Donnerstag, 26. Mai 2022

Der glücklichste Millionär (The Happiest Millionaire, 1967)

Regie: Norman Tokar
Drehbuch: AJ. Carrothers
Mit Fred MacMurray, Leslie Ann Warren, Greer Garson, Tommy Steele, Geraldine Page u.a.

Erneut kann ich mit einer Entdeckung aufwarten: The Happiest Millionaire, ein überlanges komödiantisches Musical um einen exzentrischen US-Millionär und dessen Familie, geriet kurz nach der Erstaufführung in Vergessenheit.
Der Film wurde aus mir unbekannten Gründen ein finanzieller Misserfolg, vielleicht weil er zu lang war (2 Stunden 45 Minuten), vielleicht weil er als der Nachfolger von Mary Poppins, als der er geplant war, übergrosse Erwartungen weckte...
Weshalb auch immer: Ich habe mich dabei so gut amüsiert wie schon lange nicht mehr mit einem Film und kann den Misserfolg nicht wirklich nachvollziehen. 

The Happiest Millionaire war der letzte life action film, dessen Produktion Walt Disney noch selbst überwachte, praktisch zeitgleich mit dem Zeichentrick-Hit The Jungle Book (die Premiere beider Filme erlebte der Meister nicht mehr). Disneys Handschrift ist deutlich spürbar, viele kleine Details und inszenatorische Ideen halten das Tempo, die Spannung, das Amüsement trotz der langen Spieldauer konstant aufrecht; es gibt keinen toten Punkt, keine langweilige Strecke, obwohl einige Episoden durchaus überflüssig sind und hätten gekürzt werden können. Ende der Sechzigerjahre waren Filme in Überlänge jedoch gerade in Mode und Disney und seine Leute gaben ihr Bestes - ich kenne kein anderes solches Werk, welches das Interesse derart lange aufrecht erhält wie dieses.
Da gibt es einen Bibelklub, in dem das Boxen trainiert wird, eine deftige Saloon-Prügelei, gefrorene Alligatoren, ein musikalisches Snob-Duell, nie gehörte Songs der fabulösen Gebrüder Richard M. und Robert B. Sherman (Mary Poppins, Das Dschungelbuch), viele schräge und unkonventionelle Einfälle und häufige Heiterkeits-Ausbrüche in Form von begeisternd choreografierten Sing- und Tanznummern.

Schauspielerisch weiss der Streifen mit Fred MacMurray, Leslie Ann Warren (in ihrer ersten Leinwandrolle) und Greer Garson, vor allem aber mit Geraldine Page und Gladys Cooper als alte High Society-Schlachtrösser zu punkten. Tommy Steele hingegen nervt wie üblich seiner dick aufgetragener "irishness" und seinem forcierten Dauergrinsen; immerhin fügt er sich einigermassen gut ins Ganze ein und verschwindet immer mal wieder für längere Zeit von der Bildfläche.

Ach ja, die Handlung.
Die Handlung?
Ist nicht so wichtig. Es geht um die Familie des unkonventionellen Millionärs Anthony Drexel Biddle (Fred MacMurray), dessen Tochter Cordelia (Leslie Ann Warren) sich verliebt und heiraten will. Im Mittelpunkt stehen aber Vater Anthony und seine exzentrischen Hobbies und die Launen und Wunderlichkeiten der High Society. Und der neue Butler (Tommy Steele), der die geplatzte Hochzeit am Ende mit etwas drastischen Methoden rettet.
Der Film folgt den Aufzeichnungen der echten Cordelia Drexel Biddle, welche die Geschichte ihrer verrückten Familie in Romanform veröffentlicht hatte.

The Happiest Millionaire mag von vielen Kritikern als "harmlos" bezeichnet werden - es gibt keinen Bösewicht, alles Negative löst sich stets in Minne auf - doch das Ganze ist derart mitreissend inszeniert und gespielt, dass diese Kritik absurd und an den Haaren herbeigezogen erscheint. The Happiest Millionaire macht Freude - und die lasse man sich von sauertöpfischen und destruktiv eingestellten Kritikern bloss nicht vermiesen. In Raten genossen - der Film lässt sich dank seiner Episodenhaftigkeit gut auf zwei bis drei Abende verteilen - ist The Happiest Millionaire Balsam für die Seele, ein gutes Gegengift gegen die medial konstruierte Mies- und Panikmache unserer Tage.
Dafür schmeisse ich sogar anerkannte Meisterwerke wie Paper Moon über Bord.

Der glücklichste Millionär ist bei uns weder auf Blu-ray noch auf DVD noch im Stream verfügbar.
In der englischen Sprachfassung kann er hier angeschaut werden - in voller Länge, Werbefrei und kostenlos.

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die in meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten:

Paper Moon (1973)
Ich will kein grosses Gewese um diesen ikonischen Film machen - die Idee, mich als der grosse Cinèast gebärden zu müssen, wie es das das Gros der bloggenden Filmfans tut, habe ich an den Nagel gehängt.
Paper Moon ist zweifellos ein herausragendes Werk; wie er mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln (damals noch ohne CGI!) das depressionsgeschüttelte Amerika der Dreissigerjahre auferstehen lässt, ist grandios. Die Frage ist: Was sollen wir hier in Europa damit anfangen? Viel Relevanz ist da nicht für uns. Und sonst ist Bogdanovichs wohl berühmtester Film leider zu wenig interessant. Um nicht zu sagen: Er zieht sich.
Der Anfang ist eine Bombe. Die halbe Stunde, welche die beiden Hauptdarsteller - Ryan und Tatum
O'Neal (Vater und Tocher im wirklichen Leben) - ganz für sich haben, ist göttlich! So gut spielen sie, so wunderbar sind ihre Charaktere und ihre Beziehung angelegt!
Leider kommen dann weitere Charaktere und mit ihnen Nebenhandlungen dazu, welche die Interaktion der beiden Hauptdarsteller unterbrechen und damit vom Wesentlichen ablenken. Beides, die neuen Charaktere und die Nebenhandlungen, sind zu schwach und bleiben Episodenhaft. Und das wird mit der Zeit ärgerlich: Die Nebenfiguren sind unsympathisch, drängen sich zu stark zwischen die beiden Hauptakteure, lösen deren wunderbare Chemie auf und ersetzen sie durch Gewöhnlichkeit. Schade!
Wieder ein Klassiker, der bei mir nicht wirklich zündet...

Auf der Jagd (U.S. Marshals, 1998)
Eine Art Fortsetzung des Harrison-Ford-Klassikers Auf der Flucht von 1993. Tommy Lee Jones tritt hier wieder als U.S. Marshal Sam Gerard auf, auch dessen Team wird von wieder denselben Schauspielern wie im ersten Film verkörpert.
Allerdings sieht dieser von Start Baird inszenierte Film eher wie ein Remake von Auf der Flucht denn wie eine Fortsetzung aus, ganze Handlungsversatzstücke wie der verunglückte Gefangenentransport und der flüchtende Unschuldige wurden übernommen und auf wesentlich tieferem Niveau abgehandelt.
Das Ganze ist zwar gut inszeniert und engagiert gespielt, wird aber dank der sich wiederholenden Handlungsversatzstücke extrem unglaubwürdig (wie gross ist die Chance, dass ein US-Marshall in seinem Leben gleich zwei derart spektakulär verunglückende Gefangenentransporte miterlebt und zwei ähnlich Unschuldige jagen muss?).
Unterhaltsam, aber unnötig.

The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt (The Lost City, 2022)
Sandra Bullock, Channing Tatum und Daniel Radcliffe auf Schatzsuche und beim Hasch-Mich-Spielen im Urwald. Soll lustig sein...
Müssen US-Komödien heute eigentlich ausschliesslich plump, albern und niveaulos daherkommen? Müssen die Witzchen x-mal wiederholt oder gar erklärt werden? Für wie beschränkt hält man das Publikum? ("Zu Recht?" frage ich mich manchmal angesichts des Erfolgs dieser Streifen.)
The Lost City beginnt zwar vielversprechend, doch dann wird es schnell schal; die Dämlichkeit der von Channing Tatum gespielten Figur wird einem derart penetrant unter die Nase gerieben, dass man bald lieber heulen möchte. Sandra Bullock im Glittersuit im Dschungel ist 30 Sekunden lustig, danach nicht mehr. Und viel mehr ist da nicht an Humor...
Schauspielerisch nicht gerade grandios, Drehbuch schwach, Regie gesichtslos... Dafür muss man icht ins Kino pilgern...

Samstag, 21. Mai 2022

Then Came You (2018)

Regie: Peter Hutchings
Drehbuch: Fergal Rock
Mit Maisie Williams, Asa Butterfield, Nina Dobrev, Tyler Hoechlin u.a.

In letzter Zeit hagelt es beim Filme gucken Überraschungen. Bei der Sichtung von Then Came You war meine Erwartung niedrig - vornehmlich aufgrund der vielen mauen Rezensionen und der Tatsache, dass es sich hier um den gefühlt x-ten Film um Krebskranke mit einer to-do-Liste handelt.
Vorausschicken muss ich, dass ich weder
Das Schicksal ist ein mieser Verräter noch Ich und Earl und das Mädchen gesehen habe, die ja beide um so vieles besser sein sollen und die Then Came You als Vorbild gedient haben sollen. Ob beides stimmt, kann ich nicht beurteilen. Ich will hier keine filmwissenschaftliche Arbeit abliefern, sondern bin nur auf der Suche nach guten, sehenswerten Filmen, die ich weiterempfehlen könnte.
Und gut und sehenswert ist Then Came You auf jeden Fall, ungeachtet der Möglichkeit, dass er eventuell anderswo etwas abkupfert oder dass ein vergleichbarer Film gewisse Aspekte besser handhabt (was immer das im Auge des Betrachters bedeúten mag).

