt so konzeptlos, als hätten mindestens vier Studioverantwortliche ständig 'reingeredet, sich gegenseitig widersprochen und auf Änderungen gepocht.
Es gibt mehrere überflüssige Sequenzen, die man ersatzlos hätte streichen können, wie etwa das Melken der Giraffe oder die Szenen um die Flugschoki. Da musste wohl auf Biegen und Brechen noch mehr CGI eingefügt werden.

Hinzu kommt das notorische und nervtötende "komische" Overacting der supporting stars: Olivia Colman, Matt Lucas, Tom Davis und Paterson Joseph spielen, als stünden sie auf der Bühne eines riesigen Theaters und müssten die hinterste Zuschauerreihe mit ihrem Grimassieren erreichen.
Dem gegenüber steht Hugh Grant, der das Gegenteil praktiziert: Schauspielerisches Understatement. Das ist zwar wohltuend, verstärkt aber nur den Eindruck von Konzeptlosigkeit.

Und dann der Plot, der irgendwie auf Magie baut (Willie Wonka kann einfach alles, auch Schokolade aus Ingredienzien herstellen, die er gar nicht hat); das wirkt für Uneingeweihte der Originalgeschichte einfach nur billig. Alles klappt irgendwie, richtet sich und wird gut.

Der Leitsatz des Films - "Alles Gute hat mit einem Traum begonnen" - ist in seiner weltfremden Doofheit kaum zu überbieten. Aber er bildet das Motto dieses Streifens.
Auch das Sovjetreich, die DDR und der derzeitige Wirtschaftszusammenbruch Deutschlands begannen mit einem Traum vom Guten.

Fazit: Ein seelenloses Spektakel. Für mich der schlechteste Film, den ich bisher in diesem Jahr gesehen habe.

- Regie: Konzeptlos, gesichtslos mit einigen wenigen lichten Momenten
- Schauspiel: Hugh Grant brilliert; der Rest nervt, besonders Timothée Chalamet
- Plot: Chaotisch, uninspiriert
- Tiefe: Keine
- Unterhaltungswert: Dank Dauerbombardement und einem musikalischen roten Faden wird's immerhin nicht langweilig
- Wiederschau-Wahrscheinlichkeit: Nein danke

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Wonka läuft zur Zeit in den Kinos.

 


 

Freitag, 8. Dezember 2023

Unternehmen Capricorn (Capricorn One, 1977)


Regie und Drehbuch: Peter Hyams
Mit Elliott Gould, James Brolin, Hal Holbrook, Brenda Vaccaro, Telly Savalas, O.J. Simpson, Sam Waterston u.a.

Weihnachten steht vor der Tür - und ich habe noch keinen einzigen Weihnachtsfilm geschaut.
Da jetzt in vielen Blogs Weihnachtsfilme rezensiert werden, dachte ich mir dass es doch nett wäre, über was ganz anderes zu schreiben.
Und so kommt hier und heute ein Science-Fiction-Streifen aus den 70er-Jahren zur Sprache,
dem eine Verschwörungs-Story zugrunde liegt.

Kurz vor dem Start von „Capricorn One“, dem ersten bemannten Marsflug, finden die verantwortlichen Techniker heraus, dass die Lebenserhaltungssysteme der Rakete nicht richtig funktionieren. Ein Abbruch des Unternehmens kommt nicht in Frage, er wäre der Todesstoss für das von der Politik ohnehin stiefmütterlich behandelte Raumfahrtprogramm. Was also tun?
Die NASA greift zu einem einem Trick, der sowohl das Leben der drei Astronauten als auch den weiteren Geldzufluss an die Weltraumbehörden sichern soll.

Doch der Trick droht aufzufliegen - und nun stellt sich die Frage: Was ist wichtiger – das Leben der Astronauten oder der Geldfluss?
Da wir es hier mit einem echten Conspiracy-Thriller zu tun haben, ist die Antwort schnell klar.

„Capricorn One“ ist ein hervorragend geschriebener und inszenierter Film (Regie und Drehbuch: Peter Hyams), der mit immer neuen Wendungen für permanente Spannung sorgt und so dicht gewoben ist, dass man die paar Logiklöcher gar nicht bemerkt. Und der mehr Spass macht, wenn vom Inhalt möglichst nichts verraten wird.
Zudem wartet er mit einem Flugzeug-Stunt ohne Netz und doppelten Boden auf, der wohl zu den spektakulärsten der Filmgeschichte gehört.