Die Gründe für meine Empfehlung sind die Folgenden:
- Das Drehbuch ist hervorragend: Es bringt köstliche Dialoge; es ist Tiefgründig ohne jede Aufdringlichkeit, Anbiederung oder Geschwätzigeit; es umschifft fast alle Kitsch-Klippen geschickt und souverän; es ist auf eine ganz natürliche Art komödiantisch, ohne je den Ernst des schwierigen Themas zu verraten; die Figurenzeichnung ist lebendig und besitzt Tiefgang. Verfasst wurde es vom Newcomer Fergal Rock, es ist dessen erstes Drehbuch für einen Abendfüller. Es ist entsprechend frisch und unverbraucht.
- Die Besetzung passt perfekt. Ich habe Asa Butterfields ewige Weirdo-Rollen zwar inzwischen satt, musste aber mit zunehmender Filmdauer zugeben, dass er hier passgenau eingesetzt wurde - und dass er mehr auf der Platte hat, als ich bis jetzt gedacht habe. Maisie Williams ist ein Kategorie für sich; wie sie die krebskranke Skye spielt, ist wohl einmalig. Die beiden geben in ihrer Gegensätzlichkeit ein memorables Leinwandpaar ab. Doch auch die Nebenfiguren sind bestens besetzt, Nina Dobrev fällt schauspielerisch zwar ab, doch die Regie weiss dies meist geschickt zu vertuschen.
- Die Regieführung ist unauffällig, doch sie setzt subtil um, was in der Vorlage drinsteckt. Die Schauspielerführung ist wunderbar.
- Und das Wichtigste: Der Film involviert die Zuschauer emotional, man verfolgt das Schicksal der beiden Hauptfiguren mit Anteilnahme. Das geht soweit, dass die Frage, ob dieser Film ein Abklatsch eines anderen ist,
zur Bedeutungslosigkeit schrumpft (ob das freilich für Leute, welche die oben genannten Werke kennen, auch so ist, kann ich wiederum nicht beurteilen).

Zur Empfehlung gehört natürlich auch eine Inhaltsangabe...
Calvin, ein an Lebensangst leidender Junge (Asa Butterfield), arbeitet mit seinem Vater und seinem grossen Bruder in der Gepäckabfertigung eines Flughafens. In einer Selbsthilfegruppe für Krebskranke trifft er auf die für ihn irritierend lebensfrohe 18-Jährige Skye (Maisie Williams), der nicht mehr viel Zeit auf Erden bleibt und die sich an ihn dranhängt wie eine Klette. Schon bald werden die beiden ungleichen Charaktere Freunde. Auf Skyes Liste der letzten Dinge steht u.a. auch, den in seinem Schmerz eingekapselten Calvin ins Leben zurück zu holen. Gar kein leichts Unterfangen...

Ein Seitenthema des Films ist im Hinblick auf die Corona-Pandemie interessant, die allerdings erst ein Jahr nach der Premiere ausbrach: Die Angst und die unterschiedlichen Arten, darauf zu reagieren wird zentral behandelt.
Oft wird Then Came You in Rezensionen das Prädikat "Teenie-Film" angehängt. Ist ein Film, in welchem junge Menschen im Mittelpunkt stehen, automatisch ein "Teenie-Film"? Dieser Schluss sagt mehr über unreflektiert daherschreibende Rezensenten aus als über dieses übersehene Werk, das alle Altersstufen anspricht. Doch um das zu erkennen, genügt nicht nur ein oberflächlicher Blick.

Der Film ist auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich. Zudem ist er bei vielen Streaming-Anbietern zu finden.

Dienstag, 17. Mai 2022

Champagne for Caesar (1950)



Regie: Richard Whorf
Drehbuch: Hans Jacoby und Frederick Brady
Mit Ronald Colman, Vincent Price, Celeste Holm, Barbara Britton, Art Linkletter u.a.


Ronald Colman, der grosse romantische Held der Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit - am Ende seiner Karriere spielte er in einer Komödie um Quizshows.
Das klingt nach dem bitterem Ende eines Stars - doch man lasse sich nicht täuschen: Das Gegenteil ist der Fall!
Obwohl der Regisseur und die Drehbuchautoren "No-Names" sind, Champagne for Caesar (der im deutschsprachigen Raum traurigerweise nie zu sehen war) ist ein Treffer. Streckenweise kommt er den klassischen Komödien eines Frank Capra oder Preston Sturges ziemlich nahe.

Die Story: Der arbeitslose Bücherwurm und Alleswisser Beauregard Bottomley (Colman) regt sich dermassen über die niveaulosen TV-Quizshows auf, dass er ihnen mit seinem Wissen den Garaus machen will. So legt er sich mit dem Sponsor einer Quiz-Sendung, dem Seifenproduzenten Burnbridge Waters (Price) an, den er mit seinem enyklopädischen Wissen in den Bankrott treiben will. Da jede richtig beantwortete Frage das Preisgeld verdoppelt, zieht Bottomley das Spiel über Wochen hinweg ins Endlose weiter.
Doch Burnbridge weiss sich helfen: Er setzt eine hübsche, durchtriebene Krankenschwester (Holm) auf Bottomley an...

Whorfs Film lahmt zwischendurch etwas (dank dem Aufflammen einer Liebesgeschichte), doch die meiste Zeit über ist er höchst originell und ungewöhnlich. Die Dialoge sind köstlich, der Regisseur weiss genau, wie er die Pointen am besten zur Wirkung bringt, das Production-Design ist beachtlich, es gibt zahlreiche überraschende Wendungen und die Schauspieltruppe ist eine wahre Freude - allen voran Vincent Price, der hier grosses komödiantisches Talent an den Tag legt. Er macht ein Fest aus der Rolle des Seifenproduzenten, gestaltet ihn gleichzeitig fies und liebenswert - eine Meisterleistung. Price-Fans sollten sich diesen Film unbedingt ansehen.

Ein unflätiger daherredender Papagei namens Caesar, ein Hollywood-Blondchen und und ein Klavierschüler,der gar nicht Klavier lernen will sorgen ebenso für konstantes Publikums-Grinsen wie die pointierten Dialoge ("wenn die Festellung, dass 2 plus 2 vier ergibt, zu Applaus und Preisen führt, dann wird 2 plus 2 = 4 eben zum Gipfel des Lernens!")

Champagne for Caesar ist kein grosser Film, aber eine unerwartete kleine Komödien-Perle, welhe die meiste Zeit richtig Spass macht und mit einem Vincent Price glänzt, den ich so noch nie gesehen habe!

Man kann ihn, sofern man des Englischen mächtig ist, kostenlos und ohne lästige Werbung hier in voller Länge ansehen.

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden hier andere von mir geschaute Filme kurz besprochen, Filme, die nach meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. 
 

Der Junge, den den Wind einfing (The Boy who Harnessed the Wind, UK 2019)
Der britisch-nigerianische Schauspieler Chiwetel Ejiofor drehte dieses afrikanische Drama um Armut und Misswirtschaft in Malawi, wo er vor und hinter der Kamera beachtliche Leistungen ablieferte.
Der Film öffnet uns den Blick aus unserer wohlstandsverwahrlosten Gesellschaft in eine Gemeinschaft, die nur gerade das Nötigste zum Überleben besitzt, und in der alle Familienmitglieder hart arbeiten müssen, um überleben zu können.
Es ist bitter nötig, dass unser immer dekadenter werdender Lebensstil in Relation gesetzt wird zum wenig gloriosen Dasein in ärmeren Ländern.
So ist The Boy who Harnessed the Wind ein Film, den man eigentlich nicht schlecht finden kann, da es sich dabei um eine moralische Angelegenheit handelt.
Man attestiert ihm also gute Absicht, solides Handwerk, hervorragende schauspielerische Leistungen und empfiehlt ihn weiter. Zu sehen bei Netflix.

Coco (2017)
Das war jetzt definitiv einer zuviel: Nach Encanto und Luca nun auch noch Coco, ein Animationsfilm aus dem Hause Disney, wie die beiden anderen.
Alle drei erzählen exakt dieselbe Grundgeschichte, mit jeweils etwas geänderten Ingredienzien: Es geht immer um einen Familienaussenseiter und um ein Familientabu, das vom Aussenseiter gebrochen wird, worauf sich allenthalben Wohlgefallen ausbreitet. Alle drei Filme spielen innerhalb einer (aus US-Sicht) exotischen Kultur (Kolumbien, Italien, Mexico).
Dummerweise habe ich die drei erwähnten Streifen nacheinander gesehen - in chronologisch umgekehrter Reihenfolge. So hing mir Coco, der die thematische Welle losgetreten hatte, bereits nach 30 Minuten zum Halse heraus, während ich Encanto, das Plagiat noch ganz gut fand.

Visuell ist Coco spektakulär und die Einbindung der mexikanischen Kultur in die Geschichte darf wohl als gelungen bezeichnet werden. Trotzdem ist der Streifen etwas gar glatt und seine Figuren - ungewöhnlich für einen Disney-Pixar-Film - allzu distanziert.

Agentenpoker (Hopscotch, 1980)
Wieder so ein Film, den alle loben und lieben - er erschien sogar in der Criterion Collection - über dessen Status ich mich aber nur wundern kann.
Ein degradierter CIA-Agent (Walter Matthau) rächt sich an seinem selbstgerechten Vorgesetzten und inszeniert ein Katz-und-Maus-Spiel um die halbe Welt, indem er droht, seine Memoiren öffentlich zu machen und CIA-Interna zu verbreiten.
Das könnte lustig sein, ist es aber nicht; die Geschichte bewegt sich im Schneckentempo, es wird viel zu viel und ohne Belang gequasselt, der Fluss der  Dramaturgie wird durch den abrupten Schnitt immer wieder gestört.
Da die Macher es zudem nicht schaffen, die Hauptfiguren lebendig zu zeichnen, schläft das Interesse, das die Geschichte schon nicht zu wecken vermag, noch weiter ein.
Und das grösste Problem - zumindest für mich: Dem entspannt-knuddligen Walter Matthau nimmt man den CIA-Agent einfach nicht ab.

Fitzcarraldo (1982)
Wenn ich diesen Streifen beschreiben will, muss ich mit meinem Vater anfangen. Er ist, wie ich, ein passionierter Filmliebhaber. Er konnte Klaus Kinski nie ausstehen und über Fitzcarraldo rümpft er nur die Nase.
Natürlich war ich von ihm beeinflusst und machte stets einen Bogen um diesen Film.
Nach der Lektüre einiger hymnischer Kritiken auf verschiedenen Filmseiten, beschloss ich, die Vorurteile über Bord zu werfen und mir den von Werner Herzog gestalteten Film unbefangen anzusehen.
Das Ergebnis: Ich habe einen weiteren Titel für meine ständig wachsende Liste "Grosse Filmklassiker, über deren Status ich mich wundere".
Mein Vater hatte Recht: Der Film ist schlichtweg unerträglich!
Was zum Teufel finden die Leute bloss darin? Zwei Dinge, die in den Reviews immer hervorgehoben werden: Die Einbettung der Handlung in die Landschaft durch grandiose Bilder (Herzog hat ein Auge für spektakuläre Bilder) - das gestehe ich dem Film als grosses Plus zu - und die Herkulesarbeit des Transports eines vollständigen Raddampfers über einen Berg - vom Filmteam real umgesetzt ohne jeden Filmtrick. Letzteres ist zwar bewundernswert und möglicherweise einzigartig (man könnte es auch Wahnsinn nennen), es ist aber kein Indikator für einen guten Film.
Der Rest ist Folter. Kinski ist kein Schauspieler; was er hier bietet ist unsägliches, peinliches Schmierentheater. Werner Herzog kann keine Schauspielerführung, was dazu führt, dass auch die Nebendarsteller inkl. Claudia Cardinale unerträglich peinlich werden.
Die Figuren kommen nie zum Leben; die Dramaturgie ist holprig, unausgeglichen. Und die dilettantische Synchronisation setzt dem Grauen die Krone auf. Der irische Geschäftsmann, den Kinski hier darstellt, spricht Englisch mit einem derart dicken deutschen Akzent, wie ich ihn sonst nur von Nazis darstellenden US-Schauspielern in Filmen aus den Vierzigerjahren kenne.
Fitzcarraldo zählt aus mir unerfindlichen Gründen zu den grossen Errungenschaften des Arthouse-Cinema. Ich erlaube mir, ihn eher dem von mir gerade erfundenen "Sch...haus-Kino" zuzuordnen.

Dienstag, 10. Mai 2022

Die Welt gehört der Frau (Woman's World, 1954)


Es kommt überraschend oft vor, dass ein völlig vergessener Film hier prominent besprochen wird, weil er mehr Eindruck machte als einer der bekannten.
Ich versuche, die Filmgeschichte mit unbestechlichem Blick zu betrachten - unvoreingenommen und unbeeinflusst von den offiziellen Bestenlisten (die sich eh' gleichen wie ein Ei dem anderen) und den Übereinkünften der Kritiker.
Mein Fokus unterscheidet sich dabei deutlich von jenem der herkömmlichen Filmkritik: Nicht die Absicht, die Gesinnung eines Films zählt, sondern das Handwerk. Am besten ist es, wenn das Drehbuch, die Regie, das Schauspiel, das Setting zu einem überzeugenden Ganzen verschmelzen.
So kann es passieren, dass ein unbescholtener Filmgigant wie Casablanca durchfällt, weil die Liebesgeschichte zwischen Bogart und Bergman nicht glaubwürdig ist und die beiden schauspielerisch gegenüber den Nebendarstellern deutlich abfallen. Auf ein anderes Beispiel wird weiter unten noch eingegangen ( Otto Premingers Laura von 1944).

Nun kommt hier ein Film zu Ehren, den wohl die wenigsten hierzulande kennen, obwohl er 1954 in den USA zu den 25 erfolgreichsten Kinofilmen gehörte und damals auch in den deutschsprachigen Kinos lief, ein Film, der in allen Aspekten des Filmemachens Glanzleistungen zu bieten hat und der obendrein mit interessanten Charakterstudien bestens zu unterhalten weiss: Woman's World.
Im Zentrum stehen drei Paare, die von Automobilhersteller Ernest Gifford (Clifton Webb) nach New York eingeladen werden. Es handelt sich um die drei möglichen Nachfolger seines verstorbenen Geschäftsführers und deren Gattinnen. Gifford möchte nicht nur die Männer genaustens unter die Lupe nehmen.
Das ausgefeilte Drehbuch nutzt die Gelegenheit, jedes der drei Paare und deren jeweilige Beziehung genau zu untersuchen und sie zu den anderen in Relation zu setzen. Fred MacMurray und Lauren Bacall treten als das in Trennung befindliche Ehepaar Burns auf, das sich für den Anlass den Anschein gibt, es sei alles in Ordnung; Cornel Wilde und June Allison sind Mr. und Mrs. Baxter aus Pennsylvania, welche sich in der High Society wie Fremdkörper vorkommen; Van Heflin und Arlene Dahl treten auf als Mr. und Mrs. Talbot - letztere ist von Ehrgeiz zerfressen und möchte via ihren Mann unbedingt in die feine Gesellschaft aufsteigen.

Während die Burns' und Baxters je als das umgekehrte Spiegelbild des jeweils anderen Paares konzipiert sind, sind bei den Burns' und Talbots die Rollen innerhalb der Partnerschaft vertauscht. Das ist eine Spielerei, die dem Film eine zusätzliche Tiefe verleiht, denn das Schicksal von Mr und Mrs. Burns' erscheint dadurch wie eine Warnung an die anderen und ein kritischer Kommentar auf den "amerikanischen Weg zum Erfolg".

Der Film bietet nicht nur drei interessante Charakterstudien (und hervorragende schauspierische Leistungen), er funktioniert auch als Portrait der Stadt New York - es gibt Sequenzen, die den Schluss nahelegen, Woody Allen hätte sich hier zur berühmten Anfangssequenz von Manhattan inspirieren lassen.
Woman's World badet dabei geradezu im Design der 50er-Jahre und bietet dadurch auch etwas fürs Auge: Die Kleider, die Räume, die Autos - all das wird ästhetisch richtiggehend zelebriert. Die Art Direction (Lyle R. Wheeler) und die Köstumbildner (angeführt von Charles Le Maire) haben hier wunderbare Arbeit geleistet. Wer die Fifties mag, kommt um diesen Film nicht herum!

Der ganze Glamour, den Woman's World atmet, wird ständig von den Ehefrauen unterlaufen: Die eine pfeift darauf, die andere droht daran zu ersticken, während die dritte dafür intrigiert und betrügt. Die Welt des Glamour wird als das entlarvt, was sie ist: Eine unmenschliche Scheinwelt, das dem Individuum Entscheidungen abverlangt, die in den Abgrund führen können.

Woman's World ist im deutschsprachigen Raum leider nie auf DVD oder Blu-ray erschienen.
Hier kann er - in HD-Qualität und in der englischsprachigen Originalfassung - in voller Länge online angeschaut werden.

Ferner liefen:
Unter diesem Titel werden die anderen von mir geschauten Filme kurz angerissen, die nach meinem Empfinden gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. 
 

Laura (1944)
Dies ist nun einer jener oben erwähnten hochgelobten Hollywood-Klassiker, die mich eher ernüchtert zurückgelassen haben...
Die erste Hälfte ist packend und gut aufgebaut: Laura Hunt (Gene Tierney), eine junge Frau aus der gehobenen Gesellschaft ist brutal ermordet worden. Wer war's? Wir erfahren Lauras Aufstieg in die High Society in Rückblenden. Es treten auf: Lauras Mentor, der süffisante Autor und Kolumnist Waldo Lydecker (Clifton Webb, erneut), ihr täppischer Verlobter Shelby (Vincent Price) und der hartgesottenene Detektiv Mark McPherson (Dana Andrews), welcher den Fall untersucht. Der Rückblick wird höchst prägnant und spitzzüngig erzählt von Lauras Mentor Lydecker.
In der zweiten Hälfte fällt Lydeckers Off-Kommentar weg, was dem Film unvermittelt eine ganz andere Note gibt. Ab da flacht er immer mehr ab. Man fragt sich je länger je mehr, was die Männer derart fasziniert hat an dieser Laura - sie ist zwar makellos schön (Gene Tierney galt als eine der schönsten Schauspielerinnen jener Zeit), aber abgesehen davon besitzt sie praktisch keine Eigenschaften; sie ist fad und langweilig.
Die etwas unvermittelt einsetzende Liebesgeschichte erscheint aufgesetzt, zwischen den beiden holzblockartigen Liebenden ist keinerlei Chemie spürbar, es funkt rein gar nichts.
Zudem realisiert man gegen Ende, dass es sich bei Laura um einen zwar gut gemachten, aber im Grunde belanglosen Whodunit-Krimi mit einigen Logik-Löchern handelt. Und damit kommt Otto Premingers von der Kritik gepriesener Film am Schluss etwas flach heraus.
Auf der anderen Seite ist er durchs Band unterhaltsam, es gibt ein paar schöne Überraschungen und die beiden von Clifton Webb und Vincent Price hervorragend gespielten, von der Vorlage prägnant gezeichneten Charaktere überzeugen.

Vergessene Welt: Jurassic Park (The Lost World: Jurassic Park, 1997)
Nachdem ich dem ersten Jurassic Park durchaus etwas abgewinnen konnte (siehe hier), war ich von der - ebenfalls von Spielberg inszenierten - Fortsetzung ziemlich enttäuscht. Von der Handlung über das Drehbuch und die Charakterzeichnung bis zur Regie: Alles ist hier deutlich schwächer - ausser der CGI-Effekte, die in einigen wirklich fantastische Sequenzen resultieren.
Spielbergs Inszenierung wirkt so, als hätte er keine grosse Lust mehr gehabt, in diesem Sequel Regie zu führen; sie ist seltsam gesichtslos. Von seiner durchdachten, ideenreichen Inszenierung, die man aus dessen Vorgängerfilmen kannte, finden sich hier nur noch Spuren. King Kong und Hatari lassen grüssen, die Originalität hat sich aus der vorhersehbaren, zusammengeklauten, in nervigem Gut-Böse-Raster gehaltenen Geschichte verabschiedet und die Charaktere wirken weniger lebendig als die Dinos aus dem Computer.