Fazit: Ein Film, der so richtig Spass macht, weil er dank gekonnter Spannungsdramaturgie und einer interessanten Story zu fesseln weiss.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Der Film ist im Stream leider nicht zu finden, doch gibt es eine deutschsprachige Blu-ray und eine DVD zu kaufen. 

 

Donnerstag, 7. Dezember 2023

Meister des Gelächters, Folge 2: Die fliegenden Torten


Heute:
Edgar Kennedy
in Die fliegenden Torten (1933 & 1941).

Edgar Kennedy war ein zur Frühzeit des Kinos bekannter Komiker, der in vielen Laurel & Hardy-Filmen mitgespielt hatte. Kaum bekannt ist, dass er ab Anfang der Dreissigerjahre selbst eine eigene, langlebige Slapstick-Kurzfilm-Serie ("The Average Man") hatte.
Zwei Filme aus dieser Serie wurden 1984 als hunderachtzigste Folge von Väter der Klamotte ausgestrahlt - unter dem Titel "Die fliegenden Torten".

Viel Spass!







Samstag, 2. Dezember 2023

Mein Vetter Vinnie (My Cousin Vinnie, 1992)


Regie: Jonathan Lynn
Drehbuch: Dale Launer
Mit Joe Pesci, Marisa Tomei, Ralph Macchio, Fred Gwynne, Mitchell Whitfield u.a.

Zwei junge Freunde auf Achse werden in einem texanischen Kleinstädtchen auf der Durchreise eines Mordes beschuldigt, den sie definitiv nicht begangen haben. Es soll ihnen der Prozess gemacht werden, es gibt Zeugenaussagen gegen sie und deshalb sind ihre Chancen eigentlich gleich null.
Doch Hilfe naht in Form eines Cousins aus Brooklyn, der mal Jura studiert haben soll. Dieser Cousin, Vinny (Joe Pesci), ein nerviger Prolo-Typ, reist promt an, mit seiner naseweisen Freundin Mona Lisa (Marisa Tomei) im Schlepptau. Vor Gericht erweist Vinny sich als heillose Niete, die noch kein Gerichtsgebäude je von innen gesehen hat.
Doch weil der Film eine Komödie ist, lernt Vinny schnell dazu und hat mit seinen seltsamen Methoden schliesslich Erfolg.

Ich hatte Jonathan Lynns Streifen damals im Kino gesehen und fand ihn recht gut. Bei der Zweitsichtung fielen mir vor allem die deutlichen Schwachstellen ins Auge: Ich erkläre den Regisseur hiermit für Schuldig (Einfallslosigkeit), eben so den Drehbuchautor (viele überflüssige Szenen, die alles unnötig in die Länge ziehen, Geschwätzigkeit, flache Charaktere, unglaubwürdige Wendungen) und ich bezichtige die Schauspieler der Mittelmässigkeit - allerdings mache ich zwei Ausnahmen: Marisa Tomei als vulgäre Grossstadtschnepfe ist zum Hinknien gut und auch Fred Gwynne (vielen bekannt als Herman aus der Serie "The Munsters") in seiner letzten Rolle als strenger Richter ist herrlich, weil er so schön dick aufträgt und damit ein Fest aus seiner Rolle macht.

Insgesamt ein enttäuschendes Wiedersehen, mit zwei schauspielerischen Highlights und einer Geschichte, die gegen Ende hin dann doch noch etwas Fahrt aufnimmt.
Aber sonst: Leider nix Besonders....

Wer ihn sich trotzdem ansehen will: Er ist bei verschiedenen Anbietern im Stream verfügbar.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Donnerstag, 30. November 2023

Meister des Gelächters, Folge 1: Der Sträfling im Frack

 

 

Willkommen zur ersten Folge von "Meister des Glächters"!
Hier gibt es jeden Freitag einen oder mehrere Slapstick-Filme von Anno Dazumal zu sehen (Video siehe unten).