Sonntag, 1. Mai 2022

Stirb langsam (Die Hard, 1988)

Stirb Langsam - der deutsche Titel ist mal wieder eine dumpfbackige Verballhornung des Originaltitels, welcher richtig übersetzt etwa "nicht totzukriegen" oder "nicht aufgeben" bedeutet. Stirb Langsam klingt eher nach einem Sado-Folter-Filmchen als nach dem Action-Kracher, der Die Hard in Wahrheit ist.

Nicht totzukriegen ist der hartgesottene New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis), der durch Zufall Zeuge eines grossangelegten Raubüberfalls in einem Hochhaus in LA wird. Eine bis an die Zähne bewaffnete und mit allerlei Explosiva hochgerüstete Bande deutscher Krimineller um Mastermind Hans Gruber (Alan Rickman in seiner legendären ersten Filmrolle) überfällt eine geschäftliche Weihnachtsfeier in der Mitte des noch halb im Bau befindlichen und sonst leerstehenden Nakatomi Plaza Tower und verlantg Zugang zu den reichhaltigen Tresorräumen des Chefs.

Von McClanes Anwesenheit wissen die bösen Deutschen zunächst nichts; dieser versucht den ganzen Film über, unter höchster Lebensgefahr und mit zunehmend schwereren Blessuren, die Bösewichte auszutricksen und auszuschalten. Die wilde Hatz tobt durch's halbe Hochhaus, durch schwindelerregende Liftschächte, Lüftungsrohre, auf dem Dach, an der Fassade und durch die im Bau befindlichen Stockwerken.

Das war die Kurzfassung (es ginge noch kürzer: "bumm, bumm, baller, schepper, krach").
Die Hard ist aber mehr als das: John McTiernans Werk ist einer jener seltenen Filme, die es schaffen, inmitten einer atemlos sich abspulenden Thriller-Handlung scharf gezeichnete Nebenfiguren zu integrieren und diese mit einer eigenen Geschichte auszustatten. Das geschieht zwar alles Skizzenhaft, aber diese Skizzen sind so präzise, so auf's Wesentliche eingedampft, dass sie lebendig wirken. Die Macher brauchen nur etwa drei Minuten, und schon kommt uns der Titelheld wie ein alter Bekannter vor. Alles dank kleiner Gesten, knapper Dialogzeilen und kleiner, beiläufig eingestreuter Beobachtungen.

Die Drehbuchautoren Jeb Stuart und Steven E. de Souza haben hier punkto Erzähl-Ökonomie und dramaturgischer Verknappung grandiose und vorbildhafte Arbeit geleistet. Jede Drehbuchklasse täte gut daran, diese Vorlage zu studieren und zu analysieren.
Die Inszenierung ist so gradlinig und dynamisch wie es das Drehbuch verlangt, filmhandwerklich ebenso vorbildlich und studierwürdig wie das Drehbuch. 

So ist Die Hard trotz einiger Abstriche ein perfekter Actionfilm, wie man ihn sich besser nicht vorstellen oder wünschen kann - auch die nötige Prise Humor fehlt nicht. (Die Abstriche wären: Gut-Böse-Schema ohne Zwischentöne; das Finale ist so richtig "over the top" und somit schon recht unglaubwürdig - aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau).
Schöngeister werden wegen fehlendem Feinsinn die Nase rümpfen - doch ich meine, von diesem Streifen könnten sich viele anämische europäische, Subventionen empfangende Filmemacher eine Scheibe abschneiden: So sieht gutes Erzählkino aus!

Der Film ist auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich. Zudem ist er bei vielen Streaming-Anbietern zu finden.

Ferner liefen
Unter diesem Titel werden jene drei anderen im Voraus zur Sichtung erkorenen Filme kurz angerissen, die gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. 

Die Sage von Anatahan (Anatahan, 1953)
Ein lange verschollener Film: Josef von Sternbergs letztes, zur Gänze im Studio gedrehtes Werk, mit ihm als Autor, Regisseur, Kameramann und Erzähler in Personalunion. Und mit Japanischen Schauspielern.
Anatahan lässt mich relativ unbeeindruckt zurück. Von Sternberg mit seinen ewigen Femme Fatales... Ächz!
Er inszeniert eine Art "Prä-Herr-der-Fliegen" auf einer einsamen japanischen Insel (namens "Anatahan"), wo ein ganzer Trupp Männer strandet, auf der jedoch bereits eine (einzige) Frau lebt.
Klar, was da abgeht... Klar, dass sie ihre Position ausspielt... Klar, dass wir uns in einem von-Sternberg-Film befinden.
Wie gewohnt bei diesem Regisseur: Tolle Ausstattung, ein ganzer Dschungel im Studio nachgebaut, aber wie üblich misst von Sternberg dem Look mehr Gewicht bei als der Dramaturgie: Es schleppt.
Sternbergs Narration klingt gestelzt und geschraubt, genauso, wie man sich einen Regisseur in der Rolle eines Schauspielers vorstellt.
Trotz des vielen Zuspruchs, der diesem Film unter Filmspezialisten zuteil wird: Ich werd' nicht warm damit. Genauso wenig, wie ich mit vielen anderen Filmen dieses Regisseurs warm werde...

The Muppets Most Wanted (2014)
Als Jungendlicher verpasste ich keine Muppet Show im Fernsehen. Die 20-minütigen Folgen spielten alle in der abgezirkelten Puppen-Welt eines kleinen Theaters, in welche jeweils ein Gaststar aus Fleisch und Blut eingeladen wurde.
Die Filme - jedenfalls die beiden neusten und ich spreche nur von denen (die anderen kenne ich alle nicht) - also, die Filme drehen dieses Prinzip um und die Puppen kommen in die reale Welt. Und das funktioniert einfach nicht. Respektive, es funktioniert nur, wenn man die "reale Welt" grotesk überzeichnet und daraus einen Ort macht, an welchem das Auftauchen von Handpuppen auch nicht weiter auffällt.
Aber dann stellt sich die Frage: Wozu die Welt soweit verfremden, dass sie zu den Muppets passt? Eine Welt, in der auch die Menschen wie Muppets agieren? Antwort: Damit man die Muppet-Truppe auch im Kino ausschlachten kann.
Damit ist gesagt, dass das Kino-Konzept nicht wirklich
funktioniert; die Muppets gehören in "ihre" Welt, am besten ins 20-Minuten-TV-Format.
James Bobins Film ist zwar streckenweise ganz lustig, aber die Puppen entwickeln kein Eigenleben, das abendfüllend wäre. Die von echten Schauspielern verkörperten Figuren auch nicht. Somit läuft sich Muppets Most Wanted nach ca. 30 Minuten tot. Einige der schmissigeren Gesangsnummern wecken die Lebensgeister der Zuschauer zwar zwischenzeitlich, aber im Grunde vermag die behämmerte Geschichte um ein verbrecherisches Kermit-Double herzlich wenig Interesse zu wecken - jedenfalls nicht bei mir.
Einzig der singende Danny Trejo ist Gold wert - und der verbale Gag mit dem Muppet-Werbeplakat in Berlin ("Die Muppets"). Rowlf: "Die Muppets? Somebody really doesn't like us here!"

Den Sternen so nah (The Space Between Us, 2017)
Was passiert mit einem Menschen, der in einer Kolonie auf dem Mars aufgewachsen ist und zur Erde reist? Diese Frage steckt in der Synopsis von Peter Chelsoms The Space Between Us drin. Sie war der Grund, weshalb ich mir diesen Film angeschaut habe.
Der Streifen verschenkt sein Potential allerdings, und das ziemlich ausgiebig.
Zunächst spult er eine ellenlange Vorgeschichte ab und leitet her, wie es zur Geburt eines Jungen auf dem Mars kommt; sie ist derart unglaubwürdig, dass mich der Film bereits während der Exposition verloren hatte.
Was danach folgt, ist eine rührende Liebesgeschichte, bei der sich allerdings immer mehr die Erkenntnis in den Vordergrund drängt, dass der ganze Science-Fiction-Überbau ein ausufernd konstruierter, weit hergeholter Vorwand für eine tragische Teenie-Schnulze ist: Eine gute Prise von "ich fühl' mich hier wie ein Ausserirdischer" gehört schliesslich in jeden Teenie-Film.
Für Teenager ist er möglicherweise geeignet, alle anderen Altersgruppen können The Space Between Us getrost überspringen

Nach diesem kurzen Versuch kehre ich wieder zurück zu meiner ursprünglichen Veröffentlichungspolitik: Es erscheint erst wieder ein Blogartikel, wenn ich einen wirklich guten Film zu sehen bekommen habe; die weniger guten werden unter "ferner liefen" nach dem Hauptartikel kurz abgehandelt.


Montag, 25. April 2022

Casablanca (1942)

Keine Überraschung: Wie vermutet kommt von den vier im Voraus zur Sichtung auserkorenen Filmen Casablanca die Ehre zu, als bester Film hier an prominenter Stelle vorgestellt zu werden.
Aber...
Es ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel, wie er zu seinem Status ("einer des besten Filme aller Zeiten") kommt!

Doch zuerst zum Inhalt: Casablanca, ein Fleck neutralen Frankreichs mitten in Marokko, wird zur Zeit des "Dritten Reichs" Sammelbecken für Flüchtlinge vor Hitlers Terror. Speziell "Rick's Café" ist zum Umschlagplatz für Schlepper und Flüchtende geworden. Der zwielichtige Amerikaner Rick, Besitzer des Lokals (Humphrey Bogart) kommt unverhofft in den Besitz zweier von General DeGaulle persönlich unterzeichneten Visas, um die in der Folge - mit dem Besuch eines hohen Nazis (Conrad Veidt) ein Streit entbrennt.
Als der teschechische Widerstandskämpfer Victor Laszlo (Paul Henreid) in Begleitung seiner Gattin Ilsa (Ingrid Bergman) bei "Rick's" eintrifft, reissen Ricks alte Wunden wieder auf: Er war in Paris mit Ilsa liiert, sie hatte ihn auf der Flucht vor den Deutschen aber sitzen lassen.

Casablanca
ist einer der gefeiertsten Filme überhaupt; deshalb schauen wir genau hin:
Casablanca
ist ein überdurchschnittlicher Hollywood-Film, der sein Hauptthema, wie damals üblich, an eine sülzige Liebesgeschichte zu verschenken droht. Zum Glück rettet ihn das hervorragende Drehbuch (von Julius J. und Philip G. Epstein und Howard Koch, nach einem Theaterstück von Murray Burnett und Joan Alison) immer wieder vor dem Absturz.

Jedoch: Die Liebesgeschichte, so gut sie ins Ganze eingebettet ist, funktioniert nicht - und das ist die eigentliche Crux des Films. Humphrey Bogart und Ingrid Bergman sind die beiden schwächsten Schauspieler der gesamten Truppe. Zwischen den beiden funkt nichts. Bogart erstarrt im Understatement seiner üblichen Rolle, die Bergman versucht zwar, Emotionen zu mimen, aber die Mühe, die sie dabei hat, ist deutlich sichtbar.
Man sieht zwei Ikonen des Kinos interagieren und denkt: "Wie toll, zwei Ikonen in einem ikonischen Film". Wer aber seine Ikonengläubigkeit zügelt und kritisch hinguckt, bemerkt, dass die Liebe zwischen den beiden reine Behauptung bleibt, und diese Unglaubwürdigkeit droht den ganzen Film zu kontaminieren. Ich musste mich bemühen, die durchaus vorhandenen Pluspunkte des Films trotzdem zu sehen.

Dazu zähle nicht einmal die vielzitierten "one-liner", die mache für "denkwürdig" halten; ich meine in erster Linie den herausragenden Rest der Besetzung (obwohl Paul Henreid hier unter seinem Wert verkauft wird) das grandiose Drehbuch und die ebenso grandiose Regieführung. Es ist meisterhaft, wie prägnant manche Figuren eingeführt werden, und vor allem ist es für jene Zeit erstaunlich, wie scheinbar mühelos mehrere Handlungen parallel geführt werden. Das war im Mainstream-Kino revolutionär.
Es gibt auch ein paar Holprigkeiten und Logiklöcher, und die Bühnenherkunft des Stoffes tritt bisweilen deutlich zu Tage (es wird sehr viel geredet), aber das erscheint mir als eher nebensächlich.

Zur Wirkung des Films bleibt abschliessend zu bemerken, dass er heute vor allem als Fenster in eine andere Zeit funktioniert. Zu sagen hat er uns Heutigen eigentlich nicht viel. Casablanca ist ein Abenteuer- und Liebesfilm, der seinen Grundstoff aus den Ereignissen der damaligen Zeit schöpfte und so zu einer Art Manifest des Widerstandes gegen Nazideutschland wurde.
Zu sagen, dass im Hollywood jener Zeit keine besseren Filme gedreht wurden als Casablanca ist allerdings ungerecht und schlichtweg falsch.

Ferner liefen
Unter diesem Titel werden jene drei anderen im Voraus zur Sichtung erkorenen Filme kurz angerissen, die gegenüber dem oben beschriebenen weniger gut abschnitten. 

Rush Hour (1998)
Weil das FBI verhindern möchte, dass ihm in einem Entführungsfall ein Ermittler aus Hong Kong in die Quere kommt (Jackie Chan), heuert es den grössten Deppen des LAPD (Chris Tucker) an, der den fremden Ermittler ablenken und mit Lappalien beschäftigen soll. Doch der Depp vom LAPD  hat grosse Ambitionen und vermasselt natürlich zunächst alles...
Eine typische Culture-Clash-Actionkomödie aus der Feder des bewährten Jim Kouf (Stakeout - Die Nacht hat tausend Augen), die geschickt Action mit Slapstick mixt und von der Chemie der beiden gut aufgelegen Hauptdarsteller lebt.
Sehr unterhaltsam, solide inszeniert - aber nichts, was haften bleibt.

Schrei der Grosstadt (Cry of the City, 1948)
Zwei Italoamerikaner, die zusammen aufgewachsen sind (Victor Mature und Richard Conte), einer wurde zum Polizisten (Mature), der andere zum Verbrecher (Conte). Beide treffen im Zusammenhang mit einem Polizistenmord wieder aufeinander.
Die Figurenkonstellation dieses von Robert Siodmak gedrehten Film-Noir weckt hohe Erwartungen - die leider nicht erfüllt werden. Schuld trägt das Drehbuch (Richard Murphy), welches sämtliche Charaktere nur oberflächlich zeichnet und es nicht schafft, ihnen Leben einzuhauchen. Obwohl die gesamte Schauspieler-Truppe ihr Bestes gibt, die Tatsache, dass zu wenig Fleisch am Knochen ist, können sie nicht übertünchen. Einzige Ausnahme: Die wunderbare Hope Emerson als monströse Gangsterbraut; leider ist ihr memorabler Auftritt nur von kurzer Dauer.
Cry of the City erzählt eine spannende Geschichte und glänzt durch hervorragende Regieführung, ist aber weit davon entfernt, der interessanten Prämisse (zwei Freunde auf verschiedenen Seiten des Gesetzes) gerecht zu werden. Das haben spätere Filme auf eindringlichere Art nachgeholt...

Mary Stevens M.D. (1933)
Weshalb habe ich diesen Film ausgewählt? Im Grunde ahnte ich, worauf er hinausläuft. Aber man gibt die Hoffnung ja nie auf...
Die Hoffnung: Der Film bringe ein ernstzunehmendes Drama zur Thematik "Frauen in Männerberufen" auf die Leinwand.
Im Mittelpunkt steht Mary Stevens (der damalige weibliche Superstar Kay Francis), eine Ärztin mit eigener Praxis, welche die Vorurteile der damaligen Zeit zu spüren bekommt. Das Thema wird in der hervorragend inszenierten Anfangssequenz etabliert, in der Dr.Stevens zu einer dramatisch verlaufenden Hausgeburt ins Arme-Leute-Viertel gerufen wird, wo ein fuchsteufelswilder Ehemann sie wieder wegzuschicken droht, weil sie kein Mann ist.
Im Verlauf der Handlung gerät zudem ihr ehemaliger Komilitone, Dr. Andrews (Lyle Talbot) auf die schiefe Bahn und droht seine Karriere zu ruinieren.
Das klingt eigentlich alles ganz gut, und weil ich gespannt war, wie diese Themen vor rund 90 Jahren angegangen wurden, gab ich dem Film eine Chance.
Doch nach 30 ganz interessanten Minuten geschah, was in diesen frühen Tonfilmen fast immer geschieht und was ich von Beginn weg geahnt oder gefürchtet hatte: Eine sülzige Liebesgeschichte drängt sich ins Zentrum und legt alle anderen Themen lahm. Und ruiniert den ganzen Rest des Films.
Ich weiss nicht, was die Leute damals mit Liebesgeschichten hatten - mich interessieren die einfach nicht. In den frühen Jahren des Film gehörten die im US-Kino aber einfach dazu.
Mary Stevens M.D. beruht auf einem schwachen Drehbuch (Rian James & Robert Lord) und ist - mit Ausnahme der hervorragenden Anfangssequenz - steif inszeniert (von Lloyd Bacon) und mittelmässig gespielt.

Coming Attractions:
Für den nächsten Blog-Artikel habe ich wieder vier Filme gewählt, die ich mir ansehe - der beste der vier bekommt eine ausführliche Rezension.
Die vier Filme heissen:
Die Sage von Anatahan (Anatahan, 1953)
Stirb Langsam (Die Hard, 1988)

Die Muppets 2: Muppets Most Wanted (Muppets Most Wanted, 2014)
Den Sternen so nah (The Space Between Us, 2017)
Ihr meint, der Fall sei klar? Wir werden sehen - ich habe in dieser Hinsicht schon viele Überraschungen erlebt...
Und notfalls kriegt mehr als einer eine ausführliche Rezension.

 

Mittwoch, 20. April 2022

Dancing With Crime (UK, 1947)

 


Manchmal macht es Spass, einen völlig unbekannten oder vergessenen Film zu entdecken. Dieser hier, ein britischer Nachkriegs-Krimi, war im deutschsprachigen Raum nie zu sehen. Es ist kein Film, den ich empfehlen würde, aber er ist kurzweilig genug für einen unterhaltsamen Filmabend - und der beste Film, den ich in den letzten Tagen und Wochen zu sehen bekam.
Richard Attenborough spielt einen jungen Taxifahrer, der die Leiche seines zwielichtigen Army-Kumpels findet und der darauf zusammen mit seiner Freundin (Sheila Sim, Attenboroughs Ehefrau) den Mord aufklärt.
Gut gespielt, atmosphärisch dicht und mit einigen schlauen Wendungen, vermag der von John Paddy Carstairs inszenierte und von Brock Williams geschriebene Streifen auch heute noch gut zu unterhalten.
Dancing With Crime ist ein respektabler Streifen, insgesamt allerdings etwas gar harmlos und zum Schluss leider etwas simpel in der Auflösung.
Von diesem Film existiert eine sehr gute englische DVD-Edition von Simply Media.
Man kann ihn - in der Originalversion - aber auch (in hervorragender Bildqualität)  bei youtube anschauen.
 

Ab dem nächsten Post geht es hier wie folgt weiter:
Ich wähle vier Filme, die ich mir ansehe - und der beste der vier bekommt eine ausführliche Rezension.
Folgene Filme stehen auf meiner Liste:
Mary Stevens M.D. (1932)
Casablanca (1941)

Schrei der Grossstadt (Cry of the City, 1948)
Rush Hour (1998)
Ihr meint, der Fall sei klar? Wir werden sehen - ich habe in dieser Hinsicht schon viele Überraschungen erlebt...
Und notfalls kriegt mehr als einer eine ausführliche Rezension.