Inspiriert wurde ich zu dieser Serie durch eine Sendung, welche das ZDF in den Siebzigerjahren ausstrahlte. Sie hiess Väter der Klamotte und stellte wöchentlich einen Slapstick-Komödianten des Stummfilms ins Zentrum - neben bekannten Gesichtern wie Stan Laurel, Oliver Hardy, Buster Keaton oder Harold Lloyd kamen auch vergessene Komiker wie Charley Chase, Snub Pollard oder Al St.John zum Zug. Heute sind sie alle praktisch vergessen.

Ich würde mich freuen, mit dieser Serie ein paar Leute für die vergessene Kunst des Slapstick gewinnen zu können.

Den Anfang macht der bekannteste von allen:
Charlie Chaplin
in The Adventurer (dt.: Der Abenteurer)
Der Film wurde vor 103 Jahren gedreht und ist heute noch so frisch ist wie im Jahr 1917, als er das Publikum begeisterte.
Der Film spricht für sich und kann auch ohne Englischkenntnisse genossen werden.

Also - lehnt Euch für 25 Minuten zurück und taucht ein in die wilde, rasante, unglaublich komische Welt des Slapstick!
Viel Spass!

Ach - und ich freue mich über Kommentare, Vorschläge oder Kritiken! Danke! 

 

Montag, 27. November 2023

Stimme am Telefon (The Slender Thread, 1965)


Regie: Sydney Pollack
Drehbuch: Stirling Silliphant und Shana Alexander
Mit
Sidney Poitier, Anne Bancroft, Telly Savalas, Steven Hill, Edward Asner u.a.

Der Freiwillige Alan (Sidney Poitier) arbeitet eines Abends allein in Dr. Coburns Krisenzentrum, als er einen Anruf einer offensichtlich selbstmordgefährdeten Frau (Anne Bancroft) erhält. Im Lauf des Gesprächs stellt sich heraus, dass sie bereits eine lebensgefährliche Dosis Barbiturate geschluckt hat und nun auf den Tod wartet. Bloss: wo?
Da sie ihren Aufenthaltsort nicht preisgibt, setzt Alan alles in Bewegung, sie zu finden: Die Telefongesellschaft, die Polizei, die Feuerwehr.
Ein Wettlauf mit dem Tod beginnt.

Es ist nichts Neues, was uns Regisseur Sydney Pollack (in seinem weitgehend vergessenen Erstlingsfilm) und Autor Stirling Silliphant hier kredenzen - spannend ist eine solche Geschichte aber immer wieder.
Allerdings verlangsamen die wiederholten und extensiven Rückblenden auf die letzten paar Tage der Selbstmordkandidatin immer wieder den Spannungsaufbau; zudem verhalten sich die Menschen, die in der Rückblende auftauchen, nicht immer glaubhaft.

Beides beraubt den Streifen seiner Intensität, die in der Haupthandlung durchaus präsent ist und dort auch immer wieder voll aufflammt: Zwei Menschen, ein Zimmer - das reicht aus, wenn die Schauspieler gut sind. Und das sind sie hier, keine Frage.

Dank Sidney Poitier und Anne Bancroft lohnt sich der Film! Das intensive Spiel der beiden nagelt einen am Bildschirm fest. Auch die wichtigen Nebendarsteller, Telly Savalas (in einer beinah stummen Rolle) und Steven Hill (als Ehemann der Selbstmordkandidatin) tragen Wesentliches zur Glaubwürdigkeit und zum Spannungsaufbau bei.

Wer hervorragende schauspielerische Leistungen mag, sollte sich "Stimme am Telefon", so der deutsche Titel, ansehen; auch wenn der Film an sich nicht ganz überzeugt.
Leider gibt es ihn hierzulande weder im Stream noch auf Blu-ray/DVD.
Hier eine Möglichkeit, ihn zu sehen - allerdings nur in der englischen Originalfassung, dafür ohne Gebühren und Werbung.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Freitag, 24. November 2023

Jede Menge Ärger (Big Trouble, 2002)


Regie: Barry Sonnenfeld
Drehbuch: Robert Ramsey und Matthew Stone
Mit Tim Allen,
Dennis Farina, Ben Foster, Janeane Garofalo, Rene Russo, Tom Sizemore, Stanley Tucci u.a.