For the record:
Bevor ich auf der Suche nach einem rezensionswürdigen Film bei Dancing With Crime hängen geblieben bin, habe ich folgende Filme ausprobiert:  

The Adam Project (2022)
Auf der Suche nach seiner mutmasslich verstorbenen Freundin landet ein Pilot aus der Zukunft (Ryan Reynolds) im Jahre 2022, wo er sich selbst begegnet und mit Hilfe seines Kinder-Selbst einige Zeit-Weichen anders zu stellen versucht.
Klingt interessant, doch Shawn Lewis Film ist leider ziemlich missraten. Er wirkt, als hätte jeder der vier beteiligten Drehbuchautoren - alle unterschiedlich talentiert - an je einem Teilstück gearbeitet und diese seien danach in Eile zusammengebebbt worden. 
Da gibt es dümmliche Crash-Sequenzen neben sehr berührenden Momenten. Die Inkohärenz des Handlungsverlaufs nervt und die pausenlose Zitiererei anderer Science-Fiction-Filme ebenso. Die Witze zünden in den seltensten Fällen.
Lieb- und sinnloser Science-Fiction-Abklatsch, der wohl nur den schnellen Reibach im Blick hatte...

Die Gangster-Gang (The Bad Guys, 2022)
Der neuste (Computer-)Animationsfilm von Dreamworks ist eine durchwachsene Sache: Laut, hektisch, mit wenig Zwischentönen, die im Action-Getöse und der permanenten, hyperaktiv-nervigen Grimassiererei der animierten Viecher praktisch untergehen.
Es geht um eine Bande böser Buben (pardon: Tiere), die zum Schein gut werden wollen und zu diesem Zweck vom Obergutmensch (pardon: -tier) Professor Marmelade umerzogen werden sollen. The Bad Guys laviert zwischen den Polen "gut" und "böse", betrachtet sie von allen Seiten, ohne jedoch zu einem vernünftigen Schluss zu kommen. Im Gegenteil: In der finalen halben Stunde geht alles mit ziemlich behämmerten Wendungen den Bach 'runter.
Ein Film für die Kids, die nicht nach Hintergrund, Sinn, Zweck und dramturgischen Kniffen fragen, sondern sich einfach anderthalb Stunden zudröhnen lassen wollen.

Gosford Park (2001)
Dieser Film von Robert Altman ist der Vorläufer und die Inspiration der Serie Downton Abbey. Drehbuchautor Julian Fellowes wirkte bei beiden mit, die Idee und die Struktur stammen aber von Altman und dem Schauspieler Bob Balaban.
Obwohl Gosford Park fast zweieinhalb Stunden dauert, wird deutlich, dass der Stoff in der Serie besser untergebracht ist: Der Film wirkt gehetzt, der Inhalt verknappt bis an die Grenze der Auffassungsgabe, bisweilen laufen zwei Handlungen gleichzeitig im Bild ab, mit sich überlappenden Dialogen. Das ist zwar Altmans Markenzeichen, in anderen Werken funktioniert das durchaus, aber hier verliert man vor lauter Namen, Titeln und Gesichtern den Überblick.
Die Charaktere scheinen die Macher nicht zu interessieren - der Grund liegt wohl in erster Linie darin, dass für eine Vertiefung aufgrund der schieren Übervölkerung mit wichtigen Personen schlicht keine Zeit war; dabei lastet auf den Charakteren das ganze Gewicht dieses praktisch handlunglosen Films.
Die von Anfang an intendierte Gesellschaftskritik wirkt bemüht und herbeikonstruiert, auch sie bleibt an der Oberfläche, was sie umso ärgerlicher macht.
Gosford Park ist aus den genannten Gründen eines der schwächsten Werke, das ich vom von mir sonst sehr geschätzten Robert Altman kenne.

Das Böse kommt auf leisen Sohlen (Something Wicked this Way Comes, 1983)
Von Ray Bradburys gleichnamigem Roman war ich als Jugendlicher total begeistert, und als ich Anfangs der Achzigerjahre hörte, dass er verfilmt wird - nach einem von Bradbury selbst verfassten Drehbuch - beschloss ich: Den Film muss ich sehen!
Dazu kam es allerdings erst jetzt, denn Jack Claytons Verfilmung lief nie in den deutschsprachigen Kinos.
Um es kurz zu machen: Ich bin von dem Film bitter enttäuscht! Natürlich ist es schwierig, Bradburys zwischen Poesie und Horror angesiedelte Stimmung aufs bewegte Bild zu übertragen. Aber hier wurde dabei derart gestümpert und mit darart vielen Fehlbesetzungen gearbeitet, dass ich mich über die vielen guten Bewertungen bei imdb nur wundern kann.
Bradbury in Ehren, aber Drehbücher waren wohl nicht sein Ding. Oder aber die zahlreichen Änderungen, die das Disney-Studio am Film vornahm, sind schuld an der eiernden Dramaturgie. Weder Clayton noch Bradbury sollen zuletzt mit dem Resultat zufrieden gewesen sein.

Die Bären sind los (The Bad News Bears, 1976)
Walter Matthau als mieser Coach einer miesen Knaben-Baseball-Mannschaft... Den Reiz dieses Films schnalle ich leider nicht. Wer will denn 100 Minuten lang naseweis nölenden Kindern zuschauen, die ihren abgewrackten Trainer (und die Zuschauer) nerven?
Zudem habe ich das Spiel Baseball noch nie verstanden (nicht, dass es mich die Bohne interessieren würde!) und somit bekam ich auch einen Grossteil der Anspielungen und Witze in diesem vielgelobten Streifen nicht mit. Ich fand ihn nur lang, langatmig und belanglos...

König der Könige (King of Kings, 1961)
Der Jesus-Film, den ich schon lange mal sehen wollte. Doch oh weh! Was für ein pompöser Schinken! Grässlich!
Zu seiner Zeit dank seiner politischen Optik bestimmt was ganz Neues auf dem Sektor Bibelfilm... Aber heute? Judäa made in Hollywood - das ist heute kaum mehr auszuhalten.
Tolle Bilder, das gestehe ich zu, aber viiiiel zu lang!

Das Messer im Wasser (Nóz w wodzie, 1961)
"Erzähl' mir eine gute Geschichte - und fessle mich damit!" - Das ist mein Anspruch an jeden Film.
Kunsthandwerk, Originalität, Regieführung, Schauspiel... das ist mir alles zweitrangig.
Roman Polanskis erster, in Polen entstandener abendfüllender Spielfilm erfüllt meine zentrale Anforderung nicht.
Ich muss Das Messer im Wasser nicht gut finden, weil er wichtig und bedeutsam ist; ich bin weder Filmhistoriker noch Filmwissenschaftler - ich schaue Filme zu meinem Vergnügen.
Dieser hat mir kein Vergnügen bereitet. Er ist strunzlangweilig. Wenn wenigstens die Figuren plastisch und fassbar gezeichnet wären, aber es ist alles absichtlich nebulös gehalten.
Ok, nennt mich einen Banausen - es ist mir völlig egal!

Das Dschungelbuch (The Jungle Book, 1942)
Die berühmte Live-Action-Verfilmung Zoltan Kordas von Kiplings gefeiertem Roman vermochte dem Lauf der Zeit leider nicht Stand zu halten. Er wirkt trotz seiner bisweilen grandiosen Bilder und dem fantastischen Production Design verstaubt. Das hat vor allem mit der Erzählweise zu tun (durch schlechten Schnitt vorgegaukelte Tier- und Menscheninteraktion, behäbige Voice-Over-Narration); die braun angemalten, "ausländisch" radebrechenden weissen Schauspieler, die hier als Inder durchgehen sollen, wirken zudem störend und lächerlich.
Damals mag der Film gefeiert worden sein, heute ist  er kaum mehr geniessbar.

Dienstag, 12. April 2022

Der Mann aus Laramie (The Man from Laramie, 1955)


Stärkste Eindrücke:
- James Stewart! In diesem Film zeigt sich deutlich, was für ein fantastischer Schauspieler er war, noch besser, als ich bislang gedacht hatte! In der Rolle des einsamen, abgehärteten Westerners zeigt er - vollkommen überzeugend - ein komplett anderes Gesicht als jenes, das man aus seinen vielen leichteren Filmen kennt.
- Sämtliche Co-Schauspieler in diesem Film sind ebenfalls hervorragend - ausser Cathy O'Donnell, die aber zum Glück nur wenige Auftritte hat.
- Die Einbettung der Handlung in spektakuläre Landschaftsbilder ergibt zum Teil atemberaubende Sequenzen (Kamera: Charles Lang).
- Der Titelsong ist grottenschlecht, der Text richtiggehend lächerlich.

Ein Mann - genauer: derjenige aus Laramie - kommt auf der Suche nach dem Mörder seines Bruders in eine Kleinstadt in New Mexico. Dort führt der Rancher Alec Waggoman (Donald Crisp) das Regime und eh' der "Mann aus Laramie" (James Stewart) sich's versieht, ist er in die mörderischen Händel von dessen Familie verwickelt. Waggomans Sohn Dave (Alex Nicol) ist ein frei herumlaufender und vor allem -schiessender Irrer, der vom im Dorf allmächtigen Vater protegiert wird.

Oft wird im Zusammenhang mit den Western dieses Regisseurs (Anthony Mann) angeführt, sie würden sich an Shakespeares Dramen orientieren, dieser Film insbesondere an King Lear. Ich wage dies stark zu bezweifeln - da haben die Kritiker mal wieder voneinander abgeschrieben. Dahinter steht die Einstellung europäischer Kritiker, der Hollywoodfilm per se sei nichts wert und könne nur im Zusammenhang mit europäischen kulturellen Errungenschaften etwas gelten.
Ich sehe, wenn überhaupt ein Vorbild ausgemacht werden muss,
viel eher ein Echo auf die Dramen des Tennessee Williams darin, dessen überdimensionierte Vaterfiguren und deren halbwahnsinnige Söhne zur Zeit des Filmdrehs in den amerikanischen Theatern und Kinos gerade Furore machten.
Alec und Dave Waggoman könnten direkt einem von Williams' Stücken entsprungen sein: Der Übervater und sein degenerierter, verhätschelter und gewalttätiger Sohn.

The Man from Laramie hat aber eigentlich keine Vergleiche nötig. Der Film steht für sich allein, und da steht er ganz gut. Solide und sicher.
Diese letzte Zusammenarbeit zwischen Anthony Mann und James Stewart gehört zu den besten Western, die ich kenne. Die Charaktere werden sorgfältig entwickelt, sie bleiben lebendig, nicht zuletzt dank einer hervorragenden Schauspieler-Truppe (zu der auch Arthur Kennedy als eifersüchtiger Waggoman-Vertrauter und Aline MacMahon als hemdsärmlige Nachbars-Rancherin gehört).
Das Drehbuch von Philip Yordan & Frank Burt ist neben den Schauspielern wohl das stärkste Element des Streifens: Es lässt die Handlung als logischen Ablauf erscheinen, der sich aus den Reaktionen und Interaktionen der Charaktere ergibt: Stimmig, zwingend und unausweichlich.

So nimmt einen dieser Western von Beginn weg gefangen und lässt einen auch hinterher eine Weile nicht mehr los.
Da ich Western nicht zu meinen Lieblingsgenres zähle und ihnen in der Regel eher kritisch gegenüberstehe, darf ich wohl sagen, The Man from Laramie bereite auch Western-Muffeln schönsten Film-Genuss. 

Der Film kann als Der Mann aus Laramie im deutschsprachigen Raum auf Blu-ray bezogen werden (die DVD ist inzwischen ausverkauft). Bei einigen Anbietern kann er auch online geschaut werden.


For the record:

Bevor ich auf der Suche nach einem rezensionswürdigen Film bei The Man from Laramie hängen geblieben bin, habe ich folgenden Film ausprobiert:  

Bernie (2011)
Mit diesem von Richard Linklater geschriebenen und inszenierten Film konnte ich rein gar nix anfangen!
Es geht um einen Leichenbestatter (Jack Black), der sich in einer texanischen Kleinsatadt einnistet und die Gunst der älteren Einwohner und vor allem einer verhärteten Witwe (Shirley MacLaine) gewinnt.
Black spielt seine Rolle so, als sei er ein Betrüger und seine Bigotterie ist derart triefend, dass einem dabei übel werden könnte. Man weiss nicht, handelt es sich hier um eine Satire oder nicht. Soll dieser Bernie nun ein Sonnenschein sein oder ein Zyniker? Die Position des Filmemachers ist völlig undurchsichtig, so dass mir die Freude ziemlich bald verging und ich mich mit der Zeit gar verschaukelt fühlte. Das war dann das Aus für Bernie - auf halbem Weg.

Sonntag, 10. April 2022

Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse (The Amazing Dr. Clitterhouse, 1938)

Ein renommierter Arzt der feinen Gesellschaft (Edward G. Robinson) arbeitet an einem Buch, das einem Standardwerk für Kriminologen werden soll und das sich mit den Persönlichkeitsveränderungen befasst, welche das Ausüben von Verbrechen auf den Menschen zur Folge hat. Zu Forschungszwecken beginnt dieser Arzt als Selbstversuch, Verbrechen zu begehen. Wie das Leben so spielt, gerät er an eine Verbrecherbande, als deren Kopf er bald fungiert - sehr zum Unmut von deren Möchtegern-Anführer "Rocks" (Humphrey Bogart)...

Imdb.com listet den Film auf seiner Seite unter "Crime" und "Drama". Es gibt aber so deutliche komödiantische Elemente, dass man Dr. Clitterhouse durchaus auch als Komödie bezeichnen könnte - so besteht etwa die von Doktor Clitterhouse angeleitete Gaunerbande aus lauter treuherzigen Doofköppen, ähnlich der Gangster in Frank Capras Die unteren Zehntausend. Der gebildet daherredende Doktor inmitten der im Gossen-Slang daherredenden Gorillas ergibt einen zusätzlichen, unglaublich witzigen Kontrast.
Und die abschliessende Gerichtsverhandlung hat auch heute noch als sarkastischer Kommentar auf die Praktiken einer parteiischen Gerichtsbarkeit Bestand.

Bei diesem von Anatole Litvak inszenierten Film stimmt von der Regie übers Drehbuch (John Wexley und John Huston) bis zu den schauspielerischen Leistungen alles: Edward G. Robinson überzeugt auf ganzer Länge als feinsinniger Upper-Class-Arzt mit leicht irrem Einschlag (eine fürs damalige Publikum überraschende Rolle, die seinem etablierten Gangster-Image diametral entgegenlief). Claire Trevor als Gangsterbraut und Anführerin der Bande überzeugt mit ihrem Standard-Repertoire genauso wie Humphrey Bogart als Robinsons gefährlicher, lauernder Gegenspieler.

The Amazing Doktor Clitterhouse macht dank immer neuer Wendungen und einer aussergewöhlichen Ausgangslage richtig Spass.
Er kann bei Amazon prime video und AppleTV als Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse online geschaut werden. Die deutsche DVD ist vergriffen.

For the record:
Bevor ich auf der Suche nach einem rezensionswürdigen Film bei Dr. Clitterhouse hängen geblieben bin, habe ich folgende Filme ausprobiert: 

Verflucht, verdammt und Halleluja (E poi lo chiamarono il magnifico, Italien 1972)
Was für ein poetischer Deutscher Titel...!
Etwa ähnlich grobschlächtig ist die Regie dieses komödiantischen Terence Hill-Western, ebenso die englische Nachsynchronisation. Zum grössten Teil von schlechten Schauspielern ausgeführte zähflüssige Klamotte mit ein paar durchaus witzigen Sequenzen. Verstaubt - nur für Fans der "Spaghetti-Western" zu empfehlen... 

Das Dschungelbuch (The Jungle Book, 1967)
Der letzte abendfüllende Zeichentrickfilm, den Walt Disney noch selbst überwacht hatte (die Premiere erlebte er allerdings schon nicht mehr) gilt vielen als sein bester. Mir nicht.
Bezüglich der Qualität der Animation kann man durchaus von höchster Meisterschaft sprechen: Es ist schier unglaublich, wie flüssig und überzeugend sich die gezeichneten Figuren bewegen. Auch die Hintergründe sind herrlich anzuschauen.
Der zeichnerischen Meisterschaft steht leider eine enttäuschende, träge und holprige Dramaturgie entgegen, welche keinen Spannungsbogen richtig auszuführen vermag und die Erzählung immer wieder mit unnötigem, mehr oder minder komischen Episoden und Songs unterbricht und verlangsamt, und dadurch das Interesse an den Charakteren einschlafen lässt.

Königliche Hochzeit (Royal Wedding, 1951)
Fred Astaire und Jane Powell als tanzendes Geschwisterpaar in einem beschwingten MGM-Musical von Stanley Donen.
Da die Handlung aus gleich zwei Reissbrett-Liebesgeschichten besteht, wird sie schnell öd und langweilig. In diesem Fall bringen die ständigen Unterbrechungen durch
Tanznummern die Rettung, denn diese sind grösstenteils hoch originell, einfallsreich und witzig - wie etwa Astaires berühmter Tanz an den Wänden und der Decke eines Hotelzimmers oder die gestörte Tanzroutine an Bord eines schaukelnden Schiffs in stürmischer See.
Der gelungene, innovative Musicalteil lässt die Handlungdramaturgie allerdings nur noch älter aussehen, als sie es tatächlich ist.

Freitag, 8. April 2022

Mütter und Töchter (Mother and Child, 2009)


Die verbitterte mittelalterliche Pflegerin Karen (Annette Bening) wohnt im Haus ihrer betagten Mutter, pflegt diese bis zu ihrem plötzlichen Tod und geht danach zaghaft eine Beziehung mit ihrem Arbeitskollegen Paco (Jimmy Smits) ein.

Die smarte junge Anwältin Elizabeth (Naomi Watts) verzichtet auf ihrem rasanten Weg nach ganz oben auf zeitraubende emotionale Bindungen und erwartet nach einigen kurzen Affären ein Kind.
Die junge Lucy (Kerry Washington) möchte ein Kind adoptieren und lässt sich auf eine nervenaufreibende Verhandlung mit einem schwangeren Teenager (Shareeka Epps) ein.

Diese Film-Nacherzählung klingt lapidar und zunächst einmal alles andere als interessant. Ein Filmemacher mit Talent und Gespür für Zwischentöne kann allerdings etwas daraus machen. Rodrigo García ist so ein Filmemacher! Je länger Mother and Child dauert, desto packender wird die Erzählung, desto mehr Interesse weckt er mit geschickt platzierten erzählerischen Details für seine drei Hauptfiguren. Plötzlich werden Zusammenhänge erahnbar, welche die drei Einzelschicksale verbinden. Irgendwann wird deutlich, was das gemeinsame Thema der drei Geschichten ist - und dass diese sich auf einander zu bewegen.

Mich hat dieser Film in Staunen versetzt. Mit so wenig Mitteln lässt sich grosses Kino machen. Es braucht ein gutes Skript, einen guten Regisseur und gute Schauspieler. Alle drei Komponenten verschmelzen hier zu einem Ensemblestück von seltener Feinheit, von schlichter Schönheit und anrührender Menschlichkeit.
García enthüllt zunächst nur wenig von seinen emotional scheinbar vertrockneten Hauptprotagonisten Karen und Elizabeth. Doch je länger der Film dauert, desto deutlicher treten ihre Hintergründe zu Tage und desto verständlicher werden ihre seltsamen Verhaltensweisen.

Wie die drei Frauenschicksale zusammenhängen, das soll hier nicht verraten werden. Mother and Child ist zur gleichen Zeit ein stiller, melancholischer Film und eine emotionale Achterbahnfahrt, traurig und hoffnungsvoll, mit einem wunderschönen Schluss. Eigentlich ein unmöglicher Film.
Umso schöner, dass sowas entgegen aller Logik und Erwartung auf solch hohem Niveau möglich ist.