Dieser Film wird m.E. völlig unterschätzt!
In vielen Reviews findet sich der Satz "Verglichen mit anderen Filmen von Barry Sonnenfeld..."
Da kann ich halt nicht mitreden; ich kenne nur die "Adams Family" aus dem 90er-Jahren, und der hat mir bedeutend weniger gut gefallen als "Big Trouble".

"Big Trouble" ist eine irre Gaunerkomödie die von ihrem Dead-Pan-Understatement lebt, die mit einer Traumbesetzung, zahllosen Sprüchen zum Auswendiglernen und einer überdurchschnittlich hohen Gagdichte aufwartet.
Der Inhalt lässt sich kaum wiedergeben, denn der Plot teilt sich auf etwa 14 Hauptcharaktere auf und verwickelt sich im Lauf der Handlung immer extensiver, bis zur Unentwirrbarkeit.
Es gibt keine Hauptfigur und folglich auch keinen Hauptdarsteller.

Im Zentrum steht... hmmm... ein mysteriöser Koffer? Ein Mordplan? Ein Looser, der die Aufmerksamkeit seines Sohnes sucht? Schwer zu sagen, aber eigentlich völlig unwichtig.
So chaotisch das Ganze wirkt, der Handlungsverlauf ist vom Drehbuch so gut geplant und von Regisseur so geschickt orchestriert, dass man den Überblick trotz aller immer wieder neu auftauchenden Figuren und Handlungselemente immer behält.

"Big Trouble" hat zumindest mir riesengrossen Spass gemacht. Ich mag Gaunerkomödien mit lauter unterbelichteten Gaunern, unterbelichteten Polizisten und unterbelichteten Opfern.
Ein Film, den ich bestimmt wieder anschauen werde - da steckt zu Vieles drin, was man beim ersten Mal nicht mitkriegt.

Big Trouble ist unter dem deutschen Titel "Jede Menge Ärger" bei verschiedenen Streaming-Diensten abrufbar.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. Doch Achtung: Auch hier können Perlen dabei sein!
Wer sich näher über die einzelnen Werke informieren möchte, möge auf den jeweiligen Link klicken, der zur englischsprachigen Internet Movie Database führt.

Kill the Boss ( Horrible Bosses, 2011)
Eindimensional, vulgär, unglaubwürdig... Eigentlich dürfte diese Komödie nicht funktionieren.
Und doch tut sie's! Und das liegt an den zahlreichen glänzenden komödiantischen Einfällen, schrägen Situationen und dem wunderbar harmonierenden Komödianten-Trio Bateman, Sudeikis und Day.
Und dank filmhistorischen Anspielungen springen für Cinèasten zahlreiche Bonus-Lacher 'raus.
"Horrible Bosses" ist Hollywood-Meterware, unterhält aber doch ganz passabel.

Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Die Goonies (The Goonies, 1985)
In den Achtzigerjahren produzierte Steven Spielberg eine aufsehenerregende Reihe von aufeinanderfolgenden Fantasy-Knüllern (Poltergeist, E.T., Twilight Zone, Gremlins, Zurück in die Zukunft, Young Sherlock Holmes - und The Goonies).
Letzteren fand ich damals den Schwächsten von allen (knapp vor den Gremlins); fast vierzig Jahre nach der letzten Sichtung (im Kino) wollte ich die Goonies mal wieder sehen.
Mein Eindruck war überraschenderweise exakt derselbe: Eine krud zusammengeschusterte Abenteuergeschichte mit nervtötenden Kids, Figuren vom Reissbrett und null Charakterentwicklung.
Das Drehbuch ist holprig und die Regie wirkt überfordert (Richard Donner konnte wohl nicht so mit Kindern).
Einzig die Sets sind toll (und teuer), aber das reisst den Film für mich nicht 'raus.
Es passiert selten, dass ich nach sovielen Jahren einen Film gleich bewerte wie beim ersten Mal. Keine Ahnung, womit das zusammenhängt...
Mein Prädikat: Herausragend / sehenswert / kann man getrost sein lassen / schlecht

Bernhard und Bianca - Die Mäusepolizei (The Rescuers, 1977)

Regie: Art Stevens, John Lounsbery, Wolfgang Reitherman Drehbuch: Ken Anderson, Larry Clemmens, frank Thomas u.a. Stimmen von Eva Gabor, Bo...