Garcías Film ist bei uns als Mütter und Töcher auf Blu-ray und DVD erschienen. Einige Anbieter führen ihn auch in ihrem Online-Sortiment.

Sonntag, 3. April 2022

Jurassic Park (1993)


In Bezug auf Haltbarkeit gibt es drei Arten von Filmen: Solche, die schlecht altern (die Mehrzahl), jene, die trotz ihre Alters frisch und knackig bleiben und solche, deren Zeit erst später kommt (einige ganz wenige).
Steven Spielbergs Jurassic Park kann zu den letzten beiden Gattung gezählt werden. Er erzählt von den Gefahren biologischer Forschung und deren Ergebnissen. 

Im geheimen Biolabor des reichen Briten John Hammond (Richard Attenborough) ist es Forschern gelungen, eine ausgestorbene Lebensform durch klonen wieder zum Leben zu erwecken. Doch das ist Hammond nicht genug. Er will die Errungenschaft seiner Wissenschaftler in einem "Amusement Park" zugänglich machen. Dieser heisst "Jurassic Park" und will wiedererweckte Dinosaurier gegen Eintrittsgeld zur Schau stellen. 

Damit nahm sich der Film (und vor ihm Michael Crichtons Buchvorlage) warnend zwei bereits 1993 vorhandene problematische gesellschaftliche und wissenschaftlichen Tendenzen vor: Verantwortungsloses Herumbasteln an den Grundbausteinen der Schöpfung und blinde Vergnügungssucht. Beide haben sich inzwischen, mit Ausbruch des künstlich gezüchteten Covid-Virus, als fatal erwiesen.
Dass Covid in einem biologischen Forschungslabor in Wuhan "designt" wurde, steht heute zwar zu 99% fest, doch eine mit Brot und Spielen blöd und willfährig gehaltene Mehrheit lässt sich von Anthony Fauci
und Christian Drosten im Verbund mit den staatlich finanzierten und gesteuerten Medien noch immer den Bären mit den Fledermäusen aufbinden und erzählen, Wuhan sei eine "Verschwörungstheorie".

In Spielbergs Film (Drehbuch von Michael Crichton selbst, ergänzt von David Koepp) sind die gezüchteten Viecher zwar ungleich grösser als die heutige Menschheitsbedrohung aus dem Biolabor, doch die Gefahr bleibt dieselbe. Wie Dr. Malcolm (Jeff Goldblum) an einer Stelle im Film zu bedenken gibt: Es war von der Schöpfung nicht gedacht, dass Menschen und Dinosaurier zusammen existieren - und das hatte gute Gründe.

Jurassic Park führt denn auch anschaulich vor Augen, weshalb: Für die paar Besucher, denen Hammond seinen Park vor der Eröffnung vorführen möchte, wird der Aufenthalt wegen eines Stromausfalls zum Alptraum. Die plötzlich frei gekommenen Biester stellen punkto Fressgier, List und Masse alles in den Schatten, was der Mensch zu bewältigen im Stande ist. Mit anderen Worten: Er hat keine Chance.
Den Hauptpersonen (zwei Paläontologen, ein Chaostheoretiker und zwei Kinder) geschieht zwar dank eines mit vielen gütigen Vorsehungen gespickten Drehbuchs nichts, doch das anschliessende Happy End täuscht: Auf der Insel laufen noch immer raubgierige Raptoren frei herum - und dann sind da noch die Saurier-Embryonen, welche ein geldgieriger Mitarbeiter nach draussen schmuggeln und für teures Geld verhökern wollte. Auf der Flucht fiel ihm der Behälter mit den eisgekühlten Embryonen irgendwo auf der Insel in den Schlamm, wo sie sich in der Folge unentdeckt und in aller Ruhe zu wüsten Überraschungen für die Menschheit entwickeln und vermehren können...

Vieles vom Drehbuch ist sehr schön konzipiert, so etwa die menschliche Entsprechung der fressgierigen Carnivoren im geldgierigen Mitarbeiter. Der Umstand, dass der wissenschaftliche Machbarkeitswahn nicht bösen Gedanken sondern der Naivität und der Showbusiness-Mentalität des kindlichen Parkbesitzers entspringt, ermöglicht zudem eine ironische Note, mit der sich der Film und seine Macher selbst aufs Korn nehmen.

Doch leider ist das Drehbuch - oder zumindest Teile davon - auch der Schwachpunkt dieses brilliant inszenierten Films. Die Figuren sind flach und eindimensional, einige thematische Aspekte wirken unausgereift und die Erzählung holpert an einigen Stellen.
Angesichts der hervorragenden Spannungsdramaturgie, der brillianten Regieeinfälle und der Aktualität, die Jurassic Park in zunehmendem Masse hat, sind das aber eher vernachlässigbare Aspekte.

Der Film ist auf DVD und Blu-ray erhältlich, zudem haben ihn zahlreiche Online-Anbieter im Sortiment.

For the record:
Bevor ich auf der Suche nach einem rezensionswürdigen Film bei Jurassic Park hängen geblieben bin, habe ich es mit folgenden Filmen erfolglos versucht:  

Kirschblüten - Hanami (Deutschland, 2008)
Doris Dörries Film über ein altes Ehepaar (Elmar Wepper und Hannelore Elsner) kracht nach einer annehmbaren ersten Hälfte komplett in sich zusammen. Die erste Hälfte imitiert Jim Jarmush, der zweite Teil (der in Japan spielt) ist peinlich bis über die Schmerzgrenze. Die Japan-Reise, die Rudi seiner Frau jahrzehntelang versagt hat, unternimmt er nach deren Tod alleine - eine Ungeheuerlichkeit. Und dabei versucht der Film auch noch, auf die Tränendrüse zu drücken. Zum davonlaufen!

Ernst sein ist alles (The Importance of Being Earnest, 2002)
Bla bla bla... Kinoadaptionen von Theaterstücken sind oft allzu geschwätzig. Grosse Theaterstücke lassen sich zudem nur selten erfolgreich auf Kinoformat zusammenstutzen - vor allem dann nicht, wenn man sich ihnen mit übertriebenem Respekt nähert.
Diese Umsetzung von Oliver Parker ist nett, aber trotz guter Schauspielerinnen und Schauspieler nichtssagend.

Quigley, der Australier (Quigley Down Under, 1990)
Wie originell (gähn): Altbekannte Western-Versatzstücke werden in diesem Film nach Australien verschoben, die ausgebeuteten Indianer mit ausgebeuteten Aborigines ersetzt und fertig ist ein Western, der ausser der australischen Landschaft nichts Neues bringt. Der Fokus auf unterdrückte Ureinwohner ist zwar lobenswert, aber die richtige Haltung allein hat noch nie einen guten Film gemacht...

Mission (The Mission, 1986)
Das Wiedersehen mit diesem gefeierten und hoch dekorierten Film, 36 Jahre nachdem ich ihn das erste Mal gesehen hatte, hinterliess genau denselben Eindruck wie damals: Ein visuell eindrucksvolles, vordergründiges, artifiziell aufgeblasenes Geschichtsepos, das trotz wahrem Hintergrund in dieser Form unglaubwürdig wirkt und mit viel Schwulst gewaltig nervt. Gute Schauspieler, mittelmässige Regie, schlechtes Drehbuch.

Die Müssiggänger (I Vitelloni, Italien 1953)
Ein Zeitbild aus dem Italien der 50er-Jähre um eine Gruppe Männer, die dem Müssiggang frönen. Federico Fellinis erste Filmregie.
Sehr gut inszeniert, aber: So what?! Was hat uns der Film heute zu sagen? Hmm...
Wer unbedingt will, soll sich ruhig mit dem Problem "junge verantwortungsscheue Männer im Italien der Nachkriegszeit" befassen. Mich kümmern heutige Dinge stärker: Krieg, Covid, staatlich verursachter Energiemangel, gesellschaftliche Spaltung, das Verschwinden der Demokratie in europäischen Staaten, Klimawandel...
Muss ich noch mehr sagen?

Der schwarze Spiegel (The Dark Mirror, 1946)
Olivia De Havilland in einer Doppelrolle als Zwillingsschwestern - dafür wurde sie gefeiert. Der Film enttäuscht allerdings: Nach einem interessanten Start ergeht er sich in ernst gemeintem laienpsychologischem Quark, der damals möglicherweise solide wirkte, heutigen Erkenntnissen aber nicht stand hält.
Schauspielerisch eindrucksvoll, aber effekthascherisch. Je länger der Film dauert, desto unglaubhafter wird er.

Die Frau mit der Narbe / Erpressung (A Woman's Face, 1941)
Joan Crawford mit von schlecht drapiertem Make-Up verunstaltetem Gesicht t
ritt hier als Erpresserin auf, die geläutert wird. Der von George Cukor bildnerisch toll gestaltete Film verschenkt sein Potential an eine umständliche und ermüdende, in Rückblenden und mit permanent wechselnder Szenerie operierende Erzählstruktur. Nach 20 Filmminuten tappt man über die Handlung noch immer im Dunkeln. Die mit grösstmöglicher emotionaler Distanz gezeichneten Charaktere erstickten mein permanent absterbendes Interesse vollends.

Show Boat (1936)
Die erste Filmversion des berühmten Musicals stammt von... James Whale (Frankenstein, The Old Dark House)!
Hervorragend inszeniert, doch der Film funktioniert hetue kaum mehr, er ist komplett veraltet,
obwohl er damals mit den in eine Handlung integrierten Songs Neuland betrat. Die singenden Schauspieler wirken aus heutiger Sicht steif und deplatziert.

Bernhard und Bianca - Die Mäusepolizei (The Rescuers, 1977)

Regie: Art Stevens, John Lounsbery, Wolfgang Reitherman Drehbuch: Ken Anderson, Larry Clemmens, frank Thomas u.a. Stimmen von Eva Gabor, Bo...